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Full text of "Beihefte zum Zentralblatt fuer Bibliothekswesen 46"

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Die ' 

altfranzösischen Handschriften 

der Palatina 



Ein Beitrag zur Geschichte der Heidelberger Büchersammlungen 
und zur Kenntnis der älteren französischen Literatur 



von 



Dr. Karl Christ 

Bibliothekar an der Kgl. Bibliothek in Berlin 



XLVI. Beiheft zum Zentralblatt für Bibliothekswesen 



s 



Leipzij 

Otto Hurrasso w i tz 
1916 



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I Original from 

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Vorwort 



Arbeiten im Auftrage der Deutschen Kommission der Berliner 
Akademie, die eine ernente Durchsicht der vatikanischen Handschriften 
auf literarische Texte des deutschen Mittelalters zur Aufgabe hatten. 
führten mich zu einer eingehenden Beschäftigung mit den Handschriften 
der Bibliotheca Palatina des Vatikans. Zwar waren die deutschen 
Bestände, die einst einen besonderen Teil der palatinischen Bibliothek 
gebildet hatten, 1816 in ihre alte Heimat zurückgekehrt, aber die in 
Rom zurückgebliebenen Palatini latini, welche neben den lateinischen 
Texten in den Sammelbänden noch manches Nationalsprachliche ent- 
halten, versprachen nach Karl Zangemeiaters Fund der altsächsischen 
Genesis 1 ) weitere Ausbeute, wenn man sich nicht mit der Nachprüfung 
der meist nur auf das Wichtigste sich beschränkenden Angaben des 
im XVII. Jahrhundert verfaßten Inventars begnügte, sondern die Hand- 
schriften selbst auf zerstreute deutsche Stücke durchsah. *) Diese 
Forschungen glaubte ich aussichtsvoller gestalten zu können, indem 
ich auch die romanischen Handschriften in den Kreis meiner Auf- 
merksamkeit zog und für die (Jeschichte der alten heidelberger 
Bibliotheken neue Quellen zu erschließen suchte. Für die altfranzösische 
Literatur schienen die Aussichten am wenigsten lockend zu sein. Ver- 
gebens sucht man französische Handschriften der Palatina in dem 
Inventar der altfranzösischen und provenzalischen Handschriften Roms, 
dasErnestLanglois 1889 als einen stattlichen Band derNotices et Kxtraits 
des Mannscrits veröffentlichte. Aber auch hier schien das letzte Wort 
noch nicht gesprochen zu sein. Sollten wirklich die drei französischen 



') Neue Heidelberger Jahrbücher IV (»894) 205 ff. 

*) Mit den Palatini latini des Vatikans beschäftigt sich bereits der Anhang 
„Deutsches in den Codices Palatioi latiui der Vaticana" zu Karl Bartsch» 
Kat&log der altdeutschen Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Heidel- 
berg (Heidelberg 1887) S. 182—19?, erschöpfend indessen nur soweit die den 
ersten Teil des alten Inventars ersetzende Katalogisierung von Henricus 
Stevenson und J. B. de Rossi, Codices Palatini latini Bibliotnecae Vaticanae 
descripti. T. 1. Romae 1886, reichte (Pal. lat. 1 — 921) und Hinweise auf 
deutsche Fragmente bot 



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Handschriften , die 1816 nach Heidelberg zurückgekommen waren, 
die einzigen sein, die an dem französischer Kultur so zugänglichen 
pfälzer Hofe im Laufe von mehreren Jahrhunderten gesammelt, welche 
die an nationalsprachlicher Literatur so reiche Bibliotheca Palatina 
besessen hatte? Graf Durrieus Veröffentlichung Ober die Boccaccio- 
Übersetzung Laurente de Premierfait in der Palatina 1 ) hatte erst in 
jüngster Zeit den bekannten Handschriften eine neue, wichtige hinzu- 
gefügt und schien ein Beweis dafür, daß Ueberraschungen noch 
bevorstehen könnten. Meine Vermutung, daß die Zahl der altfranzö- 
sischen Handschriften Heidelbergs erheblich größer gewesen sei, wurde 
zur Gewißheit, als ich, der Geschichte der Palatina und besonders der 
deutschen Handschriften nachgehend, die alten Inventare der heidel- 
berger Bibliothekare durchsah. Dort waren freilich viel mehr französische 
Handschriften verzeichnet, als man kannte, und die Hoffnung, sie in 
der Vaticana zu finden, wurde bestärkt durch das Tagebuch des Maillot 
de la Treille, auf das mich eine Abhandlung Ludwig Rockingers*) zuerst 
aufmerksam gemacht hatte. Meine Erwartung erfüllte sich endlich in 
der schönsten Weise, als die letzten Handschriften der Palatina durch 
meine Hände gingen: hier hatte ich die Freude, vierundzwanzig völlig 
unbekannte französische Handschriften zu finden, dieselben, die mir 
schon längst ihrem Inhalt nach aus den alten Verzeichnissen bekannt 
waren. 

Diesen Fund unter Heranziehung der bekannten Handschriften zum 
Gegenstand einer Monographie zu machen, schien mir eine lohnende 
Aufgabe. Nicht nur lockte .mich die Bestimmung der Denkmäler und 
die fortschreitende Erkenntnis ihrer Bedeutung für die altfranzösische 
Philologie: ein kleiner, in sich abgeschlossener, leicht überschaubarer 
Fonds, ein Dokument reger literarischer Beziehungen zweier Länder, 
ein neuer Beweis für die Vielseitigkeit des Sammeleifers und die 
geistigen Interessen der pfälzischen Witteisbacher auf einem bisher 
kaum beachteten Gebiete war hier gegeben, seine Entstehung und 
seine Schicksale zu verfolgen, schien mir für die Geschichte der 
berühmtesten Bibliothek Deutschlands und der deutschen Bildung 
überhaupt gewinnbringend. 

Die Anregung zu der vorliegenden Untersuchung, die Möglichkeit 
ihrer Ausführung verdanke ich einer mehrjährigen Beurlaubung 
aus dem preußischen Bibliotheksdienst an das Preußische Historische 
Institut in Rom. Neben meiner amtlichen Tätigkeit als Bibliothekar 
des Instituts fand ich Zeit, wissenschaftlichen Neigungen nach- 
zugehen und die ausgezeichnete Gelegenheit, welche die vatikanische 
Bibliothek für handschriftliche Studien bot, zu nutzen. Ehrerbietigen 
Dank schulde ich dem früheren Präfekten der Vaticana, Herrn P. 



1 ) Academie des inscriptions et bellea-lettres. Comptes rendus. Paris 1909. 
S. 342 ff. 

2 ) Die Pflege der Geschichte durch die Witteisbacher. Akad. Festschrift 
München [1677], S. 29 ff. 



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Franz Ehrle, dessen großes Entgegenkommen nicht nnr meine Arbeiten 
im Auftrage der Deutschen Kommission förderte, sondern auch eine 
eingehendere Beschäftigung mit den französischen Handschriften der 
Palatina gestattete. Den Abschluß der Arbeit, der in Deutschland 
erfolgte, hat die Universitätsbibliothek in Heidelberg in dankenswerter 
Weise erleichtert, indem sie mir die Einsicht ihrer altfranzösischen 
Handschriften in der Handschriftenabteilung der Königlichen Bibliothek 
in Berlin ermöglichte. 

Berlin, im Juni 1916. 

Karl Christ. 



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Inhaltsverzeichnis. 



Seito 
Vorwort in 

I. Zur Geschichte der alt französischen Handschriften 

der Palatina I 

IL Handschrift enbeschreibungen. 

1. Die Handschriften der Bibliotheca Palatina des Vatikans ... 31 

2. Die Handschriften der Universitätsbibliothek in Heidelberg . . 111 

III. Register. 

Verzeichnis der beschriebenen Handschriften, der Verfasser, der 
Schreiber and Miniatoren, der Besitzer , der Anfänge der im 
Pal. lat. 1994 enthaltenen Gedichte 118 



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I. Zur Geschichte der altfranzösischen 
Handschriften der Palatina. 



Die heidelbergcr Bibliotheken 1 ) besaßen, als die Wirren des 
dreißigjährigen Krieges sie der deutschen Heimat entfremdeten, ein- 
nnddreittig altfranzösische Handschriften, von denen achtnndzwanzig 
sicher erhalten sind. Ihr Inhalt mit mehr als fünfzig ganz oder 
bruchstückweise überlieferten Denkmälern bietet ein vielgestaltiges 
Bild französischen Schrifttums von der Höhe des Mittelalters 
bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts. 

Aus der älteren Zeit ist uns allerdings nur weniges, nur Bruch- 
stücke einer nationalen Heldendichtung, der Chanson de geste von 
Aspremont erhalten. Um so mannigfaltiger ist aber bereits die literarische 
Produktion der Zeit von 1150 bis 1250 vertreten: die Ausläufer der 
nationalen Epik mit Folque de Candie von Herbert le Duc, der 
Roman d'aventureB mit Partonopeus de Blois, Floire et Blancheflore 
(Fragm.), Amadas et Idoine (Fragm.), die Reimchronik mit Waces Brut 
d' Angleterre (Fragm.), die religiös-erzählende Dichtung mit den Miracles 
de Nostre Dame von Gautier de Coincy, der Prosaroman mit Tristan und 
Artus' Tod, die gelehrte Prosa endlich mit der Uebersetzung der Belli 
sacri historia des Wilhelm von Tyrus. In der Folgezeit bis zur Mitte des 

3 ) Von der umfangreichen Literatur über die heidelberger Palatina zitiere 
ich die folgenden öfters benutzten Werke abgekürzt, nur mit Nennung der 
Verfasser: 

Friedrich Wilken, Geschichte der Bildung, Beraubung und Vernichtung 
der alten Heidelbergischen Blichersammlungen. Heidelberg 1817. 

Augustin Theiner, Schenkung der heidelberger Bibliothek durch Maxi- 
milian I. an Papst Gregor XV. und Ihre Versendung nach Rom. München 1844. 

Ludwig Rockinger, Die Pflege der Geschichte durch die Witteisbacher. 
Akademische Festschrift. München 1877. 

Henricus Stevenson, Codices manuscripti palatini graeci Bibliothecae 
Vaticanae. Romae 1885. Praefatio. 

Katalog der Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Heidelberg. 
Bd. I: K. Bartsch, Die altdeutschen Handschriften. — Bd. II: J.Wille, 
Die deutschen pfälzer Handschriften des XVI. und XVII. Jahrhunderts. 
Heidelberg 1887—1903. 

Curzio Mazzi, Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg. Bologna 1893. 
(Estratto del Prop ugnatore, Nuova Serie Vol. IV, V.). 

Beiheft 46. 1 



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XIV. Jahrhunderts herrscht die geistliche Literatur vor. Der Manuel 
des p^ches des William de Wadington, Jean Chapuis' Sept articles 
de la foi (Fragm.) gehören der religiös-didaktischen Dichtung an. Für 
das Bestehen des geistlichen Dramas am Anfang des XIV. Jahrhunderts 
bietet ein Passions- und Auferstehungsspiel ein wichtiges Zeugnis. Ihm 
etwa gleichzeitig ist ein wertvolles, in Lothringen entstandenes Bibel- 
werk in Prosa, das ältere Texte verwertet, während eine Sammlung 
von Heiligenleben ihrer Entstehung nach noch in das XIII. Jahrhundert 
weist. Mit Guillaume de Digullevilles Pclerinage de la vie humaine ist 
die beliebteste Dichtung der religiös - allegorischen Epik erhalten. 
Die weltliche Literatur dagegen erscheint nur mit zwei Prosawerken 
medizinischen und didaktischen Inhalts, mit dem Regime du Corps 
Aldobrandins von Siena und Jean Dupins Livre de Mandevie. Die 
religiöse Prosa bleibt auch für die Zeit des ausgehenden Mittelalters 
(1350 — 1500) im Vordergrund. Neben dem Guy de Roye zugeschriebenen 
Doctrinal aux simples gens und zahlreicher theologischer Kleinliteratur 
begegnen besonders Uebersetzungen, wie die des Missales, von Seuses 
Horologium sapientiae, der Sprüche der Väter, Jean Goleins Ueb er- 
tragung der lateinischen Legende des Volto Santo di Lucca. Ihnen 
schließen sich Werke von verwandter Tendenz an: Jean Ferrons 
Livre des cchecs moralisch und der Livre de bonnes moeurs von 
Jacques le Grant. Daneben begegnet die weltliche Literatur der Höfe 
mit bekannten Namen: Christinen^ von Pisa Cite des dames und Kpitre 
de la deesse Othea, Alain Chartiers Livre des quatre dames und 
La Consolation des trois vertus, Laurents de Premierfait dem Herzog 
Johann von Berry gewidmete Uebersetzung von Boccaccios Dekameron. 
Um die Mitte des XV. Jahrhunderts treffen wir die Literaten des 
burgundischen Kreises: Martin Le Franc als Dichter des Champion des 
dames und Raoul Lefevre, den Verfasser des Recueil des histoires de 
Troie. Das Gebiet der Zeit- und Landesgeschichte behandelten die An- 
ciennes chroniques de Savoye. In das XVI. Jahrhundert führen nur 
zwei, aber wichtige Handschriften: die heitere Renaissancedichtung am 
Hofe Franz I. spricht aus einer Anthologie von Gedichten Clement Marots, 
Melius de St. Gelais und ihrer Freunde, der Ernst der Reformationszeit 
aus der Tragödie vom Untergang der Waldenser von Cabriere. 

Nicht nur der Inhalt der Handschriften machte diese Sammlung 
erlesen. Sie bekundete auch den erwählten Geschmack der Besitzer, 
ihren feinen Sinn für die Schönheit des Buches. Mehr als die Hälfte 
sind Pergamenthandschriften, die mit wenigen Ausnahmen durch ihre 
Größe, die sorgfältige Schrift und oft durch Reichtum des Buchschmuckes 
ausgezeichnet sind. Elf illuminierte Handschriften *) gestatten die 
Entwicklung der französischen Miniatur von der Mitte des XIII- Jahr- 
hunderts bis zum Ausgang des Mittelalters zu verfolgen. Während 
die älteren Handschriften die Buchmalerei noch in der bescheidenen 

') Eine weitere Handschrift mit Miniaturen, Chriatinens von Pisa „Kpitre 
de la deesse Othca", besaß die kurfürstliche Schloßbibliothek. Sie ist vielleicht 
als ein Codex der Herzoglichen Bibliothek in Gotha erhalten, s.S. 21 f. 



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— 3 — 

* 

Beschränkung auf Schmückung der Initialen und eine dem Text sich 
unterordnende Illustrierung zeigen, treten unter den späteren die durch 
große, bildmäßige Darstellungen und den Reichtum der ornamentalen 
Verzierung prächtigen Handschriften entgegen, wie sie im XV. Jahr- 
hundert, besonders in den Schreib- und Malstuben Flanderns, für die 
Büchereien hoher Herren entstanden. Das Kleinod unter ihnen, Laurents 
de Premierfait Boccaccioübersetzung (PaL lat. 1989), ist ein bedeutendes 
Erzeugnis der französischen Miniaturmalerei am Anfang des XV. Jahr- 
hunderts. 

Keine andere Bibliothek deutscher Fürsten konnte sich sicherlich 
am Anfang des XVII. Jahrhunderts eines gleichen Schatzes rühmen. 
Aach für das Gebiet der altfranzösischen Literatur durfte die Palatina 
den Ehrentitel beanspruchen: Optimus Germaniae literatae thesaurus. 

So verhältnismäßig reich die Quellen für die allgemeine Geschichte 
der heidelberger Bibliotheken, ihrer Gründung, Blüte und Zerstreuung im 
Laufe von wenig mehr als zwei Jahrhunderten fließen, so wenig ergiebig 
sind sie, wenn es gilt die Schicksale der einzelnen Handschriften auf- 
zuhellen, im einzeln die Wege zu zeigen, auf denen die kostbaren 
Bflcherschätze in die kurfürstlichen Sammlungen, insbesondere in die 
Schloßbibliothek und in die Bibliothek der Kirche zum h. Geist 
gelangt sind. Auch die Geschichte der französischen Hand- 
schriften, ähnlich wie die der altdeutschen, bleibt vielfach im dunkeln. 
Die Handschriften selbst geben nur spärliche Kunde und nur über 
ihre ältere Geschichte. Mit den alten Einbänden, die 1623 der 
päpstliche Bevollmächtigte Leo Allatius zur Erleichterung des Trans- 
portes nach Rom den Handschrifteu und Büchern abnehmen ließ, sind 
anch viele der alten Besitzeintragungen, Bibliothekszeichen und der 
kleinen Merkmale verschwunden, die oft dem aufmerksamen Auge 
über die Herkunft Rechenschaft geben; auch die alten Schutzblätter 
sind damals sicherlich nicht selten verloren gegangen: ein oft beklagtes 
Verhängnis, das die Geschichte vieler Handschriften der Palatina ver- 
dunkelt. Wo wir aber den französischen Handschriften etwas ent- 
nehmen können — und dies ist bei den kunstgeschichtlich wertvolleren 
der Fall — zeigt sich, daß sie vordem in erlauchten Händen waren. 
Die Uebertragung der Historia Hierosolymitana des Wilhelm von 
Tyrus (Pal. lat. 1963) besaß einst die Königin Isabella von Norwegen, 
die Gemahlin Eriks IL Magnusson. Auf Herzog Ludwig I. von Anjou, 
den späteren König von Neapel, scheint Guillaume de Digullevilles 
Pelerinage de vie humaine (Heidelberg, Pal. lat. 1969) hinzuweisen. Aus 
den einst so berühmten Bibliotheken der Herzöge von Burgund kommen 
zwei Prachthandschriften: der Boccaccio des 1419 auf der Brücke von 
Montereau ermordeten Herzogs Johann ohne Furcht (Pal. lat. 1989) 
und die aus der Werkstätte David Auberts stammende Handschrift 
des Livre de bonnes moeurs (Pal. lat. 1995) mit den eigenhändigen 
Besitzvermerken Antons von Burgund und seines Enkels Adolf. J) Die 

») Die Handschrift der EpHre d'Othtia würde, wenn die palatinische Her- 
kunft sicher wäre, eine zweite Handschrift aus der Bibliothek Antons von 

1* 



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gleichfalls reich illuminierte Legende des Saint Voult de Luques (Pal. 
lat. 1988) gehörte dem herzoglichen Diplomaten und Bankier Dino 
Rapondi. 

Wann and wie die altfranzösischen Handschriften nach Heidelberg 
gekommen sind, bleibt, die ans der Bibliothek Ulrich Fuggers stammenden 
ausgenommen, im .unklaren. Hier versagen auch die alten Inventare 
der heidelberger Bibliotheken, die mit dem Vermögensverzeichnis der 
Universität von 1396 beginnend, bis zu der Zeit der Entführung nach 
Rom erneuert und ergänzt, für den späteren Geschichtschreiber der 
Palatina eine unschätzbare, bisher kaum genutze Quellensammlung 
bilden. Sie erweisen zunächst nur den größeren Teil dieser Hand- 
schriften als Besitz der Palatina um die Mitte des XVI. Jahrhunderts. 

Von den drei Gelehrtenbibliotheken Heidelbergs, die mit 
der Gründung der Universität oder bald darauf ins Leben gerufen 
wurden: den beiden Universitätsbibliotheken (Bibliothek der Artisten- 
fakultät und Bibliothek der drei oberen Fakultäten) und der 1438 durch 
das Vermächtnis Ludwigs des Bärtigen bedeutend vermehrten Bibliothek 
des Stiftes zum hl. Geist sind mehrere Verzeichnisse aus der Zeit vor der 
Mitte des XV. Jahrhunderts erhalten. 1 ) Sie zeigen den engen Gesichts- 
kreis mittelalterlicher Gelehrsamkeit, der sich nicht auf die Literatur 
in nationaler Sprache erstreckte: unter den gegen 1600 Werken in 
841 Bänden, welche die Inventarisation von 1461 als stattlichen Besitz der 
drei Bibliotheken aufweist, darf man weder deutsche oder gar französische 
Handschriften vermuten. Unter den Neuerwerbungen der folgenden Zeit 
scheint sich allerdings eine französische Handschrift befunden zu haben: 
als Prunkstück der Universitätsbibliothek lag in besonderem Pulte 
eine mit Bildern geschmückte Pergamenthandschrift des Trojanerkrieges, 
vermutlich Pal. lat. 1962, der 1464 — 1468 entstandene Trojaroman Rauui 
Lefevrea. 2 ) 

Französische Handschriften werden diese Bibliotheken, die in enger 
Verbindung mit dem Universitätsbetrieb und seinen Bedürfnissen standen, 
soust kaum erworben oder besessen haben. Sie wären für sie ein ent- 



Burgund sein, die in den Besitz der pfälzer Kurfürsten gelangte. — Die nahe- 
liegende Vermutung, daß noch weitere Handschriften aus den burgundischen 
Bibliotheken oder denen des Lonvre stammen, hat sich nicht bestätigt 

') Das Vermögensverzeichnis der Universität von 1396, welches auch die 
Handschriften der Bibliothek aufführt, ist gedruckt bei G. Toepke, Die Matrikel 
der Universität Heidelberg von 1386—1662. Bd. 1—3. Heidelberg 1884—93, 
1655 ff., der Akzessionskatalog der Universitätsbibliothek von 1396—1432 I.e. 
I 678 ff.; das Verzeichnis der Schenkung Ludwigs des Bärtigen enthält der von 
J. C. Kremer (Acta Academiae Theodoro-Pal&tinae I (1766) 373 ff.) gedr. Revers 
der Universität von 1438. Die Inventare von 1461, Cod. Heidelberg. 358, 47 
und 47 a, (s. Toepke I 695) sind noch nicht veröffentlicht. Auszüge ans allen 
diesen Inventaren gibt Wilken S. 30 ff., 96 ff. 

') Dem Verzeichnis von 1461 ist am Anfang von späterer Hand hinzu- 
gefügt: Item prope tabulam jnristarum: In proprio pulpeto jacet hystoria 
Troyana depieta. In pergameno (Cod. Heidelberg. 358, 47, Bl. 1 r). Der 
Pal. lat. 1962 ist allerdings eine Papierhandachrift, aber die Miniaturblätter 
sind Pergament. 



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— B — 

betulicher, ja lästiger Luxus gewesen. Mehr noch als in der Sammlung 
der altdeutschen Handschriften der Palatina wird man in dem Besitz 
an französischen den Ausdruck literarischer und bibliophiler Neigungen 
der Mitglieder des kurfürstlichen Hauses erblicken dürfen. Dem 
von Westen immer wieder andrängenden Einfluß französischer Kultur 
war der benachbarte pfälzische Hof mehr als die meisten anderen 
deutschen Höfe ausgesetzt. 1 ) Allerdings erreichte dieser Einfluß erst 
den Höhepunkt als Friedrich III. (1559 — 1576) durch seinen Uebertritt 
zum Kalvinismus mit den Hugenotten in enge Verbindung trat, und unter 
ihm und seinen Nachfolgern Heidelberg die Zufluchtsstätte flüchtiger 
Franzosen wurde. Damals freilich war schon der größere Teil der 
französischen Handschriften , soweit sie aus kurfürstlichem Besitz 
stammten, Eigentum der Bibliothek in der Kirche zum hl. Geist. 
Aber bereits lange vorher hatten sich französisches Wesen und fran- 
zösische Bildung am pfälzischen Hofe Eingang verschafft, sicher be- 
günstigt durch die zeitweilig engen politischen Beziehungen zu dem 
westlichen Nachbar,-) mehr wohl noch durch den Einfluß der Pfalz- 
gräfinnen , die französischen oder f ranzösisierten Fürstenhäusern 
entstammten. Die Gemahlin Ruprechts I. (1353 — 1390) war Elisabeth, 
Gräfin von Namur (gest. 1382). Die Verlobung des ältesten Sohnes 
Ruprechts III. (1398 — 1410), des deutschen Königs, mit Katharina, 
der Tochter Karls V. von Frankreich, führte zwar nicht zur Vermählung, 
ist aber immerhin ein Zeichen der guten Beziehungen zwischen beiden 
Höfen. Als zweite Gemahlin Ludwigs III. des Bärtigen (1410 — 1436) 
war Mathilde, die französisch sprechende Tochter des Grafen Amadeus 
von Savoyen, von 1418—1438 Kurftirstin der Pfalz. Sie ist die Mutter 
der geistvollen Pfalzgräfin und Erzherzogin von Oesterreich Mechthild, 
der „Liebhaberin aller Künste", deren Namen mit der literarischen 
Produktion Hermanns von Sachsenheim und Nikolaus' von Wyle, der 
Gründung der Universitäten Tübingen und Freiburg verknüpft ist. 
Die Gemahlin Ludwigs IV. (1437 — 1449) war abermals eine piemon- 
tesische Prinzessin, Margarete, die geistig hochstehende und einflußreiche 
Tochter Amadeus' V1IL, des späteren Papstes Felix V., welche in erster 
Ehe Ludwig III. von Anjou, den König von Neapel (1403 — 1434), 
geheiratet hatte und nach Ludwigs IV. Tode eine dritte Ehe mit Graf 
Ulrich V. von Württemberg schloß (1453). Daß diese Frauen Vorliebe 

') S. G. Steinhausen, Die Anfange des französischen Literatur- und Kultnr- 
einBusses in Deutschland in neuerer Zeit (Zeitschrift für vergleichende Literatur- 

feschichte. N. F. VII (1894) 349 ff.), C. Gebauer, Geschichte des französischen 
jiltureinflusses auf Deutschland von der Reformation bis zum dreißigjährigen 
Kriege, Straßburg 1911, beide die Zeit des ausgehenden Mittelalters kaum 
berührend. 

*) Diese sind besonders für die Ilegiernng Philipps des Aufrichtigen 
(1476—1508) bemerkenswert, der sogar seit 14*12 im Solu« Karls VIII. stand; 
doch schon früher hatten Ruprecht 111. (1398—1 110) und Friedrich I. der 
Siegreiche (1449—1476) politische oder freundschaftliche Verbindung mit 
Frankreich angestrebt, s. auch Ludwig Hau Her, Geschichte der rheinischen 
Pfalz, 2. Ausg. Heidelberg 1856, 1 241, 4H>, 427. 



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für französische Literatur mitbrachten und weiterhin hegten, darf zweifels- 
ohne angenommen werden, umsomehr als wir wissen, daß sie auch den 
literarischen Bestrebungen ihrer neuen Heimat rege Teilnahme und 
Förderung zuwandten. *) Margaretens Sohn, Kurfürst Philipp der 
Aufrichtige (1476—1508), schickte 1502 seine beiden Söhne Ludwig 
und Friedrich, die späteren Kurfürsten Ludwig V. (1508—1544) und 
Friedrich IL (1544—1556), nach Frankreich, dessen Hof unter Karl VIII., 
Ludwig XII. und Franz I. als Pflegestätte feiner Sitte und Bildung 
galt, und von dem der gleiche französisierende Einfluß ausging, den 
im XV. Jahrhundert der Glanz des burgundischen Hofes ausgeübt 
hatte. Wie Friedrich IL, der völlig französisiert war, ging auch sein 
Sohn Friedrich III. durch die Schule französischer Bildung, zuerst an 
dem Hof von Nancy bei dem Herzog von Lothringen, später in Lüttich, 
Paris und Brüssel. 

Jedenfalls bestand immer an dem kurfürstlichen Hofe ein lebhaftes 
Interesse für die französische Literatur, 2 ) nicht minder aber die Lust 
an dem Besitz prächtiger Handschriften mit den bewunderten 
Miniaturen französischer und flandrischer Künstler, wie sie die 
französischen und burgundischen Großen in so reicher Zahl in ihren 
glänzenden Bibliotheken vereinigt hatten. 

Ueber Handschriftenkäufe der Kurfürsten in Frankreich ist nnr 
weniges bekannt, nichts was auf den Erwerb französischer Hand- 
schriften schließen ließe. Auf seinen lieisen nach Frankreich hatte 
Ludwig der Bärtige Handschriften gekauft und mit nach Heidelberg: 

1} Auf Befehl der Elisabeth von Nainur wurde 1370 die prächtige Hand- 
schrift der Predigten Berthol ds von liegensburg (Heidelberg, Pal. germ. 24) 
geschrieben, Mathilde von Savoyen veranlaßte die Ueborsetzung eines lateinischen 
Gedichtes anf die Jungfrau Maria (Rom, Pal. lat. 41 1), und der Margarete von 
Savoyen widmete Nikolaus von Wyle seine 1464 verfaßte Übersetzung der 
Schrift Felix Hemmerlins „Von den Lollharden und Beginnen" (Heidelberg, 
Pal. germ. 462). Margarete stand auch in Briefwechsel mit Heinrich Steinhü wel, 
dem Uebersetzer Boccaccios, und gleich ihrer Schwägerin, der Pfalzgräfin 
Mechthild, war sie Liebhaberin schöner Handschriften: 1477 schickte sie eine 
besondere Gesandtschaft nach Bern, um dort Karls des Kühnen „Betbnch 
wunderbars Gemachte" zu erwerben. S. die Beschreibungen bei K. Bartsch, 
Altdeutsche Hss. Nr. 18, 349, 248, ferner Ph. Strauch, Pfalzgräfin Mechthild 
in ihren litterarischen Beziehungen, Tübingen 18b3, besonders S. 29, 55. 

a ) Für die spätere Zeit bezeugen dies die sehr zahlreichen Drucke 
französischer Literatur, sowohl schöner als wissenschaftlicher, die in den 
Inventaren begegnen. Es ist bemerkenswert, daß die Palatina ihre ältesten 
französischen Handschriften der Schenkung Ulrich Fuggers verdankt Die 
Handschriften der Kurfürsten enthalten dagegen großenteils ältere und neuere 
Literatur, wie sie am Ausgang des Mittelalters gelesen wurde. Sie werden 
am pfälzer Hofe kein totes Gut gewesen sein. Auch dieser Umstand scheint 
mir dafür zu sprechen, daß ein großer Teil der französischen Handschriften 
alter Besitz des kurfürstlichen Hauses ist, der allmählich, besonders im Laufe 
des XV. Jahrhunderts, erworben wurde. Es war die Zeit, in der sich fürst- 
liche Frauen, wie Elisabeth, Gräfin von Nassau -Zweibriicken, und Herzogin 
Eleonore von Vorderösterreich, in der Uebersetznng dor französischen Prosa- 
romaue versuchten, und in der wir diese deutschen Bearbeitungen in der 
Bibliothek der Pfalzgrütin Mechthild antreffen. 



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gebracht. Von den theologischen , juristischen und medizinischen 
Handschriften, die er in seinem Testament von 1421 der Bibliothek 
des Stifts zum hl. Geist vermachte, nahm er die Bibel aus, „die mit 
der großen textur in einem buch gantz ist ane den salter, die wir 
mit uns von Parise us Frankenrich brachten". 1 ) Weitere Nachrichten 
fehlen bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts. Von Kurfürst Ott Heinrich, 
dem glänzendsten Förderer der heidelberger Bibliotheken , wird 
berichtet, daß er den Juristen Nikolaus Cisner beauftragte, während 
eines vierjährigen Aufenthaltes in Frankreich und Italien (1552 — 1556) 
dem Ankauf wertvoller Bücher und Handschriften die größte 
Aufmerksamkeit zu widmen. 2 ) 

Mit den deutschen Handschriften bildeten die französischen, neben 
jenen allerdings an Zahl und Bedeutung fast verschwindend, einen 
bedeutenden, wahrscheinlich den wichtigsten Teil der kurfürstlichen 
Privatbibliothek in dem Schlosse, die Kurfürst Ott Heinrich 
zunächst bis zur Errichtung eines neuen Bibliotheksgebäudes der 
Bibliothek in der Kirche zum hl. Geist überwies 3 ) und die später, als 
des Kurfürsten früher Tod (1559) seine Pläne vereitelt hatte, endgültig 
mit ihr vereinigt wurde. Im Gegensatz zu den der Wissenschaft 
dienenden Gelehrtenbibliotheken der Universität und des Stiftes, war sie 
eine Schöpfung der literarischen und wissenschaftlichen Bestrebungen 
der Angehörigen des pfal v zgräflichen Hauses. Handschriften und 
Bücher in den Nationalsprachen, moderne, insbesondere historische 
und schöne Literatur, Werke von künstlerischer Bedeutung werden 
ihre wertvollsten Bestände gewesen sein. 

Aus der Zeit Ott Heinrichs ist uns nun unter den alten Inventuren, 
welche Allatius mit nach Rom in die Vatikana gebracht hat, eine 
Katalogisierung erhalten, die mit großer Wahrscheinlichkeit als ein 
Verzeichnis der kurfürstlichen Schlottbibliothek angesprochen werden 
kann. Es ist eine durchaus einheitliche, sorgfältig niedergeschriebene 
Inventarisierung, welche, die Werke einzelner Wissensgebiete zusammen- 
fassend, innerhalb dieser die Titel in alphabetischer Folge, bei jedem 
Buchstaben nach Formaten geschieden, mit Druckort und Jahr anführt. 
Dem Titel folgen in der Regel mehrere Zahlen, die den Standort 
anzugeben scheinen. Ueber die Art der Aufstellung selbst bieten 
diese Kataloge, die auf einer für die damalige Zeit sicher bemerkens- 
werten Vereinigung des alphabetischen und sachlichen Ordnungsprinzips 
sich gründen, keinen Aufschluß. Einzelne Teile sind doppelt aus- 
gefertigt. Es ergibt sich die folgende Uebersicht: 

') E. Winkelmann, Urkundenbuch der Universität Heidelberg, Heidelberg 
1SSÖ, I 118. 

*) Wilken S. 121, Deutsche Biographie IV (1676) 2(57. 

') Das Jahr dieser Ueberweisuug scheint nicht genau festzustehen. 
Wilken u. a. geben keine genaueren Zeitangaben; hin und wieder begegnet 
in der Literatur das Jahr 155S, was auch stimmen mag. Die kurze Dauer 
der Regierung Ott Heinrichs (1 55C> — 1 559) läßt ohnehin nur geringen Spiel- 
raum. 



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— 8 — 

Pal. lat. 1929. Lateinische Theologie. 

1932. Deutsche Theologie. 

1934. 1936. Philosophie. 

1933. Artes dicendi. 

1946. Poetae graeci et latini. 

1937. 1941. Historiographi et Cosmographi. 

1940. Mathematik. 

1935. Physik, Philosophorum opera omnia. 
1942. 1943. Medizin. 

1 944. Jurisprudenz. 

Die Zeit dieser Katalogisierung ist einwandfrei durch die mehrfach 
vorkommende Randnote „Anno 1555 u und die Druckjahre der Titel 
gegeben: die Anlage erfolgte in den Jahren 1555 — 1556; die Druckjahre 
zahlreicher durch Verschiedenheit der Schrift erkennbarer Nachträge 
geht nicht über 1559, das Todesjahr Ott Heinrichs hinaus. 1 ) Aber 
keiner der Kataloge, die leider auch der alten Einbände entbehren, 
bietet den kleinsten äußeren Hinweis auf die Bibliothek, deren 
Bestände verzeichnet sind. Eine Inventarisierung der Universitäts- 
bibliotheken kann nicht vorliegen, denn die hier verzeichneten Hand- 
schriften kehren in dem Inventar der Stiftsbibliothek oder, wie sie 
später hieß, der kurfürstlichen Landbibliothek (Bibliotheca palatina, 
electoralis) von 1581 wieder, ebenso wenig eine Aufnahme der 
Stiftsbibliothek nach ihrer Vereinigung mit der Schloßbibliothek, da 
die Aufstellung der Schloßbibliothek auf den Emporen der Heilig- 
geistkirche erst nach 1556, ihre Verschmelzung mit der alten 
Bibliothek noch später, nach Ott Heinrichs Tod (1559) erfolgte. Es 
kann sich also nur um Inventare der Schloßbibliothek oder der Stifts- 
bibliothek handeln. Auf die kurfürstliche Privatbibliothek weisen 
m. E. die folgenden Erwägungen: 

1. Die Bibliothek hat einen vorwiegend modern - literarischen 
Charakter. Sie enthält wenig mittelalterlich-scholastische Literatur, die 
in den älteren Katalogen der heidelberger Universitäts- und der 
Stiftsbibliothek charakteristisch hervortritt und in der Inventarisierung 
der Landbibliothek von 1581 einen ganz anderen Kaum einnimmt. 
Die theologischen Werke gehören überwiegend dem Reformations- 
zeitalter an und sind zu nicht geringem Teil in deutscher Sprache. 
Dagegen erscheinen in diesen Verzeichnissen bereits die französischen 
Handschriften mit Ausnahme der wenigen Erwerbungen der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts und der Handschriften der späteren 

l ) Im Pal. lat 1932, dem Verzeichnis der deutschen Theologie, findet sich 
mit den unter M in Folio verzeichneten Werken allerdings ein „Martyrolocium 
der heiligen, nach dem Calender; Verdeutscht; Gedruckt zu Weißenburg 
Anno 15&3." Aber dem Verfasser des Inventars ist hier wohl ein Versehen 
in der Datierung unterlaufen; gemeint kann nur sein: Hain, Kepert. Bibliogr. 
10874 „Marti[ro]logium der heiligen nach dem kalcmler u , wie die Vorrede 
8a gt, n Vft% dem lattin zu tutsch gemacht zu Wyssenburg* 1483. — Im Pal. 
lat. 1944 kommt vereinzelt I5GU als Druckjahr vor. 



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— 9 — 

Schloßbibliothek, ferner — ■ was sehr wichtig ist — der sicher weitaus 
größere Teil des vielgerühmten Reichtums an deutschen Handschriften 
des Mittelalters, die nach allgemeiner Ansicht von dem kurfürstlichen 
Hause im Laufe mehrerer Jahrhunderte gesammelter Besitz der 
Schloßbibliothek waren. 1 ) 

2. Diesen Katalogen fehlen sowohl die Handschriften der älteren 
Verzeichnisse der Universitätsbibliotheken als auch die Handschriften 
des Reverses der Universität von 1438, der das Vermächtnis Ludwigs 
des Bärtigen enthält. 2 ) 

3. Dagegen führen sie Handschriften und Drucke der Privat- 
bibliothek Ott Heinrichs an, die dieser nach Erlangung der Kurwtirde 
(1556) von Neuburg an der Donau mit nach Heidelberg nahm, 3 ) und 
die zweifelsohne erst mit der kurfürstlichen Sammlung in die Stifts- 
bibliothek gelangten. 

4. Mit den Worten Summa lateris ist in den meisten Inventarcn 
die Zahl der auf einer Seite verzeichneten Handschriften und Drucke 
angegeben. Es handelt sich offenbar um einen Abschluß, eine Ueber- 
gabe, eben der Schloßbibliothek, als diese, nach Ott Heinrichs Absicht 
nur vorübergehend, in der Stiftskirche untergebracht wurde. 

Die Handschriften und Drucke dieser Inventare kehren in einer 
zweiten Katalogisierung wieder, die sich gleichfalls in der Palatina 
des Vatikans befindet. Hier ist die Bestimmung ohne weiteres gegeben: 
die Kataloge bezeichnen sich selbst als Verzeichnisse der Bibliothek 
des Stiftes zum hl. Geist oder der kurfürstlichen Landbibliothek. 
Als Verfasser bekennen sich in den Originalen Conrad Lautenbach 



S. Wilken S. llOff.; K. Burdach, Die pfälzischen Witteisbacher und 
die altdeutschen Handschriften der Palatina, im Zentralblatt für Bibliotheks- 
wesen, Jg. V (1888), besonders S. 1 17 ff.; Willes Pfalzer Handschriften S. VIII 
und die spätere Rede: Aus alter und neuer Zeit der heidelberger Bibliothek, 
Heidelberg 1906, S. 7 f., 20. 

*) Ich bin mir selbst bewußt, daß gerade dieser Punkt noch einer 
genaueren Nachprüfung bedarf, zu der mich in Rom meine zum Abschluß 
drängenden Arbeiten nicht mehr kommen ließen. Daß solche Untersuchungen 
viel Zeit und bei den ungenauen Angaben der alten Inventare und dem 
häufigen Vorkommen der gleichen Literatur in verschiedenen Bibliotheken 
eine intime Kenntnis der Bestände voraussetzen — bei dem Umfang der 
ehemaligen Palatina keine geringe Forderung — , weiß jeder, der sich mit 
ähnlichen Aufgaben beschäftigt Bat. Ein Umstand tritt erschwerend hinzu: 
die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der alten heidelberger Sammlungen, 
die Inventarisierung von 1462, ist noch ungedruckt. Da auch der von 
J. C. Kremer in den Acta Academiae Theodoro-Palatinae I (1766), 373 ff. 
veröffentlichte Revers von 1438 mir in Rom nicht erreichbar war, so mußten 
flir die Stiftsbibliothek als Ersatz Wilkens Auszüge aus den älteren Inventaren 
dienen. Diese sind aber immerhin so ausführlich, daß m. E. auch eine eingehendere 
Untersuchung zu keinem . wesentlich verschiedenen Ergebnis kommen wird. 

3 ) „Die bnecher so in meines genedigsten Herrn Stuben vnd camer, vnd 
von Neuburg kommen seind. u Das Verzeichnis, gedr. bei Rockinger S. (1)ff. 
(vgl. auch S. 10), kann nicht früher sein, denn neben einem Druck und 
einer Handschrift von 1555 begegnet „Marggraff Albrechts ansschreyben. 
Anno [15J56 U . 



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— 10 — 

und Johann Strupp von Geinhansen, 1 ) mit der eigenhändigen Unterschrift 
geben sie auch das genaue Datum der Vollendung der einzelnen 
Bände an. Diese Daten bewegen sich zwischen dem 10. November 
und 6. Dezember 1581. Weniger erfreulich als die Genauigkeit in 
diesen Angaben ist die Arbeit der Verfasser selbst. Während die 
erste Katalogisierung in ihrer Anlage und Sorgfalt eine anerkennens- 
werte Leistung darstellt, zeugt die neue von einer unglaublichen 
Flüchtigkeit und Nachlässigkeit. Paulus Melissus, der 1586 bei der 
Uebernahme des Bibliothekariats der Stiftsbibliothek die Kataloge 1931 
und 1938 revidierte, hat an einer Stelle 6einem Mißmut mit der 
folgenden Randnote Ausdruck gegeben: Inepte et confuse inordinateque 
factum ab heteroclitis. Ist kein richtikeit drinnen, den alles on 
unterschaid zusammengemenget. Ita Meliss[us] sentio 1586 (Pal. lat. 
1931, BL 271). Auch hier sind die Wissensgebiete abgegrenzt, aber 
innerhalb dieser folgen sich Bücher und Handschriften durcheinander 
nach Ordines und Formaten, offenbar so, wie sie gerade auf den 
Gestellen 6ich vorfanden, ohne daß auch nur der Versuch einer 
sachlichen oder alphabetischen Gliederung der überreichen Bestände 
gemacht worden wäre. An den wenigen Stellen, wo eine Zusammen- 
fassung gleicher Literatur besteht, wie bei den Schriften der einzelnen 
Kirchenväter, der Reformatoren, den deutschen Handschriften scheinen 
sie die Verfasser der lnventare auf den Regaley bereits angetroffen 
zu haben. Im Gegensatz zn der Inventarisierung von 1556 fehlt 
meist den Titelangaben das Impressum, dagegen ist auf die Be- 
schreibung der alten Einbände, besonders der Handschriften, größeres 
Gewicht gelegt. Nur diese Kataloge fand offenbar Allatius 1622 in 
Heidelberg vor, und man begreift seine Klugen über die ungenügende 
Ordnung der Bibliothek, das Fehlen neuer Indices, das ihm seine 
Aufgabe erschwere, in den Briefen vom 23. Dezember 1622 an den 
Kardinal Ludovisi und an Niccolo Alemanni, den ersten Kustoden 



') Ueber den Theologen und Dichter Conrad Lautenbach, den Kurfürst 
Ludwig VI. nach Heidelberg berief, damit er Sleidan übersetze, und den er 
gleichzeitig mit der Ordnnng der Landbibliothek beauftragte, s. Deutsche 
Biographie XVIII 71. Johann Strupp war der Sohn Joachim Strupps von 
Gelnhausen, des Erziehers des Pfalzgrafen, späteren Kurfürsten Friedrichs IV. 
Er zeichnet in den Inventaren als „Johann Strupp von Gelnhausen, Joachfiuii] 
filliusl", ebenso wie sein Eintrag in die Universitätsmatrikel 1581 lautet (bei 
loepke II 93). Eine Uebersetzung von ihm aus d. J. 1580 „Von dem neuen 
indianischen bäum . . . sasafras u ist in Pal. germ. 501 und 735 erhalten. 
Joachim Strupp war während seines Aufenthaltes am pfälzer Hofe (1579—1584) 
auch Bibliothekar der Landbibliothek, wohl als Nachfolger Xylanders und 
Vorgänger von Paul Melissus, s. die Vorrede seines Hofschulbuchs (Pal. 
Genn. 310) z. T. gedr. in Mosers Patriotischem Archiv IV (1786) 223. Auf 
die Inventarisierung der Landbibliothek bezieht sich ein Gutachten des 
Kirchenrats von 1593 in Pal. Germ. S34, s. die Hs.- Beschreibung bei Wille, 
Pfälzer Handschriften S. 132, ferner Wilken S. 1S4 und Fricdr. Schmidt, 
Geschichte der Krziehung der pfälzischen Witteisbacher. Berlin lbttfl (Monu- 
inenta Gcruianiae paedagogica. 19) S. XXX1IIT., auch Deutsche Biographie 
XXXVI 070. 



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der Vatikans. 1 ) Es scheint indessen nicht zweifelhaft, daß im Laufe 
der langen Zeit, in der so bedeutende Bibliothekare wie Paulus 
Melissus (1586—1602) und Janus Gruter 1602—1622) der Palatina 
vorstanden, auch an der Neuordnung der Bibliothek und der Kataloge 
gearbeitet wurde. Leider ist aus dieser Zeit nur verhältnismäßig 
wenig erhalten, 2 ) und es ißt nicht unwahrscheinlich, daß die letzten 
Inventare vor der Einnahme Heidelbergs 1622 geflüchtet und dann 
verloren gegangen sind. 3 ) 

Die Katalogisierung von 1581 ist in zwei Ausfertigungen erhalten, 
in den von Lautenbach und Strnpp selbst unterzeichneten Originalen 
und in Kopien. 

>) s. Theiner S. 21, 63 ff., Mazzi S. IS ff. 

a ) So der von Friedrich Sylburg nach Erwerbung der Fuggerischcn 
Bibliothek (1584) verfaßte Katalog der griechischen Handschriften, von dem 
Antonius Possevinus, Apparatus sacri, Venetiis 1606, T. III. App. 8.95—125 
einen Auszug (MS. qui ad res sacras et ecclesiasticas pertinent; gibt und der 
vollständig von Ludwig Christian Mieg in den Monumenta pietatis et literaria, 
Francofurti a. M. 1701 (1702") veröffentlicht worden ist. Ferner Verzeichnisse 
hebräischer, griechischer una lateinischer Handschriften, meist nach Autoren, 
in Pal. lat. 1916, 1950, 1951 (Konzepte nnd Reinschriften), s. Stevenson, 
Palatini graeci S. XXX ff. Eine Abschrift dieser Inventare, die allerdings die 
wertvollen Angaben der römischen Verzeichnisse über Standort, Herkunft 
und Material der Handschriften wegläßt, ist von F. L. Hoffmann, Serapeum XI 
(1850) 16t ff. (vgl. Serapeum XV (1854) S. 313f.) mitgeteilt worden. Sie war 
1633 im 1 Besitz Isaac Gruters, eines Verwandten des letzten Bibliothekars der 
Palatina, und gelangte, nachdem sie 1717 Uffenbach in Deventer erworben, 
zuletzt in die Städtbibliothek in Hamburg. 

3 ) Diese zuerst von J. Ch. F. Bahr , Die Entführung der Heidelberger 
Bibliothek nach Rom i. J. 1623, im Serapeum VI (1845) bes. S. 145 geäußerte, 
dann von Enrico Stevenson, Palatini Graeci S. XXXI wiederholte Annahme 
wird von dem jüngeren Enrico Stevenson, La raecolta palatina dei codici e 
libri a stampa ed i lavori eseguiti intorno alla medesima per ordine di Leone 
'XIII. [1893] als „mera ipotesi. che non sembra abbastanza giustificata dai 
raziocini addotti per confortarla" bezeichnet. Seine Gegengrilnde sind indessen 
auch nicht überzeugend. Manches spricht jedenfalls dagegen, daß die Reibe 
der alten Inventare, wie sie besonders in Kom und Heidelberg erhalten sind, 
lückenlos ist. Nach Durchsicht der Verzeichnisse von 1581 halte ich es für 
undenkbar, daß eine so unzureichende Inventarisierung, die für Ordnung und 
Benutzung der Bibliothek die unvollkommenste Gewähr bot, vier Jahrzehnte 
hindurch in Geltung geblieben sein sollte. Für eine Weiterführung dieser 
Inventare, welche die auch in der letzten Zeit, besonders unter Friedrich IV., 
zahlreichen Zugänge verzeichnen müßte, fehlt jeder Anhalt. Andere Kataloge 
der Stiftsbibliothek nach 1581 sind aber nicht erhalten, abgesehen von den 
erwähnten Handschriftenindices, die aber mit Ausnahme des von Sylburg 
keine endgültigen, offenbar auch nur Teilkatalogieierungen darstellen, und 
einigen fragmentarischen Verzeichnissen in Pal. lat. 1916, 1950 und 1951, die 
nnr Vorarbeiten zu sein scheinen. Eine Zäh hing der Handschriften mit fort- 
laufenden Nummern, welche den Inventaren von 1581 noch fremd ist, und 
die doch ohne neue Verzeichnisse nicht gut denkbar ist, bestand später 
zweifellos. Nicht nur kommen diese Zahlen in den Handschriften selbst vor, 
sondern auch In den obigen Indices und in dem bei Theiner (S. 81 ff.) und 
Mazzi (S. 173 ff.) gedruckten Verzeichnis der Handschriften, die 1622 vor der 
Ankunft des Allatius von Heidelberg nach München gebracht worden waren. 
Sic erreichen hier die Uöchstzahl 1550. 



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— 12 — 

Originale: Pal. lat. 1930. Theologie. 

1 945. Jurisprudenz. 
1956. Geschichte. 

1939. Philosophie (Grammatik, Rhetorik, 
Auetores classici), Mathematik, Kosmo- 
graphie, Medizin, Physik. 
1927. Ungebundene Werke. 
Kopien: Pal. lat. 1931. (= 1930, 1956, 1945, 1927) und 

1938 (= 1939). 
Die bedeutendste Bereicherung, die der kurfürstlichen Landbibliothek 
nach Ott Heinrichs Tode zufiel, bildete die Schenkung der Bibliothek 
Ulrich Fuggers, deren wertvollster Teil über tausend Handschriften- 
bände waren. 1 ) Bereits 1571, nachdem Fugger an dem befreundeten 
pfälzer Hofe Zuflucht gefunden hatte, wurden seine berühmten Bücher- 
schätze in der Kirche zum hl. Geist aufgestellt. In diesem Jahre hat 
sie der kaiserliche Notar Philipp Ludwig von Schwechenheim, beraten 
von den Professoren der Universität Ludwig Graff und Hieronymus 
Niger, dem Universitätsbuchdrucker Matthias Harnischt,?) auf kurfürst- 
lichen Befehl verzeichnet, wie sie in den Kisten, die zur Ueberführung 
von Augsburg nach Heidelberg gedient hatten, enthalten waren. 
Dieses amtliche, mit Siegel versehene Protokoll ist der Codex Pal. 
lat. 1921. Eine spätere Abschrift mit Besserungen und Ergänzungen, Pal. 
lat. 1915, stammt wohl erst aus der Zeit nach Fuggers Tode (1584), als 
gemäß seinem letzten Willen die Vereinigung der Bibliothek mit der des 
Stifts endgültig vollzogen wurde. 3 ) Meist sind es griechische und lateinische 

l ) Wilken S. 129 ff., neuerdings A. Stauber, Das Haus Fugger, Augsburg 
1900, S. 104 ff. 

*) Diese drei kommen mehrfach bei Winkelmann, Urkundenbuch der 
Universität Heidelberg (1886) vor, 8. die Nachweise im Register. Hieronymus 
Niger war seit 1562 Professor der Physik in Heidelberg: Über Ludwig Graff 
(Gravo), den Professor der Medizin und späteren Hofmeaikua Friedrichs IV., 
8. Serapeum IX (1848) 292, über Matthias Harnisch s. Deutsche Biographie X 614. 

*) Diese Ansicht von der Stellung der beiden Inventare tu einander, die 
auch von Stevenson, Palatini gr&eci S. XXVI, und Alfons Müller, Zur Ueber- 
lieferung der Apologie des Firmicus Maternua, Dissert., Tübingen 1908, 
S. 12 ff., geteilt wird, widerspricht der von Johannes FIcker, dessen Einleitung 
zu der Ausgabe von Luthers Vorlesung über den Römerbrief 1515 — 1516 
(Anfänge reformatorischer Bibelauslegung, Bd. I, Leipzig 1908) sich in dem 
Abschnitt „Zur Geschichte der handschriftlichen Exegetica Luthers in der 
Bibliotheca Palatina" (S. XX VIII ff.) eingehend mit den Inventaren der Fugger- 
bibliothek beschäftigt. Nach Ficker ist das notarielle Verzeichnis das 
spätere, mit Benutzung von Pal. lat. 1915 oder dessen Vorlage „dem mit fort- 
laufenden Seitenzahlen versehenen ursprünglichen Katalog der Fuggerbibliethek" 
(S. XXXVI) entstandene Inventar. Meines Erachtens spricht schon der Wort- 
laut des Protokolls (s. die Serapeum IX, 1S4S, S. 291 gedr. Stelle) klar aus, 
daß im Pal. lat. 1921 eine erste Aufnahme auf Grnnd der Bücher selbst 
vorliegt Die willkürliche Anordnung des Inhalts, die nur dadurch ver- 
ständlich ist, daß die Kisten nicht in regelrechter Folge, sondern gerade so 
geöffnet und verzeichnet würden, wie sie zufällig in der hl. Geistkirche auf- 
gestapelt lagen (das Verzeichnis beginnt mit Kiste 32, es folgen dann 25, 27, 
2 usw.), dieselbe Fassung der Titel kehrt in Pal. lat. 1915 wieder. Alle 



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— 13 — 

Handschriften, die diese Inventare verzeichnen; auffallend wenig 
deutsche Handschriften, nur einige französische und italienische, 
letztere aus der von Fugger erworbenen Bibliothek des Humanisten 
Janozzo Manetti stammend, sind damals in die Palatina gekommen. 
Auch nach der Vereinigung von Schloß- und Stiftsbibliothek 
fuhren die Kurfürsten und andere Mitglieder ihres Hauses fort, die 
Bibliothek in der hl. Geistkirche mit Schenkungen zu bedenken. 
I nter den Handschrif ten scheint indessen nur eine französische 
gewesen zu sein: die Tragödie von dem Untergang der Waldenser 
von Oabriere (Pal. lat. 1983) aus dem Nachlaß des 1574 in den 
Niederlanden im Kampfe gegen die Spanier gefallenen Pfalzgrafen 
Christoph, des vierten Sohnes Friedrichs III. 1 ) 

Differenzen lassen sich durch eine mit der Abschrift verknüpfte Revision des 
ersten Inventars erklären, die Ungenauigkeiten richtig stellte und Ergänzungen, 
insbesondere eine genauere Bezeichnung der früher nur summarisch ver- 
zeichneten Gruppen einschob. Es folgen z. B. dem letzten Buch, das die 
Kiste G7 in Pal. lat. 1921 enthält, in Pal. lat. 1915 als Nr. 420 — 426 einige 
weitere Werke mit der Notiz: Weiters seint auch gefunden worden nach- 
folgende Bücher so in Erster Inventation übersehen. Zwischen beiden In- 
ventaren liegt als allerdings unwesentliches Mittelglied ein nicht mehr nach- 
weisbares Inventar, auf dessen Blattzählung der Pal. lat. 1915 am Anfang einer 
jeden, die Nummer der betreffenden Truhe der Bibliothek tragenden Abteilung 
und ebenso die Eintragungen des Allatius in den Handschriften selbst ver- 
weisen (s. die Beschreibungen der Handschriften Pal. lat. 1963, 1970>. Diese 
Verweise können sich nicht, wie Müller meint, auf Pal. lat. 1921 beziehen, 
da, um nur zwei Beispiele zu nennen, in Pal. lat. 1915 die Kiste 26, deren 
Inhalt Ficker untersucht, den Zusatz p. 68 hat, während die in Pal. lat. 1921 ent- 
sprechende Stelle Bl. 60 ist: bei der letzten Truhe 35 ist im Pal. lat. 1915 
hinzugefügt pag. 271, während das Notariatsprotokoll nur 232 Blätter umfaßt. — 
Das mit der Offen bachschen Sammlung in die Stadtbibliothek in Hamburg 
gekommene Fuggerinventar, über das F. L. Hoffmann im Serapenm IX (1848) 
289 ff. berichtet, ist nicht, wie Ficker meint, das Konzept des Notariats- 
iostruments, sondern kann der ganzen Anlage nach nur ein alphabetischer 
Index zu ihm sein. 

') s. Häusser II 58, 79. — Aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. sind die 
Verzeichnisse von mehreren kurfürstlichen Privatbibliotheken erhalten: 
Der Katalog der an deutschen Drucken, vorzüglich der theologischen, schönen 
und medizinischen Literatur, reichen Bibliothek Kurfürst Ludwigs VI. 
(1576—1583) von 1584 (Pal. lat. 1947, Kopie in Pal. lat. 1919). Kataloge der 
Privatbibliothek Friedrichs IV. (1592 — 1610) aus dem Jahre 1589 in zwei 
Exemplaren, Pal. lat. 1917 nnd 1918, die erste Handschrift mit den Revisions- 
vermerken des kurfürstlichen Hofpredigers Bartholomaeus Pitiscns und des 
Magisters Porphyrius Crollius von 1594, welche die an die Landbibliothek 
abgegebenen Bücher von den auf dem Schlosse zurückbehaltenen unter- 
scheiden; ferner in Pal. lat. 19 16 ein Verzeichnis von der Hand des Melissus, 
das nur die 1594 der Landbibliothek geschenkten Bücher und Handschriften 
umfaßt; s. Stevenson, Palatini graeci, S. XXV, Note 2, wozu bemerkt sei, daß 
Pal. lat. 1917 nicht von Melissus ist. Der Katalog der besonders an 
französischer Literatur reichen Bibliothek des Pfalzgrafen Christoph 
(Heidelb. Pal. germ. 835) und der meist theologischen Bücher der Pfalz- 
Gräfin Elisabeth, der Gemahlin Johann Casimirs (Heidelb. Pal. germ. SOI). 
Bandschriften haben diese Sammlungen nur in geringer Zahl besessen. In 
die kurfürstliche Landbibliothek sind sicher gekommen die von Melissus 
verzeichnete Schenkung Friedrichs IV. und der Nachlaß Christophs, wie das 
Vorkommen von Pal. lat. 1983 in den Inventaren von 1581 beweist. 



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— 14 — 

Die Freigiebigkeit der Kurfürsten der Stiftsbibliothek gegenüber 
erstreckte sich nicht auf eine kleine Zahl kostbarer oder ihnen durch 
den Inhalt, durch Beziehung zu der kurfürstlichen Familie nahe- 
stehender Handschriften. Größtenteils wohl altes Erbgut, waren sie 
schon von der Schenkung Ott Heinrichs ausgenommen und bildeten 
mit Neuerwerbungen und zahlreichen Drucken eine zweite kurfürst- 
liche Privatbibliothek im Schlosse. Ein wichtiges, leider nicht 
gunz abgeschlossenes Inventar, das kurz nach dem Tode Friedrichs IV. 
(1610) aufgestellt wurde (Heidelberg, Pal. germ. 809), gibt einen 
Einblick in ihre Bestände. 1 ) An erster Stelle reformatorische und 
historische Schriften, dann juristische und staatswissenschaftliche Werke, 
die den Kurfürsten für die Regiernngshandlungen zur Hand sein 
mußten, schöne Literatur und Uebersetzungen der antiken Schriftsteller 
bildeten neben handschriftlichen Cimelien, unter denen sich die 
Boccaccioübersetzung und vier weitere, durch Miniaturen ausgezeichnete 
altfranzösische Handschriften befanden, den wesentlichsten Inhalt der 
Hofbibliothek. Auch aus ihr hat Allatius das Wertvollste mit nach 
Korn genommen.^) 



l ) Bereits Chr. Baehr, Heidelberger Jahrbücher der Literatur, Jg. 65 
(1872), S. 506 f. hat auf diese Handschrift hingewiesen, s. auch die Beschreibung 
bei Wille, Pfälzer Handschriften, S. 122. An der Abfassung des Verzeichnisses 
waren mehrere Hände tätig. Aus den Eintragungen BI. 138v, welche die 
Rücklieferung entliehener Werke betreffen, gent hervor, daß an der Ver- 
waltung der Bibliothek und wohl auch an der Inventarisierung der kurfürst- 
liche Rat Zacharias Kolb beteiligt war. Sein Name kommt in anderem 
Zusammenhang in den Archivalien vor, die den Pal. gcrm. 834 bilden (s. Wille, 
8. 181, ferner Wilken S. 186, wo er mit Unrecht Colbert heißt). Die Be- 
merkung Bl. Inl v, welche über die Entstehung des Inventars Auskunft gibt, 
kann erst später eingetragen sein, da eine vorausgehende Notiz von derselben 
Hand über eine ältere Biicherentleihnng an den Hofprediger Bartholomäus 
Pitiscus dessen Tod (1613) voraussetzt. — In dem Katalog Ludwigs VI. wird 
man kein Inventar der Schloßbibliothek erblicken dürfen, vielmehr ist diese 
von der Schloßbibliothek getrennte Privatbibliothek erst später in der ersten 
aufgegangen, vgl. den Anf. von Pal. lat. 1947: Inventarium aller der Bücher, 
so aus Pfaltzgraff Ludwigs Churfürstens, meines gnedigsten Herrn hoch- 
löblichster gedechtnus, gemach in die Ratstuben gethan. . . . Ebenso war die 
Privatbibliothek Friedrichs IV. getrennt, als der Kurfürst 1594 den größeren 
Teil der Landbibliothek übergab; der erwähnte Katalog "des Melissas, Pal. 
lat. 1916, ist daher kein Katalog der Schloßbibliothek schlechthin, wie 
K. Bardach, Zentralblatt flir Bibliothekswesen V (1888) S. 116 annimmt. Die 
Angaben über Pal. lat. 1917 in dem Tagebuch des Maillot de la Treille 
sind irreführend. 

■) S. Theiner S. 33 ff, Mazzi S. 30 ff. Eine besondere Erlaubnis des 
Grafen Tilly gab Allatius auch die freie Verfügung über die Handschriften 
und Drucke der Schloßbibliothek und die der Universitätsbibliothek, des 
Sapienzkollegs, welche in der Schenkung nicht einbegriffen waren. Während 
Allatius ein Verzeichnis der in der letzteren gefundenen 76 Handschriften 
mitteilt (Theiner S. 78 ff, Mazzi S. 198 ff), beschränkt er sich bei der ersteren 
anf allgemeinere Bemerkungen. In einem Briefe an den Kardinal Ludovisi 
spricht er von der Ueberlaasnng der „Biblioteca privata del Conte, dove sono 
molti libri di molto buona, anchor che di non pretiosa, legatura, e parecbi 
libri manuscritti, belli et antichi . . ." (16. Jan. 1623). Seine Erwartungen 
wurden indessen bei einer näheren Prüfung übertroffen: „Qnanto piü vu 



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— 15 — 

Diese weiter ausholenden Bemerkungen über die alten Inveutarc 
der heidelberger Bibliotheken sind die vorläufigen Ergebnisse noch nicht 
abgeschlossener Untersuchungen, die ich wieder aufzunehmen gedenke, 
sobald meine Zeit es mir gestattet. Sie bilden die Grundlage für die 
nun folgende, auf den Angaben der alten Kataloge beruhende Ueber- 
sicht über die altfranzösischen Handschriften der Biblio- 
theken Heidelbergs am Anfang des XVII. Jahrhunderts. 

A. Bibliothek des Stiftes zum hl. Geist.) 

(Kurfürstliche Landbibliothek, Bibliotheca Palatina.) 

1. Kataloge von 1555 — 56. 

(Handschriften der ehemaligen Schloßbibliothek.) 

1. Officia de Sanctis. Gallice geschrieben, Perment (Pal. lat. 
1929, Theologia latina, in foliis). 
= Pal. lat. 1958. Offitia. 

mesticando (!) la Biblioteca private del Palatino tanto piu trovo libri manuscritti, 
che, se non saranDo di tutta sodisfattione, perche la maegior parte c in lingua 
germanica, non perö saranuo ingrati; tanto piü che credo che siano cose che 
appartengono alla casa loro. lo piglio ogni cosa; anchora le Bulle loro . . . u 
(17. Jan. 1623 an den Kardinal von S. Snsanna, s. MazziS. 30, 34). Ein Blick 
in das Inventar von 1610 bestätigt diese Angaben. Der großen Zahl von 
Drucken gegenüber, mit denen in erster Linie die theologische und die 
historische Literatur der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts ausgezeichnet 
vertreten ist, bleiben die Handschriften erheblich in der Minderzahl. Einige, 
besonders der theologischen, müssen durch Alter, künstlerischen Schmuck, 
kostbare Einbände hervorragend gewesen sein. Die größere Mehrheit bilden 
die deutschen Handschriften, von denen aber nur wenige Denkmäler von 
literarischer Bedeutung enthalten. Meist ist es reformatorische Kleinliteratnr, 
neuere historische und juristische Schriften, die sich überwiegend mit der 
Pfalz und ihrem Herrscherhaus beschäftigen, Inventarien kurfürstlicher Mobilien, 
Stammbücher, Handschriften über Kriegskunst, Pferde- und Jagdliebhaberei, 
populäre Medizin, Alchemie u. ä. Unter den „cose che appartengono alla 
rasa loro" wird man deutsche Handschriften zu verstehen haben, die den 
eigensten Besitz der Rurflirsten und ihrer Familie bildeten: die zahlreichen 
Gebetbücher, Stammbücher, Tagebücher und andere Privatissima des kurfürst- 
lichen Hauses, die kaum je zu einer Bibliothek gehörten, ferner die Akten 
des Schloßarchivs, soweit sie Allatius noch vorfand (s. auch Wille, Pfälzer 
Handschriften S. IX f.). 

') Handschriften werden in den palatinischen Inventuren fast ausnahmslos 
durch den Zusatz „geschrieben", „Manuscript" gekennzeichnet. Die lieber- 
schrift „Manuscripti", „geschriebene Bücher", unter der in einzelnen Katalogen 
eine Reihe Eintragungen zusammengefaßt sind, ist allein nicht beweisend, da 
auch dann neben den Handschriften, die der Bibliothekar als solche zu be- 
zeichnen nicht verfehlt, Drucke nicht selten sind. Der Nachweis der erhaltenen 
Handschriften wird dadurch erleichtert, daS die Bezeichnungen in den Inventareu 
öfters auch in den Handschriften selbst eingetragen sind. Ich füge diese 
Eintragungen den jetzigen, nach dem = Zeichen stehenden Standnummern 
bei. Die Signatur Pal. lat. bezeichnet den Besitz der Bibliotheca Palatina des 
Vatikans, ein vorgesetztes Heidelberg den der heutigen Heidelberger Univer- 
sitätsbibliothek. An erster Stelle steht die Katalogeintragnng, in Klammer 
die Angabe des Inventars, der sie entnommen ist. 



■ I Original from 

UNIVERSITYOF CALIFORNIA 



— 16 — 

2. Vitae sanctorum. Geschrieben, französisch (Pal. lat. 1937, 
1941, Historiographi et cosmographi, V in foliis). 

= Pal. lat. 1959. 

3. Doctrina et Exempla patrnm. Geschrieben, Papier, frantzö- 
sisch (Pal. lat. 1929, Theologia latina, D in foliis). 

= Pal. lat. 1960. Doctrinae seu exempla patrnm. 

4. Liber virtutum, cnius duae sunt partes. Frantzösisch, anf 
Papir geschriben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, L in foliis). 

=a Pal. lat. 1961. Virtutum Üb. I, cuius duae sunt partes. 

5. Historiae Trojanae Collectionum libri 3. Frantzösisch, 
auf Papier geschrieben (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmo- 
graphi, II in median). 

= Pal. lat. 1962. Historiae Troianae collectionum libri 3. 1 ) 

6. De ci vi täte nostrae dominae. Französisch, geschrieben, 
Papir (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, 1) in fuliis). 
— Identisch mit: Ein welsch buch von frawen gewonheit. Auf Papir 
geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, E in foliis). 

= Pal. lat. 1966. 

7. Physica Gallica. Auf Perment geschrieben (Pal. lat. 1935, 
Physica, P in foliis). 

= Pal. lat 1967. Physica Gallica. 

8. Oastrum amicitiae seu voluptatis, carmine Gallico. Auf 
Papir geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, C in foliis). 

= Pal. lat. 1968. Castrum amicitiae seu voluptatis carmine 
Gallico. 

9. Ein Buch von Theophilo und andern heiligen, gereymet. 
Auf Perment, frantzösisch, geschrieben (Pal. lat. 1932, Theologia 
Teutsch, E in foliis). — Legend» Theophili vnd ander hailigen. 
(ieschriben, Perment (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et como- 
graphi, L in foliis). 

= Pal. lat. 1969. Ein Buech von Theophilo und andern heyligen. 

10. llorologium Sapientiae. Auf Perment geschrieben, frantzö- 
sisch (Pal. lat. 1929, Theologia latina, H in foliis). — Horologinm 
sapientiae, fran^oys geschrieben, Perment (Pal. lat. 1936, Philosophia, 
H in foliis). 

— Pal. lat. 1973. Horologinm sapientiae, Eyn welsch blich 
von der wysheit zu liben. 

11. Nicodemi Evangelion. Gallice, geschrieben, Perment (Pal. 
lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, N in fuliis). 

= Pal. lat. 1988. 

12. De virtute Missae. Geschrieben, Papier frnu$ois (Pal. lat. 
1929, Theologia latina, D in foliis). 

= Pal. lat. 1991. llorologium sapientiae. *) 

! ) Diese Handschrift war vermutlich zuerst Eigentum der Universitäts- 
bibliothek, s. S. 4. 

*) Die Inventare bezeichnen die Handschrift nach ihrem ersten Stück, 
der Erklärung der Messe. 



f . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



^ 17 — 

13. Vom glauben, verstendtnus, Hoffnung und den vier 
frauwen. Auf Papir geschrieben (Pal. lat. 1932, Theologia Teutsch, 
V in quarto). 

= Heidelberg, Pal. germ. 484. Von glauben, verstentnis, 
hoffnung und den vier frawen. 

14. Ein Buch von vier frauwen. Auf Papir geschrieben, 
frantzösisch (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, E 
in quarto). 

sap Heidelberg, Pal. germ. 354. Ein buech von 4 frawen. ! ) 

15. Peregrinatio vitae humanae. Frantzösisch, auf Perment 
geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, P in foliis). 

«= Heidelberg, Pal. lat. 1969. Peregrinatio vitae humanae. 

16. Preces, Mariae Vigiliae. Frantzösisch unnd Lateinisch, 
geschrieben, Perment (Pal. lat. 1929, Theologia latina, P in foliis). 

17. Liber de amore Dei. Frantzösisch, geschrieben, Perment 
(Pal. lat. 1929, Theologia latina, L in foliis). — Wohl identisch mit: 
Dialoges de amore communi et particulari, carmine gallico, auf Perment 
geschriben (Pal. lat. 1933, Artes dicendi, D in quarto). 

18. Chronica des Herzogthnmbs Sophoy. Frantzösisch, ge- 
schrieben (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, C 
in foliis). 

2. Kataloge von 1581. 

1. Officia de sanetis. Gallice, geschrieben, Perment, folio, 
Bretter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 88 v, Theologici). 

— 1555, 1 2) = Pal. lat. 1958. 

2. Vitae sanetorum. Gallice, Papir, Bretter, schwartz Leder, 
Buckeln (Pal. lat. 1931, 307 v, Historici, geschriebene Bücher). 

= 1555, 2 =-- Pal. lat. 1959. 

3. Doctrinae seu exempla sanetorum patrum. Gallice, 
geschrieben, Papir, folio, Bretter, rot Leder, Buckeln (Pal. lat. 1931, 
85 r, Theologici). 

= 1555, 3 = Pal. lat. 1960. 

4. Liber virtutum. Gallice, geschrieben, Papier, in folio, Bretter, 
rot Leder, gebunden (Pal. lat. 1938, 88r, Ethici). 

= 1555, 4 = Pal. lat 1961. 

5. Troianae historiae collectionum libri 3. Median, Bretter, 
geschrieben, Papir, rot Leder, Bucklen (Bleistiftnotitz:) gallice (Pal. 
lat. 1931, 276r, Historici). 

= 1555, 5 = Pal. lat. 1962. 



') Die unter 13 und 14 aufgeführten Handschriften waren ursprünglich 
vereinigt. Der Verfasser des Inventars hat für seinen ersten Eintrag die auf 
dem Vorblatt der Handschrift stehen gebliebene Bezeichnung des Sammel- 
bandes Übernommen, als bereits der zweite Teil „von den vier Frauen 11 eine 
selbständige Handschrift bildete. 

-) Um unnütze Wiederholungen zu vermeiden, vorweise, ich mit diesen 
Zahlen auf die Inventarisierung von 1555 - 1559. 

Beiheft 46. 2 



I OriQinal from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 18 — 

6. Ein frantzösisch Buch vom Schachspiel. Geschriben, 
Perment, in 4<\ Bretter, alt Leder (Pal. lat. 1938, 88 r, Ethici). 

= Pal. lat. 1965. Diss buch sagt wie daz schachspil fanden 
und erdacht ey. 

7. De civitate Dominae. Papir, Bretter, rot Leder, Bucklen, 
gallice (Pal. lat. 1931, 308r, Historici, geschriebene Bücher). 

— 1555, 6 = Pal. lat. 1966. 

8. Physica, Gallice geschrieben, Perment, folio, Bretter, rot 
Leder, Bucklen (Pal. lat. 1938, 98 r, Physici). 

= 1555, 7 = Pal. lat 1967. 

9. Castrum voluptatis. Gallice, reimenweis, Papir, Bretter, 
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 306 v, Historici, geschriebene Bücher). 

— 1555, 8 = Pal. lat. 1968. 

10. Historia von Theophilo unndt andern Heiligen. Ge- 
schrieben, gallice, Perment, bredter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 
308 v, Historici, geschriebene Bücher). 

= 1555, 9 — Pal. lat. 1969. 

11. Tragoediae du Sac de Cabriere. In 4° eingehefft (Rand- 
note:) frantzösisch, geschrieben (Pal. lat. 1938 Bl. 51, Poetae latini). 

= Pal. lat. 1983. 

12. Nicodemi Evangelium (Bleistiftkorrektur: Legend). Gallice, 
Papir, illuminiert, Bretter, braun Leder, Bucklen (Bleistiftnotiz: Seint 
lügend) (Pal. lat. 1931, 307 v, Historici, geschriebene Bücher). 

= 1555,11 — Pal. lat. 1988. 

13. De virtute missae. Gallice, geschrieben, Papier, folio, Bretter, 
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 88v, Theologici). 

= 1555, 12 = Pal. lat. 1991. 

14. Joannis du Pin Visionuni libri 8, primus autem desideratur; 
item de virtutibus lib. I, cuius duae sunt partes. Gallice, geschrieben, 
Papir, in foliis, Bretter, weiß Leder, Ketten (Pal. lat. 1938, 90 r, Ethici). 

= PaL lat. 1992 (und 1961)*), Joannis du Pyn Visionum 
lib. 8 . . . item de virtutibus lib. I. 

15. Vom Glauben, verstendnus, hoffnung und den vier 
fr auen. Geschrieben, Papir, in 4°, Bretter, rot Leder, Buckeln (Pal. 
lat. 1931, 89 v, Theologici). 

= 1555, 13 = Heidelberg, Pal. germ. 484. 

16. Ein buch von vier frawen. Gallici rhytmi, Papir, Bretter, 
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 310r, Historici, geschriebene Bücher). 

— 1555, 14 — Heidelberg, Pal. germ. 354. 



') Dieser Notiz entspricht in der deutschen Inhaltsangabe, die der 
Handschrift beiliegt und die besonders den Anteil des Nikodemus an der 
Volto Santo-Legeude hervorhebt, die Bemerkung: In summa non credo, wo- 
durch die Identität mit Pal. lat. 19SS weiter erhärtet wird. Nach der Inventar!- 
sation von 1555 ist es eine Pergament-, hier eine Papierhandach rift. 

*) Beide Handschriften waren ursprünglich vereinigt. Auch hier bat 
der Inventarisator die Inhaltsangabe des ehemaligen Sammelbandes mechanisch 
übernommen, vgl. 1555,4; 1561,4. 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 19 — 

17. Peregrinatio vitae humanae. Frantzö9ische Carmina, ge- 
schrieben, Perment, in folio, Hretter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 
1931, 49v, Theologie!). 

= 1555, 15 = Heidelberg, PaL lat. 1969. 

18. Chronica des Hertzogthumbs Sophoy. Papir, Bretter, rot 
Leder, Bucklen, gallice (Pal. lat. 1931, 308 r, Historici, geschriebene 
Bücher). ^ 

= 1555, 18. 

3. Alphabetischer Index lateinischer Handschriften 

in Pal. lat. 1916. 

Tristani de Cornuaille fabula. Perg., 229 seors., gallice. 1 ) 
— Pal. lat. 1964. 229 seors [um]. 

4. Aus der Bibliothek Ulrich Fuggers.' 2 ) 

1. Chronicon gallica lingna scriptum. Auf Pergament 3 ) 
(Pal. lat. 1915, Truhe 26, pag. 68, No. 83). 

= Pal. lat. 1963. 

2. Gallici Rithmi de Religione. Auf Perment geschriben 
(Pal. lat. 1915, Truhe 26, pag. 68, No. 18). 

« Pal. lat. 1970, Gallici rhythmi de Religione. 

3. Varii Rithmi, gallice. Auf Perment geschrieben (Pal. lat. 
1915, Truhe 26, pag. 68, No. 13). 

4. Liber gallicus de Christianorum quadragesima. Auf 
Pergament geschrieben (Pal. lat. 1915, Truhe 18, pag. 58 b, No. 39). — 
Nach Pal. lat. 1921 eine italienische Handschrift: Liber italicus de 
christianorum quadragesima. 

5. Aus der Bibliothek des Pfalzgrafen Christoph. 

(Inventar von 1574, jetzt Heidelberg Pal. germ. 835.) 1 ) 

Tragoedie du Sac de Cabriere. Alt Perment 5 ) (98r). 
= Pal. lat. 1983. 



') Mit dem Verweis unter R: Roman fiazoes (Korrektur: fran^ois) lingua 
gallica, Perg., 229 seors. (am Rand:) vide in T: Tristani fabulosa. In der 
von F. L. Hoffmann veröffentlichten, öfters ungenauen Abschrift des Inventars 
lautet der Eintrag: Tristani de Cornuaille fabnla gallica et germanica. Unter 
den auf Bl. 38 — 42 verzeichneten Handschriften, die dem römischen Ver- 
zeichnis fehlen, findet sich eine zweite französische Handschrift, Pal. lat. 1962, 
ab Truianae historiae collectionuin libri III (Serapeum XI, 1850, S. 193, 195). 

*) Ich beschränke mich hier auf das spätere und genauere Inventar des 
Pal. lat. 1915; die mit jeder Truhe neu beginnende Zählung der Handschriften 
und Drucke, der Verweis auf die Blattzählung des verlorenen Inventars 
fehlen, wie bereits bemerkt, dem notariellen Protokoll (Pal. lat. 1921). 

3 ) In beiden Inventaren unter den „auf Papier geschriebenen 14 Hand- 
schriften; nur der Pal. lat. 101 A hat den berichtigenden Zusatz „auf Pergament." 

4 ) s. die Beschreibung der Handschrift bei Wille, Pfälzer Handschriften S. 1 33. 

5 ) „alt Perment" bezieht sich hier auf deu Einbaud. 

2* 



( ' " , . I . Original from 



UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 20 — 

B. Schloisbibliüthck. 

(Inventar von 1610, jetzt Heidelberg Pal. germ. 809.) 

1. Das alte Testament. Frantzösisch, *) vf Pergament geschrieben, 
in schwartz Sammet mit vergulten Bucklen (74 v, Theologici in folio). 

— Pal. lat. 1957. 

2. Bocatii Decamero. Frantzösisch, vff pergament geschrieben, 
mit figuren (125 r, Historici in folio). 

= Pal. lat. 1989. 

3. Ein Buch, vf ßergament geschrieben, dessen titulus: Lien de 
corps a Tarne. Mitt etlichen figuren, in schwartz leder und ver- 
gulten schniedt (79 r, Theologici in folio). 

— Pal. lat. 1990. 

4. Ein Buch, frantzösisch, vf Pergament geschrieben, dessen Titul: 
De vertus et bonncs moeurs. Mit figuren, in schwartz ein- 
gebunden mit vergulten Bucklen (79 r, Theologici in folio). 

— i Pal. lat. 1995. 

5. Ein frantzösisch Buch vf Pergeraent geschrieben, mit figuren: 
Exhortations Spirituelles. In gülden stick eingebunden, auss- 
wendig druf les Epitres Ozea (79v, Theologici in folio). 



Von den einunddreißig altfranzösischen Handschriften, 2 ) welche 
die Inventare aufführen, befinden sich zweiundzwanzig in der Yaticana 

') „Frantzösisch" übergeschrieben nach Tilgung des ursprünglichen 
„lateinisch". 

*) Da die vorliegende Untersuchung sich mit Ausnahme der literar- 
historisch bedeutsamen Palatini lat. 1983 und 1984 auf die altfranzösische 
Literatur beschränkt, habe ich spätere französische Handschriften auch für 
die obige Aufstellung außer acht gelassen. Die heidelberger Bibliotheken 
besaßen noch eine Anzahl Handschriften des XVI. Jahrhunderts, aber fast 
ausschließlich historischen oder reformatorischen Inhalts. Ich habe mir notiert 
aus Pal. germ. 809 (Schloßbibliothek): Pourtrait de Babylon et batterie contre 
ses ravehns par le Sr. Du Bois Lorea, geschrieben vf bapier (78 v), offenbar 
ein theologisches Pamphlet, — Memoires de la vie de Frideric Cointe Palatin, 
Electeur, par P. Denais, auf Papier geschrieben, weiß Pergament (120v) — 
P. Denais. de Testat de Polongne, roanuscript in rot Pergament (124v), zwei 
ungedruckte Schriften des auch als Dichter des heidelberger Kreises bekannten 
Juristen Peter Denaisius ( 1 560— 1610), der unter Johann Casimir und Friedrich IV. 
als pfälzischer Rat mit diplomatischen Missionen nach Polen und England 
beauftragt wurde, s. Deutsche Biographie V 49. Zwei Musikhandschriften von 
Gilles Bassenges (Aegidius Bassengius) verzeichnet das von Melissus verfaßte 
Inventar der Schenkung Friedrichs IV. an die Stiftsbibliothek von 1594: 
Emblemes mis en musique, par Gilles Bassanges, gallice. Prima cantio est 
latina ad Joannem Casimirum, in 5 Tail gebunden, Manuscript, 4° — Les neuf 
Muses palatincs, par Gilles Bassanges, gallice, Manuscript, b° (Pal. lat. 1916 
II 65 v, Musica, dieselben Handschriften in den Verzeichnissen der Privat- 
bibliothek Friedrichs IV. von 15*9 Pal. lat. 1917 und 1918). üeber Bassenges s. 
F. J. F6tis, Biographie universelle des musiciens, Paris, I (1860} 2(ȧ, und 
R. Eitner, Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten, Leipzig, I (1900) 
368, beide ohne Erwähnung der genannten Werke. 



1 Oriqinal from 
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 21 — 

und drei in der Universitätsbibliothek in Heidelberg. Drei weitere 
Handschriften der Vaticana — Pal. lat. 1971 (Partonopeus von Blois 
und Epenfragmente), 1972 (Folque de Candie), 1984 (Lyrik des 
XVI. Jahrhunderts) — , deren heidelberger Herkunft durch die Zu- 
gehörigkeit zu dem Fonds der Palatini des Vatikans wahrscheinlich, 
durch die in sie eingetragenen Signaturen des Allatius gesichert ist, 
sind in den alten Inventaren nicht nachweisbar. Die Pergament- 
handschrift Pal. lat. 1971 mit ihren epischen Fragmenten wird wohl 
mit den „Varii Rithmi, gallice, auf Perment geschrieben" der Fugger- 
handschriften gemeint sein. Bei der vierten Handschrift der Fugger- 
bibliothek bleibt der französische Sprachcharakter unsicher, da hierüber 
die Angaben der beiden Inventare auseinandergehen. Es ist weiterhin 
möglich, daß in der Inventarisation von 1555 die Hs. 17 (Liber de 
amorc Dei — Dialogus de amore communi et particulari, carmine 
gallico) mit der Hs. 10 (Sense, Horologium sapientiae) *) identisch ist, 
da bei dem alphabetischen Prinzip dieser Inventarisierung, welche ein 
leichtes Auffinden der Handschriften ermöglichen soll, nicht aber der 
Aufstellungsordnung folgt, dieselbe Handschrift je nach der Wahl des 
Ordnnngswortes oder der Beurteilung des Inhalts mit variierendem Titel an 
verschiedenen Stellen der Verzeichnisse vorkommen kann. Ueber den Ver- 
bleib der letzten drei Handschriften, welche sich von den in den Inventaren 
verzeichneten noch erübrigen, vermag ich nur Vermutungen auszusprechen. 

Die Hof- und Staatsbibliothek in München besitzt als Cod. lat 
10096 ein Gebetbuch mit Miniaturen aus dem Besitz Ott Heinrichs, 
dessen Bild und Wappen mit der Jahreszahl 1558 der Einband zeigt. 
Die Gebete sind lateinisch mit französischen Ueberschriften. Die 
Handschrift, ein ehemaliger Bestandteil der Mannheimer Hofbibliothek, 
mag ein versprengter Codex palatinus sein, der später in die Sammlung 
Karl Theodors gelangte; 2 ) es ist nicht ausgeschlossen, daß sie mit 
den „Preces, Mariae Vigiliae, frantzösisch und lateinisch, ge- 
schrieben, Perment" der Kataloge von 1555 identisch ist. 

Eine wertvolle Handschrift wird auch der, wie alle französischen 
Handschriften der Schloßbibliothek, mit kostbarem Einband und Miniaturen 
geschmückte Codex gewesen sein, den das Inventar von 1610 unter 
den Theologici in Folio als „Ein frantzösisch Buch vf Pergement ge-' > 
schrieben, mit figuren, Exhortations Spirituelles, in gülden stick 
eingebunden, ausswendig druf les Epitres Ozea a bezeichnet Der 
Name Ozea, wahrscheinlich eine Angleichung an den biblischen Namen 
Ozias, der den Schreibern des Verzeichnisses vertraut war, weist 

*) Pal. lat. 1973; das Horologiam in Prosa, aber der Epilog des Ueber- 
setzera in Versen. 

*) s. Cafalogus cod. lat. Bibliothecae regiae Monaceosis II 1 (1874), 132 
und G. Leidinger, Verzeichnis der wichtigsten Miniaturen -Handschriften der 
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, München 1912, S. 26. Die Jahreszahl ist 1558. 
nicht 1553, wie es an beiden Stellen heißt. Einbände mit Ott Heinrichs Bild 
besaß auch die Bibliothek in Neuburg, aber docli wohl nur ans der Zeit, als 
dort Ott Heinrich vor Krlangung der Kurwiirde (155G) residierte. Sie sind 
neuerdings in die Hof- und Staatsbibliothek in München gekommen. 



I Original fVorn 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 22 — 

auf die lehrhafte Epistre que Othea, deesse de prüde nee, envoya 
a Hecior de Troye der Christine de Pisan hin. Daß aber anch 
die Bezeichnung Exhortations spirituelles keine willkürliche Prägung 
ist, zeigt der Anfang einer anderen Handschrift der Epistre, der einzigen, 
die sich in Deutschland befindet, des Cod. membr. I 119 der Herzog- 
lichen Bibliothek in Gotha. 1 ) Hier geht dem Text ein Register voraus, 
das in fünf sachliche Gruppen geordnete Hinweise auf den Inhalt gibt, 
mit dem Anfang: La table de celivre demonstre le nombre des chappitres 
dont on vouldra lire. Si est la premiere partie de ceste [table] de exhor- 
tacions espiritueles. Et theos en grec est autant a dire en fran^ois 
comme dieu, et logos sermo, dont theologie est a dire sennon de dieu. Die 
Epistre beginnt dann nach Schluß des Registers sogleich mit: Othea, 
deesse de prudence, | Qui adresse les bons en vaillance (7r) ohne die 
Widmung Christinens an den Herzog Ludwig von Orleans (Tres hanlte fleur 
par le monde louee) und ohne die sonst übliche Rubrik: Cy commence 
l'epistre que Othea la deesse envoya a Hector de Troye, quant il estoit en 
l'aage de quinze ans. Dieses Register, besonders seine weitschweifige 
Ankündigung, der inhaltlich wenig besagende Ausdruck „Exhortacions 
espiritueles , der in der Epistre keine Stütze findet, die unangebrachte 
Glosse, machen durchaus den Eindruck einer späteren Zufügung flan- 
drischer Schreiber, die ihre Handschriften mit langatmigen Titeln und 
Registern einzuleiten pflegten. Mit dem ursprünglichen Text hat es 
sicher nichts zu tun. Eine ähnliche Handschrift aber muß den Verfassern 
des Inventars von 1610 vorgelegen haben. Die kurfürstlichen Räte, 
bei denen man kein großes Verständnis für französische Literatur 
voraussetzen kann, und die sich nach eignem Zeugnis ihres Auftrags 
„in großer eihl" entledigten, 2 ) haben zunächst den Inhalt der Hand- 
schrift geprüft und, da Bie keine Titelrubrik fanden, dem Register die 
Worte .Exhortations spirituelles", die nur als Ueberschrift für dessen 
erste Gruppe gilt, entnommen, dann bei Beschreibung des Einbandes 
die äußere , von sachverständigerer Hand herrührende Bezeichnung 
hinzugefügt. Die naheliegende Vermutung, daß die gothaer Handschrift 
der vorschollene Palatinns sei, läßt sich leider nicht zur Gewißheit 
erheben. 3 ) Der schöne Pergamentcodex mit seinen hundert Miniaturen 

>) Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr. Ehwald bin ich für Mitteilungen über die 
Handschrift und ihre Sendung an die Königliche Bibliothek in Berlin zu 
Danke verpflichtet — Eine eingehendere Besenreibung findet sich bereits bei 
Fr. Jacobs und F. A. Ukert, Beitrage zur älteren Literatur oder Merkwürdigkeiten 
der Bibliothek zu Gotha. Leipzig 1836—38. Bd. II, 161 ff. 

f ) S. die Beschreibung des Inventars bei Wille, Ptalzer Handschriften, S. 122. 

3 ) Eine Untersuchung, ob das Register des Gothanus in andern der zahl- 
reichen Handschriften wiederkehrt, würde, selbst wenn sie zu einem negativen 
Ergebnis führen sollte, nicht völlig beweisend sein, da verwandte Handschriften 
verloren gegangen sein können. Die Beschreibungen der Handschriften Paris 
Bibl. Nat. franc. 604, 606, &4S, 11S5, IIS«, 1644, 12438, 15214. 229S6, 25559, 
Nouv. acq. 645*, 7519, Brüssel 4374, M92, '.»550, 111 »2, II 103, 11249, Chantilly 
495, 490, Lille 391, 392, ltum Vat. lieg. 1323 enthalten keinen Hinweis auf 
ein Register, doch könnte er bei der Klirao der Angaben unterblieben sein. — 
Es sei hier bemerkt, daü der Uuthanus die ursprüngliche Fassung Christinens 



I Original front 



UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 23 — 

stammt aus der Bibliothek Antons von Burgund. Für ihn ist er ge- 
schrieben, wie das in die Randfüllung der Zierseite (Bl. 7 r) eingefügte 
Wappen beweist, und die bekannte Devise „Nul ne si frote. Ob. 1 ) de 
Bourgogne" trägt das letzte Blatt. Die Bibliothek des „ Grand Bätard 
de Bonrgogne" mit ihren zahlreichen Prachthandschriften scheint bald 
nach seinem Tode (1504) zerstreut worden zu 6ein. Ein Teil indessen 
ging wahrscheinlich an seinen Enkel Adolf von Burgund über; so 
auch die später in die Palatina gelangte Miniaturenhandschrift des 
Livre de bonnes moeurs (Pal. lat. 1995^). Die Schicksale der gothaer 
Handschrift nach Antons Tod dagegen sind unbekannt. Der alte Einband, 
der Aufklärung geben könnte, ist im XVII. Jahrhundert ersetzt worden; 
Hinweise auf eine palatinische Herkunft habe ich in der Handschrift 
selbst nicht gefunden. Als Besitz der Gothana wird sie erst 1714 
erwiesen, durch ihr Vorkommen in dem Catalogus cod. rass. Bibliothecae 
Gotha nae (Lipsiae 1714, S. 22) des Ern. Sal. Cyprianus. 

Die „Chronica des Hertzogthumbs Sophoy, Papir, gallice" 
der Inventare von 1555 und 1581 wird eine der zahlreichen Hand- 
schriften der „Anciennes chroniques de Savoye" gewesen sein, der 
am Anfang des XV. Jahrhunderts entstandenen Familienchronik des 
Hauses 8avoyen, 3 ) die Mechthild oder Margarete von Savoyen mit 
nach Heidelberg gebracht haben mag. 

Unter den heidelberger Handschriften, die Leo Allatius im 
Frühjahr 1623 über die Alpen entführte, befanden sich auch acht- 
undzwanzig französische Handschriften der kurfürstlichen Bibliotheken. 
Wie der Bevollmächtigte Gregors XV. seine schwierige Aufgabe mit 
Geschick erfüllte, hat er selbst in seinen Berichten und Briefen 
anschaulich geschildert. 4 ) Die französischen Handschriften teilten das 

enthält, nicht die im Auftrag Philipps des Guten von Jean Mtelot verfaßte 
Bearbeitung. Letztere scheint auch nur in der Prachthandschrift Mi6lots, Brüssel 
9392, sich zu finden, deren Miniaturen J. van den Gheyn (Brüssel 1913) ver- 
öffentlicht hat. Zum Vergleich mit der gothaer Handschrift konnte ich den 
frühesten. Ende des XV. Jahrhunderts bei Philippe Pigouchet in Paris unter 
dem Titel „Les cent histoires de Troye" erschienenen Druck der ersten Fassung 
(Hain 4985, Berlin Kgl. Bibl. Ink. 4754) heranziehen. Mit den Holzschnitten 
der Inkanabel zeigen die Miniaturen des Gothanus gleichfalls eine größere 
Verwandtschaft als mit denen Mielots, obgleich auch letztere größtenteils auf 
dieselbe Vorlage zurückgehen. 

') Der Schaft des b ist mit einem Kürzungsstrich durchkreuzt 

a ) S. die Beschreibung dieser Handschrift an späterer Stelle; dort auch 
Literaturnachweise. 

') Ausgabe in den Monumenta historiae patriae, Scriptores T. I, Augustae 
Taurinorum 1840. v 

*) Die ältere, tendenziöse, aber durch die, freilich nicht erschöpfende, 
Erschließung des in der Vallicelliana in Rom aufbewahrten Nachlasses des 
Allatius wichtige Arbeit von Augustin Theiner ist nun durch die auf ein- 
gehendem Studium dieser handschriftlichen Quellen nnd auf ausgiebiger 
Verwertung der gedruckten Literatur beruhende Untersuchung von Curzio 
Mazzi, Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg, Bologna 1893, ersetzt 
Ergänzungen bietet Enrico Stevenson, La raecolta palatina dei codici e libri 
a stampa ed i lavori eseguiti alla medcsiuia per ordine di Leone XIII. [1893]. 



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— 24 — 

Schicksal der übrigen. Auch von ihnen hat Allatius die alten 
schweren Einbände, wie sie die Inventare der Stiftsbibliothek von 
1581 und der Schloßbibliothek von 1610 beschreiben, entfernen 
lassen; nur die drei Handschriften, deren Deckel Ott Heinrichs Bild 
und Wappen trugen (Pal. lat. 1969, Heidelberg Pal. germ. 354, 484) 
blieben der römischen Instruktion gemäß verschont. ■) Zugleich mit 
den lateinischen Handschriften wurden sie mit einer fortlaufenden 
Zählung versehen, da die in Heidelberg vorgefundenen Inventare, mit 
, Ausnahme desjenigen der griechischen Handschriften, für die Sichtung 
und Ordnung der Bibliothek keine genügende Grundlage zu bieten 
schienen. Der fortlaufenden Nummer fügte Allatius dann noch die 
der Kiste hinzu, in welche die Handschrift verpackt wurde. Die 
spätere Aufstellung in der Vaticana trennte die orientalischen, 
griechischen, lateinischen und deutschen Handschriften. Die wenigen 
französischen Handschriften wurden den lateinischen angereiht und 
erhielten die folgenden Standnummern, aber das noch vor 1633 von 
Alessandro Rainaldi verfaßte Inventar der Palatina*) schloß bereits 
mit der letzten lateinischen Handschrift, Pal. lat 1956. Die Inven- 
tarisierung der französischen Handschriften, denen sich im Laufe der 
2eit noch einige andere, zuerst zerstreute Handschriften, insbesondere 
eine größere Anzahl von Libri cum notis manuscriptis, die aus den 
Drucken 3 ) der Palatina ausgesondert worden waren, zugesellten, blieb 
einer späteren Zeit vorbehalten und scheint dann in Vergessenheit 
geraten zu sein.*) 

Hier standen nun gänzlich unbeachtet die altfranzösischen Hand- 
schriften der heidelberger Bibliotheken. Die zahlreichen Gelehrten, 5 ) 



*) Ueber die Einbände Ott Heinrichs s. Wilken S. 122 f.— Die von Niccolö 
Alemanni für Allatius verfaßte Instruktion schrieb betreffs der Einbände vor: 
Per inanco peso, et per non multiplicar le casse, si potranno levare ai libri 
le coperte di tavola . . . Ma sopra tutto non si tocchino quelle coperte nelle 
quali appariranno arml, inscrizioni o memorie del giä Conte Palatino o altri 
principi, o di monasteri, chiese, o locht d'onde detti libri ai saranno havuti 
(Theiner S. 56, Mazzi S. 166). — In Rom wurden die französischen Hand- 
schriften, die ihre alten Einbände verloren hatten, wie die meisten Palatini 
alsbald mit gleichmäßigen, schmucklosen Pergamenteinbänden versehen; nur 
die Pal. lat. 1957, 1970, 1989, 1990 haben Ledereinbände aus neuerer Zeit 

') Vgl. E. Stevenson, Raoeolta palatina [1893] S. 10. 

*) Die Drucke der Palatina hat Henricus Stevenson verzeichnet: Inventario 
dei libri stampati Palatino -Vaticani, Roma 1886 — 1889. 

4 ) Die nicht katalogisierten Handschriften umfassen die Pal. lat 1957—2017. 
Unter den Pal. lat 1996—2017 stehen die Tage- und Stammbücher der Pfalz- 
grafen, die F. von Bezold in seiner Ausgabe der Briefe des Pfalzgrafen 
Jobann Casimir, München 1882 — 1903, teilweise verwertet hat; über die Stamm- 
bücher Pfalzgraf Christophs, Pal. lat. 2016, 2017, s. die spätere Beschreibung 
von Pal. lat. 1983. Pal. lat. 1976— 19S2 sind Musikhandschriften. Eine Hand- 
schrift von Konrad Kyesers Bellifortis, Pal. lat. 19S6, beschrieb F. Saxl, Sitzungs- 
berichte der heidelberger Akademie. Phil.-hist. Klasse Jg. 1915. Abh. 6—7, 
S. 43 f. 

& ) Eine Uebersicht bietet das Vorwort Langluis' zu seinen „Notices des 
inanuscrits de Kome. u 



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— 25 — 

die den romanischen Schätzen der Vaticana ihre Aufmerksamkeit 
zuwandten, sind achtlos an ihnen vorübergegangen, von Bernard de 
Montfaucon, der in seiner „Bibliotheca bibliothecarnm manuscriptornm 
nova" (Parisiis 1739) bereits viele französische Handschriften der 
Vaticana verzeichnete, bis zu Ernest Langlois, dessen „Notices des 
mannscrits fran$ais et proven$aux de Korne antcrieurs au XVI C siccle" 
(Paris 1889. = Notices et extraits des mannscrits T. XXXIII 2.) die 
ganzen altfranzösischen Bestände der römischen Bibliotheken umfassen 
sollten. 1 ) Mit einer Ausnahme! 



a ) Man wird jetzt, wo unsere Kenntnis der altfranzösischen Hand- 
schriften Roms eine wesentliche Bereicherang erfährt, nicht ohne Interesse 
die folgende Stelle der Besprechung der Arbeit Langlois' lesen, die Paul 
Meyer in der Romania XIX (1890) 309 ff. geschrieben hat: Dorenavant, 
pour tont ancien ms. franqais ou pro verbal de Korne, on pourra avec s6curitc 
avoir reconrs au memoire de M. Langlois, assur6 d'y rencontrer, soit une 
notice originale, soit une bibliographie bien faite des travaux plus anciens. 
Ceux des mss. de Rome qui Interessent notre littärature ont 6t6 de bonne 
heure l'objet de recherches assez nombreuses. Sans parier des notices r6dig6es 
par Sainte - Palay e et La Port du Theil au aiecle dernier, et conserv6ea en 
manuscrit ä la Bibliotheque nationale, notices que M. Langlois a consult6es 
urilement plus d 7 une fois, les recherches de P. Lacroix, de Keller, de Guessard, 
de Grüzmacher, de Bartsch, de M. Stengel, de M. Delisle et plusieurs eleves 

J|ue l'Ecole des Chartes a envoy^s dans ces dernieres annäes a l'Ecole 
ran§aise de Rome (nutamment de M. M. Elie Berger et Ant. Thomas), avaient 
d6jä fait connaitre la plupart de ces mss. Aussi M. Langluis ne pouvait-il 
espärer faire aucune d6couverte r6ellement importante. — Das Inventar 
Langlois' läßt Indessen, auch wenn man von den Palatini absieht, an Voll- 
ständigkeit sehr zu wünschen übrig. Bereits A. Thomas, Romania XIX (1890) 
599 ff. , hat auf 16 Handschriften hingewiesen, die Langlois übersehen hatte. 
Gelegentliche Notizen, die ich mir bei einer Durchsicht des Inventars der 
Bibliotheca Reginae auf deutsche Handschriften machte, gestatten mir, weitere 
Ergänzungen zu geben. Bei Langlois vermisse ich: Reg. lat. 25 (Bibliorum 
epitome, Tatine et gallice, cum adnotationibus), 27 (Psalmorum über et cantica, 
litaniae etc. cum veraione gallica), 80 (Excerpta ex sacris libris. partim gallice, 

Earttm latine), 1177 (Marescalcia , sive de equis curandis, gallice), 1292 (De 
erbia aüisqucf simplicibus medicamentis, ordine alphabetico, gallice cum 
figuris), 1429 (Proverbia gallica antiqua cum explicationibus), 1628 (Vegetius 
de re militari, a Joanne de Meung gallice expressus, s. Romania XXV (180«) 
402 Note). Die lateinischen Bezeichnungen sind die des vatikanischen Inventars; 
ich habe sie beibehalten, da eine nähere Prüfung des Inhalts dieser Hand- 
schriften — es sind, wie ich mich überzeugen konnte, alles Pergament- 
handschriften des XIV. und XV. Jahrhunderts — anfangs nicht in meiner 
Absicht lag und später, mangelnder Zeit wegen, unterbleiben mußte. Zwei 
altfranzüsische Handschriften, davon eine der Ottoboniana, die bei Langlois 
fehlen, finde ich von Ludwig Bethmann, Archiv der Gesellschaft für ältere 
deutsche Geachichtskunde XII (1874) S. 307, 367 verzeichnet: Reg. lat. 760 
(Gesta epp. Cameracensium), Ottobon. 1474 (Loya de Normane! ie). Reg. lat. 315 
(Livre d'neures, Perg.. 14. Jahrb.) enthält außer Gebeten auch ein Fragment 
des Miserere des Renclus de Molhens (Ausg. von A. G. van IJamel, Paris 18S5, 
Str. I— LXXVI1); zu Reg. lat. $70 vgl. Bibliotheque de l'Ecole des chartes 
LXV (1904) 541 ff., zu Reg. lat. 1480 (Chrestieu Lo Gouais, üvide le grant) 
jetzt F. Sail, I. c. 8. 68. Eine erneute systematische Durchsicht der Inventare 
würde m. E. in allen Teilen der Vaticana, die Palatina ausgenommen, noch 
erhebliche Nachträge zn Langlois* Verzeichnis ergeben. 



I ' , . I . Original from 



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— 26 — 

Kurfürst Karl Theodor, der kunstsinnige Fürst, dem die Mann- 
heimer Hofbibliothek ihre Blüte verdankte, hatte auch ein lebhaftes 
Interesse für die Bücherschätze seiner Vorfahren, die ein ungünstiges 
Geschick nach Rom verschlagen hatte. Nachdem bereits 1750 in 
seinem Auftrage Johann Georg von Lori den deutschen, auf die Pfalz 
und Bayern bezüglichen Handschriften der Palatina ein längeres 
Studium gewidmet hatte, wurde 1767 — 1768 dem pfälzischen 
Akademiker und Hofbibliothekar Maillot de la Treille der Auftrag, 
die ganze Palatina einer Durchsicht zu unterziehen. 1 ) Maillot fand 
in der Vaticana weitgehendes Entgegenkommen. Es wurde ihm ge- 
stattet, nicht nur die Kataloge, sondern auch die Handschriftenschränke 
selbst, Handschrift für Handschrift prüfend, zu durchmustern. Die 
ausführlichen Notizen, die der pfälzische Hofbibliothekar in seinem 
jetzt in dem Kgl. Geheimen Hausarchiv in München befindlichen 
Tagebuch niedergelegt hat, geben Kunde von dem Fleiß und der 
Sorgfalt, die er seiner Aufgabe widmete. Auch die französischen Hand- 
schriften entgingen seiner Aufmerksamkeit nicht. Die Stelle des Tage- 
buchs, welche sie behandelt, verdient Wiedergabe, nicht allein weil 
sie für diese interessant ist, sondern auch weil sie das Urteil eines 
französischen Gelehrten der Aufklärungszeit über die mittelalterliche 
Literatur seines Vaterlandes charakteristisch wiederspiegelt. 

Nachdem unser Bibliothekar mit dem 14. Schrank und mit Pal. 
lat. 1956 seine Durchsicht der lateinischen Codices beendet hatte, 
fahren seine Aufzeichnungen fort: 2 ) Suite des autres manuscrits qui 
sont places sans ordre et de quelques grecs dans l'armoire quator- 
zieme: Deux volumes, petit in 4°, sur parchemin en lettre6 gothiques 
contenant des cantiques et autres vers qui traitent de la religion et 
des devoirs d'un bon chretien [Pal. lat. 1970, die zweite Hs. ist nicht 
bestimmbar]. — Quatre volumes in 8° oblongo contenant des livres 
de chants notes [jetzt Pal. lat. 1976 — 79, der Text ist lateinisch], il 
paroit qu'ils ont et<$ pris dans la Boheme. — Un autre in 4° sur 
parchemin en lettres gothiques contenant des historiettes de devotions 
mises en vers frangois, ce volume a 233 feuillets [Pal. lat. 1969]. — 
Un autre in 4° de 51 feuillets sur parchemin en lettres gothiques, 
il a pour titre: Le Jeu des Eschecs par Jehan du Boys [Pal. lat 
1965]. — Un in 8° sur parchemin, lettres gothiques, contenant cn 146 
feuillets Thistoire des trois Maries. 3 ) — Un in 4° sur papier de 

\) Rockinger S. 27 ff.. Auszüge aus dem Tagebuch S. (30) ff.; die Stelle 
über die französischen Handschriften, die schon früh meine Aufmerksamkeit 
auf diese hinlenkte, ist bei Rockinger sehr gekürzt: „In dem Schlußschranke 
der lateinischen Handschriften sind sodann noch einige französische, und die 
ersten 22 Nummern der griechischen aufgestellt" (S. 33). 

*) München, Kgl. Bayer. Geh. Hausarchiv Nr. 290 b, Bd. 3. 

3 ) Diese Inhaltsangabe paßt auf keine der heidelberger Handschriften, 
die allgemeinen Angaben aber, besonders die Blattzahl, auf Pal. lat. 1972. 
Warum allerdings Maillot diese -Handschrift mit der biblischen Legende von 
den drei Marien, die in drei alt französischen Fassungen bekannt ist (s. 
ü. Grocber, Grundriß der roin. Philologie, Bd. 2, Abt. I, S. 647, 761, 934), 



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— 27 — 

188 fenillets contenant en lettres gothiques le ch&teau d'amour 
en vers francois [Pal. lat. 1968]. — Treize autres volumes in folio 
contenant des livres de priores, des vies des saints [Pal. lat. 1959] 
et des romans, entre lesquels celui qni a pour titre Pelerinage de la 
?ie hnmaine avec figures [Heidelberg, Pal. lat. 1969], m'a paru le 
plus curieux; ils sont tous en lettres gothiques et la plnpart sur 
parchemin. — La chroniqne de Godefroi de Bouillon in folio sur 
parchemin de 258 fenillets en lettres gothiques [Pal. lat. 1963]; une 
note apprend que cette chronique a ete coui'rontee avec la traduction 
qu'en en[t] faite Guillaume Tyrius, le 29 mai 1598; in ßne rubrica 
ita habet: Liber Dominae Isabellae reginae Norwegiae. — Six autres 
volumes in folio, dont cinq sur parchemin en lettres gothiques, 
contenant l'histoire fabuleuse du crucifix de Luques avec des figures 
[Pal. lat 1988], la traduction d'une partie de la bible [Pal. lat. 1957], 
le roman de Tristan [Pal. lat. 1964] et autres. — Somme totale, il 
n'y a rien de rare en tous ces manuacrits franfais. 

Tragödie du Sac de Gabriere, en vers frangois, petit in 4° sur 
papier de 35 fenillets [Pal. lat. 1983]/ — Die Wiedergabe der Widmung 
an den Pfalzgrafen Christoph und der ersten Verse begleitet die 
Wertung: en voilä, ei je ne me trompe, assez pour juger de la belle 
versification et des beaux sentiments que renferme cette pifcce. 

Diese siebenundzwanzig französischen Handschriften fand Maillot 
de la Treille am Schluß der Palatini latini. Zwei weitere waren durch 
Zufall in den Fonds der deutschen Handschriften der Palatino- Vaticana 
geraten. Sie erscheinen deshalb in einem im XVII. Jahrhundert ent- 
standenen Verzeichnis derselben (Index librorum theutonicorum 
manuscriptorum), von dem der Cod. Cat. Bav. 557 der Hof- und Staats- 
bibliothek in München eine 1806 verfaßte Abschrift ist, 5 ) als Nr. 98, 
Liber quatnor Matronarum poemate Gallico [Heidelberg, Pal. germ. 
354], Nr 99, Dialogus gallicus; colloquutores sunt fides, intcllectus, spes, 
diffidentia [Heidelberg, Pal. germ. 484] und in dem späteren von 
Hieronymus Schimmelpfennig unter Clemens XI. (1700 — 1721) ver- 
faßten Inventare, dessen Anordnung auch Wilken beibehielt, als Pal. 
Germ. 354 und 484. *) 



verwechselt haben sollte, ist nicht ohne weiteres klar. Jedenfalls wissen 
auch die alten Inventare der Palatina nichts von einer „Histoirc des trois 
Maries." 

') Fast vollständig herausgegeben von Ruland, Serapeutn XVII (IS56) 
212 ff. Die Unhaltbarkeit der von Roland an das Verzeichnis geknüpften 
Hypothese, daß hier ein Inventar der in Rom zurückbehaltenen Schloß- 
bibliothek vorliege, ist bereits von K. Burdach, Zentralblatt für Bibliotheks- 
wesen Jg. V (1888) 116 dargetan worden. 

*) Wilken S. 214, 545f., auch Rockinger S. (34). Nach E. Stevenson, 
Raccolta palatina [1893] S. 15 befindet sich dieses Inventar noch in der 
Vaticana. Eine Kopie des zugehörigen alphabetischen Index 1 ist der Cod. 
Honac. Cat. Bav. 55*; (s. Serapeuui 1. c. S. 22G). Das ältere Inventar führt 
außerdem unter den deutschen Handschriften noch auf als Nr. 07, Historia 
S. Theophili et alioruui poemate gallico descripta [Pal. lat. 19G9J und als 



I ' , . I . Original from 



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— 28 — 

Maillote Aufzeichnungen standen dem Heidelberger Professor der 
Theologie Karl Friedrich Kasimir Wandt, dem Verfasser der 
ersten selbständigen Geschichte der Palatina, zur Verfügung. Sein 
Programma de' celeberrima quondam Bibliotheca Heidelbergensi, 
Heidelberg 1776, das auch heute noch durch sorgfältige Benutzung 
der Quellen von Wert ist, enthält eine Beschreibung der Bibliotheca 
Palatina des Vatikans, ! ) der offenbar Maillots Tagebuch selbst zu 
Grunde liegt, und die auch die französischen Handschriften nicht un- 
erwähnt läßt. Es heißt dort: Ceterum Codices MSS. Palatini secundum 
linguas dispositi atque collocati sunt . . . Latinos excipiunt nonnulli 
Codices idiomate Galltco conscripti; inter quos Chronicon de 
expeditione Godofredi Bouillonaei in primis memorabile est. 
Guil. Tyrii Historia de Bello sacro a. 1598 cum hoc Chronico collata 
fuit. Alii ob picturarum, quibus exornati sunt, artificium atque 
elegantiam celebrari merentur. Huc in primis referunt: Histoire 
de(!) Crucifix de Lucque, Histoire de (!) trois Maries, et la(!) 
pelerinage de la vie humaine (S. 27f., nebst Anm. 57, 58). 
A. Friederich, der kurz vor Wilken eine „Geschichte der nach Rom 
entführten heidelberger Bibliothek u (Karlsruhe 1816) schrieb und 
dabei Wundts Programm ausgiebig benutzte, hat diese Stelle in 
deutscher Uebersetzung wiedergegeben (1. c. S. 50 f.). 

Als 1797 nach dem Frieden von Tolentino die Franzosen fünf- 
hundert der wertvollsten Handschriften der Vaticana nach Paris 
entführten, fesselte die mit den Wappen der französischen Königs- 
familie und mit Miniaturen geschmückte Handschrift der Pelerinage 
de vie humaine die Aufmerksamkeit der französischen Kommissare. 
Sie ist unter den achtunddreißig pfälzer Handschriften, die nach 
Paris kamen, die einzige französische. 2 ) Die nach Napoleons Sturz 
auf Wiedergewinnung der Palatina gerichteten und besonders von 
Preußen diplomatisch geführten Bestrebungen erreichten zunächst, daß 
die in Paris befindlichen palatinischen Handschriften nicht nach Rom 
zurückkehrten, sondern im Januar 1816 der Universitätsbibliothek in 
Heidelberg übergeben wurden. 3 ) Unter den 847 deutschen Hand- 
schriften der Bibliotheca Palatina, die im Mai desselben Jahres der 
Vatikan der heidelberger Universität zurückgab, befanden sich auch 
die beiden Handschriften Alain Chartiers, Pal. germ. 354 und 484, 

Nr. 379, Historiae Troianae Collectionum libri tres, gallice [Pal. lat 1962]. 
Maillot de la Treille fand diese Handschriften bereits unter den französischen, 
nachdem sie Schimmelpfennig bei seiner Inventarisierung ausgeschieden hatte. 

*) Wandt S. 25 ff, s. auch S. 16 Anm. 24. 

a ) Recensio manuscriptorum codicum, qui ex universa Bibliotheca Vaticana 
selecti, iussu dni. nri. PH VI. P. M. prid. Id. Jul. an. 1797 procaratoribus 
Gallorum . . . traditi fuere, Lipsiae 1S»3, 8. 123 als Nr. 473: (Pal. lat.) 1969. 
Cod. Membr. in toi., constans pag. 94, exarat. saec. XV. Continet Rom&ncium 
Versibus Gallicis, cui Titulus Pe!erina(e)£e de la Vie lluinaine, cum Picturis; 
s. auch Friederich, der 8. 5s ff. ein Verzeichnis der pfälzer Handschriften nach 
der Recensio gibt. 

3 ) Friederich S. vif., Wilken S. 23b ff. 



1 Onainal from 



UNIVERMFiOF-XIFCW. 



— 29 — 

während die gleichfalls ursprünglich zum deutschen Fonds zählende 
Handschrift der Mirakel Gauticrs von Coincy in Rom die nach Paris 
verschleppte und von dort direkt nach Heidelberg zurückgelangte 
Handschrift üigullevilles 1 ) ersetzte. 

Friedrich Wilken, der als Vertreter der Universität bei der 
Rückgewinnung der deutschen Handschriften in besonderer Weise 
beteiligt war, hat bereits 1817 seiner „Geschichte der Heidelbergischen 
Büchersammlungen" ein umfangreiches Verzeichnis der zurückgegebenen 
Denkmäler angefügt. Seine Beschreibungen der drei französischen 
Handschriften (S. 545 f.) blieben für lange Zeit die einzigen, die man 
von den französischen Handschriften der Palatina überhaupt besaß. 
Erst die letzten Jahre brachten neue Kunde. 

Auch Maillot de la Treille war ein Codex unbekannt geblieben, 
den er zweifellos nicht unerwähnt gelassen, wenn er ihn unter den 
Palatini gefunden hätte, die prächtige Handschrift von Laurents 
de Premierfait Boocacciottbersetzung (Pal. lat. 1989). Als Teil der 
sog. Riserva des Vatikans, der Sammlung besonders wertvoller Ciraelien, 
war sie ihm entgangen. Dem Grafen Paul Durrieu gebührt das 
Verdienst, im Jahre 1909 zuerst auf sie hingewiesen zu haben. 2 ) 
Es ist die einzige französische Handschrift der römischen Palatina, 
von der bisher zuverlässige Nachrichten bekannt geworden sind. 



Für die nun folgenden Handschriftei.beschreibungen , mit denen 
ich den uns erhaltenen Besitz der kurfürstlichen Bibliotheken, soweit 
er mit Sicherheit sich nachweisen läßt, zu erschöpfen glaube, waren 
die mir vertrauten, bewährten Grundsätze der Deutschen Kommission 
maßgebend. Die Textproben beschränken sich auf die Wiedergabe 
von Anfang und Schluß der selbständigen Stücke. 3 ) Die älteren 
Signaturen sind genau wiedergegeben, obwohl ein großer Gewinn für 
die Geschichte der Handschriften sich aus ihnen kaum ergeben wird. 4 ) 
Eine eingehendere Berücksichtigung habe ich dem Handschriften- 



*) Diese Handschrift hat in Heidelberg die alte vatikanische Standnummer 
Pal lat. 1969) dieselbe Bezeichnung trägt auch im Vatikan die an ihre Stelle 
getretene Handschrift Gautiers de Coincy. 

*) S. die Bemerkungen über den Pal. lat. 1989 an späterer Stelle. 

3 ) Nur aus der atz. Bibel (Pal. lat. 1957) habe ich längere Stellen mit- 
geteilt. Die Texte selbst habe ich durch Auflösung der Abkürzungen und 
Einführung der Interpunktion lesbarer zu machen gesucht, sonst aber alle 
graphischen und textlichen Eigentümlichkeiten gewahrt, insbesondere 
Besserungen nur selten eingeführt, nie ohne auf die handschriftliche Lesart 
zu verweisen. 

*) Es sind mehrere Signierungen zu trennen. Zunächst die von Allatius 
selbst oder unter seiner Leitung eingetragene, meist ans der Bezeichnung der 
Kiste — C (assa oder Capsa) mit folgender Zahl — und der fortlaufenden 
Numerierung, die sich bei den französischen Handschriften der Palatini 
latini zwischen 123s und 1262 bewegt, bestehend. Diese Signaturen können 



i ' I . Original from 

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— 30 — 

schmuck gewidmet. ') Die philologischen Angaben möchte ich nicht 
immer als endgültige oder erschöpfende angesehen wissen. Ihr Zweck 
ist in erster Linie, eindringender auf den Wert einer Handschrift hinzu- 
weisen nnd künftige Einzelforschungen anzubahnen. Abschließendes 
in dieser Hinsicht zu bieten, war, anch abgesehen von der großen 
Zahl der Texte, für mich umso schwieriger, als in Rom die literarischen 
Hilfsmittel oft versagten, und eine Versetzung an die Königliche 
Bibliothek in Berlin zur Beendigung meiner Studien drängte. Die 
Absicht, diese Untersuchungen durch die Heranziehung verwandter 
Handschriften, insbesondere der Pariser Nationalbibliothek, anf eine 
breitere und sichere Grundlage zu stellen, vereitelten die politischen 
Ereignisse. Ich mußte mich auf die Ausarbeitung meiner Notizen in 
Berlin beschränken, fern von den Handschriften selbst und ohne die 
Möglichkeit einer Nachprüfung. So ist das Gewordene vielfach hinter 
dem Erstrebten zurückgeblieben. Aber immerhin hoffe ich einen nicht 
unwichtigen Beitrag zur deutschen Bibliotheksgeschichte und einen 
zuverlässigen Führer zu neugehobenen, für die Geschichte der älteren 
französischen Literatur wertvollen Handschriftenschätzen gegeben zu 
haben. 



nicht mehr heidelbergisch sein, wie ihr gleichmäßiges Vorkommen in den 
Handschriften aller palatinischen Bibliotheken, auch in denen der Schloß- 
bibliothek, beweist. Dagegen sind in einer kleineren Zahl der Handschriften 
die alten Heidelberger Zahlensignaturen in größeren, schweren SchriftzUgen 
erhalten (s. Ficker 1. c. S. XXXVIII), die ich an erster Stelle auffiihre. Nur 
bei Pal. lat. 1964 läßt sich diese Signatur auch in den alten Inventuren nach- 
weisen. Eine jüngere Signierung, Zahlen zwischen 1808— 1S3S, ist offenbar 
das Ergebnis einer vatikanischen Ordnnng. Die heutige Aufstellung muß im 
wesentlichen Ende des XVIII. Jahrhunderts erfolgt sein, vor der französischen 
Invasion, da die nach Paris verschleppte Handschrift Digullevilles bereits die 
neue Standnummer Pal. lat. 1969 aufweist. Maillot de la Treille fand die 
Handschriften noch ungeordnet, s. die S. 26 f. wiedergegebenen Auszüge aus 
seinem Tagebuch. 

') Dieser wird in den meisten Handschriftenverzeichnissen in ungebühr- 
licher Weise vernachlässigt, ein Mangel der m. E. um so beklagenswerter ist, 
als die Beschreibung ein klares, wenn auch nicht erschöpfendes Bild von dem 
bibliotheksgeschichtlichen , paläographischen , inhaltlichen und nicht zuletzt 
kunstgeschichtlichen Werte einer Handschrift geben soll, und weil in der 
Frage der Datierung und Lokalisierung die Ulnminierung neben den paläo- 
graphischen und textlicheu Kriterien ein wichtiges, oft das wichtigste Hilfs- 
mittel bietet. 



I OriQinal frorti 

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II. Handschriftenbesclireibungen. 1 ) 



1. Die Handschriften der Bibliotheca Falatina 

des Vatikans. 

Pal. lat. 1957. Bibel. 

Pergament. 181 Blätter, 36x25,5 cm, Schriftfeld 23,5x13,5 cm; 
zweispaltig zu 58 — 60 Zeilen. Kleinere, sorgfältige Buchschrift von 
zwei Händen: die erste, von der Eanzleischrift beeinflußt, zeigt das 
Bestreben, die Buchstaben zu runden und zu binden, Ober- und Unter- 
schäfte in Spitzen enden zu lassen oder mit Schleifen und Fähnchen 
zu zieren, so daß die Schrift einen zierlichen, zur Kursive neigenden 
Charakter erhält; 2 ) die zweite Hand, die BL 102 (Anfang von Könige IV) 
mit neuer Lage einsetzt, steht der üblichen Buchschrift näher. Die 
Trennung der Sätze bewirken rot gestrichelte Initialen und der als 
Interpunktionszeichen verwandte Punkt. 3 ) Von dem Rubrikator rühren 
die laufenden Seitenüberschriften und die Blattzählung her, beide in 
abwechselnd roten und blauen Majuskeln und Zahlen. 4 ) Moderner 

') Nur mit Nennung der Verfasser zitiere ich die folgenden, des öfteren 
benntzteu Werke: 

Paulin Paris, Les manuscrits franko is de la Bibliotheque du Roi. T. 1 — 7. 
Paria 1836— 1848. 

Gustav Gröber, Französische Literatur. Grundriß der romanischen 
Philologie. II. Band, I.Abt. Straßburg 1898—1902. 

Georges Doutrepont, La litterature fraueaise k la cour des ducs de 
Bourgogne. Paris 1909 ^Bibliotheque du XVe ßiecle. T. VIII). 

*) Aehn liehen Schrmcharakter zeigt die sicher jüngere, etwa 1330 
geschriebene Hs. Bibl. Nat. fr. 14G des Roman de Fauvel, s. die photographische 
Wiedergabe von P. Aubry, Le romaii de Fanvel, Paris 1907, auch G. Paris in 
der Uistoire littäraire de la France XXXII (189h) 137. 

3 ) Die regelmäßige Verwendung der Trennungszeichen scheint darauf 
hinzudeuten, daß die Handschrift auch zum Vorlesen dienen sollte. 

') Die Ueberschriften geben in lateinischer Sprache die einzelnen Bücher 
der Bibel an, sie fehlen nur Bl. 29 v— 37 r (Kompilation der drei letzten Blicher 
Moses') und 138 v — 141 r (Zeitalter); Apokalypse und Apostelbriefe sind als 
Bistoria ecclesiastica, die Proverbia als Lioer Salotnonis bezeichnet. Die 
Blattzählnng Überspringt 125, zählt dafür Pitt doppelt, das letzte Blatt ist 
angezählt. 



. I . Original from 

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— 32 — 

rledereinband mit dem Wappen Plug 1 Vi. (1775 — 1799) und dem des 
Kardinalbibliothekars F. X. de Zclada (1779—1801). — Alte Sign. 
C. 155. 1257, 1828. Handschrift der kurfürstlichen Schloßbibliothek. 

Zahlreiche Miniaturen, eine verschwenderische Fülle von Gold- 
initialen >) schmücken den Codex. Den Beginn des alten Testaments 
(lr) umrahmt als Randftillung eine 4,8 cm breite Bilderbordtire, die 
in dreizehn Felder gegliedert, Tagewerk, Sündenfall, Adam und Eva 
bei der Arbeit, zuletzt Gott mit der geschaffenen Erdscheibe darstellen; 
ein am Anfang des Prologs angegliedertes Feld zeigt den hl. Hierony- 
mus als Bischof mit Stab und Mitra. Die Miniaturen am Anfang der 
einzelnen Bücher haben die Gestalt eines schmalen (etwa 4 cm hohen), 
die Breite des Schriftfeldes, seltener einer Spalte (13 oder 6 cm) ein- 
nehmenden Bilderstreifens, in dem auf Goldgrund figurenreiche, ikono- 
graphisch interessante Darstellungen eingetragen sind. Sie entnehmen 
ihren Gegenstand in der Kegel dem Anfang des Buches, indem meist 
mehrere zeitlich sich folgende Stufen der Erzählung räumlich neben- 
einander dargestellt werden. Die Illuminierung, an der mehrere Hände 
beteiligt waren, erreicht nicht die Feinheit der gleichzeitigen pariser 
Miniatur, aber sie bietet ein wertvolles Zeugnis der Provinzialkunst 
des Ostens, wohin die sprachlichen Kriterien die Handschrift verweisen. 

Miniaturen: 2 ) 19v: Moses und Aaron vor dem König, beide sprechen 
znm Volke, Frondienst der Juden (Exodus V). — 37 vb: Gott spricht zu 
Josua, Josua zu dem Volk( Josua I). — 43 va : Judas 1 Sieg über die Chananäer 
(Jndices I 4). — 53va: Booz auf dem Felde (Ruth II 3). — 56ra: Gebet 
der Anna, Trostspruch des Heli (Reges I 1, 12). — 69vb: David läßt den 
Boten, der die Kunde vom Tode Sauls überbringt, hinrichten (Reges II 1,2). 
— 83ra: Salomons Krönung (Reges III 1, 39). — 102ra: Zerstörung 
der Altäre auf Jezabels Befehl, Verehrung Baals, Enthauptung Naboths 
(Reges III 16. 21). — 103v: Sieg Jehus, Tod der Jezabel (Reges IV 9). — 
107 v: Tobias tröstet die gefangenen Stammesgenossen, der junge Tobias 
imBade(Tobia8 1 19, VI 2). — lllr: Satan vor Gott, Job und seine Familie, 
Vernichtung der Herden, Meldung der Boten (Job I). — 113v: Schlacht 
der Könige, Nabuchodonosor die Städte bedrohend (Judith I 5. 12). — 
118vb: Mahl beim König Assnerus (Esther I 3). — 124r: Susanna von 
den Alten überrascht, das getrennte Verhör, die drei Jünglinge aus 
dem Feuerofen vor dem König (?) (Daniel XIII 19. 51, III).— 128vb: 
Jonas auf dem Meer (beschädigt). — 129 v: Entlassung der Juden 
durch Cyrus (Esdra I 1). — 133ra: Sieg Alexanders, der König am 

*) Die Initialen stehen am Beginn kürzerer Abschnitte, die den Kapiteln 
der Bibel entsprechen, aber in ihrer Abgrenzung nicht mit ihnen übereinstimmen. 
Die Goldinitiale ist auf einem blauen und roten, mit weißen Linienornamenten 
belebten Felde grnndiert, dessen Umrahmung der Form des Buchstabens folgt 
und noch nicht den Ausgangspunkt für Randverzierungen bildet. Eine Aus- 
nahme macht nur die Initiale A der Genesis (Ira.), die zwei kurze Blatt- 
ranken entsendet und auch in der Farbengebung von den übrigen Initialen 
sich unterscheidet. 

*) Mit Blei auf den Blattrand geschriebene Anweisungen für den Miniatur 
sind mehrfach zu bemerken. 



, I Original (Vom 



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— 33 — 

Lager des sterbenden Darms' (Makkabäerl 1). — 138rb: Kain und 
Abel, der Brudermord (Anfang der Zeitalter). — 141 v: Martyrium 
des Evangelisten Johannes, der Vergiftungsversuch (Anfang der Apo- 
kalypse). — 154r: Gott erscheint Salomon im Traum, das weise Urteil 
(Reges III 3, Anfang der Proverbia). 

Den größeren Teil der Handschrift, welche sich als Bible abregSe 
et corrigee (181 r) bezeichnet, bildet eine Wiedergabe des alten 
Testamentes nach Art der Historienbibeln; ihr schließt sich die Ueber- 
setzung weniger Teile des neuen Testamentes (Apokalypse und zwei 
Apostelbriefe) und eine kommentierte Uebertragung der Sprüche Salomonis 
an. Das Zeugnis der Sprache, des Stils der Miniaturen und insbesondere 
die paläographischen Merkmale sichern als Entstehungszeit der Hand- 
schrift die erste Hälfte, vermutlich den Anfang des XIV. Jahrhunderts. 
Die ausgeprägten sprachlichen Eigentümlichkeiten gestatten die Zu- 
weisung an das für die Geschichte der altfranzösischen Bibel 60 wichtige 
ostfranzösische Sprachgebiet. Man möchte zunächst au Metz denken, 
aber die in allen Teilen der Handschrift sich ziemlich gleichbleibende 
Sprache ist keine dialektisch einheitliche, und eine begrenztere 
Lokalisierung als die in Lothringen oder der östlichen Champagne 
erscheint zunächst gewagt. Allenthalben stehen neben östlichen Formen 
solche der westlichen Nachbargebiete, sodaß der Sprach Charakter weniger 
rein erscheint als in der Mehrzahl der lothringischen Sprachdenkmäler, 
auch als in dem späteren lothringer Psalter, mit dem ein Vergleich 
naheliegt 1 ) Wieweit hier der Einfluß der Gemeinsprache sich geltend 
macht, oder vielmehr eine andersprachliche Vorlage 2 ) durchdringt, 
dürfte efne eingehendere Untersuchung des umfangreichen Denkmals 
ergeben. 

L Altes Testament. — Zeitalter. 

Freie Wiedergabe der erzählenden Teile in der Folge: Genesis, Exodus 
(nebst Auszügen aus den andern Büchern Moses 1 ), Josua, Richter, Ruth, 
Könige I — IV, Tobias, Job (in starker Kürzung), Judith, Esther, Daniel, 
Jonas, Esdra, Makkabäer und, den Schluß bildend, ein Exkurs über 
die Zeitalter. Die didaktischen und prophetischen Bücher sind völlig 
ausgeschieden, auch Stellen ähnlichen Inhalts innerhalb der historischen 
Bücher unberücksichtigt geblieben. Die Bearbeitung trägt somit den 
Charakter der Historienbibel, wie sie in den mittelalterlichen 
Literaturen, besonders als Nachahmung der „Historia ecclesiastica" des 
Petrus Comestor, bekannt ist und in Frankreich durch Guiart Dcsmoulins 



') So wird insbesondere german. w, welches das lothringische Sprach- 
gebiet wahrt, in der Bibel durchweg durch das westliche g vertreten. 

') Diese ist mit Sicherheit anzunehmen für die Apokalypse und die Proverbia, 
die in früheren, nicht lothringischen Handschriften erhalten sind. Den späten 
Pirallelhandachriften des alten Testaments fehlen die lothringischen Sprach- 
formen. Auf ältere Texte deutet wühl auch die Bezeichnung als Bible abregte 
ä corrigee. Daß der Palatinus ferner eine Abschrift ist, beweisen die nicht 
wenigen Versehen, die dem Kopisten zur Last fallen. 

Bfih>ft 46. 3 



■ I Original front 

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— 34 — 

Uebersetzung des Comestor (1294) unter Verschmelzung mit älteren 
Bibelübersetzungen die weiteste Verbreitung erlangte. 1 ) Der Historien- 
bibel eigentümlich ist die Bevorzugung der al ttestamentl ichen Erzählungen. 
Der Palatinus enthält nun eine selbständige Bearbeitung, die auch von 
Comestor und Guiart Desmoulin sicher im wesentlichen unabhängig 
ist, sich von ihnen durch den Verzicht auf eingehendere Glossiemng 
und synchronistische Heranziehung der Profangeschichte unterscheidet , 
und durch Beschränkung auf den biblischen Text der eigentlichen 
Bibeltibersetzung sich nähert, die kurz vor der Mitte des XIII. Jahr- 
hunderts in einer vollständigen Uebertragung, der sog. Pariser Bibel, 
einen Höhepunkt erreicht hatte. Nur gelegentlich sind Zufügungen 
exegetischer und historischer Gelehrsamkeit, die zugleich auf Benutzung 
weiterer Quellen als der Vulgata hinweisen. So findet sich zu Beginn 
des Exodus die am Hofe Pharaos spielende Geschichte von Moses und 
der glühenden Kohle, wie sie bei Comestor (Exodus V) steht; 2 ) die 
Taten Alexanders (Makkabäer 1, 1) werden im Anschluß an die Alexander- 
sage geschildert, 3 ) das Buch Job schließt mit einer Erörterung, ob der 
fromme Dulder gelebt habe, wobei Gregors Moralia in Job zitiert werden; 
historische Exkurse finden sich am Schluß von Esdra (Zerstörung 
Jerusalems, Antichrist) und der Makkabäer, der Anhang über die Welt- 
alter führt die biblische Geschichte bis zum jüngsten Gerichte weiter. 

Der Verfasser besitzt die Gabe der schlichten, volkstümlichen 
Erzählung, die indessen nicht selten durch ermüdende Längen beein- 
trächtigt wird. In dem Streben nach allgemeiner Verständlichkeit 
begnügt er sich nicht mit der Uebersetzung der Vulgata entgegen 
seiner in der Vorrede ausgesprochenen Forderung einer möglichst 
getreuen Wiedergabe des Bibeltextes, sondern er ersetzt ihn durch 
eine freie, wortreiche Erzählung und erweitert ihn durch breite 
Ausführung der gegebenen Situationen, indem er sich hin und wieder 
an den Wortlaut, meist nur an das Tatsächliche der Vulgata anlehnt 
Aber auch mit diesem hat er ändernd und kürzend frei und nicht 
selten willkürlich geschaltet, oft zum Schaden einer klaren und 
treffenden Wiedergabe der biblischen Erzählung. 

Samuel Berger, dessen Forschungen über die altfranzösische Bibel 
grundlegend sind, war die vorliegende Version unbekannt geblieben. 
Dagegen wies Paul Meyer in seiner Rezension von Bergers Bible 

') s. S. Berger. La Bible franijaise au moyen äge, Paris 1884, außerdem 
Ed. Reuß' treffende Charakterisierung der Historienbibel in der Revue de 
Theologie IV (1852) 2 ff. und in dem gleichnamigen Artikel in Herzogs Real- 
enzyklopädie. 

2 ) Migne, Patr. lat. T. 198 Sp. 1143; die gleiche Erzählung mit allerdings 
abweichendem Schluß kommt- bereits bei Joseph us, Antiquitates Judaicae 
II 9 vor, s. auch P. Perdrizet, Etüde sur le Speculum humanae salvationis, Paris 
190S, S. 84; der Palatinus stimmt zu Comestor. 

*) Der sterbende Darius warnt Alexander vor der Untreue seiner Diener 
(I33rb), s. Li romans d'Alixandre, hrsg. von IL Michelant, Stuttgart 1846 
(Bibliothek des literarischen Vereins XIII) S. 257, auch P. Meyer, Alexandre le 
Grand, Paris 1886, II 162. 



1 Onainal from 

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_ 35 — 

fran$aise au xnoyen äge (1884)0 auf eine Bibelbearbeitung hin, die 
zwar erst in mehreren Handschriften des späten XV- Jahrhunderts 
erhalten ist, 2 ) die aber, wie Meyer als wahrscheinlich annahm, auf 
ältere Uebersetzungen zurückgehe und deshalb in den Kreis der 
Untersuchungen Bergers, die mit dem Tode Karls V. (1380) abschließen, 
gehören würde. Ein Vergleich der allerdings nur sehr kurzen Aus- 
züge, die von diesen Handschriften gedruckt sind, mit dem Palatinus 
ergibt, daß ein Zusammenhang bestehen muH. Der Anfang von Genesis 
und Job stimmen völlig überein; beiden Bearbeitungen gemeinsam ist 
der Exkurs über die Zeitalter, Anfang in ähnlichem, Schluß in 
gleichem Wortlaut. Auch den andern in der Romania XVII 140 f. 
nach der 1462 datierten Hs. Bibl. Nat. fr. 906 wiedergegebenen Stellen 
wird die Version des Palatinus zugrunde liegen. P. Meyers Ver- 
mutung, daß diese Bibelbearbeitung älter sei als ihre späte Ueber- 
lieferung erhält durch die heidelberger Handschrift eine unerwartete 
Bestätigung, Diese Historienbibel, deren Existenz im frühen XIV. Jahr- 
hundert nunmehr feststeht, und der ein Fortleben bis zum Ausgang 
des Mittelalters beschieden war, 3 ) verdient neben der nicht viel älteren 
Guiart Desmoulins genannt zu werden, zugleich als ein weiteres, 
wichtiges Zeugnis für die in dem Gebiete Lothringens während des ganzen 
Mittelalters lebhaften Bestrebungen, die hl. Schriften den Laien in der 
Volkssprache zu erschließen, von denen die Nachrichten über die Unter- 
drückung der Waldenserbewegnng in Metz (1199) die erste Kunde geben. 

Bei der Wahl der folgenden Textproben, die ein Bild von dem 
Stil und der Sprache des Denkmals bieten sollen, habe ich die den 
Auszügen in S. Bergers Bible fran^aise entsprechenden Bibelstellen 
bevorzugt, so daß ein Vergleich mit den bekannten altfranzösischen 
Bibelbearbeitungen möglich ist. Ich gebe die handschriftlichen Texte 
genau wieder, mit Bewahrung der Interpunktion, doch mit Auflösung 
der wenigen Abkürzungen. 4 ) 

Prolog. — Ira: Cil 5 ) qui se uuet entremetre de traitier de uiue 6 ) 
escriture. et metre de latin en roumans. ce doit mout 7 ) bien gairdeir 

') Romania XVII (1888) 121 ff. 

*) Paris, Arsenal 2000, Bibl. Nat. fr. 906, 17061, 22S8S. Auszüge bei 
Meyer I. c. und in den Katalogen der Bibliotheken; ich gebe die ent- 
sprechenden Stellen des Palatinus in den Textproben wieder, mit Ausnahme 
der Richterstelle, die in meinen römischen Exzerpten fehlt. Ueber die Hs. 
Bibl. Nat. 90H ist P.Paris VII 21 8 zu vergleichen, der ihren Inhalt als 
rhistoires abr6g6es de TAncien Testament 6crites ä la maniere de la fameuse 
Bible de Royaumont" bezeichnet. 

■) Die jüngste Handschrift, Bibl. Nat. fr. 22SS8, ist 149fc geschrieben. 

4 ) Alleinstehendes p gebe ich mit per wieder, wie der Dialekt es fordert, 
den Querstrich über dem Vokal, ebenso wie «>, vor m mit (co)n. Diese 
Auflösungen entsprechen auch der überwiegenden Schreibung der Handschrift, 
wenn sie keine Kürzung eintreten läßt. 

5 ) Ha. QU, falsche Initiale dnreh Versehen des Miniators. 
°) statt devinc. 

') Hs. mVtj ausgeschrieben mout (s. die folgenden Zeilen) neben häufigerem 
nioult. 

3* 



( " I . Original from 

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_ 36 — 

que il ne mette riens qni ne soit de la uraie ystoire. Car ce il 
läissoit la ueritei et il metoit la mansonge. il seroit 1 ) mout a reprandre 
de ceuz qui Pentenderoient. Et ponr ceu ne ce doit nulz entremetre 
c'il n'cst bien segurs qu'il entende bien Pescriture. Mais il sont aueune 
maniere de gens qui sunt, si cuident en lor afaire qu'P) lor samble 
que nus les doie desdire de lor foliez. se dient ce qu'il pancent a la 
uoleie. Et li foul qui les entendent lor louent tout ce qu'il dient 
pour aus seruir a gr<5. Et por ce ai ie ce dit que ie vourai escriture 
qui est en latin metre en roumans. au plus pres de la ueriteit que ie 
pourai et sauerai. Si com li sains esperis le m'ensignerait. cui ie en 
proi et requier que il m'envoit tel cens et tel entendement par sa 
sainte graice que ie n'i m'esprangne mie. ansois puise tenir et gardeir 
la ueriteit de lai sainte escriture. 8 ) 

Genesis I. — lra: Oi conmence la bible en romans. Av con- 
mencement creait dex le ciel et la tefre. la terre estoit vainne et 
wide. et grans tenebrez de lai 4 ) Fabisme. Et f ist dex lnmiere. et ce 
fut fait le premier iour. Au secont iour fist dex la raondesce dou 
firmament. Au tiers jour fut craee Fiawe an lai mein et l'erbe sor 
la terre. et li arbre qui portairent frut et li autre. Au quart iour 
furent fait li solax. et la lune. et les estoilles. Et departirent li solax 
et la lune la clartei des tenebres. Et espelait dex la clartei iour. et 
les tenebres apelait nuit. Au quint iour furent fait li oizel. et li 
poisson en Fiawe. Au sisime iour fut [1 rb] fait Adam, et le portait 
dex de lai ou il Fauoit fait en paradis. et li espirai en la face espir 
de nie. et ot li hom ame viuant. Et apres dist il (:] n'est mie boin qne 
li hons soit ceuz. faisons li vne aide qui soit samblans a luy. Adonc 
donait dex nostres sires Adam volenteit de dormir. et il dormit Et 
en tant que il dormoit. il prist vne des costes Adam et raemplit lou 
leu dont il auoit prize la coste de char. Et de la coste qu'i 2 ) print de 
Tome forma et fist la fame. Et quant il Tot faitte si l'amenait a 
Adam por uaoir conment Adam l'apeleroit. et quant Adam la uit ce 
dit: Cest ci os de mes os. et char de ma char. et cerait cest(!) apeleie 
virago. Cest a dire barnesse, car il(!) est prise de uiro. qui vaut autTe 
tant com ber. Et quant dex nostres sires out fait toutes ces chozes 
qu'il auoit faites. se ce reposait au septainme iour de l'ueure qu'il 
auoit faitte. Et regardait nostres sires dex toutes les chozes qu'il auoit 
faites. et astoient moult bonnes. Et Adam et la fame que dex li auoit 
donnee que il auoit appelei Eue estoient nu. et n'en auoient nulle 
vergongne. 

Ruth III. — 54 vb: Quant Ruth oult tout le iour recolli des espis 
et messonneit si com eile solloit. si print ce qu'elle auoit messonneit 

>) Hs. feroit. 

'') Für q\Cü mit verstummtem l, s. F. Bonnardot in: La Guerre de Metz 
en 1324, pnbl. p. # E. de Bouteiller, Paris 1875, S. 448; F. Apfelstedt, 
lothringischer Psalter, Heilbronn I8S1 } (Altfranz. Bibliothek IV) S. XXXVII. 

a ) Man vergleiche mit dieser Vorrede die des lothringer Psalters, s. auch 
Berger, Bible trangaise S. 279. 

«) Ha. de loi. 



I Onqinalfrom 

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— 37 — 

e Ten portait a sa danme en Bethleem. Et esgardait Noemy qu'elle 
auoit grant graiee a Booz. Et qaant li vespre vint ce li dist Neeray: 
Fille je sais que eacor en cest nuit Booz gerait en Taire de sa cort 
deuant sai grainge. ou les gens li anmoinent son bleif. Et quant il 
serait anuity et je saurai que il soit couchiez au lieu ou il se doit 
gesir. tu irais tout secreement en Taire. et entrerais en la cort et te 
coucherais a ces pies. Ce il s'auaille per auenture. et il te regarde. 
il ce mervillerait qui tu serais. qui gis ei pres de lui. Et te deman- 
darait qui tu iez. Et tu li respondirais: Sire oste ton maateil et coeure 
t ancelle car tu iez prochiens. Et quant tu auerais ensic dit. enten 
bien quelles parolles il te dirait. et coment il te responderait. si que tu 
le me saches redire quant tu reuenderais a moy. 

Könige I, 1. — 56 ra: Uns hons fut de Ramatha en (!) Soffim qui 
fut appelleis Elchana. et fut Eufratiens. Et oult eis Elchana .jj. 
fanmes l'une fut appellee Anna et l'autre Fenenna. Et oult celle 
Fenanna fis et filles et enfans aseeiz. Et Anna n'en pooit nul auoir 
que diez ne le uoloit miez. Et estoit ensio com eile ne peust conseuoir 
ne enfanteir. ... Et aloit chaseun an Elchana et sa fanme et ci enfant 
adoreir dieu en Sylo. et faire ces oblations et ces sacrifieee. si com 
Hoyses l'auoit comandeit en la loy. Car Sylo estoit li leus qui estoit 
estaublis de par dieu ou dieus voloit estre adoureis et servis. Et lai 
estoit li tabcrnacles. . . .*) 

Könige 1,3. — 57 va: Ensic passait li temps tant que Samuel 
vint en aage d'onme. Et moult l'amait Hely. Et tiiit eil qui venoient 
faire lor oblations ou tabernacle le prisoient et honoroient. — Un 
iour ce gisoit en biaus temps Hely en sai chambre si come il auoit 
acostumeit. Et Samuel gisoit ou tabernacle et dormoit. Et une voix 
vint de par dieu. a Samuel et li dist: Samuel. Samuel. Samuel. Quant 
Samuel oult la voix entendue qui l'appelloit. si cuidait que Hely 
rappellaist. et tantost ce leuait et vint ai Hely lai ou il gisoit. et il 
dist: Sire. je suy ci. car tu m'ais appelley. Et Hely li di6t: Samuel 
biaus [57 vb] filz, retorne et vai dormir. Et quant il oult un petit 
estoit si li reuint la voix autre fois et li dist: Samuel. Samuel. Et il 
6e releuait. et s'en vint a Hely lai ou il gisoit. et li dist: Sire je suis 
ci. car tu zn'aia appellei. Et Hely li dist: Samuel va dormir en paix 
car je ne t'ai mie appelley. Mais ce la voix qui t'ait appelley te rappeile 
plus, si respont ensic: Sire parolle car tes cers Torrait bien. Et entendit 
bien Hely que nostre eires l'auoit appelley. Et Samuel retornait et ce 
prist au dormir. — Apres ce ne demorait gaires que lai voix qui deuant 
l'auoit appdleit. Tappellait encor et li dist: Samuel. Samuel. Et Samuel 
respondit: Sire parolle et di. et tes sers l'orra. 

Reges II, 12. — 77 rb: Au temps que la citey de Ramath fut rendue. 
auoit eut Bcrsabec l'enfant dont eile estoit ainscainte. et fut vns filz. 
Et apres ce envoiait dieus nostres sires. Nathan le prophete a Dauid 

') Diese Stelle zum Vergleich mit P. Meyers Zitat aus der Hs. Bibl. Nat. 
fr. 906. 



I Original rrom 

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— 38 — 

et li dist ce que il li diroit de par dieu. Et Nathan quant il out 
oy le comandement de noßtre signour. si vint a David ou il estoit 
et li dist: Rois or entent nostre Bires dieus m'envoie a toy. et je le 
te di de par loy: Duy honme estoient en vne citey. li vns poures. 
et l'autre riches moult. Li riches anoit bues et berbis et antres bestes 
asceis. et awec tout ce moult graut richesces. Et li poures hons n'auoit 
que vne soulle berbis. U lai norrisoit et faissoit maingier de celle 
viande teille come il raeisme maingoit. Et tant l'anmoit qu'il lai faissoit 
gesir awec luy en gon lit. Adonc vint au riebe honme vns siens amis 
cui il ha[r]bergat Et quant il Tout en son ostey ha[r]bergie. si espargnait 
ces bestes dont il auoit asceis. et la berbis au poure honme tollit. 
Et apres il occist le poure home. Or te di de par dieu qu'il le 
te mande que tu fay cest jugement. — Quant Danid oult entendue la 
parolle que Nathan dist. si pensait et li respondit: Li hons qui tollit 
la berbis au pouvre [76 va] honme est filz de mort. et la berbis doit il 
rendre au quatre doubles. Et quant Nathan oult entendue la parolle 
et la responce David, si li dit: Rois tu iez li hons que ce a fait. 

Job, Cap. I. — 111 ra: Uns hons estoit en vne terre que est 
appellee Vs et auoit non cilz hons Job et estoit cilz hons iustes et 
moult proudons. Et laissoit tous malz et faissoit tous les biens que 
il pooit [faire]. Et ot .vjj. filz et .jjjj. filles et moult grant maisniee. 
Et auoit. L. charrnes de buef. et dous mille chamoilz. ') et .vjj. M. 
berbis. et aultres bestes a moult grant planteit. Et estoit Job grans 
sires et honoreis entre tous soulz de la terre d'orient et de toutes 
aultres gens et faissoit moult de biens et de almosnes. — Un ior que 
li filz de deu vinrent deuant lui et Sathan y fuit. entre les autres. 
et deus le vit entre ses filz, si li demandait [:] Sathan dont viens 
tu. Et Sathan respondit: jJe ay environnee la terre [111 rb.] et alleir*) 
per tout. Et deus li dist [:] n'ais tu mies veus et esgardeis Job mon 
Bergent que en terre n'ait home qui le resemble de bonteit et conment 
il me sert et ne fait nul nulz malz. Et Sathan li respondit [:] en nc 
doute Job deu por noiant et en vain . . . 

Cap. III (111 vb): Apres parlait Job et dist [:] maldis soit li iors 
que ie fuys neis et la nuys que il fuit dist [:] vns hons est consceus. 
Cel ior ne requiere ia deus entre les autres iors de Tan. Et celle 
nuys ?oit soule et ne soit iai loueie ou il fuit dit que ie fuys consceus. 

Cap. XLI1, 15 (113vb): Moult ot Job belles filles. et per toute 
la terre d'orient parloient les gens de la biaultei des filz et des filles 
Job. Et vesquit Job apres ce qu'il fuit seneis et guaris et que deus 
Tot remis en plainne santei per lonc tempz. Et vit les enfans de ses 
enfans jusques a la tierce et a la quarte generation. Et fuit moTs 
en bonne viellesce et en grant eaige. s ) 



') Vnlgata I, 2 — 3: tres filiae . . . tria milia camelomm. 
-) Mit unetymologischem, verstummten r, s. Apfelstedt I. c. S. XXXVIII. 
s ) Die dem Schluß der verwandten Handschriften (s. P. Meyers Wieder- 
gabe nach Bibl. Nat. fr. 906 1. c.) inhaltlich entsprechende Stelle, welche der 



■ I Onainal from 



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— 39 — 

Makkabäer I, 1. — 133ra: Au temps que Alixandres qui fuit 
filz Phillippon de Macidoyne regnait premiers et ot la signorie del 
roiaulme de Gresce. il guerroiait et prist en moult fort guerre Daires 
de Perce. Por la raison de ce que Daires voloit auoir et demandoit 
le treuz de la terre de Macedoyne et de la terre de Gresce. que 
Philippes li peires celui Alixandre tenoit. Et n'estoit qui le contre- 
deist. Et quant Alixandres l'oyt qui estoit encor joenes et n'avoit 
que .xjj. ans. il le contredist a ceulz qui l'estoient venut querre et 
demandeir. Et prist des gentilz et des nobles bacheleirs. joenes 
dont il estoit de la terre. et entrait a toutes ses gens qui estoient 
neis de sa terre et de son pais en vne terre que on appelloit Chetym 
que estoit dou roiaulme que Daires tenoit et la destruit et gaistait. 
Et toute la richesce et Tor et l'argent que fuit trouueis en Celle terre 
donnait a ses homes qui estoien en sa compaingnie. 

Makkabäer II, 1. — 138vb: A lor freires Juys qui son en la 
terre d'Egypte. lor freires Juy qui sont en la terre de Jherusalem 
salut et saintei. Nous sunmes delivres de par Deu de nos grans 
peris. Si en rendons a celui grans mercis qui deliureis nos ait et 
grans graces. 

Dem Brief folgt eine kurze Uebersicht der Ereignisse bis zur 
Herrschaft der Römer. 

Schi. 138rb: A cel temps fuit Cesar empereres de Kome . . . 
Et rendoit chascunne regions treusaige au conmandement qui estoit 
estaublis de par Rome. Et se aucunnes estrainges gens vouloient 
faire maul as gens qui rendoient le treusaige. li Romains les en 
deffendoient. Et fuit la terre en tous leus en pais. jusques aus 
temps que Octauianus Augustus fuit empereres de Rome. 

Die Zeitalter. — Anf. 138rb.: Quant Adam nostres premiers 
peires fuit geteis et mis fors de paradis et il et Eue sa ferne per lor 
meffait. si conmensait li premiers eaiges. Car [138va] adonc orent 
pardut Adam et Eue toute ioie et toute signorie et entrarent en terre 
de dolour. et en vie de pouretei. Car il orent pardue la haute vie 
que estoit sanz corruption per lor meffait. 

Das achte Zeitalter beginnt mit dem jüngsten Gericht, das im 
Schlußpassus ausführlich geschildert wird: 

Schi. 141 vb.: Et conme[n]ce ensic chascune airme que est en 
deu creans: sainte esglise que eu deu es creans et tiens Jhesucrist 
a signour. moinne ioie et soies en leace . . . Et li respons fuit teilz 
apres ceste parolle que Tesglises respondit: Je 6uis et ai grant ioie 
des choses que ie ai oies et que me sont dites. Car ie sai et voi 
bien que ie et tuit cilz qui a moi se tiennent yront en la maison et 

eben zitierten vorausgeht, lautet: ... Et ad ce respundent aulcuns maistres 
et dient que li dyables ne volt tonchier a la ferne Job. Ains la gardait en 
Tententiun de ce que eile le tormentast per sa parolle. Si faissoit eile com 
plus le veoit en grant dolour de maladie. Et ce que sa ferne dissoit le 
tonnentoit et li faissoit pis que la dolours que il soustenoit (113va). 



■ I Original from 

UNIVERSITYOF CALIFORNIA 



— 40 — 

ou leu dont deus est sires et gouuerneires. *) . . . En queil leu ne 
serait pestillence . . . inaie toutes consolations parfaites et enthieres. 
et parmenaubles sans rapel, sans nombre et sanz fin. Et li mauuais 
auront ce qu'il ont deserui. 

IL Apokalypse. 

Fassung der Handschrift Paris, Bibl. Nat. fr. 1036,2) 8 . Berger, 
Bible fran^aise, 8. 90 ff., L. Delisle et P. Meyer, L'Apocalypsc 
en fran$ais au XIII 6 siecle, Paris 1901 (Societe des anciens 
textes), S. CCXXXVllf. Im Gegensatz zu S. Berger, der in der 
pariser Handschrift nur ^eine Paraphrase der normannischen Apo- 
kalypse im Dialekt von Ile-de-France erblickt hatte, zeigte P. Meyer, 
daß ihr Text eine völlig selbständige Version darstellt, die nur in 
dieser einen Handschrift erhalten sei. Ihr zur Seite tritt nun der 
Palatinus. Er bietet eine willkommene Ergänzung der pariser üeber- 
lieferung, urasomehr als er einen von ihr unabhängigen und wohl 
gleichwertigen Text in lothringischer Sprache gibt. 

Anf. 141 va: Nous trouuons en vne hystoire que est appeUee 
Ecclesiastica que vns empereres qui estoit appeleis Domycianus qui 
fist moult de malz et de persecutions en sainte esglise. (il) fist penre 
saint Jehan ewangeliste. por ce que il anonsoit au pueple la loy de 
Jhesucrist. et faissoit baptisier [141 vb] cianlz qui a la crestientei 
■*• volloient vcnir. 

Legende von der wunderbaren Kettung des hl. Johannes und 
seiner Verbannung nach Pathmos als Einleitung; gedruckt nach der 
pariser Handschrift bei Berger S. 90. 3 ) 

142ra: Appochalysces Jhesucrist nostre signour que il volt [142rb] 
moustreir a ses sers. et revelait a cel sergent saint Jehan qui en 
portait tesmoignaige et de la parolle den et de Jhesucrist en toutes 
les choses que il vit. Beneoys [et bona 4 )] eures est qui oyt et list 
la prophecie de cest livre et gardet les raisons que il s ) sont 
escriptes. 

Der Anfang, gedruckt bei Berger S. 91, ausführlicher und mit 
Wiedergabe des Schlusses von P. Meyer 1. c. Der Palatinus bietet an 



! ) Hiermit schließen die Hss. Arsenal 2000, Bibl. Nat fr. 906. 

3 ) Pergamenthandschrift des XIII. Jahrhunderts, Beschreibung bei Berger 
S. 345. 

: ') Die textlichen Varianten sind unbedeutend, ich verzeichne die wich- 
tigeren: Berger S. 90 Zeile 10. que il li feroit encor grant maul. — 17. fist 
la creus. — 19. assamble fehlt, ebenso 23. — 21. qui gisoient mors por le venin. 
S. 91,2. erranmetit fehlt. — 5. et haitie fehlt. — 7. leuait et conmendait que 
il fuissent baptisiez. — b. conueriirent et tindrent deti nostre signour et furent 
baptisies. — 9. si en fuxt moult iries. Gar il vit bien que il. — 12. en essil 
fehlt, Pasmos. — 13. moustrait deus moult de diuerses visions. 

*) Ergänzt nach (1er pariser Handschrift. 

'-) Für i mit unetymulogischcm, verstummtem I. 



■ I Onainal from 

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— 41 — 

einigen Stellen einen korrekteren Text und bestätigt Konjekturen 
P.. Meyers.') 

Schi. 150rb.: Je Jehans 2 ) ai enuoiei mon aingle tesmoingnier a vos 
ces choses as eglises. Et ie suis racine et ligniee de David, estoile 
resplendissans. et estoille de la matinee. Et li espous et li espouse 
dient [:] vien. 3 ) Et cilz qui ot dire 4 ) [:] vien. Et eil« qui ait soif vaingnet. 
et qui weit praingnet de Piaugue 5 ) de vie de grey. Et ie di a ceulz 
qni oient toutes les parolles de la prophecie de cest liure. Et se 
auleuns met auleune chose en ces choses. Deus mostrait 6 ) sor li les 
tonnens qui sont escrips en cest liure. Et se auleuns descroit des 
parolles des proverbes et des prophetes 7 ) de cest liure. Deus osterait 
et abaiterait sa parolle dou fruit de vie des choses que sont escriptes 
en cest liure de vie. Et dist cilz qui portet 6 ) la tesmoingnance de 
ces choses: Et ie vieng tost. Amen. Vien sire Jhesu [.] la grace de 
nostre signor Jhesocrist soit awec nos toz. Ci finet l'Appochalypsce 
saint Jehan ensic conme il est escript. 

' III. Zwei Apostelbriefe. 

Jakobusbrief. — Anf. 150 va: Jaques de deu nostre signor 
Jhesucrist sers. as .xjj. ligniees que sont en disperdicion salut. r Mi tres 
chiers freires. aieis en vos cuers grant ioie quant mauuaises tempta- 
tions vos viennent et assaillent. Saichies que ce est por vos esproueir . . . 

Schi. 152 rb: Helyas estoit hons semblans aus mortex. Et il fist 
orisons a deu nostre signour que il ne pleust sor terre. Et il ne 
plust en .jjj. ans et en .vj. mois. Et apres il proiait que il plust sor 
terre. Et plust .jjj. ans. Li cielz donnait ploge a 9 ) la terre donnait 
fruit. Mi freires se auleuns* de vos est en errour de la veritei et 
auleuns se 10 ) conuertist et met en la droite voie. il doit savoir que 



! ) Ich gebe auch hier die wichtigeren Varianten zu dem von P. Meyer 
gedruckten Text der pariser Bandschrift, soweit ich nicht den Paiatinus selbst 
wiedergebe: S. CCXXXVIII Zeile 11. et est . . . einssint fehlt. — 17. et fu 
fehlt. — CCXXXIX, 3. en Jhesucrist nostre Sauvcor fehlt. — 4. Pasmos. 
— 5. en tspans. — 6. en .?'. jor de diemanche fehlt. — 9. au .vjj. esgliscs. — 
11. ce oit. — 13. chandelabres d'or. Et en la moxenne des .vjj. chandelabrcs 
(Tor samblance. — 17. flanme ardant. — 19. la voiz de fehlt. — 22. quant il 
est. — 27. et les choses qui sont fehlt. — S. CCXL, 8. toi fax que. 

*) Statt Jhesu ; mit der pariser Hs. gemeinsamer Fehler. 

a ) Hs. bien. 

4 ) Statt die; Vulgata qui audit dicat; derselbe Fehler in der pariser -Hs. 

*) Die Form iaugue (augue, yaguesY neben der häufigeren iawe habe ich 
mir wiederholt, besonders m der Apokalypse, notiert. Sie findet sich auch 
in der altlothringischen Uebersetzung des Dionysius Cato, die Ulrich, Zeit- 
schrift f. rom. Phil. XIX (1695) S5ff. herausgegeben hat. 

•) Statt tnetrait 

7 ) Statt vrophecics; derselbe Fehler in der pariser Hs. 

H ) Die IIa. wiederholt dist nach portet. s 

'-') Lothr. für et, s. Bonnardot I. c. S. 474 und Jahrbuch der Gesellschaft 
für lothringische Geschichte VI (ls94) 206. 

I0 ) Statt le. 



I Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 42 — 

cilz [152va] qui ferait conuertir le pecheour de l'errour de sa vie 
qu'il sauluerait l'airme de lui * de la mort. Et pour ce auient ! ) il 
raoult de pechies. 

Erster Petrusbrief. — Anf. 152ra: Peires li apostres de Jhesu- 
crist aus olaus 2 ) aus estrainges de la disparsion de la raeir. de 
Galilee. de Capace. d'Asye. de Bethanie. 3 ) Selonc la science de deu 
le peire. en la sanctif [ic] acion dou samt espir. en l'obedience et en 
la dißparsion dou sanc Jhesucrist. Graice soit a tous multiplieie. 

Schi. 154 rb: PaH) Siluanon nostre loiaul freire ai ie escrit a 
vos briefment. qui vous proiet et tesmoingnet que ce est la vraie 
grace de deu si vos y teneis. L'esglise que est assemblee en Babi- 
loyne vos saluet. et Marchus mes filz [.] Salueis vous Tuns Tautre ou 
noiD de sainte pais. Grace soit a vos tous qui estes et viueis ou 
nom de nostre signour Jhesucrist. 

IV. Proverbia Salomonis mit Kommentar. 

Der gleiche Text findet sich in folgenden Handschriften: 1. Bern 
590, Pergamenthandschrift des XIII. Jahrhunderts, ehemals in Bongars 7 
Besitz, s. H.Hagen Catalogus cod. Bernensium, Bern 1875, S. 472, 
auch Gröber S. 983. — 2. Paris, Bibl. Nat. fr. 402, Pergamenthandschrift 
des XV. Jahrhunderts, s. P. Paris III 369, ferner Catalogue des 
manu8crits fran^ais, ancien fonds, I (1868) 38. 5 ) — 3. Paris, Bibl. 
Nat.fr. 24 768, die Handschrift der „Quatre livres des rois", enthält 
auf Bl. 105 v — 134r Nachträge, die bisher für eine Homilie 
gehalten wurden, s. Le Roux de Lincy, Les quatre livres des rois, 
Paris 1841, S. CXXXIII; W. Förster, Romanische Forschungen II 
(1886) 195 f. Ein Vergleich des Eingangs, den Förster wiedergibt, 
mit Pal. 178 ra zeigt, daß eine Wiedergabe von Proverbia cap. XXXI 
unserer Uebersetzung vorliegt. Die Schrift gehört nach Le Roux de 
Lincy dem XIV., nach Förster dem Ende des XV. oder Anfang des 
XVI. Jahrhunderts an. — Die lothringische Sprachfärbung scheint nur 
dem Palatinns eigen zu sein; sie findet sich jedenfalls nicht in der 
ältesten, der Berner Handschrift. 

Der Uebersetzung der Sprüche geht eine kurze Einleitung voraus, 
die über Salomon, seine Schriften, ihre Uebersetzung in der Vulgata 
berichtet. Die Erklärung, anfangs nur spärlich, wird mit dem Fort- 
gang der Uebertragung immer ergiebiger; sie ist besonders eingehend 
in der Deutung des letzten Kapitels auf die Kirche und ihre Mission 



1 ) Vulgata et operiet multitudinem peccatorum, das der Ueberaetzer nicht 
verstanden zu haben scheint. 

2 ) Vulgata electis. 

3 ) Vulgata Ponti, Galatiae, Cappadociae, Asiac, et Bithyniae. 
*) Hs. Car durch Versehen des Miniators. 

Ä ) Dagegen hat der anglo-norm. Prosakommentar der Hs. Bibl. Nat. fr. 
24 862 (s.P.Meyer, Notices et extraits XXXV, 1 (1896) S. 131) mit unserer 
Fassung nichts zu tun. 



I Onqinal fron» 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 43 — 

(178 rb folg.). Die wichtigste Quelle des Kommentars ist die Expositio 
in Proverbia Salomonis des Rabanas Maurus (Migne, Patr. lat CXI 679), 
die bald wörtlich, bald frei oder kürzend übernommen ist. 

Anf. 154va (Prolog): Au temp que Salemons li filz le roi Daniel 
fuit roi6 de Jherusalem. deus li moustrait moult grant amour. Car 
on lit en escripture que il fuit sacreis a roi en s'enfance . . [154 vb]. 
Et fist .jjj. liures de moult grant sapience. dont nos metterons le 
premier en fransois au plus droit que nos porrons por mieulz gardeir 
Tentendement de la matiere. Et tout premerainnement dirons dou 
prologue qui ensic conmencet: Sains Jheromes qui fuit moult boins 
clerß et fuit neis de Bethleem mist la blibe [!] d'ebreus en latin . . . 
[155 ra]. Et enuoiait a dous euesques le liure Salemon que nous 
faissons et le prologue qui est teilz: Ceromate et Heliodore euesques. 
Jheromes. ... — Kürzende Uebersetzung des Briefes, den Hieronymus 
seiner Uebersetzung der Proverbia vorausgeschickt hat (= Migne 
Patr. lat XXVUI 1305—1307). 

155 ra: Ce sont les parables Salemon le fil Dauid le roi d'Israhel 
ponr donneir sapience et diseipline por entendre parole de sauoir. et por 
receuoir vraie doctrine. et por sauoir iustice iugemens et droiture et 
por ce que as enfans soit donnee aperseuance et as iones sciences et 
entendemens. Ne ia hons ne serait si saiges qu' il ne peust assez apenre. 
et cilz qui bien y entenderait aprendrait a gouuerneir sa vie et l'autrui 
(Proverbia I 1 — 5). 

178 ra: Ci recomancet Salemons quant 1 ) sa meire l'ensainnet et 
chastoiet et dist. Ce sont les parolles [le] roy Lamuel 2 ) et la uision 
conment sa meire le doctrinait. La meire fuit la grace dou Saint esperit 
qui l'ensaingnait et aprist qu'il enluminait puis si sainte esglise que 
on parlerait de son enluminement tresques au jour dou iugement. Et 
que cilz qui le seeiuent entendre en vaulront mieus. Et dist ensic la 
meire: Tres doulz filz mes enfes qui ies neis de mon euer de raon ventre 
et estaublis a roy. Mes filz en cui sont tuit mi desirs. Et qui ies 
esleus a la dignitei que ie desirroie de tout mon euer, ne donnes mie 
ta substance as folles fernes ne ne mes ton sens ne ta vertu en corruption 
de pechiiS. Ne donnez mies tes richesces por les roys destruire. — 
Proverbia XXXI 1—3; Anfang nach Bibl. Nat. fr. 24768 bei W.Förster 
1. c; zu den Glossen vgl. Rabanus, Expositio III 31 (Migne CXI 779). 

178 va (Prov. XXXI 10, Muliereru fortem quis invenietV): Ceste fors 
ferne est sainte esglise que est fors per la seurtei de eclui qui de son 
sanc la rachetait. Et ceste force li donnet Jhesncrist dont il dist a ses 
aingles quant il montait as cielz: Faites moy ioie et awec moy faites 
feste. Car ie ai reconquises mes berbis que li dyaubles m'auoit tollnes. 
(Test la nature humainne que estoit pardue per la transgression de Adam. 
Et quant il vit que li dyaubles auoient si grai^d pooir. et que nulz ne 
porroit estre salueis se li filz deu proprement ne descendoit en terre. 

") Paris Bibl. Nat. fr. 24 7f>8, Bern 590 comment. 
3 ) Oder Samuel; so die andern Handschriften. 



I Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 44 — 

si dißt: tu qui trouerais') la fort ferne. Ce est Stinte eglise per cui 
ensignemens cilz seront salueis qui croire la voulront . . . (Rabanns 
III 31, bei Migne Sp. 781). 

Schi. 181 ra: La ferne que den doutet sereit loeie et amee (Prov. 
XXXI 30). La ferne ce est Tairme que soulement doutet deu et ainmet 
de tout son euer enthierement . . . Donneis li selonc sa deserte 
(XXXI 31). C'est a dire coronneis lahaultementen la grant ioie de paradix. 
Ensic serait loeie per ses oeures et per ses fais a Tantree de la grant 
signorie. Ensic seront en la fin les saintes airmes coronnees ou grant 
roiaulme qui tous iors durrait sans fin. et li mauais seront dampneis 
et meneis en Tangoissouse dolour d'enfer. dont il n'isteront iamais. 

Explicit la bible en fransois corregiee. et abrigiee. Et li prouerbes 
Salemon. 

Pal. lat. 1958. Missale. 

Pergament. 288 Blätter, 28,2 x 20,5 cm, zweispaltig zu 34 Zeilen. 
Größere Bachschrift, Rubriken, rote Initialen, Absatzzeichen, Strichelung 
der Majuskeln. Alte Sign. 975, C. 175. 1247, 1829. Heidelberger 
Bezeichnung Offitia (lr). 

Uebersetzung des Dominikanermissales, 1368 von einem David 
de Grufiez geschrieben und wahrscheinlich für die Nonnen des Ordens 
bestimmt. Das Fehlen des hl. Thomas (kanonisiert 1323) unter den 
Heiligen des Dominikanerordens spricht für eine ältere Vorlage, die 
indessen nicht vor 1297, der Heiligsprechung des hl. Ludwig, dessen 
Messe den Schluß der Handschrift bildet, entstanden sein kann. 

Anf. lra (Register): C'esl la table pour trouver les Offices chascum 
jour par ordre. 

3ra: Le premier dimanche de Vavent Nostrc Seigneur. L'office 
de la messe. Ad te levavi animam meam ... — A Toi, Sire, jai leve 
m'ame: mon Dieu, jai fiance en toi, que je n'aie nule confusion et que 
mi anemi ne m'escharnissent pas. Et certes tuit eil qui t'atendent, 
n'aront nulle confusion. 

3r: De tempore, Advent bis Karsamstag. — 106 r: Praefationen, 
Canon. — 109 r: De tempore, Ostern bis Dominica 25. post Trinit 
(Corpus Domini fehlt). — 161 r: In dedicatione ecclesiae. — 162 v: 
De sanetis von Vigilia S. Andreae bis 8. Catharinae. — 207 v: Episteln 
und Evangelien des Commune sanetorum. — 214 v: Missae diversae 
(de SS. Trinitate, de Spiritu saneto, de S. Cruce, Marienmessen, pro 
quacumque necessitate). — 219 v: Orationes diversae. — 222 r: Missae 
und Orationes pro defunetis. — 226 r: Benedictio aquae. — 227 r: 
Missa de SS. Eucharistiae Sacramento, S. Ludovici Confessoris. 2 ) 

') Bern O qui trouera la forte fame, entsprechend Vulgata XXXI 10. 

'■') Die in der Table verzeichnete Beneifon des espousauU* und Bcneifon 
de$ fönt fehlen, wohl weil sie als Reservate der Pfarrkirche in einem Kloster- 
missale nicht am Platz waren. 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 45 — 

Schi. 228 vb (Missale, die 25. Augusti, 8. Ludovici Confessoria): 
Apres le communion . . . Diex, qui par ton saint confesseur Loys as 
fait tant de miracles en terre, nous te prions que li meismes, que tu 
äff ja fet glorieus es cielx: tu le weilles donner a t'eglise desfenseur 
et icelle meismes par ses merites et ses prieres weilles delivrer de toute 
aversite. Per Dominum . . . 

L'an mil CCCLXVIII je missel fuiz escrit par la main Davi de 
Grufiez. Te Deum laudamus. 



Pal. lat. 1959. Theologische Sammelhandschrift. 

Papier. 159 Blätter, 25,8x19,5 cm, einspaltig zu 28 Zeilen. 
Buchkursive der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote 
Initialen, Strichelung der Majuskeln. Alte Sign. C. 74. 1251, 1838. 
Heidelberger Bezeichnung Vitae sanctorum (lr). 

Eine Vereinigung meist auch sonst wohlbekannter Texte, fflr 
Frauen, vermutlich Nonnen, zu religiöser Erbauung und Belehrung 
bestimmt. 

Anf. lr: Qy s'ensuyvent de molt belies escripturez et les viez de 
plusieurs sains. 

I. Einleitender Abschnitt, der dem reuigen Menschen das Lesen 
der Psalmen Davids, insbesondere des Misereres empfiehlt 

Anf. lr: C'est foy, esperance et charite Tune ne profitte gaires 
ganz Tautre, dont est esperance l'nne des vertus qui est neccessaire 
au sauvement de chacun homme et femme. Pour nous donner bonne 
esperance de misericorde sont plus usö les escrips David que des aultres 
prophettes. Car ainsi comme David ot plus de la grace de Dien apres 
la repentance de ses pechez qn'il avoit en devant, aussi devons nous 
avoir esperance . . . 

IL Doctrinal pour les simples gens. — Der in vielen Hand- 
schriften und Drucken verbreitete, meist Guy de Roye, Erzbischof von 
Sens und Reims (gest. 1409), zugeschriebene Traktat, welcher, die 
wichtigsten Glaubens- und Sittenlehren enthaltend, sowohl dem ein- 
fachen Laien als auch besonders den des Lateins unkundigen Pfarrern 
als Anleitung zur religiösen Belehrung des Volkes dienen sollte. 
Vergl. Gröber S. 1090; ferner E. Langlois in den Mclanges d'archdologie 
et d'histoire V (1885) 40 f. mit der Wiedergabe des Eingangs nach 
der Hs. Vatic. Ottobon. 2523. 

Anf. 1 r: Qy commance le doctrinal en frangoys pour les simples 
gens. — (lv): C'est si une bonne doctrine pour briefment et plainement 
enseigner les simples gens a bien vivre et a bien confesser et est 
cornpile de ce qui s'ensuit . . . (2r): Ce qui est en ce petit livre 
doivent enseigner les prestres a leurs perrossiens. Pour les simples 
prestres qui n'entendent pas les Escriptures et pour les simples gens 
fnt il faiz en fran^oiz plainement et par graut conseil examine et es- 
prov6 a Paris par plusieurs maistrez en divinite. Et pour ce qu'il 



i ' I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 46 — 

est briefment fait, poigne le bien celui qui l'escripra et on l'entendra 
clerement, autrement non. 

Des articles de la foy premier. Nous devons croyre en ceste foy, 
vivre et morir qu'il est ung seul Dieu en trois personnes - . . 

III. Gebete vor der Messe und der Commnnion. — Für Frauen 
bestimmte Uebersetzung der Orationes ante missam (die dominica bis 
sabbato) des Missales unter Umänderung der nur für den zelebrierenden 
Priester passenden Stellen, mit Auslassung von Feria V., VI. und des 
größeren Teils von Feria IV. 

Anf. 20 v: Souverain prestre et vray evesque, qui a Dieu le pere 
de toy mesme feist offrande pure et sanz tacke sur l'autel de la croix 
pour nous chetifz pecheurs, qui nous as donne ta char a mengier et 
ton sang a boire ... je te prie dont par ton sang, qui est le grant et 
le precieux chastel de nostre sauvement . . . 

Schi. 22 r: ... et la tu rae saouleras d'ime plante si merveilleu.se 
que jamaiz en la vie pardurable je n'auray ne faim ne soif. 

IV. Von der Messe. — Eine volkstümliche Erklärung der Messe 
und Anleitung, wie man ihren Teilen mit Andacht folgen solle. Der. 
kurze Traktat findet sich, textlich vielfach variiert, als Devise de la 
messe, Signification de la messe, Vertu de la messe, Instruction pour 
entendre la messe u. ä. in zahlreichen theologischen Handschriften. 
Vergl. P. Meyer, Romania VI (1877) 10, Bulletin de la Soctete des 
anciens textes XII (1886) 45; Handschriften der Pariser National- 
bibliothek: Fonds fr. 190, 402, 436, 916, 940, 1879, 19 271, 19 355, 
Nouv. acq. 4510, 6881, 10237; s. auch Pal. lat. 1991. 

Anf. 22 r: L'Introite de la messe est le commancement, ce doit 
Ten entendre qu'on 1 ) ne doit penser ne regarder a chose que on ayt 
oye ou veue. Apres chanton neuf foiz kyryeleysoa, ce signifie qu'il a 
neuf ordres d'anges en paradix. Et de chacune ordre en vient .x. ou 
plus a la messe et non mie toute l'ordre, mais de chacune une partie. 

Schi. 22 v: Apres dit on la derrienne oroyson. Si doit on ramente- 
voir aux benois sains, (23 r) que ilz n'oblient mye que ilz ne facent 2 ) 
nostre besongne a Nostre Seigneur a nostre sauvement. 

V. Passionsbetrachtungen im Zyklus der kanonischen Tages- 
zeiten, mit dem Kompletorium beginnend und endend. Zu Grunde liegt 
mit einigen Erweiterungen 3 ) der Beda zugeschriebene Traktat „De 
meditatione passionis Christi per Septem diei horas" (Migne, Patr. lat. 
XC1V Sp. 561 ff.). Aehnliche Stücke begegnen öfters in der religiös- 
erbaulichen Literatur der Zeit, doch ist infolge der unzureichenden 
Angaben der Kataloge ihre Bestimmung ohne Einsicht in die Hand- 
schriften schwierig. Eine 1456 datierte Handschrift Jean Mielots, des 



1 ) Hs. c'est com. 

2 ) IIa. face. 

8 ) Diese betreffen besonders die Einleitung und die Zufllgung einer neuen 
Kompletbetrachtung am Schlüsse. 



(~~ . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 47 — 

im Dienste Philipps des Guten von ßurgund tätigen Uebersetzers und 
Bearbeiters theologischer Werke, enthält u. a.: Ancunes tres devotes 
contemplations snr les sept heures de la Passion, translatäes de latin 
en fran^ois . . . (Bibl. Nat. fr. 12441).») Ferner Bibl. Nat. fr. 1181 
151. 82 ff.: Horloge de la Passion, Meditations snr les heures de la 
Passion; 5 ) Valenciennes 119. 3 ) Als lateinische Quelle dieser Literatur 
kommen außer der Beda- Apokryphe besonders die unter Bonaventuras 
Namen gehenden „Meditationes vitae Christi" 4 ) in Betracht. 

Anf. 23r (Vorrede): Celui ou Celle qui vouldra monter en la 
montaigne tres haulte en laquelle on aprent la grant science et le 
proffitable commandement, [doitj premierement prendre et couformer 
en 8oy celle vertus pour la quelle especialment le benoist filz de Dieu 
descendit plus tost ou tres glorieux tabernacle de la pucelle, glorieuse 
vierge Marie, nette et monde de euer et de corps, et ceste vertus est 
sainte humilite ... A Comp lies ainsi commanceres, qui est a dire 
pour complie. Quant le bon Sire ot acomplies (!) le cours de sa sainte 
predicacion, il fist la cene a ses disciples. Et a celle eure il leur 
monstra (23 v) une grant partie de s'amour de quoy il les amoit et 
avoit am<5, et en celle tres grant amour il leur lava les pies . . . 

Schi. 30 v: II nous donne vraye coustumiere remembrance des 
peines que il souffrit pour nous, et (que) il nous doint'en teile maniere 
vivre et morir que nous puissionB avec lui en sa gloire venir. Amen. 

VI. Marienklage. — Eine Versversion des weitverbreiteten und 
wiederholt in die Vulgärsprachen übersetzten „Planctus beatae Mariae 
virginis", eines Prosatraktates, der meist dem hl. Bernhard, seltener 
Augnstin oder Anselm zugeschrieben wird. 5 ) Wiederholte Hinweise 
auf die altfranzösischen Bearbeitungen hat P. Meyer gegeben; 6 ) zu den 
vier von ihm nachgewiesenen Prosaübersetzungen und einem anglo- 
norm. Gedicht in Langversen des XIII. Jahrhunderts tritt eine weitere 



>) S. P. Perdrizet Revue d'histoire littäraire de la France XIV (1907) 477. 

*) S. L. Delisle, lnventaire g6n6ral et mSthodique des manuscrits fran$ais 
de la Bibliotheque Nationale, Paris 1876, 1110. 

8 ) S. J. Mangeart, Catalogue des manuscrits de la Bibliotheque de 
Valenciennes, Paris 1860, S. IUI ff. 

*) Feria VI: De passione, nach den Hören. Opera, Venetiis 1751—50, 
XII 379 ff. 

y ) Der lateinische Text ist gedruckt von W. Mushacke im Anhang zu 
seiner Ausgabe der altprov. Marienklage, Halle 1690 (Romanische Bibliothek III), 
8. auch Migne, Patr. lat T. 159 Sp. 271, T. 182 Sp. 1134. 

*) Bulletin de la Societ6 des anciens textes frangais I (1875) 01, XI 
(1885) 49, XII (1886) 48, Roinania XV (18b6) 309, Histoire litt6raire XXXIU 
(1906) 441, 446, s. auch E.Wechsler, Romanische Marienklagen, Halle 1893, 
S. 17. Es sei noch auf folgende von P. Meyer nicht erwähnte Handschriften 
der Prosa hingewiesen: Berlin, Kgl. Bibliothek, Gall. 28. S" (s Zeitschr. f. rom. 
Phil. XIII, 1889,3*), Arsenal 2071, Chantilly 134. Eine weitere Bearbeitung 
enthält die im Auftrag der Isabeau de Baviere verfaßte und als Quelle der 
Pasaionsmysterien wichtige Uebertragnng der „Meditationes vitae Christi* des 
Pseudo- Bonaventura (Passion von 1898, s. E. Roy, Le mystcre de la passion 
en France, Revue bourguignonne XIV, 1904, 254). 



I ' , . I . Original from 



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— 48 — 

poetische Version n en mdchants vers franyais", die sich nach E. Roy 1 ) 
in der 1462 geschriebenen Ha. Bibl. Nat. fr. 9587 findet. Der neuen 
Versredaktion (meist 12 Silbler) des Palatinus kommt ebensowenig wie 
der vorhergehenden ein poetischer Wert zu; die geringe Begabung 
des Verfassers seigt sich auch hier besonders in der Vernachlässigung 
der metrischen Form. Ein überwiegend in Prosa geschriebenes Vorwort, 
das die lateinische Vorlage Augustin zuschreibt, und ein Epilog mit 
Ermahnungen an die Leserinnen scheinen Zufflgnngen des französischen 
Bearbeiters zu sein. 

Anf. 31 r (Prolog): Pour ce que noz cners sont mout endurcis et 
tellement que nous ne povons mais entrer ne penser a l'amonr enbrasee, 
obliee l'avons . . . 

31 v: Saint Augustin nous dit ou livre Jeremie | que mout estudia 
et lut la prophecie, | que vous y trouveres tout entiejement, | se de 
euer bien voulez entendre bonnement. | II dist en teile maniere: Je 
donray a mon chief | de grant douleur de quoy il soit mouillie | et 
a mes yeux de larmes grant fontaine. 2 ) | De vostre doulce amour soit 
m'ame tonte plaine, | pour ce que bonnement nnit et jour | menez 
grant dueil et grant plour | . . . 

Schi. 40 r: De la douleur sa mere tous temps vous souveigne, | si 
que en paradix soyez en sa compaign(i)e. | A[i]nsi povez venir a 
celle haulte gloire | avec Nostre Seigneur en son saint oratoire. | Priez 
Dieu et sa mere | de bon euer purement | pour moy qui en ce faire | 
ay mis tout mon attant! Si fault li-^plains Nostre Dame, | qui nous 
garde le corps et Tarne. Amen. 

VII. Zeitgedicht. — Mahnung zur Vorbereitung auf den Tod 
und Klage über die Zerrüttung des Landes, welche die schwache 
Regierung eines jungen Herrschers verschulde. 24 paarweis gereimte 
Achtsilbler. Die Beziehung auf die ersten Jahre der Regierung Karls VI. 
(1380—1422) liegt nahe. 

40 r: Faittez tendiz que vous vivez, 

S'apres la mort vivre voulez. 

Ne vous fiez point en santö . . . 

ßeaux pere, a grant deshonnour 

Puet vivre ung Jone seigneur, 

Povre de senz et ignorant, 

Qui het bon conseil et mal prent. 

Pour moy le dy que je scay 

Ne bien, ne mal, laz, que feray. 

Bieu doit estre pais a grant douleur, 

Quant pert Bon bon seigneur. 

Ung royaume est tons destruiz, 

Quant le roy n'a nulz bons amis. 

') I.e. S. 251. 

-) Die Vorlage ist vielfach mit mangelhaftem Verständnis und sinnlos 
wiedergebenen, so gleich der Anfang; Quin dabit capiti meo aquam et oculis 
meis fontem lacrimarum (Jeremias IX 1). 



I . Original from 



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-~ 49 — 

VIII. Legendär der Heiligen in Prosa. — Die von P. Meyer 1 ) 
zuerst untersuchte und als Lögendier liturgique charakterisierte älteste 
französische Sammlung von Heiligenlegenden in der Folge des Kirchen- 
jahres. Die lateinische Vorlage, welche sehr frei behandelt wird, ist 
die nach 1230, vermutlich in der Diözese Auxerre entstandene 
„Abbreviatio in gestis et miraculis sanctorum u oder „Summa de vitis 
sanctorum". Von deta französischen Legendär, das zwischen 1240 und 
1280 anzusetzen ist, .sind mehrere, in der Zahl der Legenden sehr 
verschiedene Handschriften bekannt. Ein Vergleich mit der aus- 
führlichen Analyse, die P. Meyer nach der Hs. Bibl. Nat. fr. 988 gibt,*) 
zeigt, daß die heidelberger Sammlung erheblich gekürzt hat: es fehlt 
der ganze Schlußteil mit den Legenden von Ende August bis Advent 
(Meyer Nr 122 — 168), und von den vorhergehenden 121 Legenden 
der pariser Handschrift hat der Palatinus nur 50. Die Anordnung 
folgt, wie bei Meyer, dem Kirchenkalender, doch ist die Alexiuslegende 
(Meyer 85) an den Anfang gerückt; durch ein Versehen, das wohl 
schon die Vorlage aufwies, 3 ) sind Papst Gregor, Ambrosius, Georg 
und das Fest der Verkündigung unter die Heiligen des Januar geraten, 
und hier findet sich auch in Uebereinstimmung mit der Summa und 
der Mehrzahl der französischen Handschriften die Legende des hl. 
Remigius am Todestag des Heiligen (13. Januar), während die pariser 
Handschrift sie erst am Tage der Translation (1. Oktober, Meyer 144) 
bringt. 

Anf. 40 v: Cy commance la vic saint Alexi de Borne. II fut a 
Romme ung mout preudomme, noble et riche, qui avoit nom Eufemien, 
qui premiers estoit appellö ou palays des ampereurs. 

Schi. 158r (Translation Augustins nach Pavia): Hz leverent mout 
legierement le saint Corps et fut portö a Pavie et fut receu du clergie 
a grant honneur et de tout le pueple, et fut mis mout dignement 
le corps en Tesglise. 

Das Legendär enthält folgende Viten und Feste: 4 ) 40 v: Alexis 
(Meyer 85). — 43v: Andre (1). — 51 v: ßloi (2). — 52 v: Nicolas (3). — 
57 r: Fuscien et Victorique (4). — 58 v: Lucie (5). — 59 v: Nicaise 
(6). — 60 v: Thoraas l'apotre (7). — 64 v: Anastasie (9). — 66v: 
Etienne (10). — 68r: Jean Tevang^liste (11). — 7lv: Les Innocents 
(12). — 72v: Thomas de Cantorböry (13). — 74r: Siivestre (14).— 
77 r: Colombe (15). — Genevifcve (16). — 79 r: Julien (17). — 
82v: Remi (144). — 85r: Hilaire de Poitiers (18). — 86v: Antonie 



') Notice sur un legendier fran<;ais du XIII e siecle classe selun l'ordre 
de Tann6e liturgique, in den Notices et extraits des manuscrits XXXVI (1899) 
I liT., ferner Histoire litt6raire de la France T. XXXIII (1906) 448 ff., s. auch 
Groeber S. 989 

') Notices et extraits 1. c. 

*) Ein Vertieften liegt nicht vor. 

4 ) Von der Wiedergabe der Rubriken und Initien sehe ich ab, da sie 
nur unbedeutend von denen der pariser Handschrift, wie sie P. Meyer aus- 
führlich mitteilt, abweichen; die Zahlung Meyers füge ich in Klammern bei. 

Beiheft 46. 1 



■ 1 Original from 

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— 50 — 

l'abbä (20). — 89r: Grögoire, pape (41). — 94r: Annonciation (45). — 
96 r: Ambroise (46). — 98r: Georges, martyr (50). — lOOr: Fabien 
(21). — Söbastien (22). — 104r: Vincent, martyr (24). — 106r: 
Conversion de 8. Paul (25). — 107 r: Purification (30). — 108 r: 
Amand (34). — 109v: La Chaire 8. Pierre (37). — HOr: Mathias 
(38). — 111 r: Marc l^vangöliste (51). — 111 v: Philippe l'apötre 
(53). — 112v: Jacques le Mineur (54). — 113v: Invention de la 
s. croix (55). — 116r: Urbain (63). — 116v: Barnab<5 (68> — 
117r: Jean-Baptiste (73). — 118r: Pierre et Paul (76). — 123v: 
Paul (77). — 126 r: Thibaut (79). — 129 r: Marie-Madeleine (88). — 
133r: Jacques le Majeur (91). — 139v: Pierre 6s liens (101). — 
140 v: ßtienne, pape (104). — 143 r: Laurent, martyr (111). — 
144r: L'assomption (114). — 154v: Barth&emi (120). — 156v: 
Augustin (121). 

Ein näheres Eingehen verdient eine Anzahl Marienwunder, die 
im Anschluß an das Fest der Assumption erzählt werden. P. Meyer 
hat nur einige flüchtig besprochen, da sie nicht zum Gegenstand seiner 
Untersuchung gehörten. Ich gebe eine vollständige Uebersicht unter 
Verweis auf die inhaltlich tibereinstimmenden Fassungen bei A. Mussafia, 
Studien zu den mittelalterlichen Marienlegenden I — V (Sitzungsberichte, 
der Wiener Akademie, Phil.-hist Classe Bd. 113, 115, 119, 123, 139. 
1886 — 98), wobei ich besonders die Hs. Darmstadt 2777 berücksichtige, 
welche die Mehrzahl der Legenden in der Fassung der auch hier 
dem französischen Legendär zugrunde liegenden „Summa de vitis 
sanctorum" zu enthalten scheint 1 ) Die Vorlagen der Mirakel 4, 6, 
9 — 12, 14, 15, 17 — 21, die Gautier von Coincy verwertet hat, 
behandelt Mussafia in seiner bekannten Untersuchung über die Quellen 
dieses Dichters (Denkschriften der Wiener Akademie, Phil.-hist. Ciasse, 
Bd. 44, 1896). Weitere literarische Nachweise beschränke ich auf 
Gröbers Geschichte der altfranzösischen Literatur und die inhaltsreiche 
Einleitung in G. F. Warners Ausgabe von Jean Mielots Miracles 
de Nostre Dame, Westminster 1885 (Roxburghe Club). 

1. 146 r: Comment le laz Nostre Dame chayt devant saint Thomas. 
En autre lieu trouve on en Tescripture que quant les appostres orent 
ensepveli le corps Nostre Dame ... — s. Jacobus a Voragine, Legenda 
aurea cap. 119 (Ed. Grässe, Dresdae 1846, S. 509): Thomas autem 
cum abesset . . . 

2. Comment saint[e] Elisabeth parla a Nostre Barne. Nous lisons 
en les canonique 2 ) ... — Meyer S. 45 f., Jacobus a Voragine cap. 119 
(Grässe S. 510).») 



1 ) Das = Zeichen verwende ich, wenn nicht nur eine völlige lieber* 
einstimmong im Inhalt, sondern aach in den Initien besteht, so daß der 
lateinische Text als Vorlage des französischen Uebersetzers anzunehmen ist 

2 ) Die Pariser Hs. an croniques. 

s ) Die zweite Vision der Elisabeth (Meyer S. 46 : Commant sainte Elizabeth 
vit porter Nostre Dame ou ciel) fehlt im Palatinus. 



[ . Original ftom 



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— 51 — 

3. 146 v: Pour quoy nous devons savoir que le corps Nostre Dame 
est ou ciel. Nous devons savoir vrayement que Nostre Dame fut portee 
en corps et son ame en paradix ... — Meyer S. 47.1) 

4. Nonne verläßt das Kloster. 147 r: De la nonnain que Nostre 
Dame fist son office ung an. II advint d'une nonnain qui estoit 
secretaine de son abbaye ... — Meyer S. 48 II, = Mnssafia IV 7 
(Darmstadt 2777, 2); vgl. Mielot S. XXXVI (Nr 69), Gröber S. 918 
(Sacristine). 

5. Maria gibt der Mutter den Sohn zurück, der als Dieb gehängt 
werden sollte. Comment Nostre Dame rendit a une fetwme son enffent. 
Une bonne femme, que mout estoit povre et servoit en teile maniere 
Nostre Dame, cessoit chascun samedi de toutes euvres ... — Meyer 
8. 48 IV, = Mnssafia IV 7 (Darmst. 2777, 4), vgl. Mielot S. XXXIV 
(Nr 63), Gröber S. 922 (Mfere). 

6. Gehängter Dieb. 147 v: Comment eile soustint le lierre qui 
pendus estoit Ung lierre qui mout amoit Nostre Dame fut pris et 
pendus ... — Meyer S. 48 III, = Mussafia IV 7 (Darmst. 2777, 3). 

7. Kleriker enthält sich des Mädchens, das Maria heißt. Comment 
eile restaury ung autre au deable. Ung clerc estoit qui mout estoit joli 
et legier ... — Meyer S. 48 V, = Mussafia IV 7 (Darmst. 2777, 5), 
vgl. Mielot S. XXIX (Nr 46), Gröber S. 923 (Nom de Marie). 

8. Maria entreißt den Teufeln die Seele einer Buh ler in. 148r: 
Comment une femme fut delivree des deables. Comme une fole femme 
cessast de son pech<5 tous les samediz pour l'onneur de Nostre 
Dame . . . = Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 7); vgl. Mielot S. XXIX 
(Nr 47). 

9. Teufel als Diener eines reichen Sünders. Du deable qui gaittoit 
ung bourgois. Ung rfche homme qui mout estoit pecheur . . . 
= Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 8), Varianten s. Mielot S. XI (Nr 8). 

10. Ehefrau und Buhlerin. 148v: De la femme qui touloit a sa 
dame son mary. En eveschie de Tournay avoit une femme qui servoit 
en l*ostel d'un chevalier ... — Zuerst bei Guibert de Nogent, De laude 
s.Mariae cap. 12 (Migne, Patr. lat. CLVI 572), s. Mussafia I 927, 929, 
949 u. ö., Mielot S. XIII (Nr 15). 

11. Eulalia betet täglich in Eile 150 Ave Maria. D'une nonnain 
qui disoit C et L Ave Maria. Comme ^) une sainte nonnaine eust 
salue mout longuement et chascun jour de C et L foiz . . . = Mussafia 
IV 8 (Darmst. 2777, 9), vgl. Mussafia I 942 u. ö. 

12. Priester kann nur eine Messe. 149 r: Du prestrc qui ne 
savoit chanter que la messe de Nostre Dame. Ung prestre qui mout 
estoit de bonne vie chantoit en une parroisse ... — Mussafia I 939 
(Pothonis Liber de miraculis 9), II 66 (Jacobus a Voragine cap. CXXXI, 7), 
IV 8 (Darmst. 2777, 10), s. Gröber S. 927 (Nur eine Messe). 



') Die drei ersten Abschnitte sollen die Tatsache der Himmelfahrt Mariae 
erhärten. 

a ) Hs. comment. 

4* 



[ . Original ftom 



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— 52 — 

13. Hieronymus wird Bischof von Pavia. D'un clcrc qui fut 
evesque pour ce qu'il servoit Nostre Dame. A Pavie avoit ung clerc 
qui mout amoit Nostre Dame ... — Mussafia I 939 (Pothonis Liber 
de miraculis 13), IV 8 (Darmst. 2777, 11). 

14. Marienbräutigam. 149 v: Ung clerc qui mout amoit Nostre 
Dame et disoit chascnn jour ses h^ures *) . . . = Jacobus a Voragine 
CXXXI, 6 (Grftsse S. 592), ähnlich Mussafia I 939 u. ö., Mielot S. XI 
(Nr 9, 20). 

15. Jndenknabe. Comment eile garyt Venfent du feu ardant 
A Bourges avint le jour de pasques . . . = Meyer S. 49 (lat. u. frz. 
Text), Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 12), s. Gröber S. 918 (Juitel). 

16. Maria erscheint einem Sterbenden als Mater misericordiae. 
150r: Comment Nostre Dame conforta le malade. Ung homme estoit 
mout malade en teile maladle qu'il n'avoit nulle esperance ... — 
Zuerst bei Anselm von Ganterbury, Oratio 49 (Migne, Patr. lat 
CLVII1 946), s. Mussafia I 925, 930 u. ö. 

17. Schwiegermutter und Schwiegersohn. Comment eile sa[ü]va la 
femme qui avoit faxt occirre son genre. Es miracles Nostre Dame de 
Laon ... — Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 13), Fassung Hermanns 
von Laon, De miraculis 8. Mariae Laudunensis III 27 (Migne, Patr. 
lat. CLVI 1008); vgl. Mussafia I 926, II 66. 

18. Bild in Konstantinopel. Schleier. 151 r: De Vymage Nostre 
Dame de Constantinoble. En la cite de Constantinoble est une eglise 
que est apelle Lucerne ... — Mussafia I 944 (Pothonis Liber de 
miraculis 42) u. ö. 

19. Soissons. Heilung und Erleuchtung des Hirtenknaben. D'ung 
enffant que Nostre Dame garda du feu. II avint que ung enffent de onxe 
ans d'aage gardoit bestes ... — Hugo Farsitus, Libellus de miraculis 
s. Mariae virg. in urbe Suessionensi 9 (Migne, Patr. lat. CLXXIX, 1783), 
bei Gautier von Coincy das erste der Wunder von Soissons (Ausgabe 
von Poquet 1857 Sp. 147; dort auch der lat. Text). 

20. Theophüu8. 151 v: Comment Theophile fut delivre du deable. 
En Tan de grace cinq cens et XXXVII ans Theophile qui baillif 
estoit a ung evesque de la terre de Sezille ... — Jacobus a Voragine 
cap. CXXXI 9 (Grässe S. 593), Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 14). 

21. Julianus und Basilius. 152r: Comment Vempereur fut oeeiz 
le commandant Nostre Dame. On list en la vie saint Basile, et le 
tesmoigne Fubles, qui fut evesque de Ghartres, que quant Julien 
Tempereur ... — Jacobus a Voragine cap. XXX (Grässe 8. 144). 

22. Ritter lernt nur Ave Maria. 153r.: D'un Chevalier qui ne 
pot aprendre que Ave Maria. Ung Chevalier renonga au siecle et se 
rendi en Vordre de Citeaux . . . = Jacobus a Voragine LI 2 (Grässe 
S. 221), Mussafia IV 8 (Darmst 2777, 15) u. ö., Mielot S. X Nr 7), s. 
Gröber S. 919 (Ave Maria). 



l ) 14 und 15 durch Versehen des Miniators mit derselben Rubrik, die 
nur 15 zukommt. 



I Original front 

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— 53 — 

23. Drei Brüder enterbt. De celui qui junoit les vigilles Nostre 
Dame. II advint nouvellement en Tan de grace mil II ( XXV en la 
comte de Nevers que ung chastellain du pais avoit desheritö du tout 
trois freres ... — Meyer 8. 50, = Mussafia IV 5, IV 8 (Darmst. 2777, 16), 
8. Mielot S. XXX (Nr 48), Gröber 8. 922 (Confession). 

24. Ritter verleugnet Maria nicht. 153v: Comment Nostre Dame 
delivra Vescuier qui avoit Dieu renyi. En Tan de grace mil II c et 
XXX ung eseuier gentil homme vint de mout grant richesse a 
povrete ... — Meyer S. 50, = Mussafia IV 8 (Darmst 2777, 17), 
vgl. Mielot 8. XXV (Nr 39). 

25. Edelmann verführt seine Nichte. 154r: Comment Nostre 
Dame sa[u]va une femme qui occirre se vouloit. En ce mesme temps 
ung gentil homme d'Alemaigne print en garde une sienne niepee ... — 
Meyer 8. 50, = Mussafia IV 9 (Darmst. 2777, 18), s. Mielot 8. XXX 
(Nr 49), Gröber 8. 929 (Pecheresse). 

IX. Gautier de Coinoy, Legende der Nonne Eulalia, die 
tlglich in großer Eile 150 Ave Maria betete. 1 ) Ausgabe Gautiers von 
Poquet, Paris 1857, Sp. 481; bei A. Mussafia, Ueber die von Gautier 
de Coincy benutzten Quellen 1 ) 8. 4 (I 20, Eulalia); die gleiche Legende 
in Prosa als elftes der Marienwnnder des Legendars dieser Handschrift. 

Anf. 158ra: Pour ung miracle reciter, 

Ou mout se doivent delicter . . . ^ 
En escript trouve qu'i[l] fut jadiz 
Une mout tres sainte nonne . . . 

Schi. 159 r: Qne a la gloire du ciel parti 
Quant de ce siecle departi. 

Pal. lat. 1960. Doctrines des Pferes. 

Papier. 164 Blätter, 27, 3x20 cm; einspaltig zu 20—25 Zeilen. 
Ruchkursive des ausgehenden XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote 
Initialen, Absatzzeichen, Strich elnng der Majuskeln. Alte Sign. 1216, 
C. 91. 1250, 1832. Heidelberger Bezeichnung Doctrinae seu Exempla 
8. Patrum (lr). 

Eine Sammlung von Aussprüchen und Legenden, den Leben der 
ägyptischen Einsiedler entnommen, die, nach sachlichen Gesichts- 
punkten geordnet, die Mönche belehren und zur Erreichung des Ordens- 
ideales aneifern sollen. Die lateinischen Quellen sind die von Heribert 
Rosweyde in seiner Ausgabe der Vitae patrum 3 ) als Verba seniorum 
bezeichneten Bücher. 4 ) Die Gliederung des Stoffes, die dem Palatinus 

') Zweispaltig, die abgesetzten Verse mit rubrizierten Majuskeln beginnend. 
Die Nonne heißt hier Seur Hclaine. 

3 ) Denkschriften der Wiener Akademie, Phil. -bist. Classe. Bd. 44, 189G. 
a ) Antwerpen 1628, Neudruck bei Migne, Patr. lat. LXXIU. 

4 ) In Betracht kommen besonders die Bücher HI, V und von Buch IV 
die Auszüge aus Cassian, De coenobiorum institutis. 



■ I . Original from 



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— 54 — 

eigentümlich ist, weicht stark von der üblichen ab; ich konnte sie weder in 
einer lateinischen Vorlage noch in den französischen Prosabearbeitungen 
der VieB des peres nachweisen. *) Die ersten der 28 Kapitel handeln 
von der Einsamkeit, dem Verzicht auf die Welt, dem Glauben, Fasten, 
den Nachtwachen, dem Gebete, der Gottesfurcht, das letzte von der 
Aufnahme der Novizen. 

Anf. lr (Prolog und Register): Tci commencent maintes doctrines 
des sains peres et mains exemples qui furcnt escript de aucuns de 
leurs disciples . . . Sans faute le monde est soustenu par la miseri- 
corde de Dieu et [les] bons merites des sains peres, des doctrines 
de8quel(e)s est escript cestuy livre . . . 

2v: Comment solitude est moult prouffitable par especial a la vie 
contemplative. Estant entoure Saint Arcein a Rome en la cour de 
l'empereur, il fist oracion a Dieu disant: Seigneur, monstre raoy la 
v[o]ie par la quelle me puisse sauver! (Vitae patr. üb. V 2, 5). 

8chl. 164r: De la multiplicacion de vertus nacist puretc') et nettete 
de euer; de purete et nette[t£] de [euer] 3 ) nacist la perfeccion de la 
charitö apostolique, c'est amer Dieu sur toutes choses, qui est desus 
tous les autres biens (1. c. IV 31). Deo gracias semper in omnibus 
et per omnibus hominibus [!]. Amen. 

PaL lat. 1961. 
Jacques Le Grant, Livre de bonnes moeurs. 

Papier. 89 Blätter, 28x20,5 cm, einspaltig zu 40—45 Zeilen. 
Nachlässige Kursive der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Alte 
Sign. 1255, C. 1. 1252, 1833. Heidelberger Bezeichnung Virtutum 
lib. 1, cuius duae sunt partes (lr); früher mit Pal. lat. 1992 vereinigt. 

Das weitverbreitete, in vielen Handschriften und mehreren Drucken 
überlieferte, 1410 dem Herzog Johann von Berry gewidmete Buch der 
Sitten des einflußreichen pariser Theologen und Predigers. Die Palatiua 
besaß zwei Handschriften, s. Pal. lat. 1995. Ueber den Verfasser vergl. 
Gröber S. 1119, ferner A. Coville, De Jacobi Magni vita et operibus, 
Paris 1889, und Petit de Julleville, Jacques Legrand in Revue des 
cours et Conferences IV (1896) 642 ff., V (1896—97) 17 ff. 

Anf. lr: Cy apres s'ensuit le livre de bonnes meurs (spätere 
Hand). — Tous orgueilleux se veulent a Dieu comparer en tant 
qu'ilz se glorifient en eulx mesmes et es biens qu'ilz ont, desquelles 
choses la gloire est deue principaulment a Dieu. 

Schi. 89 r: Par quoy il appert que pou vault Tesperance de ceulx 
qui dient que le monde durera moult longuement. Explicit. Deo 
gracias, Finito libro sit laux [!] et gloria Christo! 



') b. P. Meyer in der Histoire Htt6raire de la France T. XXXIII (I90C) 254 ff. 

*) Hs. povrete. 

*) de purete et nette[ii\ de [euer] am Rande von anderer Hand zugefügt. 



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— 55 — 

Pal. lat. 1962. 
Raoul Leffevre, Recueil des Histoires de Troie. 

Papier, die Zierseiten Pergament. 309 Blätter, eine gleichzeitige 
Zählang beginnt erst nach dem Register (9 r); 36,7 x 27,5 cm. 
Flandrische Buchschrift, Schriftfeld 24 X 18 cm, zweispaltig zu 
34 Zeilen. Rubriken, rote und blaue Initialen und Absatzzeich en, 
Majuskeln des Textes mit gelber Tupfung, Linien mit violetter 
Tinte vorgezogen. Alte Signaturen fehlen. Heidelberger Bezeichnung 
Historiae Troicmae collectionwrn libri 3 (1 r, 8v); die Handschrift ist 
wahrscheinlich die Hystoria Troyana depicta, in pergameno, welche 
nach 1461 von der Universitätsbibliothek erworben wurde. 1 ) 

Fünf Zierseiten zeigen die entwickelte Miniaturmalerei der zweiten 
Hälfte des XV. Jahrhunderts. Man wird nicht fehlgehen, wenn man sie 
dem burgundisch-niederländischen Gebiete zuweist, einer Werkstätte, die 
mit dem Hofe Philipp des Guten in Verbindung stand, an dem die 
Kompilation Lefevres entstanden war, und unter dessen Einfluß die 
Mehrzahl der Handschriften geschrieben wurde. Große, .bildmäßige 
Miniaturen (etwa 18x20 cm) nehmen die obere Hälfte des Schrift- 
feldes ein, während reiches Blattwerk, mit Blumen, Tieren und Drolerien 
belebt, eine breite Randfüllung bildet. 

Miniaturen: 9r: Saturn im Tempel zu Delphi vor der Goldstatue 
Apollos betend. — Vesta, Cybeles Mutter, übergibt deren neugeborenen 
Sohn Jupiter einer Dienerin mit dem Befehl, ihn zu töten. — Ein Spruch- 
band im Blattwerk der Bordüre trägt den Namen Jehan du beau gardin. 
— "102r: Galantis, die Dienerin Alkumenes, betet im Tempel der 
Diana. — Herkules in der Wiege erwürgt die beiden Schlangen. — 
135 r: Herkules im Kampf mit den nemeischen Löwen. — 220r: 
Tod des Herkules. — 224 r: Flotte und Landung der Griechen 
vor Troja. 

Die häufigere Fassung der bekannten Kompilation der Trojasagen 
in drei Büchern, von denen die beiden ersten von der Gründung der 
Stadt und ihrer zweimaligen Zerstörung durch Herkules handeln und 
1464 von Raoul Leffcvre im Auftrag Philipps des Guten verfaßt sind, 
das dritte, eine Uebersetzung der „Historia destructionis Troiae" des 
Guido delle Colonne, vor 1468 zugefügt wurde. 2 ) 

Anf. 1 ra (Register): Comment Saturne avoit commande que Ten 
occist Jupiter qui estoit enffant nouveau nee . . . 

9ra: Tous les filz de No«5 espars par les climatz, les rengnes et 
les estranges habitacions des siecles par la generale division des 



«) S. oben S. 4, auch Wilken S. 74. 

2 ) S. A. Bayot, La 16gende de Troie a la cour de Bourgogne, Bruges 1908 
(Hocicte d'emulation de Bruges, Melangen 1), auch G. Doutrepont S. t73ff., 
Über die Handschriften s. H. 0. Sommers Ausgabe der 14Gb begonnenen 
englischen Uebersetzung Caxtons (The recuyell of the historyes of Troye, 
London 1894) I S. XLVI1 ff. und vollständiger Bayot S. 6 ff. 



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— 56 — 

langues, faitte a la fondation de la tour de Babilonne, ez jours que 
les siecles füren t dorez, que les bommes pesans comme montaignes 
et rüdes comme pierres et bestes esleverent lenrs pesanz couraiges ou 
esleverent leur groz concepvoirs, et que l'ennemy les induisi mali- 
cieusement a pratiquer villes, cites et chasteanlz . . . 

Vorrede und Name des Verfassers feblen im Palatinus wie in der 
Hs. Bibl. Nat. fr. 255, den Handschriften des Arsenals und des Britischen 
Museums. >) Buch I schließt mit der ersten Zerstörung Trojas (Wortlaut 
= Brüssel 9261 s. Bayot S. 6), Buch II beginnt mit dem Kampf des 
Herkules gegen die nemeischen Löwen (Anfang = Bibl. Nat fr. 253, 
s. Sommer I S. XLIX; Schluß = BibL Nat. fr. 252, 255, s. Bayot S. 24f.), 
der Anfang von Buch III entspricht der Fassung der Vulgata (Bibl. 
Nat. fr. 59 u. a.; s. Bayot S. 24). 

Schi. 309 rb: Dyomedes occi[st le] roy Antiphus, le roy [Estorius, 
le roy] Prothfenor et le roy Obtomeus.] 1 ) 

Pal. lat. 1963. 
Wilhelm von Tyrns, Histoire de la Guerre sainte. 

Pergament. 258 Blätter nach alter, wohl heidelberger Zählung, 
35,5x27 cm, zweispaltig zu 40 — 42 Zeilen. Wenig gebrochene Buch- 
schrift, Mitte des XIII. Jahrhunderts. Alte Sign. 469, C. 89. 1260, 1836. 

Die Miniatur (7x6,5 cm) am Anfang des ersten Buches, eine 
Erneuerung in späterem Stile, die an Stelle der ursprünglichen Miniatur 
auf Goldgrund trat, stellt eineu Kleriker, offenbar den Verfasser, vor 
einem Altare sitzend dar. Die Anfänge der übrigen Bücher (mit 
Ausnahme von Buch III, dessen Initiale ausgeschnitten ist, und von 
Buch XXIII) mit größeren Lettres historiees (etwa 7x6 cm), die 
Ereignisse des Textes darstellen: auf Goldgrund, von dem sich der 
rote oder blaue Buchstabenkörper abhebt, sieht man die Fürsten mit 
Gefolge, ihre Krönung, Vermählung und Bestattung, den Auszug zum 
Kampf, die Belagerung und Einnahme von Städten, einmal auch eine 
Meerfahrt. 3 ) Befremdend in einer französischen Handschrift ist der 
Stil dieser Miniaturen. Sie scheinen die Arbeit eines Buchmalers zu 
sein, der vielleicht Franzose war, jedenfalls aber stark unter fremdem 
(byzantinischem oder italienischem?) Einfluß stand. Wie die Schrift mit 



') S. Sommer S. LV; daa Fehlen jeder Rubrik und Ueberschrift am Anfang 
der römischen Handschrift ist allerdings auffällig und läßt die Annahme zu, 
daß ein vorausgegangenes Blatt verloren ist. 

') Der beschädigte Text ergänzt nach Bayot S. 21, mit dessen Zitat auch 
der vorhergehende Teil des Schlusses übereinstimmt. 

3 ) In ähnlicher Weise Bind wohl die meisten Handschriften der Histoire 
de la guerre sainte illustriert. Eine eingehendere Beschreibung der Miniaturen 
der beiden Didot-Handschriften gibt Montague Rhodos James, A descriptive 
catalogue of 50 mss. from the coflection of Henry Yates Thompson, Cambridge 
1898, Ms. 42 und 4:«; die Wiedergabe der Initialen der Us. 42 in Ulustrations 
from one 100 mss. in the library of Henry Yates Thompson, London 1912, 
111 Taf. 40—51. Die Darstellungen sind z.T. die gleichen wie im Palatinus. 



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— 57 — 

ihrer Neigung zur Rundung der Buchstaben von der nordfranzösischen 
sich unterscheidet, so scheint der Buchschmuck auf Entstehung der 
Handschrift in einem der unter französischem Kultureinfluß stehenden 
Länder des Mittelmeerkreises, vielleicht in dem französischen Orient 
selbst hinzuweisen. 1 ) 

Uebersetzung der Geschichte der Kreuzzüge (Historia belli sacri) 
des Wilhelm von Tyrns. Ausgabe in dem Recueil des historiens des 
croisades, Historiens oeeidentaux T. I, Paris 1844, femer von P.Paris, 
Guillaume de Tyr et ses continuateurs, Paris 1879 — 80. Der Palatinus 
gehört zur ersten Familie der am vollständigsten von dem Grafen 
Riant-) aufgestellten Handschrifteneinteilung, zu der kleinen Gruppe, 
die nur das Werk des Wilhelm von Tyrus (Buch I— XXII, XXIII, 1), 
aber keine seiner Fortsetzungen enthält, welche die Geschichte des 
hl. Landes über das Todesjahr des Bischofs, 1184 (oder 1186), hinaus 
weitergeführt haben. Nach Riant gehören zu dieser Gruppe elf Hand- 
schriften, von denen drei fragmentarisch, zwei als verloren bezeichnet 
werden. Von den vollständigen sind die ältesten, Bibl. Nat. fr. 2632, 
2826, 9081, im XIII. Jahrhundert geschrieben. Ihnen gleichzeitig und 
gleichwertig dürfte der Palatinus sein. 3 ) 

Ueber die Geschichte der Handschrift sind wir trotz mehrfacher 
Rasuren, die Einträge späterer Besitzer tilgen oder nnlesbar machen, 
gut unterrichtet. Sie war einst in königlichem Besitz und ist ein wertvolles 
Zeugnis für den Einfluß französischer Kultur auf das Geistesleben 
des Nordens. Am oberen Rande der Vorderseite des ersten und letzten 
Blattes steht in roten Majuskeln: Liber Domine Isabelle, Bei gratia 
Reghie Norwegie. Diese Isabella ist Isabella Bruce, eine Schwester 
von Robert Bruce, dem späteren König von Schottland, die seit 1293 



') In dem Gefolge des Xerxea (Initiale zu Buch XII, 115 r) sieht man 
Orientalen mit turbanartiger Kopfbedeckung in so realistischer Darstellung, 
wie sie ein Miniator wohl nur, aus eigener Anschauung malen konnte. Nach 
Maa-Latri, Bibliotheque de l'Ecole des chartes, Ann6e XXI (1860) 38 ff., ist 
ein Teil, besondere der älteren Handschriften der Conqueste de la Terre 
Sainte in den Pays d'Outremer, wie im Königreich Cypern, entstanden: von 
den vier Handschriften der ersten Klasse sollen zwei orientalischer Herkunft 
»ein. Andere sind in Italien geschrieben, wie die Rom 1295 datierte Hs. 
Noailles, die dem Palatinus verwandt ist (s. u.). 

*) Archivea de POrient latin I (1881) 247; s. auch Recueil II (1859) 
S. XI II ff. und Mas-Latri 1. c. 

3 ) Der Mangel einer Varia Lectio in der Ausgabe der Akademie macht 
es leider unmöglich, die Stellung des Palatinus zu den andern Handschriften 
zu bestimmen. Nur zu dem letzten Kapitel (XX III, 1), mit dem die Fort- 
setzungen beginnen (Recueil T. 2), werden die Lesarten von vier Hand- 
schriften gegeben, von denen aber keine znr ersten Familie gehört. Der 
Palatinus geht hier mit der Hs. G (Noailles, Bibl. Nat. fr. 90S2), ohne ihre un- 
mittelbare Vorlage zu bilden. Zu der Aufzählung Riants sei bemerkt, daß 
der zu den verlorenen Handschriften gezählte Palatinus nicht mit der seit 
1821 verschwundenen Hs. Paris Institut 326 identisch ist. 9 und lo sind 
Turiner Handschriften; ob sie den Hrand der Bibliothek (1904) überdauert 
haben, ist mir nicht bekannt. 



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— 58 — 

mit König Erik IL Magnus son von Norwegen (1280 — 1299) vermählt 
war. Sie starb, ihren Gemahl lange tiberlebend, 1358. *) 

Im Jahre 1395 hat ein Engländer einzelne ihn besonders 
interessierende Ereignisse mit Randnoten begleitet. 2 ) Etwas später 
maß die letzte Eintragung am Schluß der Handschrift 3 ) sein: Dominus 
GuillclmuSj primo archidiaconus, deinde archiepiscopus de Sur, prout 
lectura istius libri testatur, istam historiam composuit in latino. Habeat 
eius anima pro munere Bei regnum precante Colino. Amen. Ein Colinus, 
Cantor von St. Paul in Worms, ist in dieser Zeit als Handschriften- 
sammler bekannt. 49 Handschriften, mit wenigen Ausnahmen juristischen 
Inhalts, sind nach seinem Tode (1401) als Vermächtnis in die Palatina 
gekommen. 4 ) Der Name ist freilich nicht selten. Jedenfalls wurde 
der Codex damals noch nicht Eigentum der Palatina. Er gehörte 
vielmehr im XVI. Jahrhundert zu der Bibliothek Ulrich Fuggers, die 
1584 nach dem letzten Willen des Besitzers mit der Kurfürstlichen 
Landesbibliothek vereinigt wurde. 6 ) In den lnventaren der Fugger- 
schenkung ist der Palatinus als Chronicon gallica lingua scriptum 
auf Pergament verzeichnet. 6 ) Als Eigentum der Palatina hat Bong ars 



») S. P.A. Munch, Det norske Folks Historie. IV, 1. Christiania 1859, 
S. 201. Isabella von Joigny, die für Eriks Bruder Hakon bestimmte Gemahlin, 
kann nicht in Frage kommen, da die von Philipp dem Schönen begünstigten 
Verhandlungen nicht zur Vermählung führten (1296). Bakon war damals 
Herzog und bestieg den Thron erst 1299 nach seines Bruders Tode, s. Munch 
S. 258. 

") So Bl. 78 va die Einnahme Jerusalems 1099 (Recueil I 361): Et $ic patet 
quod infrascripto die hoc anno Domini M° CCC»* nonagesimo guttata deßuebant 
a die istius captionis II* IUI** XVI anni; BL 226 va über Thomas von 
Canterbury (zu Recueil I 979); Bl. 284 r über Eduard III. (1327— 77); Bl. 254 r 
Nota de modo levandi pro necessitatibus regni quod dieunt anglice yheldis 
(me. yeld, Steuer) (zu Recueil 1 1 1 10); Bl. 236 v englische Verse: My reverende 
lady, quene of love | Ye save ye godtst St Jaeobus (z. T. unleserlich). 

s ) Voran gehen Eintragungen von vier verschiedenen Händen , die z. T. 
durch Rasuren unverständlich geworden sind. Die erste lautete ursprünglich 
wohl: Explicit iste über [Scrlpsit Francus,] hoc est homo liber; die vorletzte, 
eine Notiz über Wilhelm von Tyrus, scheint von der Hand des Engländers 
herzurühren. 

*) S. Wilken S. 49. Das in dem Accessionskatalog der Universitäts- 
bibliothek 1396 — 1432 enthaltene Verzeichnis ist gedr. bei G. Töpke, Die 
Matrikel der Universität Heidelberg von 1386—1662, Heidelberg 1884—93, 
I 6S5, s. auch S. 663 und E. Winkelmann, Urkundenbnch der Universität 
Heidelberg, Heidelberg 1 886, im Register unter Colinus. 

5 ) S. oben sT 12. 

•) Nr 83 der 26. Kiste (Pal. lat. 1915). Die Identität mit dem Werk des 
Wilhelm von Tyrue wird durch Notizen der heidelberger Bibliothekare 
gesichert, die auf einem dem Pal. lat. 1963 lose eingelegten Folioblatt erhalten 
sind; es heißt da u. a.: Prolixum Chronicon GaUica lingua scriptum [!]. 
Ex latino Guillelmi Tyrii. 29. Maji 1598, i/[eidelberg]a, Collat. (Iland des 
Melissus?). Ferner dort von der Hand des Allatius der Verweis pag. 71 
jFjuggeriana] NrS.'i, der auf den verlorenen Fuggerkatalog sich bezieht; die 
Handschriften der Kiste 26 müssen in ihm, wie auch Pal. lat. 1915 angibt, 
auf Bl. 68 — 72 verzeichnet gewesen sein. S. oben S. 12 Anm. 3 und Ficker 
I.e. S. XXXV ff. 



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— 59 — 

die Handschrift für seine Ausgabe der „Genta Dei per Francos" nach 
Angabe der Vorrede benutzt: 1 ) Verae lectioni firmandae et illnstrandae 
historiae profuerunt Gallicae interpretationes : Palatina Heydelbergensis, 
quam fnisse Isabel lae Regln ae Norwegiae indicat inscriptio rubricata: 
eam nobis olim impetravit Georg. Michael Lingelshemius; nuper con- 
sulenti adfuit Janus Grnterus . . . Er hebt hervor, daß im Gegensatz 
zu den anderen französischen Handschriften die heidelberger allein 
auf die Historia des Wilhelm von Tyrns sich beschränke: Et cum 
Galilei interpretes historiam longins, etiam ultra Gnillermi mortem, 
deduxerint, unus tarnen Palatinus Heydelbergensis nee verbulo Latinum 
excedit. Der kurfürstliche Befehl, der den Bibliothekar Melissus 
ermächtigte, die Handschrift an Bongars zu schicken, liegt noch jetzt 
als loses Blatt bei: Auf chur fürstlicher J^ % altz bcvelch soll dero selbiger 
Bibliothecarius Paulus Melissus bei Ihrer Churf genauen Bibliothec 
aufsuchen Codicem manuscripium, qui continet historiam Expeditionis 
Boullioneae Hierosolimitanae, Gallicem[l] conscriptum et ex Galiclmo[l] 
Tyrio conversum, und solch Buch herrn Bongarsio auf widererstattung 
ein Zeitlang zu gebrauchen folgen lassen. Signal, den 19. Junij 
Anno [15]98. Churf Pfaltz Canzlei, Handschrift^) Seit der Ent- 
führung der Palatina nach Rom galt die Handschrift als verloren. 3 ) 

Anf. lra: Les ancienes estoires dient que Eracles, qui fu mult 
bons crestiens, governa l'empire de Rome. Meis en son tens Mahomet 
avoit ja estä, qui fu mesages au deable, et il fist entendant qu'il 
estoit prophetes envoies de Damme Deu. El tens Eracle estoit ja la 
desleautes et la fause loi que il sema si espanduc par tonte s les terres 
d'Orient et nomement en Arrabe . . . 

Schi. 258 vb: Li cuems et si Chevalier v[in]drent tot soudenement 
et les seurpri8trent Aucuns en ocistrent et toute la proie en menerent, 
qnanqu'il troverent de robes et d'avoir enporterent tot a Escalonne. 
La novele en vint au roi qui en fu toz desvez. Si manda le conte de 
Triple, et por ce qu'il se fioit en son sen et en sa leaute, tantost li 

*) Erstausgabe Hanoviae 1611; Bongars 1 Vorrede auch bei Migne Patr. lat. 
CCI Sp, 201 ff. 

2 ) Der Vermittler war, wie Bongars angibt, der pfälzische Rat Lingelsheim, 
der ab Förderer wissenschaftlicher und literarischer Bestrebungen bekannt 
ist und mit hervorragenden Gelehrten der Zeit in Verbindung stand. In seinem 
umfangreichen Briefwechsel mit Bongars ist von dieser Entleihung nicht 
die Rede, s. Jacobi Bongarsii et Georgii Michaelis Lingelshemii epistolae, 
Argentorati 1660 (Neudr. in Miegs und Nebels Monumenta pietatis, Frankfurt 
1702), ferner Briefe 6. M. Lingelsheiins, M. Berneggers und ihrer Freunde, 
hrsg. von A. Roifferscheid, Heilbronn 1889. In den Ausleih Verzeichnissen der 
Palatina aus den Jahren 1589— 1621, die unter den Papieren des Alatius in 
der Vallicelliana in Rom sich befinden (s. Mazzi 3. 27, gedr. bei Theiner S. b7ff., 
M&zzi S. ISO ff.), kommt die Handschrift gleichfalls nicht vor. 

3 ) S. Graf P. Riant, Exp6ditions et pelerinages des Scandinaves en Terre 
S&inte an temps des croisadea, Paris 186« r i S. 431 und Archives de I 'Orient latin 
1(1881) 248. An der ersten Stelle vermutet Riant den Palatinus im Vatikan, 
an der zweiten bezeichnet er ihn als „perdu". 



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bailla tot le pooir et toute la baillie de son reaume. Trop en orent 
grant joie tuit li baron et li menuz pueples, por ce qu'il avoient dit 
des anceis, que 1 ) antrement ne po[oi]t estre la terre en bon point, 
tandis com lor dui roi estoient si non puissant, se toz li fes et li 
goveraemanz n'estoit bailliez au conte de Triple. 

Pal. lat. 1964. Tristanroman in Prosa. 

Pergament. 397 Blätter, 34x93,5 cm, zweispaltig zu 40 Zeilen. 
Schwere, gerundete Buchschrift aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts. 
Rubriken, größere farbige Kapitelinitialen mit leistenartiger, in Ranke 
oder Tierkopf endender Randverzierung, daneben kleinere Goldinitialen. 
Am Anfang eine Miniatur auf Goldgrund (8,2x5,4 cm): Der Philosoph 
verkündet König Thanor in Gegenwart seiner Gemahlin Chelinde den 
Tod von der Hand seines eben geborenen Sohnes (Löseth § 2). Heidel- 
berger Sign. 229 seor[sum],*) spätere 1259, 1835. 

Nach Löseths Untersuchungen 3 ) sind zwei Redaktionen des Prosa- 
tristans zu trennen: eine ältere, kürzere, nur in ihrem zweiten Teil 
erhaltene Fassung und eine spätere, verbreitetere mit zyklischer Tendenz, 
welche die ganze Queste du Saint Graal anfnimmt. Der Palatinus 
gehört zur letzten Gruppe. Für den in ihm erhaltenen ersten Teil 
des Romans (entsprechend Löseths Analyse § 1 — 164) bestehen nur 
an zwei Stellen größere Verschiedenheiten der Ueberliefernng: der Kampf 
Tristans mit der Schlange, den nur die Hss. Bibl. Nat. fr. 103, Arsenal 
3357 und die Drucke haben (s. Löseth S. 24, 475), und die Erzählung 
der Ereignisse bei Löseth 8. 57 ff., wo die Hss. Bibl. Nat. fr. 750 und 
12 599 als die ältere Fassung weitere Taten Brunors schildern, während 
die Vulgata zu Tristan und seinen Abenteuern im Walde Darnantes 
übergeht. Den Kampf mit der Schlange kennt auch der Palatinus, 
jetzt die älteste Handschrift, welche diese Episode überliefert; im 
zweiten Falle folgt er der Vulgata, die besonders durch die Hs. Bibl. 
nat. fr. 334 vertreten wird. Im allgemeinen steht der Palatinus dieser 
Handschrift am nächsten; kleinere Uebereinstimmungen ergeben sich 
in der ersten Hälfte (Löseth S. 1 — 57) mit den zu der gleichen 

») Hs. Ott. 

*) Unter dieser Signatar erscheint die Handschrift in dem etwa 1590 
abgefaßten alphabetischen Index lateinischer Handschriften der kurfürst- 
lichen Landbibliothek (s. o. S. 19). Ihre früheren Schicksale sind unbekannt. 
Der Nachlaß des Pfalzgrafen Christoph enthielt auch einen „Trist&nt, Gallice, 
Ferment" (Inventar, Heidelberg Pal. germ. 835 Bl. 97r), aber der Zusatz 
„Ferment* bezeichnet in dem Inventar in üer Regel nur die Art des Ein- 
band es; die Handschrift fehlt ferner in der Katalogisierung der Landbibliothek 
von 1581 f in der sie, ebenso wie der aus Christophs Bibliothek stammende 
Pal. lat. 1983, vorkommen müßte. Der Tristan des Pfalzgrafen war wohl einer 
der zahlreichen Drucke, die bis Ende des XVI. Jahrhunderts den beliebten 
Roman vervielfältigten. 

"), E. Löseth, Le roinan en prose de Tristan. Paris 1S91 (Bibliotht^ne 
de l'Ecole des hautes Stades. T. 92). 



I Original fror« 



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— 61 — 

Gruppe gehörigen IIss. Bibl. Nat. fr. 97, 100 und 102, wo diese von 
334 abweichen. 1 ) 

Anf. lra: Ci commence li roumanz de Tristan* de Corn[ö]uaille. 
-Apres ce que je ai leu et releu et pourveu par maintes foiz le grant 
livre de latin, celi meismes qui devise aperte l'estoire don Saint 
Graal, moult m'esmerveil que aucuns preudomme ne vient avant qui 
a[m]pregne a tranlater le de latin en fran^ois. Car ce seroit une 
chose que volentiers croient 2 ) povres et riches, pour qu'il eussent 
volente d'escouter et d'entendre beles aventures et plaisanz qui 
avindrent sanz doutance en la grant Bretaigne au tans le roy Artu . . . 

Schi. 397 rb (Ivain, erzürnt über die Niederlage Lucans, fordert 
Tristan, den Sieger, zum Kampf; Löseth § 164): Sire Chevaliers, je 
vous ai fet ce que vous nie demandastes. Or vous apareilliez d'un 
autre affaire, gardez vous de moi, car je vous apele de la bataille et 
premierement a la jouste san[z nul delaiement 8 )]. Finis. 

Pal. lat. 1965. Le Jeu des Echecs moralises. 

Pergament. 51 Blätter, 24x 16,5 cm, einspaltig zu 25 — 30 Zeilen. 
Buchkursive des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote Initialen und Absatz- 
zeichen. Als Schreiber nennt sich Jehan du Boys. Alte Sign. 2139, 
C- 78. 1241, 1823. Von einer heidelberger Hand rührt die Bemerkung 
her: Diss buch sagt wie das schachspil fanden und erdacht sy 
(vorderes Schutzblatt). 

Des Jakobus' de Cessolis Ludus scacchorum in der altfranzösischen 
Uebersetzung, die der Dominikaner Jean Ferron als Kaplan eines 
Bertrand Aubert de Tarascon 1347 verfaßte. Die Handschriften sind 
zahlreich, doch fand die zweite, fast gleichzeitige Uebertragung von 
Jean du Vignay, dem bekannten Uebersetzer, einen noch ausgedehnteren 
Leserkreis. 4 ) 

Anf. lr (Vorrede Jehan Ferrons): L'cschiquier. [A] Noble homme 
et discret Bertran Auberi, 5 ) eseuier de Tarascon, frere Jehan Ferron 
de l'ordre des freres prescheurs de Paris, son petit et hnmble chappelain. 
La sainte escripture dit que Dieu nous a fait commandement de 
pourchasser a tous nos prochains leur sauvement . . . (1 v) Or prenes 

l ) Eine andere Tristanhandschrift des Vatikans, Reg. lat. 727, konnte ich 
vergleichend benutzen. Laogloia' Beschreibung (Notices et extraits XXXIII, 2 
(1Ss9) S. 36) ergänzend, sei bemerkt, daß ihr der Kampf mit der Schlange 
fohlt, mit der Vulgata die Episode im Wald Darnantes gemeinsam ist; der 
zweite Teil, welcher der jüngeren Version folgt, endet mit Löseth § 260. 

a ) Statt oroientj Fehler des Schreibers. 

a ) Die letzten Worte des Textes, der hier nach der Tristanhandschrift 
Bibl. Nat. fr. 334, Bl. 262 ra ergänzt ist, sind durch Rasur entfernt, das folgende 
Finis ist von anderer Hand zugefügt. 

*) s. Hlstoire Ittt&aire de la Frtuice XXV (1869) 26 ff., A. von der Linde, 
Geschichte und Literatur des Schachspiels, Berlin 1874, I.Beilage S. 114 ff., 
Groeber S. 1024. 

y ) In den meisten Handschriften Bertrand Aubert. 



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— 62 — 

donques ce petit present comme[n]ci£ le IUI'' jour de may, Tan mil 
111«= XLVU. 

lv (Jacobus de Cessolis): [M] onlt ay est<5 prie et requis de 
religieuz et de seculiers que je leur deise une chose, c'est assavoir 
que je leur enseignace par le jeu des esches, comment Ten se doit 
en bonnes meurs gouverner . . . 

Schi. 51 v: ... et nous doint sa grace perdurable, affin que nous 
puissions vivre avecques lui et venir au regne de paradis. Qni vivit 
et regnat Deus per omnia secula seculorum. Amen. — Explicit le 
jeu des eschas escrip[t] par Jehan du Boys. 

Pal. lat. 1966. Christine de Pisan, La Cit6 des dames. 

Papier. 186 Blätter, 25,8 x 18,8 cm, zweispaltig zu 28—32 Zeilen. 
Erste Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote und blaue Initialen. 
Alte Sign. C. 1. 1249, 1834. 

Miniaturen am Anfang der drei Bücher: graziöse Federzeichnungen 
(etwa 9x13 cm) mit erst begonnener Kolorierung, die auf die Blätter 
des Textes geklebt sind. — Bl. 3r: Der lesenden Verfasserin erscheinen 
die drei Frauen. — Christine und Dame Raison beim Bau der Stadt- 
mauern. — Bl. 70 r: Christine, Droiture und andere Frauen am Eingang 
der in ihrem Aeußeren vollendeten Cit<$ des dames. — Bl. 157 v: 
Christine und Justice empfangen am Stadttor die Himmelskönigin und 
ihr Gefolge. 1 ) — Der Text dieser Zierseiten beginnt mit farbiger 
Initiale anf Goldgrund, den Rand schmückt die Goldleiste mit feinem, 
reichverästeltem Rankenwerk. 

Anf. lra: Cy commence la table des rebroiehes du livre de la 
cite des dames . . . 

3ra: Oy commence le Ihre de la die des dames, duquel le premier 
chapistre parle pour quoy et par quel mouvement le dit Uvre fut fait — 
Selon la maniere que j'ay plus en usaige et a quoy est dispose 
l'excercice de ma vie, c'est assavoir en la frequentacion d'estude de 
lettres, ung jour comme je fusse seant en ma celle, avironnee de 
plusieurs volumes de diverses matieres . . . 

Schi. 186 ra: ... et m'ottroyt la joie qui a tousjours dure, laquelle 
ainssi par sa gracc vous face. Amen. 

Pal. lat. 1967. Aldebrandin de Sienne, Le Regime du corps. — 

Mort d'Artus. 

VereinigungzweierPergamenthandschriften. 102Blätter, 29,9x21 cm. 
Alte Sign. 1019 (?), 1242, 1824. Heidelberger Bezeichnung Physica 
Gallica (lr). 



') In verwandter Weise sind die Brüsseler Handschriften 2297 und 2302 
illustriert, s. die Beschreibungen bei J. van den Gheyn, Catalogue des manu- 
scrits de la Bibliotheque royale de Belgiqne, Brnxelles 1901 ff., III 405 ff. 



I Original frorn 



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— 63 — 

I. Aldebrandin de Sienne, Le regime da Corps. 

Zweispaltig zu 47 Zeilen. Sorgfältige Schrift der ersten Hälfte des 

XIV. Jahrhunderts. Rote und blaue Initialen mit reicher Filigranierung, 
Rubriken. 

Die bekannte Darstellung der Hygiene nnd Diätetik, welche als 
das erste medizinische Werk in französischer Sprache von besonderer 
Bedeutung ist Aldebrandin, der nach Angabe des Prologs der besten 
Handschriften der Verfasser ist und die Schrift 1256 im Auftrag von 
Beatrix von Savoyen, Gräfin der Provence, verfaßt haben soll, ist neuer- 
dings von A. Thomas ') als Arzt in Troyes urkundlich nachgewiesen 
worden. Zahlreiche Handschriften, mehrere Umarbeitungen, ein Druck des 

XV. Jahrhunderts und zwei italienische Uebersetzungen bezeugen die 
langdauernde Beliebtheit seiner Arbeit. Kritische Ausgabe mit wichtiger 
Einleitung von L. Landouzy et R. Pepin, Le Regime du Corps de 
Maitre Aldebrandin de Sienne. Pr^face de M. A. Thomas. Paris 1911. 

Der Palatinus gibt den Text der älteren Handschriften wieder. 
Er steht meist der Hs. B (Bibl. Nat. fr. 14822) näher als der Hs. A 
(Bibl. Nat. fr. 2021), die der Ausgabe zu Grunde liegt. *) Das den 
Schluß enthaltende letzte Blatt ist verloren gegangen. 

Anf. Ira: Ici commenee fisique en fran^ois. Diex, qui par sa 
grant pnissance tout le mont establi, qui premierement fist le ciel, 
apres fist les.inj. elemans, c'est la terre et Haue et li airs et [li] feus, 
si li plot que toutes les autres choses de la lune en aval fussent et 
soient faites par la 3 ) vertu de ces.mj. elemanz, si con sont herbes, 4 ) 
anbres (!), oisiaus et toutes autres bestes et poisons et homes. Et 
fist premierement toutes ces choses avant qu'il feist home, . . . 

SchL 38vb (Buch IV cap. 5, Ausg. S. 195): Des sorciz. Qui a granz 
sorciz et grant habundance de paus, si est signes de granz pansces 
et de triteice et de gros [et] de mal parier. Qui les a Ions, si est 
outrageus et sanz honte. Et qui a les sorciz qui pendent par devers 
le nes. . . . 

IL Mort d'Arttis. 

Zweispaltig, meist 46 — 48 Zeilen. Mehrere Hände der ersten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts, als Schreiber nennen sich Wafflarz und 



») Romania XXXV (1906) 454. 

-) Im einzelnen sei bemerkt, daß der Palatinus wie B ohne den Prolog 
beginnt, der den Namen des Verfassers enthält. Jedem der viej Bücher geht ■ 
ein Verzeichnis der Kapitelrubriken voraus. Nach dem CapiteUs de pois 
(Ausgabe S. 141) folgt wie in B und D ein Abschnitt mit der Rubrik Des 
chickes, dagegen hat der Palatinus mit A die Kapitel de fasoles, lupin, orbc, 
cierres (Ausgabe S. 142 f.), die den Hss. B und C fehlen; ein Kapitel des parages 
fea esparges, asperges, nach de porcelaine S. 1G8) findet sich sonst nicht 
in den älteren Handschriften, wohl aber in Vat. Reg. lat. 125(1 und 1334 
(XV. Jahrhundert, s. Ausg. S. XLIIIf), die ich heranziehen konnte. 

») Hs. «o. 

«) Hs. herber. 



I Original from 

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64 — 

Huez. Rote und blaue Initialen mit z. T. reicher kalligraphischer 
Verzierung. Am Anfang eine Miniatur auf Goldgrund (6,2x4,5 cm): 
König Heinrich befiehlt dem vor ihm knieenden Walter Map die 
Abfassung des Romans. 

Der letzte Teil der in den Handschriften unter dem Namen 
Walter Maps gehenden Trilogie Lanzelot - Qraalsu che - Artus 1 Tod. 
Ausgabe nach der 1274 datierten Hs. Bibl. Nat. fr. 342 von J.Douglas 
Bruce, Mort Artu, Halle 1910, eine Aufzählung der zahlreichen Hand- 
schriften S. XU ff. Der Herausgeber hat keine Klassifizierung dieser 
reichen, textlich vielfach variierenden Ueberlieferung versucht und 
andere Handschriften nur gelegentlich herangezogen, so daß es mir 
nicht möglich war, die Stellung des Palatinus festzulegen. 

Anf. 39 ra: Apres ce que mestres Gautiers Map ot tranlatä des 
aventures dou saint Graal assez souffisement, si conme il li sembloit, 
si fu avis au roy Hanri, son seignenr, que ce qu'il avoit fet ne devoit 
pas souffire, se il ne recontoit la fin de ceus dont il avoit avant fet 
mention, et conment eil moururent de cui il avoit les proesces 
ramenteues en son livre. Et pour ce conmen;a il ceste darriene 
partie . . . 

Schi. 102 ra: Si se test or atant mestres Gautiers Map de l'estoire 
de Lancelot. Car bien l'a donc menee a fin selonc les choses qui en 
avindrent et fenist ici son livre si outreement que 1 ) apres ce n'an 
porroit nus raconter qui n'an mantist [102 rb] de toutes choses. — 
Explicit la mort le roy Artus. — Wafflarz et Huez. 

Pal. lat. 1968. Martin Le Franc, Le Champion des dames. 

Papier. 188 Blätter, 26,7x20,5 cm; zweispaltig zu 34 Zeilen. 
Kursive des XV. Jahrhunderts. Am Anfang eine größere blaue Initiale 
auf Goldgrund, rote Initialen am Strophenbeginn. Alte Sign. C. 46. 1248, 
1826. Heidelberger Bezeichnung: Castrum amicitiae seu voluptatis 
carmine gallico (lr). 

Der geringe Erfolg, der Le Francs großer, zur Verteidigung der 
Frauen geschriebener Traumdichtung zuteil wurde, und den der Dichter 
selbst in seiner „Complainte du livre du Champion des Dames" 
beklagt, wird durch die kleine Zahl der Handschriften bestätigt 
G. Paris, der auf die Bedeutung Le Francs nachdrücklich hinwies, 2 ) 
kannte nur vier (Bibl. Nat. fr. 12 476, Arsenal 3121, Brüssel 9281, 
9466), denen A. Piaget in seiner Monographie Martin Le Franc, Prevöt 
de Lausanne (These, Lausanne 1888), S. 262 ff. zwei weitere hinzufügen 
konnte (Bibl. Nat. fr. 841, Grenoble 875). Einen Champion des Dames 
besaß eine Privatbibliothek des XV. Jahrhunderts; die Kürze der Angabe 



J ) Hs. qui. 

*) Romania XVI (1887) 383 ff., s. auch Grüber S. 1128 f., Doutrepont 
S. 30*2 ff. 



I . Original from 



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— 65 — 

in dem von P. Meyer 1 ) veröffentlichten Inventar läßt nicht den Schluß 
zu, datt diese Handschrift eine der erhaltenen ist. Der Palatinus zeigt 
Korrekturen und Ergänzungen von späteren Händen: eine ältere bessert 
Fehler des Schreibers, trägt Auslassungen nach; 2 ) eine spätere hat 
die Beschreibung des Cymetiere autour de la chappelle d'Amours zum 
großen Teil erneuert (Bl. 15, 16) und durch einige Textänderungen 
die Anna von Burgund, der Schwester Philipps des Guten und Herzogin 
von Bedford (gest. 1432), gewidmeten Strophen zu einer Huldigung 
für die als Danphine 1445 gestorbene erste Gemahlin Ludwigs XL, 
Margarete von Schottland, umgestaltet. 3 ) Der Prolog, mit dem Le Franc 
sein Gedicht 1442 dem Herzog Philipp dem Guten von Bnrgund 
widmete, fehlt, ebenso bei der Verherrlichung der Jungfrau von Orleans 
die sechs Mehrstrophen, die Piaget nach der Hs. Brüssel 9466 heraus- 
gegeben hat. 4 ) 

Anf. lra: A l'assault, dames, a Tassault! 
A l'assault desaus la muraille! 
Ores est venu en sursault 
Malebouche en grosse bataille. 
A rassau lt, dames! chascune aille 
A sa defense, et tant s'efforce 
Que l'envieuse vilenaille 
Ne nous ait d'emblee ou de force. 



1 ) Bulletin de la Soci6t6 des anciens textes IX(18S3) Tuff. 

'*) So die auf die Rückkehr Karls von Orleans aus England (3. Nov. 1440) 
sich beziehenden Strophen (92 ra, gedr. Romaoia XVI 418). Daß diese ihr 
Fehlen einem Versehen des Schreibers verdanken, nicht etwa eine Fassung 
vorliegt, der dieses Ereignis noch unbekannt war, ergibt sich daraus, daß im 
Ten spätere Vorgänge erwähnt werden, die Einnahme von Pontoise durch 
Karl VII- (1441. bl. 113va) und die Joumee de Nevers (1442, Bl. 132 ra), 
s. Romania XVI 39.) f. 

2 ) Nachdem in der ursprünglichen Fassung der Dichter und sein Begleiter 
die Gräber der Belle Dame sans merci und anderer berühmter Frauen erblickt 
haben (s. Romania XVI 410), wohnen sie in einer erst jüngst errichteten, 
prächtigen Kapelle der Tranerfeier für Anna von Burgund bei, die von allen 
Tagenden zelebriert wird. Der Umarbeiter ersetzt die Verse: La congnois tu, 
c'est madame Anne, j Du sang de Bourgogne semee, i La doulceur du monde 
ä la manne | . . . durch Las, c'ent madame la daulphine, I Du haxdt sang 
des tote semee, \ Im doulceur du monde treffine | . . . und beseitigt die folgende 
Strophe Je ne die quelle fut Regente | Et duckesse de Bethefort | . . . (zitiert 
bei Piaget S. 91), ohne sonst den Text wesentlich zu ändern. An einer späteren 
Stelle, wo der Dichter die Frauen du temps present verherrlicht (156va), läßt 
dieselbe Hand an Stelle Magaretens eine Toohter Karls VII., Magdalena, die 
spätere Gemahlin Gastons de Foix, treten, indem sie den Reim daulphine + fine 
durch Korrektur zu Magdelaine + saine ändert. Von den älteren Schwestern, 
Jolanda „la piemontoyse princesse" und Katharina „Madame de Charolais", 
war in den vorhergehenden Strophen die Rede (s. Piaget S. 101). — Herr 
Bibliothekar Viktor Mausen in Kopenhagen hatte die Güte, mir, als die Hand- 
schriften unerreichbar waren, aus dem ersten Druck des Champion des dames, 
Lyon um 1485, den die dortige Königliche Bibliothek besitzt, die urspün glichen 
Lesungen mitzuteilen. 

*) Le Moyen-äge VI (1893) 105 f. 

Beiheft 46. 5 



1 . Original ftom 



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— 66 — 

Schi. I88vb: Oultre plus, Amours me commande. 
Car je ne puis Sans vons rnerir, 
Que a toutes je me recommande 
Pour bien et honneur acqderir. 
Siques vueillez moy secourir, 
Dames, et en fais et en dis, 
Vueillez pour moy requerir 
La Royne de Paradis. 

Pal, lat. 1969. 

Gautier de Coiney, Les Miracles de Notre Dame. — 

Passions- und Auferstehungsspiel. 

Pergament. 234 Blätter, 22,8 X 16 cm; zweispaltig zu 36 — 40 Zeilen. 
Die Verse beginnen mit vorgerückten Majuskeln, größere Abschnitte 
mit roten Initialen. Verheftungen liegen vor Bl. 194 — 199, 229 — 233. 
Schrift der ersten Hälfte, wahrscheinlich des beginnenden XIV. Jahr- 
hunderts. Mehrere Hände: Bl. 1 — 93 va sorgfältige, kräftige Buchschrift 
mit energischer Brechung, die Bl. 93 va mitten in der Spalte durch 
eine kleinere, flüchtigere, spitze Schrift ersetzt wird (BL 93 — 220); 
ein ähnlicher Schriftcharakter, aber andere Hand bereits Bl. 49 — 56 
(eine Lage); Bl. 221 — 234 (Passionsspiel) ist wieder von dem ersten 
Schreiber geschrieben. Die roten Initialen sind durchweg demselben 
Miniator zuzuweisen, so daß die Zusammengehörigkeit der beiden Teile der 
Handschrift gesichert erscheint. — Einband des Kurfürsten Ott Heinrich: *) 
Holzdeckel, mit braunem, gepreßtem Leder überzogen, auf dem Vorder- 
deckel in Goldpressung das Bild des Kurfürsten mit der Jahreszahl 1557, 
auf dem Rückendeckel das pfälzer Wappen. Metallbuckel und Schließen. 
— Alte Sign. 151 (?), 1940, C. 183. 1361. Heidelberger Bezeichnung 
Ein Buech von Thcophilo und andern heyligen* (vorderes Schutzblatt). 

I. Gautier de Coiney, Les Miracles de Notre Dame. 
Poquets Ausgabe 2 ) gibt nur einen durch Lesefehler vielfach entstellten 
und die Ordnung der Erzählungen willkürlich ändernden Abdruck 
der Handschrift von Soissons, ohne die anderen zahlreichen Hand- 
schriften zu berücksichtigen. Eine Uebersicht über die Mirakel mit 
Bewahrung ihrer ursprünglichen Folge schickt A. Mussafia seiner 
Untersuchung „lieber die von Gautier de Coiney benutzten Quellen** :t ) 
voraus. Der Palatinus enthält die ganze Sammlung mit Ausnahme 
weniger Stücke. Es fehlt: der Prolog des ersten Buches mit den 
folgenden Liedern (Poquet Sp, 3 — 26), die beiden letzten Legenden 
des zweiten Buches (Mussafia II 18: Sardenay, II 19: Constantinopel, 
Schleier am Samstag, bei Poquet Sp. 649 u. 671) und einige kürzere 

>) Ueber Ott Heinrichs Einbände s. F. Wilken, Geschichte der Heidel- 
bergischen BUchersammluugen (IS 17) S. 122 f. 

2 ) Les miracles de la Sainte-Vierge traduits et m(s en vers par Gautier 
de Coiney. Paris 1857. 

a ) Denkschriften der Wiener Akademie, Phil- bist. Ciasse, Bd. 44, 1896. 



. I . Original ftom 

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— 67 — 

Stücke am Ende des Werkes. Die Anordnung ist im wesentlichen 
die gleiche wie in der Handschrift von Soissons. 

[Buch I. 1 )] 1. Theophilus. lra: Pour ceus csbatrc et deporter. 
Mussafia I 1, Poquet Sp. 29. 

2. Hildefonsus. 15 ra: Un arcevesquc eut a Toulcte. Mussafia 12, 
Poquet Sp. 77. 

3. Judenknabe. 28vb: A Bohorges, ce tniis lisant. Mussafia I 3, 
Poquet Sp. 283. 

4. Besudeltes Marienbild. 29 vb: Un biau miracle )iOus recytc. 
Mussafia I 4, Poquet Sp. 423. 

5. Priester kann nur eine Messe. 30 rb: Un miracle trnis de tot 
provoire. Mussafia I 5, Poquet Sp. 323. 

6. Chartres; Blume im Munde. 31 ra: A Chartres fu, ce trnis, 
un clers. Mussafia I 6, Poquet Sp. 297. 

7. Teufel in Tiergestalt. 3 Ivb: Un moinne fu d'une abeic. 
Mussafia I 7, Poquet Sp. 327. 

8. Milch; Zungen und Lippen. 33 ra: Pour plusicurs cuers plus 
enflammer. 2 ) Mussafia I 8, Poquet Sp. 341. 

9. Incest. 34 rb; Un haut miracle mout piteus. Mussafia I 9, 
Ulrich in der Zeitschr. f. roman. Phil. VI (1882) 325. 

10. Reicher Mann und arme Frau. 39 ra: Tnlt li miracle Nostre 
Dame. Mussafia I 10, Poquet Sp. 429. 

11. Aebtissin. 42 va: Unc abeessc fu jadis. Mussafia I 11, 
Ulrich 1. c. 334. 

12. Marienbräutigam; Ring am Finger. 45 ra: Tenez sillence, belcs 
gens. Mussafia I 12, Poquet Sp. 355. 

13. Kind dem Teufel. 46 rb: Entendez tuit, faite\s\ scillenre. 
Mussafia I 13, Poquet Sp. 443. 

14. Fünf Psalmen M. A, R. I. A. 49 va: Un brief miracle molt 
ooine. Mussafia I 14, Poquet Sp. 359. 

15. Mönch von S. Peter in Köln. 50 ra: Si com mrs Ihres me 
tesmoigne. Mussafia 1 15, Poquet Sp. 455. 

16. Giraldus. 51 va: Un bei miracle ros rucl dire. Mussafia 1 16, 
Poquet Sp. 291. 

17. Vision der Nonne; Brunnen mit Schlangen. 52 vb: Mes livre* 
me dit et revcille. Mussafia I 17, Poquet Sp. 475. 

18. Humbcrtns. 54 rb: En*) escrit truis qu'cn Vabeie. Mussafia 1 18, 
Poquet Sp. 489. 

19. Ritter mit der cuculla. 55 ra: A ceux qui abnent doucement, 
Mussafia I 19, Poquet Sp. 493. 

20. Eulalia. 57 ra: A la loengc de In virge. Mussafia I 20, 
Poquet Sp. 481. 

>) Die Einteilung in zwei Bücher fehlt, nur die Mirakel des zweiten Teiles 
(39 ff.J haben Rubriken. Der bei den Liedern für die Noten freigelassene Raum 
Ist leer geblieben. 

'*) IIa. tnflammet. 

3 ) Hs. Un, Veraehen des Miniators. 

5* 



[ . Original ftom 



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— 68 — 

21. Gehängter Dieb. 58 vb: Ici apres veil metre en bries. 
Mussafia 121, Poquet Sp. 501. 

22. Vision des Mönches; Bach Isaias. 59 va: Sc pres de moy 
raus volez traire. Mussafia 1 22, Poquet Sp. 333. 

23. Sarazene; Marienbrtiste. 61 rb: Que que de oir estes en grant 
Mussafia I 23, Poquet Sp. 505. 

24. Ehefrau und Buhleria. 63 ra: Que que talent avez de oir. 
Mussafia I 24, Poquet Sp. 511. 

25. Orleans; Pfeil ins Knie. 64 ra: En escrit truis que pres de 
' Orliens. Mussafia I 25, Poquet Sp. 275. 

26. Schiffbruch; Licht auf dem Mäste. 65 va: Entendez fuit et 
clerc et lag. Mussafia I 26, Poquet Sp. 517. 

27. Bonus. 66 vb: Puis que volenti me stimmt Mussafia 127, 
Poquet Sp. 303. 

28. Exkommunizierter durch einen Toren absolviert. 69 ra: Un 
miracle veil recyter. Mussafia I 28, Poquet 8p. 575. 

29. Teufel als Diener eines frommen Mannes. 74 va: Pour ce 
qu'oiseuse est mort a Vame. Mussafia I 29, Poquet Sp. 523. 

30. Neffe und Onkel. 76 vb: II fu uns clercs, uns danwisiax. 
Mussafia I 30, Poquet Sp. 363. 

31. Milch; Mönch auf der Bahre. 79 ra: Bien est que nous le 
bim dions. Mussafia I 31, Poquet Sp. 347. 

32. 150 Ave täglich, um die Geliebte zu erlangen. 81 rb: U fu, 
ce truis, un chevalier. Mussafia I 32, Poquet Sp. 533. 

33. Ertrunkner Glöckner. 83 vb: Gele en cui prist humanite. 
Mussafia I 33, Poquet Sp. 461. 

34. Kröte im Kelch. 86 va: En escrit truis qu 9 il ot vers Sens. 
Mussafia I 34, Poquet Sp. 470. i ) 

35. Nonne aus dem Kloster. 88 ra: A la gloire la glorieuse. 
Mussafia 135, Ulrich 1. c. VI (1882) 339. 

36. Reliquien der hl. Leokadia. 92 ra: Que de memoire ne dechee. 
Poquet Sp. 111. — Es folgen die drei Lieder zu Ehren der Heiligen: 
97 vb: Las! las! las! las! par grand delit. — 98 va: Sor*) cest 
rivaige, a ceste croiz. — 99 rb: De sainte Leocade. Poquet Sp. 129 
bis 138. 

[Buch IL] 37. Prolog. 99 vb: A saint Maart, ou biau livrairc. 
Poquet Sp. 375. 

38. Lieder. 101 rb: Pow[r] la pucelle^ en chantant me deporL 
Poquet Sp. 385. — Mere Dieu, virge senee, s. P. Meyer, Romania XVII 
(1888) 436. — L'amors dont suis espris. Poquet Sp. 387. — [D'June 
amor coie et serie. Poquet Sp. 391. — Au matin a la jornee. Poquet 
Sp. 389. — Ja pour yver, pour noif ne pour gelee. Poquet Sp. 393. — 
Ma vielle vidier veil un biau son. Poquet Sp. 385. 



1 ) Diese Legende bildet wie in der Handschrift von Soiasons und bei 
Poquet einen Teil des Epilogs von Nr 33, s. Mussafia S. 4 Anm. 

2 ) Ha. Por, Versehen des Miniators. 



i . Original from 





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— 69 — 

39. Kaiserin von Rom. 105 ra: Uns sag es dit et fait savoir. 
Mussafia II 1. M£on, Nouveau recneil de fabliaux, Paris 1823, II 1 ff . 

40. Widmung an die Nonnen von Soissons. 129 vb: Ici meprant,*) 
ici m'aart. — Vos damoisseilles et vos dames — La fonteneille i sort 
clere. Poqnet Sp. 707—34. 

41. Basilius. 137 ra: Un miracle trop merveilleus. Mussafia II 2, 
Poquet Sp. 399. 

42. Constantinopel gerettet. 141 vb: Au temps que de Ta cite 
noble. Mussafia II 3, Poquet Sp. 417. 

43. Knabe, .der „Gaude Maria 44 singt, von Juden erschlagen. 
143 rb: Sainte escripture nos esclaire. Mussafia II 4, Poquet 8p. 557. 

44. Die Wunder von Laon. 148 ra: Assez savez qu' assez loon. 
Mussafia II 5, Poquet Sp. 209—232. 

45. Jude leiht dem Christen. 152 vb: Tant truis escriz, foi que 
doi m'ame. Mussafia II 6, Poquet Sp. 543. 

46. Zwei Brüder in Rom. 156 va: Qui bons livraires viaut cerchier. 
Mnssafia II 7, Poquet Sp. 593. 

47. Habsüchtiger Bauer. 159 va: Conter vos veil sanz nul delay. 
Mussafia II 8, Poquet Sp. 617. 

48. Roc-Amadour; Pierre de Siglar. 162 vb: La douee mere au 
creator. Mussafia 119, Poquet Sp. 315. 

49—52. Die Wunder von Soissons. 165 ra: Se diex tn'aist hui 
et demain. Mussafia II 10—13, Poquet Sp. 145—190. 

53. Schwiegermutter und Schwiegersohn. 176 rb: Ceille qui est 
de tel meniere. Mussafia II 14, Poquet Sp. 237. 

54. Mädchen von Arras. 181 ra: Mes Ihres dit, conte et narraz. 
Mussafia II 15, Poqnet Sp. 261. 

55. Schiffbruch, Seelen als Tauben. 185 rb: Qui viaut ouir, qui 
viaut entandre. Mussafia II 16, Poquet Sp. 605. 

56. Pisa, Marienbr&utigam. 188 rb.: Vos qui amez de euer antier. 
Mussafia II 17, Poquet Sp. 631. 

57. Ueber die Kürze des Lebens. 194rb: Gautiers qui est de 
euer et d'ame. Poquet Sp. 687. >) 

58. Mariengrüße. 210 rb: A la fin de cest livre, ou j'ai pene jor 
maint. Poquet Sp. 733—53. 

59. Gebet an Maria. 218 va: Dame resplandissant, roigne glorieusc. 
Poquet Sp. 757. 

60. Fünf Freuden Mariae. 220 ra: Dame de paradis, Dame de 
taut le monde. Poquet Sp. 761—62. 

61. Schlußgebet. Poquet Sp. 763. Anf. 220va: Doulz Diex, qui 
Sans fin ies et sans inition. 

Schi. 220 vb: übi erit fielus et Stridor dentium. — Ci fenist U 
livres des miracles Nostre Dame en frangois. 



') Hb. m'aprant. 

') Dieses Stück ist dreimal so umfangreich ftls du bei Poquet ge- 
druckte. 



. I . Original from 



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— 70 — 

Zu der folgenden Textprobe, dem Anfang der Erzählung von dem 
Priester, der keine andere Messe als „Salve sancta Parens" kannte, ist die 
kritische Ausgabe nach sieben Handschriften bei Bartsch-Horning, La 
langue et la litteratore franyaises, Paris 1887, "Sp. 363 ff. zu vergleichen. 

30 rb: Un miracle truis de un provoire, 

Qni la poissant dame de gloire, 
30 va: Qui nommee est vierge Marie, 

Honora moult toute sa vie. 

Mais bien vous puis de lui tant dire, 

QuMl ne savoit chanter ne lire. 

Une messe Sans plus savoit, 

„Salve sancta parens", qu'avoit 

Aprise d'enfance et de usage. 

Mais en quaresme n'en charnage, 

A pentecoste n'a noel, 

Ne chantat ja nnle fois d'el. 

C'estoit touz jourz touz ses effors, 

Et pour le[s] vis et pour les mors 

Ce8te messe tant seulement 

Chantoit touz jourz devotement 

En remembrance et en memoire 

De la poissant dame de gloire. 

Devant l'evesque accuses fu. 

L'evesque dit qu'ens en un fu 

Le deut on par droit jeter 

Et come un hours batre et beter; 

Car ne savoit ne plus ne mains 

Et si sacroit entre ses mains 

Le haut seigneur qui tont cria. 

IL Passions- und Auferstehungsspiel. 

Die Handlung beginnt mit der Ankündigung des Abendmahles 
und der Aussendung der Jünger Petrus und Johannes. Gespräch der 
beiden mit dem Unbekannten. Von den Knaben Israels bewillkommt, 
zieht Jesus in die Stadt. Während des Mahles im Hause des nicht 
genannten Wirtes dringt die reuige Magdalena ein und salbt Jesu 
Füße (22 Iva). Judas, erzürnt über die Verwendung kostbarer Salben, 
beschließt den Verrat. 1 ) Einsetzung des Abendmahles, die Frage. 
Der Abend am Ölberg, die Erscheinung des Engels (221 vb). Judas 
erhält von der Synagoge den Verräterlohn, dreißig Silberlinge, die 
ihm Stück für Stück vorgezählt werden; Streit über die fehlenden 

') (Judas): Maitres, dites apertement, 

Pour quoi de si chier oignement 

Avez souffert tel gastement! 

S'est honte et vilainement. 

Bien valoit .im", deniers, 

Et plus encor que moult est chiers, 



I . Original from 



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— 71 — 

beiden letzten 1 ) (222rb). Verrat tmd Gefangennahme Jesu, Episode 
des Malchus (Marques). Die Verhöre vor Caiphas, dann vor Pilatus 
und Herodes (222 vb). Letzterer verlangt ein Wunder; Jesus mit 
■einein Mantel bekleidet, gesehlagen (Qui Va fem? or le devine!) und 
verspottet (223rb). Neues Verhör vor Pilatus, der die Gesetzes- 
gelehrten kommen läßt. Judas 1 Reue, der vergebliche Versuch, das Geld 
zurückzugeben, seine Verzweiflung (223vb). Johannes und Petrus im 
Vorhof, des letzteren dreimalige Verleugnung. Jesus, an einen Pfeiler 
gebunden, wird von Cayn und Huitacelin gegeißelt; sie werfen das 
Los über seine Kleider (224 vb). Pilatus liefert Jesum den Juden aus, 
nachdem diese die Freilassung des Barabbas gefordert (225 va). Das 
Kreuz wird gefertigt. Herodes schickt Malchus 2 ) zu dem Schmied. 
Da dieser krank ist, schmiedet seine Frau die Nägel (226 ra). Unter 
Caiphas 1 Aufsicht wird Jesus von Haquin und Mosse an das auf- 
gerichtete Kreuz geschlagen 3 ) und mit der Dornenkrone gekrönt (226 va). 
Klage der Maria, Jesus empfiehlt seine Matter dem Johannes (227 ra). 
Der blinde Longinus wird zum Kreuz geführt, das an seiner Lanze 
herabfließende Blut des Erlösers macht ihn sehend; er erhält Ver- 
zeihung. 4 ) Consummatum est (227 vb). Neue Klage Maria, Johannes 
sucht sie zu trösten. — Streit der Teufel in der Hölle, Jesus erscheint, 5 ) 
erzwingt die Öffnung der Pforten und befreit die Seelen der Vorväter 
(228 vb, 230 ra). — Joseph von Arimathia erbittet von Pilatus den 
Leichnam Jesu; Abnahme vom Kreuz und Bestattung, an beiden ist 
Nikodemus beteiligt (231 rb). Annas läßt durch seinen Boten Evramin 
Caiphas holen; beide beschließen, mit Erlaubnis des Pilatus das Grab 
bewachen zu lassen. Werbung, Aufzug und Prahlereien der Wächter 
(chcvaliers). Erscheinung des Engels und Auferstehung Christi. Die 
Wächter entfliehen bestürzt (233 va). — Klage der drei Marien 
(233 va, 229 ra). Sie kaufen Salben bei dem Apotheker. Der Engel 
verkündet ihnen am Grabe die Auferstehung und befiehlt, den Jüngern 
die frohe Kunde zn überbringen. Frauen • und Apostel beschließen, 



Qui lealment Feut vendu 
Avant com Feut espandu. 
II en afferoit a ma rente 
De .im c . deniers les .xxx. ... 
Je les recouvrera[i] par ma foi! (221 va.) 
Vergl. Passion de Semuy V. 5000 ff., 5305 ff., mit der richtigeren Lesart 
in c . deniers, Ausgabe von E. Roy, Le Mystere de la Passion en France du 
XIV«au XVIesiecle, Dijon 1903—04 (= Revue Bourguignonne, T.XII1, XIV), 
8. 101 ff., s auch S. 2l9f. f 392 f.; ähnlich in der Passion von Arras V. 10321 ff. 
(Ausgabe von J.-M. Richard, Arras 1891, S. 121). 

') Vergl. Passion de Semur V. 6055 ff., auch Roy S. 314. 
-) Vergl. Passion de Semur V. 7 129 ff. 

3 ) So auch in der epischen Passion des Jongleurs und in der Passion 
d'Amboise. Es ist die ältere und seltenere Version,, s. Roy S. 91*, 314. 

4 ) Die Heilung des Longinus vor dem Kreuzestod Christi hat von den 
französischen Mysterien wohl nur die Passion von Au tun, s. Roy S. 38* f., 43*. 

*) Die Hüllenfahrt Christi also unmittelbar nach dem Tode am Kreuz, 
noch vor der Bestattung! 



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— 72 — 

deu Auferstandenen in Galiläa zu suchen (229 vb). Gemeinsamer 
Gesang des Tedeums (234 ra). 

Diktion und Handlung des gegen 1900 Verse umfassenden Spiels 
sind schlicht, nüchtern, volkstümlich. Der Inhalt entspricht der 
biblischen Darstellung und dem apokryphen Evangelium Nicodemi, 
doch zeigt der Aufbau der Handlung manche Eigentümlichkeiten. 
Szenen, die sich im späteren Passionsdrama einer besonderen Beliebtheit 
erfreuten, sind bereits zugefügt oder in realistischer Weise erweitert: 
so die Mißhandlung Christi und die Reden der Henkersknechte, das 
Schmieden der Kreuzesnägel, die Heilung des Longinus, die Klagen 
Marias unter dem Kreuz, der 8treit der Teufel in der Hölle, das Gespräch 
der Salben kaufenden Frauen mit dem Krämer. 1 ) Anderes fehlt noch, 
wie die Legende von der Frau des Pilatus und der Veronika. 

Spielanweisungen werden nicht gegeben, die auftretenden Personen, 
etwa 35, nur ausnahmsweise bezeichnet. 2 ) Die vorliegende Hand- 
schrift des Spiels scheint weniger für die Aufführung als zum Lesen 
bestimmt gewesen zu sein. Der Vers ist der fast immer paarweis 
gereimte Achtsilbler, an feierlichen Stellen treten Zehn- und Zwölf- 
silbler ein, zuweilen auch kürzere Verse und strophische Gliederungen; 
Unregelmäßigkeiten in Reim und Versbau sind nicht selten. Die Rede 
schließt fast ausnahmslos mit dem zweiten Vers des Reimpaares, ein 
Ueberspringen des Reimes, das sonst in der altfranzösischen dramatischen 
Literatur die Regel bildet, findet sich nur selten. Erzählende Verse 
kommen nur vereinzelt vor, an drei Steilen (223 va, 224rb, 227 rb),* 
zweimal je zwei Verse, einmal einer. Wie auch ihre isolierten Reime 
zeigen, sind es verifizierte Spielanweisungen, die dem Dichter oder 
Schreiber unwillkürlich in die Feder geflossen sind. 3 ) 

Auf Einzelheiten einzugehen, die literarischen Fragen, die sich an 
das Spiel knüpfen, zu behandeln, muß späteren Untersuchungen vor- 
behalten bleiben. Das palatinische Spiel scheint jedenfalls in engerer 
Verbindung zu dem ältesten französischen Passionsdrama zu stehen, 
das ß. Roy nach einer lokalisierten Handschrift als Passion d'Autun 
bezeichnet hat. 4 ) Dieser Text ist bisher ans drei Handschriften bekannt: 

') Einzelnes dürfte aus der als Passion des Jongleurs bekannten volks- 
tümlichen Dichtung des XIII. Jahrhunderts stammen, die als Quelle des 
späteren Passionsspiels von Bedeutung ist, s. Roy S. 27* ff. 

2 ) So: Judas parle (222 va), Saint Pierre respont (224 ra), Jhesu (233 ra), 
Saint Jehan, Nostre Dame (228 vb), u.a.; zweimal lateinisch: Post dyabolus 
(228 vb), Angelas (233 m). — Der Anfang der Repliken ist durch rote Inirialen 
hervorgehoben, die aber nicht regelmüßig, oft auch an unrichtiger Stelle 
verwandt sind. 

3 ) S. W. Creizenach, Geschichte des neueren Dramas. Bd. I (Halle 1S93) 
S. 136. — Nur der alleinstehende Vers (224 rb) ist durch Reim mit der 
folgenden Rede gebunden. 

4 ) K. Roy 1. c. S. 40* ff. Anf die wichtige Besprechung von A. Jeanroy, 
Journal des savants, nouv. s6rie IV (1906) 476 ff. bin ich erst während des 
Druckes aufmerksam geworden, so daß eine eingehendere Berücksichtigung, 
die indessen keine Atmderung des Gesagten bedeuten würde, unterbleiben 
mußte. Jeanroys Ansicht über das Alter des Passionsspiela in Frankreich 
und die Stellung der Passion von Autun erfährt durch den Palatüms Bestätigung. 



( , , I . Original from 



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— 73 — 

Zunächst Fragmente einer Handschrift des ausgehenden XIII. oder 
beginnenden XIV. Jahrhunderts, 87 Verse enthaltend, die F. Jostes in Sion 
gefunden und J. ßädier herausgegeben hat;*) dann erst einen vollständigen, 
aber sehr überarbeiteten Text bietend, zwei Handschriften des XV. Jahr- 
hunderts der Bibliotheque Nationale, Nouv. acq. fr. 4356*) yund 4085, 
letztere 1470 in Autun geschrieben. 3 ) Für die Zugehörigkeit zu dieser 
Handschriftengruppe spricht das Vorkommen der Verse 26 — 42 der Frag- 
mente Bediers, wenige Verse ausgenommen, in dem Palatinus. 4 ) Auch 
die Handlung beider Spiele zeigt wichtige Berührungspunkte; beiden 
gemeinsam ist ferner die in dem Drama Nordfrankreichs ganz 
ungewöhnliche Eigentümlichkeit, daß die Reimpaare nicht auf die 
Unterredner verteilt werden, ein Anreimen des Schlußverses mit dem 
Anfangsvers der Gegenrede nur selten stattfindet. Die nicht umfang- 
reichen Fragmente Bediers, die ausführliche Analyse, die Roy nach 
den späten Handschriften gibt, die nur wenigen Verse, die er aus 
ihnen mitteilt, b ) genügen indessen nicht, um die Identität der Passion von 
Autun und des heidelberger Spiels darzutun oder die Uebereinstimmungen 
als nur gelegentliche, auf Abhängigkeit des einen Spieles von dem 
andern oder auf Gemeinsamkeit der Quellen beruhende zu erweisen. 
Für die Beantwortung dieser Fragen kann nur ein Vergleich der Texte 
selbst ausschlaggebend werden. Der Wert der neuen Handschrift aber 
wird in keinem Falle gemindert werden: 

Aus der Zeit der Anfänge des nationalen geistlichen Spieles in 
Frankreich sind uns bekanntlich zwei Dramen biblischen Inhalts 
erhalten: das Adamsspiel (Ende des XII. Jahrhunderts) und die anglo- 
norm. Rösurrection (Anfang des XIII. Jahrhunderts). Für die Folgezeit 
sind wir über den Entwicklungsgang des Mirakelspiels nur durch 
wenige Texte unterrichtet. Sie fehlen ganz, von den Fragmenten 
Rädiers und von der nur kurzen, in der Sammlung der Quarante Miracles 
de Nostre Dame erhaltenen Nativite nostre seigneur Jhesu Christ 
abgesehen, für das biblische Drama bis zu seiner überraschenden Blüte 
im Anfang des XV. Jahrhunderts. In diese Lücke tritt das Spiel der 

J ) Romania XXIV (1895) 86 ff. 

') Auch diese Handschrift ist lückenhaft, wird aber durch die Fragmente 
Bediers ergänzt, s. Roy S. 41*. 

3 ) Eine Ausgabe der Passion von Autun bereiten E. Roy und J. Bedier 
vor, s. Roy S. 65*. 

*) Die vorhergehenden Verse sind in beiden Spielen textlich und inhaltlich 
verschieden: in dem Fragment endet hier die Höllenfahrt Christi mit der 
Befreiung der Vorväter, im Palatinus folgt das Gespräch der Wächter der 
Auferstehung. Ebenso wenig begegnen die den zweiten Teil des B6dierschen 
Fragments bildenden, dem Schluß des Spiels angehörenden Verse. Den 
Descensus ad inferos scheint die römische Handschrift in einer kürzeren 
Fassung zu bieten; das Fehlen der letzten Verse ist vielleicht dnrch eine 
mögliche Lücke verschuldet, die durch Verlust eines Blattes vor dem Schluß- 
blatt verursacht sein kann. 

3 ) Auch unter ihnen finden sich einzelne, im Palatinus völlig gleich- 
lautende Verse. Dasselbe gilt auch für die von Jeanroy 1. c. S. 488 ff. 
gedruckten Verse. 



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— 74 — 

palästinischen Handschrift. Den paläographischen Indizien und der 
Sprache nach den Fragmenten Bediers vielleicht gleichzeitig, sicher nicht 
viel später, bietet sie das älteste französische Passionsspiel in jedenfalls 
nahezu vollständiger Erhaltung, ein wichtiges Zeugnis für das Bestehen 
u&d den Znstand des biblischen Dramas am Anfang des XIV. Jahr- 
hunderts. *) 

Anf.221ra: (Jesus zn den Jüngern:) 

Mi ami, mi deciple, franche gent honoree, 

La sainte pasque aproche que j'ai tant desiree, 

Pour mengier avec vous la pais qui moult m'agree, 

Ainz que ma vie soit pour le pueple finee. 

Pierre et Jehan, sa venez, 

En la cite leanz irez! 

Un hömme si encontrerez. 

De moie part vous li direz, 

Que veil aler en sa maison, 

Et je et tuit mi compaignon. 

Mengier i veil priveement, 

II le voudra moult bonement. 

(Petrus und Johannes:) 
Sire, volentiers nous irons, 
Vostre commandement ferons. 

(Zu dem Unbekannten:) 
Amis, Jhesu, li nostre sire, 
Nous envoie a vous pour dire 
Que vous huimais le he[r]bergiez, 
A mengier li appareilliez. 
Mengier veut a vostre maison, 
Ensemble lui si 2 ) compaignon. 

(Der Unbekannte:) 
Sire, bien soyez vous venuz! 
Quant venrra mes sires Jhesu, 

') Das nächstälteste Passionsspiel ist die Passion Sainte -Gene vie vc, 
s. Roy 55*. — Es scheint kein Zweifel daran berechtigt, daß das Spiel der 
Palatina zur Aufführung bestimmt war. Die Passion und mit ihr die Person 
Christi würden also viel früher dargestellt worden sein, als bisher fast allgemein 
angenommen wurde (vgl. Roy S.*49, G. Paris im Journal des savants 1901, S. 784), 
mindestens gleichzeitig mit der K345 überlieferten südfranzösischen Passion 
Didot, die gleichfalls Passion und Auferstehung verknüpft. Die Identität mit der 
Passion von Antun vorausgesetzt, würden die zahlreichen erzählenden Verse 
der Hs. 40S5, die Roy der Ansicht zuneigen ließen, in dem Spiel von Antun 
eine nur gesprochene „Passion dialogu6e u zn erblicken, als spätere Zufügungen 
erwiesen sein. Auf die hypothetische Abhängigkeit des südfranzösischen 
Mysteriums, vielleicht auch der deutschen Spiele, von Nordfrankreich, könnte 
der neue Text Licht werfen. Auffällig sind wörtliche Uebereinstimmungen 
mit der von Roy herausgegebenen Passion von Semur, die wohl kaum aus 
einer gemeinsamen epischen Qelle herzuleiten sind, vielmehr auf Einwirkung 
der römischen Passion auf das spätere Mysterium deuten. 

a ) Hs. 8on. 



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— 75 — 

Sus lui, biau Sire, rien ne ai, 
Ainz est trestout sien quanque j'ai. 
Quant il venrra tout trovera 
Qnanque mestier li avera. 
Venez le atendre en maison, 
Car il est bien drois et raison. 

(Petrus und Jobannes:) 
Sire, bien dites, si vous plait, 
Et nous le ferons Sans plait. 
Si atendrons nostre Seigneur 
Et la compaignie greigneur, 
Qu'il avec lui avra, 
Quant il en cest ostel venrra. 

(Pueri Hebreorum:) 
()r sus, or sus, seigneur, enfant! 
Alons nous en au roy puissant, 
Aourer et beneir. 
Veez le la ou il vient - . . 

233 ra: (Der erste Wächter:) 

Or sus, compains, or sus, or sus! 
Le cors, je 1 ) cuit, avons pardu!, 
J'ai ne sai quele vois oie, 
Qui disoit: „Te lieve de ci! 2 ) 
Biau fiuz, tu as assez geu!" 
Et quant j'oi le mot entendu, 
Si vi si grant clartc venir, 
Veoir ne la po[i] ne souffrir, 

223rb: Ne movoir tant que feust partic 

La clarte et amenuisiee ..... 



(Ein anderer Wächter:) 
233va: Seigneurs, grant savoir n'est mie 

Que de nous metre en leur balliee. 

Sachiez que je ne mi metrai, 

Mais tant com je porrai fuirai .... 

Or tost, or tost, fuions, fuions! 3 ) 

Pal. lat. 1970. William de Wadington, Manuel des p6ches. 

Pergament. 92 Blätter, 21 x 15,5 cm, zweispaltig, meist 30 Zeilen. 
Zwei Teile, beide sorgfältig um 1300 geschrieben, der erste in der 
üblichen Buchschrift mit wechselndem Duktus, der zweite (Bl. 62 ff.) 

*) Ha. te. 

*) Hs. Qui disoit de ci te lieve. 

8 ) Vergl. das von Sedier herausgegebene Fragment V. 26—42. 



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— 76 — 

in flüchtiger, kleiner Minuskel, welche noch die für das XIII. Jahr- 
hundert charakteristischen Formen zeigt. Dem Wechsel der Schrift 
entsprechen andere Verschiedenheiten: der erste Teil hat rote Über- 
schriften und Initialen, rubrizierte Versanfinge und als Trennungs- 
zeichen den Punkt am Versende; der zweite Teil verwendet schwarze 
Ueberschriften, neben roten auch blaue Initialen und Absatzzeichen. 

Die Handschrift stammt aus der Bibliothek Ulrich Fuggers. Das 
als Schutzblatt vorgeheftete Fragment einer liturgischen Pergament- 
handschrift des XI. Jahrhunderts trägt noch die alte Signatur 890 
und die Bibliotheksbezeichnung Gallici rhythmi de Religionc, unter 
welcher der Manuel des pechez in den Inventaren der Fuggerbibliothek 
vorkommt. Auf letztere verweist auch die Bleistiftnotiz von der Hand 
des Allatius: p. 68b F[ugger] No 18.i) Die Signatur des Allatius 
ist C. 76. 1238. — Roter Ledereinband der Vatikana: der Handschrift 
voraus geht ein Kupferblatt mit dem bayerischen Wappen und der 
Schrift: Sunt de Bibliotheca, quam Heidelberga capta, Spolium fecit 
et P. M. Gregorio XV trophaeum mint Maximilianus utriusque Bavariae 
duz etc. [Wappen] Anno Christi 1622, das bekannte Exlibris, welches 
in Rom den wertvolleren Handschriften der heidelberger Bibliotheken 
beigefügt wurde. 2 ) 

Parallelausgabe des Manuel und der englischen Bearbeitnng 
Robert Mannyngs of Brunne von F. J. Furnivall. 3 ) Ueber die be- 
kannten Handschriften, die ebenso wie der Palatinus in England 
geschrieben und mit einer Ausnahme (Bibl. Nat. fr. 14959) in englischen 
Bibliotheken geblieben sind, s. P. Meyer, Romania VIII (1879) 333, 
XV (1886) 312, XXIX (1900) 47, ferner G.Paris, Histoire littfraire 
de la France. T. XXVIII (1881) 207. Der Palatinus beginnt Bl. lra 
mit einem gleichzeitigen lateinischen Fragment, vermutlich einer Homilie, 
dessen Anfangszeilen durch Tilgen unleserlich geworden sind. Bl. 1 rb 
folgt von anderer Hand die erste Hälfte des Manuel (Ausg. V. 1 — 7910), 
der zweite Teil beginnt 62 r mit dem Petit Sermon, dem älteren Pofeme 
sur l'amour de Dien et sur la haine du poche, das mit Kürzungen 
und Umstellungen in die größere Anzahl der Handschriften Wadingtons 
übergegangen ist 4 ) (Ausg. S. 426 ff., Append. 2); diesem folgt das 
Confessionale und der Schluß des Gedichtes (V. 8597— 12755). 

Anf. Irb: Le premer article de la fey. 
La uertu del seint espirit 
Nous seit aydant en seint 5 ) escrit, 

') Auch diese Handschrift gehörte ebenso wie der Pal. lat. 1963 zum 
Inhalt der 26. Kiste, s. S. 12 Anm. 3 und die Bemerkungen zu Pal. lat 1963. 

2 ) Die Wiedergabe eines dieser Buchzeichen mit etwas längerer Auf- 
schrift und der Jahreszahl 1623 bei A. Themer, Schenkung der Heidelberger 
Bibliothek (1844); s. auch Wilken S. 211. 

8 ) Roberd of Brunne'a Handlyng Synne (written A.D. 1303), with . . . 
le Manuel des Pechiez by William of Wadington. Ed. by F. J. Furnivall. 
Printed for the Roxburghe Club. London 1862. 

4 ) S. P. Meyer, Romania XXIX (1900) 5 ff. 

5 ) Die Ausgabe hat die beasere Lesart cent. 



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— 77 — 

A uuous deus choses mustrer 
Dunt hum se deyt confessir (!), 
E ausi en la quele manere, 
Ke ne fet raie bon a tere; 
Kar c'est la uertn del sacrement 
Dire le pecche e content 
Touz pecchez ne poum counter, 
Mes par tant se poet remembrer 
E ses pecches ben amender 
Ky cet escrit uelt *) regarder. 
Prime8 dirrum la dreite fey, 
Ke fnndement est de nostre ley. 

Schi. 92 rb: De deu seit beneit checnn home 

Ke pri 2 ) pur Willame de Widi[n]gton; 3 ) 

Ki pur autri pri e houre 

Pur sei memes, dist em, labour. 

En deu finist cest escrist, 

En den 4 ), en fiz, en seint espirit, 

E en le nun de sant Marie, 

Amen, amen checun en die. 5 ) 



Pal. lat. 1971. 

Partonopeus de Blois. — Fragmente von Amadas et Idoine, 

Wace's Brut, Floire et ßlancheflor, Aspremont. 

Pergament. 98 Blätter, 21x13— 14 cm. Die einzelnen Teile 
von verschiedenen, zeitlich und örtlich getrennten Händen des XIII. Jahr- 
hunderts. Als Schutzblatt dient das Doppelblatt einer lateinischen 
Handschrift des XIV. Jahrhunderts philosophischen Inhalts. Alte 8ign. 
864, C. 85. 1239, 1818. 

Sammelband der Heidelberger Bibliothek. 6 ) Mit einer Handschrift 
des Partonopeus de Blois sind vier verschiedenen Handschriften des 
XIII. Jahrhunderts entstammende Bruchstücke altfranzösischer Epen 
vereinigt. Eine endgültige Wertung der durch Alter und Ueberlieferung 
wichtigen Texte muß späteren Einzeluntersuchungen überlassen bleiben; 
hier soll nur eine vorläufige Beschreibung gegeben werden. 



») Hb. ucit. 

*) Die Hs. wiederholt pri. 

8 ) o scheint aus a korrigiert zu sein. 

*) Ausg. richtiger pere. 

'*) Die beiden letzten Verse nur im Palatinos. 

a ) Da alte Signataren, die heidelberger 864 und die des Allati us C. 85. 1239, 
nur am Anfang, anf dem alten Schutzblatt eingetragen sind, ist anzunehmen, 
daß die Handschrift bereits in der kurfürstlichen Bibliothek die heutige 
Zusammensetzung hatte. Wahrscheinlich stammt sie aus dem Besitz Ulrich 
Fuggere, s. oben S. 21. 



■ I . Original from 



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— 78 — 

I. Partonopeus de Blois. 

60 Blätter, davon das letzte leer; zweispaltig zu 44 Zeilen. 
Zierliche Minuskel etwa gegen Ende der ersten Hälfte des XIII. Jahr- 
hunderts- Der erste Vers eines jeden Reimpaares beginnt mit vor- 
gerückter Initiale, eine Eigentümlichkeit, die auch in dem Fragment von 
Amadas und Idoine wiederkehrt und für die vor 1250 in der Normandie 
oder in England geschriebenen Handschriften charakteristisch ist. *) 
Rote und blaue Initialen auf den ersten acht Blättern, später ist der 
für sie freigelassene Raum unausgefüllt geblieben. Alte Zählung der 
Lagen (II — VII, Bl. 16 v beginnend), eine spätere (A — H) wohl erst 
aus der Zeit des Neueinbandes. 

Die neue Handschrift enthält das Gedicht lückenlos bis zur Ver- 
mählung des Partonopeus mit Melior, und zwar den letzten Teil in 
der Fassung der Vulgata, die durch alle Handschriften, die von Crapelet 2 ) 
herausgegebene Handschrift 2986 der pariser Arsenalbibliothek aus- 
genommen, überliefert, ist. Die in den andern Handschriften an- 
gefügte, aber nicht zu Ende geführte Fortsetzung fehlt. Der Palatinus 
endet mit den zu ihr. überleitenden Versen, in denen der Dichter auf 
Befehl seiner Herrin zu weiterer Erzählung sich entschließt. Der 
Inhalt entspricht so der Analyse, die Le Grand d'Aussy nach der zu 
der gleichen Gruppe gehörenden Handschrift Bibl. Nat. fr. 19 152 
(früher 1830) gegeben hat. 3 ) Zur Frage der Ueberlieferung- vergl. 
E. Pfeiffer, Ueber die Handschriften des altfranzösischen Romans 
Partonopeus de Blois, Marburg 1885 (Ausgaben und Abhandlungen XXV) 
und P. Meyer in Notices et extraits des manuscrits XXXIV (1891) 219.*) 
Der Palatinus, der keiner der bekannten Handschriften als unmittel- 
bare "Vorlage gedient hat, 5 ) noch aus einer kopiert sein kann, zeigt, 
neben wichtigen Berührungen mit der Hs. A, wenigstens in der zweiten 
Hälfte mit der Hs. B die nächste Verwandtschaft und dürfte der Gruppe 
BPS der von E. .Stengel aufgestellten Filiation zuzuordnen sein. 6 ) 
Die Sprache weist auf Entstehung im Westen, wahrscheinlich in der 
Normandie hin. 

Anf. lra: A Deu rend graces e merciz 

De quanque sai en faiz n'en diz, 

De ma sante, de ma richesce, 

De quanqu'il m'ad fait de largesce. 



>) S. P.Meyer, Romania XL (1911) 71. 

a ) Partonopeus de Blois. Publi6 par G.-A. Crapelet. Paris 1834 (Collection 
des anciens monuments de Thistoire et de la langue fratxjoise. XII). 

3 ) Fabliaux ou contes, traduits ou extraits par Le Grand d'Aussy. 3 e ed. 
T. V (Paris 1829) S. 189ff. f eine noch ausführlichere Wiedergabe von Koquefort 
in den Notices et extraits IX. 2 (1813). 

*) Die Ashburohainhandschrift ist jetzt Bibl. Nat. fr. nouv. acq. 7516. 

ö ) Es fehlen z. B. die Verse 4693—4756 nnr im Palatinus. 

a ) Mein Urteil beruht hauptsächlich auf einem Vergleich mit dem bei 
Pfeiffer S. 51 ff. nach sechs Hss. gedruckten Text der Verse 7475 — 8036; 
Stengels Filiationsschema bei Pfeiffer S. 46. 



I Original from 



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— 79 — 

Beneit seit li bons Jesus, 
Ki (ist quanqu'at sus e jus: 
Beneit seit li Sainz Esperiz 
Ki meint el Pere e el Fiz, 
Ki m'ad donc sue merci, 
De man seignor sa grace issi; 
Qu'il uolt que j'aie pes e joie, 
Diable seit surz e Deus l'oie. *) 

42 va: E Melior saisist l'espee, 

Si lui ad bei del col ostee, 

Des renges l'ad par les flancs ceint, 

E fait le nu e bien estreint; 

E il anccis que de li part, 

Qu'il fait mult [a] enuiz e tart, 

L'ad regardee en suspirant, 

E grosses lermes espandant. 

La dame bien l'entent e ueit; 

Mais ne porquant ne se parceit 

Que 50 seit il, qu'il serreit torz; 

Quant ele quidet qu'il seit morz. 

Uers Urake se turne e dit: 

„[GilJ Chevaler scmble un petit 

De bels oilz ueirs et de fa(un ..." 

E ne dit plus, ne oc ne nun; 

Ainz Tad derechef csgardee, 

Por poi que ne l'ad repelee; 

Mais li membra' 2 ) de s'amur 

Li tolt parier e fait dolur, 

81 qu 1 ele se tient a grant peine, 

Qu'ele n'est pasmee, tant est ueine. 
42 vb: E eil s'en vait mult regardant; 

Car a mult poi de bei senblant 

Que li feist d'aeeinement 

Reuenist il joiusement. 

|oult ad grant dreit, co m'est [a]uis; 
Car si jo fusse en parais, 

E la bele m'aeenast fors 

Que j'aim plus que m'alme u mun cors, 

U de >chef, u d'oil, u de dei, 

Tut 3 ) me fereit uenir a sei. 

Mult ad grant tens que ne la ni, 

Deus, car fusse jo ore od lui! 

(V. 7487—7520, s. Pfeiffer 1. c. 8. 52 ff.) 

• 
*) Crapelets Ausg. m'oie (Hs. A). 

2 ) Für la membrance, so die andern Hsa. 

3 ) Die anderen Hss., mit Ausnahme von S, richtiger tost 



[MJ 



I Original front 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 80 — 

Schi. 59 vb: A Deu la comand e otrei, 
E tutes lea dames del munt 
Ki sunt u furent u serront, 
Qu'il lur doinst la grant joie estable, 
La plenere, la pardurable, 
S'il in'otreit qu'al derein jor 
Seit m'aneme en joie entre les lur. 
Amen en dient li plugur 
Ki seruent Deu le creatur. Amen. Amen. 1 ) 

II. Amadas et Idoine. 

Lage von vier Blättern; nach alter Zählung ( a 3) am unteren 
Rande von Bl. 68 v. die dritte Lage der ursprünglichen Handschrift. 
Zweispaltig, 35 — 38 Zeilen, ungleichmäßige Minuskel des frühen 
XIII. Jahrhunderts. Anfangs- und Endbuchstaben der Zeilen sind 
abgerückt, die der ersten Keimzeile des Verspaares mit größeren Ab- 
ständen als die der zweiten; rote, blaue und grüne Initialen. Die 
wiederkehrende Randnote imago, ohne daß ein leerer Raum vorhanden 
ist, scheint darauf zu deuten, daß eine Bilderhandschrift als Vorlage 
diente. 

Ausgabe von Hippeau, Amadas et Ydoine, Paris 1863 nach der 
einzigen vollständigen Hs. Bibl. Nat. fr. 375. Ein göttinger Fragment 
(V. 1110— 1246, 1791—1927) ist von Andresen, Zeitschrift f. rom. 
Phil. XIII (1889) 85 ff., herausgegeben worden; eine Neuausgabe unter 
Heranziehung eines neuen Fragmentes hatte W. Foerster beabsichtigt, 
8. G. Paris, Melanges de literatnre fran^aise du moyen äge I (Paris 1910) 
329 und Foerster, Zeitschrift f. rom. Phil. XXXVIII (1914) 108f. — 
Der Palatinus enthält den Anfang des Romans, gegen 1184 Verse, die den 
Versen 1 — 972 bei Hippeau entsprechen, in einer Fassung, die von 
dem bekannten Text, allerdings nicht inhaltlich, erheblich abweicht. 
Die Sprache ist, wie die des goettinger Fragments, anglonormannisch, 
im Gegensatz zu der picardischen pariser Handschrift. 2 ) 

Anf. 61ra: Cumunalment uus qui auez 

Am£, et uus qui ore amez, 
U qui esperance de amer unt, 
v E tuz ices ki amerunt; 

Vus ki auez oi de amurs 
Sulunc les cuntes des auturs, 
Et en latin et en rumanz; 
Des amantes e des amanz; 
Vers mai saient entendant, 
Si lur dirai de un fin amant 

I) S. Le Grand d'Auss)) S. 317. 

3 ) Das von Foerster gefundene, noch unedierte Fragment scheint dem 
Palatinus nahezustehen, wenigstens finden sich die von Foerster 1. c. zitierten 
beiden Verse in gleichem Wortlaut auf Bl. 68 vb. 



I . Original from 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 81 — 

Et de wie amante quo 1 ) amat 
Mut leaument, tant cum durat 
Dire uoil cument auint 
A ces quo amurs en semble tint 
Tute lur uie senz tricher, 
Senz uilainie e senz boiser. 

Schi. 68 vb: AI plus bref terme qu'il pot, 

Cum eil qui fere le po 2 ) estot, 
Vent a Y[doine] la bele 
Od tute 8a fole querele; 
Cum eil ki ad turnö a un 
Tut 8un curage et en commun 
Et mort et uie et anenture. 
8i cum de murir a draiture, 
De murir ignelepas, 
Ne Tat mie mains pris a gas. 
Icest uolair, a icest pensö 3 ) 
At tut sun curage turnd. 

III. Wace, Brut d'Angleterre. 

Zwei Lagen von je vier Blättern, die 2. und 4. Lage einer Hand- 
schrift, wie die alte Zählung am Lagenschluß (76v: II, 84v: IUI) 
angibt; zweispaltig, 36 — 38 Zeilen, Zierliche, sorgfältige Minuskel 
der Mitte des XIII. Jahrhunderts. Der für die Initialen größerer 
Abschnitte ausgesparte Raum ist unausgeftillt geblieben. 

Das Fragment umfaßt die Verse 1255—2467, 3679—4853 der 
Ausgabe von Le Roux de Lincy, Le Roman de Brnt par Wace, 
Rouen 1836 — 38. 

Anf. 69 ra: [Q]vant il ot quis lieu conuenable 
Et aaisiez et deletable, 
Sa c\t6 fist desor Tamise. 
Mult fn bien faite et bien assise. 
Por ses ancesors remenbrer 
La fist Troie noue appeler. 
Pois ala le non corrunpant, 
Si l'apela Ton Trinovant. 
Mais qui le non garde, si troeve 
Ke Trinovant est Troie noue. 
Ker bien pert par corruption 
Faite la composicion. 



') quo = que, io der Kürzung #, ist in der Hs. die reguläre Form. 

2 ) Dieses unberechtigte po ist vom Schreiber versehentlich ans der vorher- 
gehenden Zeile {pot mit abgerücktem t) übernommen worden. 

*) a ist übergeschrieben, der Vers und die Konstruktion fordern A cest 
uolair, a cest pense. 

Beiheft 46. Ü 



■ I Onainal from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 82 — 

Schi. 84 vb: Par mei et par ses altres omes, 
Qui mainte feiz nafre i surames, 
Ot Cassibellam la uictoire, 
Dun il a puis men£ tel gloire. 
Li baron et li cheualier 
Son de la gloire pargonier; 
Come chescuHS mielz i conquiert 
Et mielz i uaut et mi[e]Iz i ficrt . . . 

IV. Floire et Blancheflor. 

Lage von drei Blättern, zweispaltig, 48 Zeilen. Minuskel mit erst 
beginnender Brechung, Anfang des XIII. Jahrhunderts. Altertümlich ist 
die Verwendung der Majuskeln M, N, R am Schluß, zuweilen aber 
anch im Innern des Verses, die Ligierung von N und T, von d mit 
hochgerücktem c, sprachlich die Erhaltung des isolierten auslautenden 
Dentals wie in ad, od, der 3. sg. des Futurs. 

Fragmente der ersten, von Du Meril 1 ) als „Version aristocratique" 
bezeichneten Fassung; in Du Merils Ausgabe V. 131 — 1390. Die 
Sprache ist anglo - normannisch. Den drei bekannten Handschriften 
gegenüber, die kontinental sind, und von denen die älteste erst dem 
Ausgang des XIII. Jahrhunderts angehört, bietet der Palatinus einen 
oft sehr freigestalteten , zwischen den beiden Handschriftengruppen 
AC und B schwankenden Text, dem auch die des öfteren größere 
Ausführlichkeit der Erzählung 2 ) eine selbständige Stelle zuweist. 

Anf. 85 ra: Et pur la part de la reine 

De reguart dune la meschine. 3 ) 
La reine mult se fait lee; 
En ses chambres l'ad menee. 
Sa lai li laisse bien guarder; 
Seruir la fait et honur(e)er: 
> Od li suuent giue et parole, 

Et franceis aprent de s'ascole. 
La meschine ert curteis et pruz; 
Mult se feseit am er a tuz: 
La reine forment serueit, 
Cume cele ki os asteit. 

l ) Floire et Blanceflor. Publ. p. Edelestand Du M6ril. Paris 1856, 
s. Einleitung, besonders S. CCVff., ferner über die Hss.-Filiation die neueste 
Untersuchung von L.Ernst, Floire und Blantscheflur, Straßburg 1912 (Quellen 
und Forschungen 118). 

■) Sie besteht meist in der Ausführung von Situationen, die auch in den 
anderen Handschriften gegeben sind, so nach V. 402 (38 Verse), 680 (14 Verse), 
1009 (8 Verse). Andererseits bestehen erhebliche Kürzen: es fehlen V. 233— 260, 
517 — 662 (hierflir nur 6 Verse), die nur in den Hss. A. C überlieferten Episoden 
von dem Zauberer Barbarin und dem Abenteuer in der Lüwengrnbe (s. Du Meril 
S. 33 Note 1 und S. 229 ff.). 

a ) Den besseren Text haben die anderen Handschriften : Et, por sa part, 
a la roine j Done de gaaing la meschine (Du M6ril V. 131 f.). 



. I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 83 — 

Schi. 90 vb: Or est Floires en la cite, 
U estre auait tant desire, 
Herberge ches le pontener. 
De cunseill ad mult grant mester: 
Char ja seit 90 que venu seit 
La u tant uenir desireit. 
II ne set, si cunseill n'an ad, 
Con faitement se cuntendrad. 
Saneir se met en sun curage, 
Que lui remembre sun parage, 
Et cum il erre foleraent. 
Fait ele: Char t'entent . . . 

V. Aspremont. 

Lage von vier Blättern. Einspaltig, 25 — 28 Zeilen. Größere Schrift 
von altertümlichem Charakter, Anfang des XIII. Jahrhunderts. Anfangs- 
ond Endbuchstaben abgerückt, Wechsel von roten und blauen Initialen 
am Anfang der Laissen. 

Ueber 400 Verse aus dem letzten Teile des in zahlreichen, aber 
meist lückenhaften Handschriften erhaltenen Gedichtes, von dem bisher 
nur Bruchstücke herausgegeben sind. 1 ) Das Fragment beginnt mit dem 
Bemühen Uliens, die Flucht der von den Franken verfolgten Sarazenen 
aufzuhalten, und bricht in der Erzählung von dem Verrat Aumustenes 
(Amustant) ab- Der Inhalt entspricht der Analyse, die L. Gautier, 
Kpopees fran^aises III 92 f. Anm. von der Hs. La Valliere (BiblANat. 
fr. 25 529, Bl. 67 — 74, gegeben hat, die Reime und Assonanzen den 
Tiraden 443 — 462 der von Roepke auf gestellten Konkordanz.*) 

Anf. 91 r: (Ulien zu den fliehenden Sarazenen:) 
Ja vos aveit res Agoulant noriz 3 ) 
E autrui rennes donnez et departiz, 
Or lui estes au grant beson falliz! 

Ouant Aufriquans ont crestiens veuz 
Et a grans cous les ont requeneuz, 
Les plus hardiz sont coarz deuenuz 



») S. L. Gautier, Les 6pop6es fran$aises. 2 dü ed. T.M (Paris 1880) S.TOff., 
Bibliographie des Chansons de geste (Paris 1S97) S. 58 ff., F. Roepke, Studien 
zur Chanson d'Aspreinont, Dissertation, Greifswald 1909. 

*) Für die fehlende er-Tirade 458 tritt wie in anderen Bandschriften eine 
kurze in-Tirade ein. — Die Folge der Tiraden 452 ff., welche die Hs. P 2 (25 529) 
ändert, ist in dem römischen Fragment die gleiche wie in den andern Hand- 
schriften. Der Palatinns weicht daher von Gautiers Analyse nicht unerheblich 
ab, indem die Kämpfe Rolands (La Valliere Bl. 6S— 72) fehlen, dafür aber die 
Episode von der drohenden Gefangennahme Karls und seiner Befreiung durch 
Beilenger (B6renger) eingefügt ist, die in der pariser Handschrift erst an 
späterer Stelle (Bl. 76—77) folgt. 

') Das auslautende z der Anfangsverse, das durch Beschneiden des Randes 
verloren ging, ist ergänzt. 



■ I Original from 

UNIVERSITYOF CALIFORNIA 



L 



~ 84 — 

Et les plus sages se sont por fons tennz: 

Tant enn.i out de morz et d'abatuz 

Trencheies testes et espanlles et buz, 

Les chans en sont couuers et reuestuz. 

Frans sunt armez et Aufriqnans sunt nuz. 

Quant les conres .G. i sunt uenuz, 

Senpres les ont et percez et ronpuz. 

a gent d'Aufrique nes poureit plus soufrir, 
Veieit lor gent detrencher et mourir 

E de lor morz la qnanpenne couurir . . . 

Schi. 98v: (Aumustene zu seinem Sohn:) 

En cest ost ei de mon linnaie tant, 
Con uos uerrez enz le solel cuchant. 
Que uos irei 1 ) la parolle celant, 
II ont trestoz find a mon graant. 
Prennez mon cor, si guerpisez le chant, 
Si le sonnez quatre fez enn.oiant, 
Asez uaut moiz que ne fet l'olifant. 
Trestoz iron la ou ferei senblant, 
11 uos seiuront a esperon brochant. 
Dret a Aufrique uos enn.alez ponnant. 

Pal. lat. 1972. 
Herbert le Duo de Danmartin, Folqne de Candie. 

Pergament. 146 Blätter nach vatikanischer Zählung, die indessen 
vier Blätter überspringt (nach Bl. 101, 108, 131, 137). Eine Zählung 
der Lagen (A — S) scheint aus der Zeit des Neueinbandes in der 
Vatikana zu stammen. 18x10,5 cm, einspaltig zu 36 Zeilen. Schrift 
des XIII. Jahrhunderts, etwa des Anfangs der zweiten Hälfte. Die 
Lai9sen beginnen mit größeren roten Initialen, die Verse mit vor- 
gerückten, auf einem gelben Längsstrich stehenden Majuskeln; rote, 
schwarze und gelbe Schnörkel bilden eine Kolumne am Schluß der 
Verse. Die Vershälften sind oft durch Punkte geschieden. Einige 
Korrekturen von anderer, nicht viel späterer Hand. Alte Sign. 889, 
C. 86. 1240, 1825. 

Alter und Wert der Ueberlieferung dürften die neue Handschrift 
den besten der bekannten zur Seite stellen. Leider bietet sie das 
Epos nicht vollständig: sie enthält lückenlos den ersten in Zehn- 
silblern geschriebenen Teil, von der tiberwiegend in Alexandrinern 
verfaßten Fortsetzung dagegen nur den Anfang, entsprechend Vers 
1 — 10960 der Ausgabe von Schultz -Gora.' 2 ) Nach den ersten Zeilen 

1 ) Hs. irezi mit Unterpanktierung des z. 

2 ) Folque de Candie von Herbert le Duc de Danmartin. Hrsg. von 
0. Schultz-Gora. Dresden 1909 — 15 (Gesellschaft fllr romanische Literatur. 
Bd. 21 u. 39). Glossar und Kommentar stehen noch aus. 



[ . Original ftom 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 85 — 

der letzten Blattseite, mitten in einer Schlachtschilderung, hat der 
Schreiber die Feder niedergelegt, ohne die angefangene Laisse zu 
Ende führen. 

Anf. 1 r: Oiat un uers 1 ), qui ne sont pas frarin; 
II nes trouerent Gascon ne Enieuin. 
Herberz li Dux les fist a Danmartin, 
Ses fist escriure en un brief Baudoin: 
Si com Guilermes s'eu fuit lo chief enclin, 
Qni.llaisa mort Uiuien et Gerin. 
lni n'en meine ne neuem ne coisin. 
Apres lui poignent plus de mil Sarrazin. 
Deoant l'enchauce Bauduz li filz Aquin; 
Ainc ne ueistes plus felon Sarrazin: * 

Toz fu estraiz del lignage Chain. 
Ainc en sa terre ne.ssorst aigue de rin; 
Solez n T i Inist an seir ne al tnatin; 
N'i troue amor donzele ners meschin. 

Schi. 146 r: ]V^"olt fu bele reschiele qu'amenerent Franceis. 

-LVA Forque est en la premiere tant blans com une neis, 
S'ot dous manches vermoilles d'un cendal d'Andre freis 
Et s'ot lieoncels bis, ne sai o dous ou treis. 
Joste lui fu Gaudins et Drue dAmineis. 
A icels laissent corre qui mescreient noz leis; 
146v: Chascuns ocist lo suen al fer sarragoeeis. 
Forque ioste a Bedel, qui d'Erie fu reis, 
Que l'escu li per$a et l'auberc iohenneis; 
Parmi lo cors Ten passe une teise a borgeis. 
Jen uei les piez desore, dist Aubris li Teois. 
Qui si fiert Chevalier n est pas Brez ne Galeis, 
Ainz doit bien baisier dame soz cortine d'orfreis ; 
Ne li doit rien veer qui li tort a defois. 

Pal. lat. 1973. Sense, Hörloge de Sapience. 

Pergament. 214 Blätter, 25,8x18 cm, einspaltig zu 31 Zeilen. 
Bachkursive der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, Rand- 
noten, rote und blaue Initialen und Absatzzeichen, Majuskeln des 
Textes mit gelber Tupfung. — Heidelberger Bezeichnung Horologium 
aapientiae, Eyn welsch buch von der wyslwit zu Üben. Alte Sign. 
C. 103. 1256, 1823. 

Die in zahlreichen Handschriften erhaltene Uebersetzung von Seuses 
Horologium sapientiae, welche nach Angabe des gereimten Epilogs 
der lothringer Minorit Je hau de Souabe, Magister der Theologie, auf 

') Statt Oics bons vers, wie P* liest; die erste Zeile ist von dem Rubri- 
kator geschrieben, daher die fehlerhafte Wiedergabe der AnfaDgsworte. 



/ ' " . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 86 — 

Wunsch des Maistre Dimenche dit de Port, Lizentiaten des bürger- 
lichen und kanonischen Rechtes, verfaßte und 1389 in Chastelneuf 
vollendete. Inhalt und Einleitung in zwei Bücher zu 16 und 8 Kapiteln 
entsprechen genau den Angaben, die Qnetif und Richard, Scriptores 
ordinis Praedicatorum, Paris 1719 — 21, I 636 nach lateinischen Hand- 
schriften machen. Ueber die französische Uebersetzung s. L c. I 657, 
ferner K. Bihlmeyer, Heinrich Seuses deutsche Schriften, Stuttgart 1907 
S. 158*. Die Handschriften der Bibliothfcque Nationale sind verzeichnet 
von L. Delisle, Inventaire general et methodique des mss. frang. de la Bibl. 
Nat, I (Theologie), Paris 1876, S. 87, die der anderen pariser Bibliotheken 
von K. Brunner in den Mitteilungen der badischen historischen Kom- 
mission XX (Beilage zur Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 1898). 
Der Epilog ist öfters gedruckt, am ausführlichsten bei P. Paris IV, 155. 

Anf. 1 r: La table ... — 3r: Si commetwc Ic traicüe qui est nomme 
Orloge de Sapience, ouquel est parfaictcment contenue la voie et moniere 
(Vacquerir sauvement. — Salomon en son livre de sapience ou premier 
chapitre dit: Sentite de Domino in bonitate et in simplicitate cordis 
querite illum. Sentes et entendez de Dieu en bonte . . . 

Schluß der Prosa (212v): ... et plus encore, car je donray a toy 
et a eulx grace et misericorde en la vie presente et a la fin ma gloire, 
en laquelle je regne avec mon perc et le saint esperit de siecle en 
siecle pardurable. Amen. 

Epilog. Anf. 213 r: Es rers cy escrips trouvcras les nonxs de ceulr 
qui ont fait et fait faire cest livre. 

Ceste doctrine couronnee 

Fut premierement ordonnee . . . 

Schi. 214r: Pour moy une fois le pater-nostre. 
Disons en la derreine voye: 1 ) 
Amen, amen, que Dieu l'ottroye. Explicit. 

Pal. lat. 1983. Tragödie du Sac de Cabrifere. 

Papier. 36 Blätter, die gleichzeitige Zählung tiberspringt ein Blatt 
nach BL 32; 20 x 14,5 cm, einspaltig zu etwa 25 Zeilen. Zierliche 
llumanistenschrift. — Alte Sign. 1246, 1808. 

Ein nur in dieser Handschrift erhaltenes protestantisches Tendenz- 
drama des XVI. Jahrhunderts, das, historische Ereignisse verwertend, 
den Untergang der Waldensergemeinde Cabriere in Südfrankreich unter 
der Regierung Franz 1 I. (20. April 1545) behandelt. 

Baron d'Opede ist durch Beschluß des Parlaments von Aix, mit 
Billigung des Königs beauftragt, die Waldenser der Provence zum 
rechten Glauben zurückzuführen oder zu vernichten. Bereits sind ihre 
Niederlassungen, zuletzt Merindol, zerstört, nur Cabriere widersteht 
noch und weist alle Angriffe zurück. Das Spiel beginnt mit einem 

] ) IIs. roye. 



I . Original from 



UNIVERSLTYOF CALIFORNIA 



— 87 — 

Wortwechsel Opedes mit seinen Genossen Catderousse, dem Herrn 
von Cabriere, nnd dem Söldnerführer Poulin, die den an dem Erfolg ver- 
zweifelnden Opede verhöhnen nnd zu einem letzten Sturm drängen. 
Doch auch dieser, wird zurückgeschlagen. — Poulin begibt sich nun 
zu trügerischen Verhandlungen nach Cabriere. Er weiß die Führer 
der Waldenser, den Maire und Syndicus 3 zu überzeugen, daß sowohl 
er als Catderousse auf der Seite der Verfolgten stünden, und Opede 
zur Aufgabe der Belagerung bereit sei, wenn nur die Waldenser ihm 
eine Niederschrift ihres Glaubens an die Dreifaltigkeit überreichen 
würden, die zu seiner Rechtfertigung dem Parlament gegenüber dienen 
solle. — Maire und Syndicus im Lager Opedes. Während sie in 
feierlicher Wechselrede ein Glaubensbekenntnis ablegen, dringen die 
Söldner in die unbewachte Stadt, die in Flammen aufgeht. Die 
Waldenserführer erblicken und beklagen vom Lager aus den Unter- 
gang ihrer Glaubensgenossen, den ein Bericht Poulins in allen Einzel- 
heiten beschreibt, bis auch sie der Befehl Oatderousses in das Feuer 
treibt. 

Das Drama zerfällt, ohne daß die Teilung äußerlich angedeutet 
ist, in drei Akte, von denen der erste und letzte im Lager Opfcdes, 
der zweite in der Stadt spielt. Der ungeteilte Chor, gebildet von 
den bei der Plünderung Merindols übrig gebliebenen Waldensern, 
beschränkt sich nicht auf längere lyrische Gesänge (kürzere Verse in 
Strophen) 1 ), sondern begleitet auch reflektierend und schildernd Dialog 
nnd Handlung. Das Versmaß ist tait Ausnahme der Chorlieder der 
Alexandriner. Prolog und Epilog fehlen. Die Einheit der Zeit ist 
gewahrt, nicht die des Ortes. 

Während die protestantische Polemik vorwiegend die Moralität 
und nach Bezas Vorgang das Bibeldrama in ihren Dienst stellte, 2 ) 
dient hier die Dramatisierung eines zeitgenössischen Ereignisses mit 
Beschränkung auf das rein historische 3 ) der kalvinistischen Propaganda. 4 ) 
Die Handlung gibt die Vorgänge wieder, wie sie in den gleichzeitigen 
Berichten von protestantischer Seite dargestellt werden. 5 ) Beruht die 

') Zwei Gesänge (Preis Gottes als des Gebers des Sieges, — die böse 
Zunge als Quelle des Unheils) schließen die beiden ersten Akte, zwei weitere 
(Segen der guten Rede — Bedrohung Opedes mit der Strafe des Himmels) 
finden sich innerhalb des dritten Aktes. 

-) F. Holl, Das politische und religiöse Tendenzdrama des XVI. Jahr- 
hunderts in Frankreich. Erlangen u. Leipzig 1903 (Milnchener Beiträge XXVI). 

3 ) Allegorische oder übernatürliche Rollen fehlen völlig. 

*) Von einem in Tendenz und Inhalt der Tragedie du Sac de Cabriere 
nahestehenden Spiel, das 1558 von Genfer Schülern aufgeführt werden sollte, 
ist uns nur der Titel durch die Annales Calviniani bekannt: Louis Enochs 
Trag6die des cinq escoliers de Berne exrcutäs ä Lyon (S. Holl S. 111, mit 
falscher Jahresangabe). 

& ) Die unmittelbare Vorlage vermochte ich noch nicht zu ermitteln, 
s. indessen Histoire uiemorable de la pers6cution et saccageuient du peuple 
de M6rindol et Cabriöres, et autres circonvoisins, appeläz Vaudois. L'an 1555 
(o.O.) S. 95— 121, wiederholt bei Jean Crespin, Histoire des martyrs (Neu- 
ausgabe Toulouse 1885—89, 1 408—419) und allgemein £. Lavisse, Histoire 



■ I . Original from 



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— 88 — 

wichtige Stellung, die dem Spiel innerhalb der dramatischen Literatur 
des XVI. Jahrhunderts zukommt, in erster Linie auf seiner Tendenz 
und der Wahl des Gegenstandes, so ist doch auch der poetische Wert 
nicht zu bestreiten: Der Untergang der für ihren Glauben sterbenden 
Waldenser wird in würdiger Weise gefeiert, die Sprache, besonders 
der Chorgesänge, ist durch religiösen Ernst gehoben und mit Sentenzen, 
die teils der Bibel, teils der Antike entlehnt sind, geschmückt, die 
Tendenz wird vorwiegend durch Charakteristik und Handlung erstrebt. 
Die Entstehungszeit des Dramas ist jedenfalls nach der Reform 
des französischen Theaters, die durch Bezas Tragödie franyaise du 
sacrifice ■ <T Abraham (1550) und Jodelles Cläop&tre captive (1553) 
bezeichnet wird, anzusetzen. Einen weiteren Anhalt gibt die Widmung 
der Handschrift, mag sie nun die Originalhandschrift oder eine Ab- 
schrift sein, an den Pfalzgrafen Christoph, den für literarische und 
wissenschaftliche Bestrebungen empfänglichen Sohn Friedrichs HL, der 
23 Jahre alt im April 1574 auf der Mockerheide im Kampfe mit den 
Spaniern den Heldentod fand. 1 ) Das Verzeichnis seiner erlesenen, an 
französischer Literatur reichen Bibliothek, das kurz nach seinem Tode 
aufgestellt wurde, enthält auch die „Tragoedic du Sac de Cabrifere" 
(Heidelberg, Pal. germ. 835, 98 r.).*) In der Widmung whtf Christophs 
Vater als Kurfürst bezeichnet, als Inhaber der Würde, welche 1559 nach 
Ott Heinrichs Tode auf ihn überging. Die zeitliche Begrenzung ist somit 
zwischen 1559 und 1574 gegeben. Den ungenannten Verfasser wird 
man im Kreise Bezas suchen dftrfen, in Genf oder Lausanne, der 
Heimat und Blütestätte des kalvinistischen Schauspiels. Christoph stand 
in engen Beziehungen zu den schweizer Kalvinisten. Von seinem 
Erzieher Otto von Hövel begleitet, war er in Genf gewesen, bevor er 
1566 in Heidelberg das Rektorat der Universität bekleidete. Ein 
zweiter Aufenthalt in der Schweiz fällt in die Jahre 1566 — 68, wie 
die zahlreichen Einträge schweizer Kalvinisten, auch Bezas, in des 
Prinzen Stammbücher, die die Vaticana besitzt, 3 ) zeigen. In Lausanne 
oder Genf, wohin die Hilferufe der seit 1557 verfolgten Waldenser 
Piemonts wiederholt drangen, 4 ) mag auch die Tragödie von der Ver- 
nichtung ihrer Glaubensgenossen in der Provence, von Schülern auf- 
geführt und dem jungen Pfalzgrafen gewidmet worden sein. 5 ) 



de France, V, 2 (1904) S. 121. Nicht erreichbar war mir: Jaquea Bonjour, 
Luoubrationum primitiae ... De bello in Caprerienses commentaria. Parisiis 
1 549 (verzeichnet im Katalog der pariser Nationalbibliothek). 

l ) s. L. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz II (lb56) 58, 79, ferner 
Friedr. Schmidt, Geschichte der Erziehung der Pfälzischen Witteisbacher, 
Berlin 1899. (Honumenta Germaniae paedagogica XIX) S. XXXI. 

*) S. oben S. 19. 

3 ) Pal. lat. 2016, 2017. 

4 ) s. J. W. Baum. Theodor Beza, Leipzig 1843—52, I 240 ff. 

5 ) Andererseits könnte der Verfasser auch einer der zahlreichen aus 
Frankreich flüchtenden Kalvinisten gewesen sein, die in Deutschland und 
besondere am piälzer Hofe Schutz suchten. Hat doch selbst der bedeutendste 
Vertreter des protestantischen Dramas, Louis Desmasures, in der Zeit, die für 



f* I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 89 — 

lr: Pour trfes illustre Prince, Monsieur Christophle, Duc de 
Bavifcres, filz tres-aimä de Monseigneur l'älecteur, et Comte Palatin 
etcae. *) 

Iv: Tragedie du Sac de Cabriere. 

D'Opede, Poulin et Catderousse. 

D'Opede. 
Un coeur vaillant mourra plustost qu'estre vaincu, 
Et moy, las malheureux, auray je tant vescu 
Qu'ä vaincre ou a mourir je puffere la fuite! 

Poulin. 
Le Hon fuit, s'il a un cerf pour sa conduite. 
Ainsi le camp, auquel com m and e un bonnet rond, 
Comme neige au soleii devant l'ennemi fond. 

Catderousse. 
Vous vous entendez trop aux proces et enquestes, 
A faire fouetter, ä faire couper testes, 
Ou a faire souffrir quelque plus dure mort. 

3r: Le Choeur. 

Du sac de Merindol cruellement funeste 

Troupe captive au camp de ces brigans je reste. 

Les autres sont heureux qui errent par les champs, 

Encor plus heureux sont ceux ä qui ces meschans 

Ont esteint les tormens en esteignant la vie; 

La nostre ä petit feu nous doit estre ravie. 

Si faut il constamment tenir pour resolu 

Que c'est pour nostre bien que Dieu Ta voulu. 

Cabriere cependant redouble son courage 

Et d'Opede affoibli de plus en plus enrage, 

Pour ce que contre Dieu n'y a force ne conseil, 

Qu'il ne desrompe ainsi que les nerfs d'un sommeil. 

Pal. lat. 1984. Gedichte des 16. Jahrhunderts. 

Papier. 85 Blätter in zwei Lagen, 31 x 21 cm. Die Zuweisung 
der unregelmäßigen, meist sehr nachlässigen Schrift an verschiedene 
Hände ist umso schwieriger, als auch die Schriftarten, ältere und 
Humanisten-Kursive, miteinander wechseln; jedenfalls wurde die Hand- 
schrift, wenn sie von einem Schreiber herrühren sollte, zu sehr ver- 
schiedenen Zeiten geschrieben, wahrscheinlicher ist, daß eine erste 
Sammlung von mehreren Händen fortgesetzt wurde. Alte Sign. 
1244, 1831. 

die Entstehung unseres Dramas in Frage kommt, in Metz, Pfalz — Zweibrücken 
und im Elsaß gelebt. Die Lösung der Autorfrage könnten vergleichende 
Untersuchungen fördern, die zweckmäßig mit einer Ausgabe des Textes zu 
verknüpfen wären. 

') Bis hierher alles in Majuskeln von der Hand des Schreibers. 



■ I . Original from 



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— 90 — 

Sammlung von Gedichten aus der Zeit Franz 1 L, überwiegend 
Erzeugnisse der an seinem Hofe blühenden Renaissancedichtung; ; 
Nachträge führen in die Zeit der Plejade. In den dem Hofe nahe- 
stehenden Kreisen wird auch die Sammlung, die mit französischen 
lateinische und italienische Gedichte vereinigt, in den Jahren 1540 
bis 1560 entstanden sein. 1 ) Sie zeugt von humanistischer Bildung 
des Sammlers, literarischem Interesse und besonders von reger Teil- 
nahme an den politischen Ereignissen der Zeit. Seine Quellen sind 
sicher nur zum Teil gedruckte gewesen. Der Nachweis der Gedichte 
in verwandten handschriftlichen Sammlungen und Drucken wird da- 
durch erschwert, daß nur wenige mit Nennung des Verfassers ein- 
getragen sind; einige, die bekannten Dichtern zugeschrieben werden, 
fehlen in den Ausgaben. Jedenfalls verdiente die Handschrift, die 
manches Unbekannte zu enthalten scheint, eine eingehendere Prüfung. 2 ) 

1. (lv:) Double d'unes lettres de mons. le chanceliier Poyet, 
envoyces a mons. le cardinal de Tonrnon, lorsqu'on le menoit prisonnier 
ä Bourges. (Datiert:) A Argilly, le 3 e d'aoust 1542. 

Druck dieses Briefes, in dem Poyet 3 ) am Tage nach seiner Ver- 
haftung den Schutz des Kardinals Tournon anruft, nach einer pariser 
Handschrift bei Capefigue, Francis I er et la renaissance, Paris 1845, 
IV 316. Der Sturz des einflußreichen Kanzlers Franz' I., des Urhebers 
der berühmten Ordonnanz von Villers- Cotterets, der in Ungnade ge- 
fallen, am 2. August 1542 in Argilly verhattet und nach langem 
Prozeß 1545 seiner Aemter entsetzt und verurteilt wurde, erregte 
das größte Aufsehen. Der Verfasser der Handschrift gehörte offenbar 
zu den Gegnern des vielbefeindeten Mannes: er hat nicht nur den 
für Poyet demütigenden Brief als einziges Prosastück in seine Sammlung 
aufgenommen, sondern auch später zahlreiche Spottgedichte der Zeit- 
genossen registriert (s. Nr 47 ff., 65). 

2. (3r:) De la court de France. S. V. — Ung ciel en terre on veoyt 
la court de France, | Tous gens s$avans appliques y vos yeulx (14 Zeilen). 

J ) Die Zeitgrenzen sind durch die Ereignisse, welche einzelne Gedichte 
voraussetzen, gegeben: Dachätel war Bischof von Tulles 1539—44 (Nr 3), 
1540 Tod des Janus Olivarius (38) und G. Bud6s (116), Sturz Poyeta 1542 
(l,47ff.), 1543TodDuBellays(66fif.), 1544 C16ment Marots (121); Zeitgedichte 
von 1556 (110), 1559 (141) unter den Nachträgen. 

*) Diese war mir in Rom unmöglich aus Mangel an Zeit und an literarischen 
Hilfsmitteln. Meine Feststellungen beruhen auf einem Vergleich der mir in 
Berlin zugänglichen Literatur mit den Initien, die ich mir notiert hatte. Ich 
habe mich erst nach längerem Bedenken entschlossen, das so naturgemäß nicht 
erschöpfende Ergebnis durch eine ausführlichere Beschreibung mitzuteilen, 
nur darum, weil die Handschrift schwer erreichbar ist und ihr mannigfacher 
Inhalt nur so annähernd erschlossen werden kann. Ich verzeichie die ersten 
Verse eines jeden Gedichtes und füge bei den kürzeren literarisch nicht 
nachweisbaren in Klammern die Seitenzahl zu. — Ein alphabetisches 
Verzeichnis der Anfangsverse der lateinischen und französischen Gedichte 
findet sich am Schluß dieser Arbeit unter den Registern. 

3 ) Ueber Poyet s. M. Deubel, Guillaumc Poyet, Paris 1901, mit Verweisen 
auf die umfangreiche Literatur. 






Original frorn 
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— 91 — 

3. A mons. l'evesque de Tulles. *) — Ta vertu est cou- 
ronn^e | De gloire et environnöe (6 Zeilen). 

4. D'une dame. — Pourqnoy pint on Amour ne voyant goutte, | Veu 
que par l'oeuil son feu es cuers il boate (6). 

5. A une dame. — Honneur cherchant oü habitens les graces, j 
Parmy la cour de l'ung ä l'anltre alloyt (10). 

6. A celle mesme. — Me prenant garde ung jonr que le soleil | 
Jettoyt ses raiz sur toute creature (8). 

7. A une aultre. — Pour mettre accord entre Venus la belle, | Jnno 
la riebe et Minerve la saige (10). 

8. (4r:) A une aultre dame. — Nature a faict ung grand bien 
aux hnmains, | En te tirant du profond de noblesse (10). 

9. D'estre loue d'ung seigneur. — De quoy rae sert d'estre louo 
düng maistre, | Que je soys docte ou en prose ou en mettre (6). 

10. A nne damoyselle. — Si j'estoys ciel, damoysellette, | Par 
vos clairs yeulx je reluyrois (4). 

11. Ung aymant k sa dame. — Cest oeuil pour qui je suys 
aymant. | Qui scet si bien ses rayons traire (4). 

12. Du cueur et de l'oeuil. — Mon cueur estoit en sa chambre 
secrette, | Qui devisoyt avec les belies muses (10). 

13. D'une chambriere amoureuse d'ung trottain crocheteur. — 
Quant pour donner au portefaix, | Alis, tu desrobes du vin (4). 

14. A ung qui s'ayme. — On dict que tu es amoureux (Melin de 
St- Gelais II 2992)). 

15. A la Royne de Navarre. — Au monde n'a, o soeur de Roy 
et Royne, | Pour t'estrener assez de beaux atours (8). 

16. (5r:) D'ung moine. — En mon chemain j'ay trouve ung gras 
moyne, | Bien hault crotte ä mode de Savoye (8). 

17. De Süffisance. — De moyns que rien on peult ii peu venir 
(Melin de St- Gelais 1113). 

18. D'une damoyselle. — En desespoir de folle amour surprise, | 
Mon jeune cueur deceu de son vouloir (8). 

19. Epitaphe. — Ci gist mai6tre Herne (?) de Pince, | Amerement 
de mort pince (8). 

20. De Tan mil cinq cens vingt et sept. — L'an mil cinq cens 
trente et troys moins, | Les eanx nous firent des maulx moins. | Au 
moys de may, gaye saison, I Fut occis Charles de Bourbon (14). 3 ) 



') Wohl Pierre Duchätel, Petrus Castellanus, der bekannte Humanist am 
Hofe Franz' 1., 1539—44 Bischof von Tulles, später von Macon und Orleans, 
gest. 1552, s. Hoefer, Nouv. Biographie g6n6r. XIV (1855) 936. Ein Epigramm 
Clement Marots auf ihn s. Oeuvres completes, publ. p. P. Jannet, Paris 1868 ff., 
111 65. 

*) Oeuvres completes de Melin de St-Gelays. Ed. p. P. Blanchemain. 
Paris 1873 (Bibliothüque-Elz6virienne). 

a ) Ein Zeitgedicht, das Ereignisse des Jahres 1527 erwähnt: den Tod 
Karls von Bourbon, den Sacco di Roma, mit besonderer Hervorhebimg der 
Hinrichtung Jacques" de Beaune, seigneur de Semblan^ay, für dessen Unschuld 
der Dichter eintritt, s. Lavisse, Histoire de France, V 1, S. 230 ff. 



■ I . Original from 



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— 92 — 

21. Un gentilhomme chantant de s'amye. — Quant eile estoyt 
d'unze ans encore pucelle, | Venus luv mist aux yeulx son estincelle. 

22. (6r:) Cantique de Zacharie. — Benoist soit Dien, nng seul, 
vray, tout pnyssant, \ Qui de sa grace Israel languissant (36). 

23. (7r:) S. G. — Cheveulx, seul remede et confort (Melin de 
SU-Gelais 1191). 

24. (8r:) Huictain de Alexis. — Je prye a Dieu qne ce petit, | Ce 
petit enfant qni remne. 

25. Qnatrin. — Las, si je suys en ung jour envieilly, | Blasmer 
n'en fault prison, perte ou naufrage. 

26. S. G. — Pliys que nouvelle affection (Melin de St- Gelais 
IU 290). 

27. (9v:) Chantique de la Vierge, Luc. CL M. — L'ame de moy, 
en ceste chair enclose (Bonaventure Desperiers I 85). 

28. (10r:) Cantique de Simeon, Luc. Cle. Mar. — Puys que de ta 
promesse (Bonaventure Desperiers I 87). 

29. Dixain. M. N. — Mort et amour onl semblab[l]es effectz, | 
Oü semble avoir beaucoup de repngnance. 

30. (1 1 r:) Epitaphe d'une bellette par S. G. — Soubz ceste menue 
herbelette (Melin St- Gelais I 53). 

31. (12v:) Oblectat, satiat, carpit, voce, haustibus, igne, | Aures, 
ventrem, animas, Musica, Bacchus, Amor. 

32. (13r:) Bernardinus Donatus Veronensis 2 ) in hunc modum 
deplorabat duorum filiorum mortem. Ad Battum amicnm. — Batte, 
animos quando tristes curasque levare | Musa potest, miseram sortem 
casusque supremos. 

33 — 37. Epitaphien auf Louise von Savoyen, die Mutter 
Franz' 1.3) 

33. (I5r:) Epitaphium in D. Lodoicam Regis Francisci matrem, 
author Olivarius Cancellarius Alen§onicus 4 ) — Hie illa dormit, 
quae saluti publicae | Rebusque nunquam dormivit comunibus, | Loysa . . . 

34. Pietas, fidesque prisca, pertinax amor | Recti . . . (14). 

35. Quiescit isto, rapta per invidiam deüm, | Loysa tumulo, nota 
super sydera (9). 

36. Isto Loysa diva sub tumulo iacet, | Pietate magnos ac meritis 
equans deos (4). 

') Oeuvres fran^oises publ. p. L. Lacour. Paris 1856 (Bibliotheque Elze- 
virienne). In der Handschrift Clement Marot zugeschrieben. 

a ) Ueber Bernardinus Donatua s. Tiraboschi, Storia della letteratura italian». 
1500—1600. Lib. III cap. 2, 20, 

3 ) Noch im Todesjahre der Königin erschien eine Sammlung von Epitaphien : 
In Lodoicae Regis matris mortem Epitaphia latina et gallica. Paris: Geofroy 
Tory 1531. Der nur in wenigen Exemplaren erhaltene Druck (b. Antoine 
H6roet, Oeuvres poetiques, publ. p. F. Gohin, Paris 1009, S. LXI1) war mir 
leider nicht erreichbar. 

*) Francis Olivier, als Beamter der Königin von Navarra Kanzler des 
Herzogtums Alen^on, seit 1543 im Dienst Franz' I., nach Poyets Sturz Kanzler 
von Frankreich (1545), s.Hoefer, Biographie generale XXX V11I (1862) 637. 



I . Original from 



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— 93 — 

37. (17r:) Isto qaiescens Allobrox sub marmore j Loysa patriae 
precipuum decus (5). 

38. Jani Olivarii Audi um pontificis tumulus. — Inquiris, hospes, 
qui siem. 1 ) 

39. Der Laokoonstelle ans Plinius, Historia Nat. XXXVI 5 folgt: 
Jacobi Sadoleti de hac statua Carmen. — Ecce alto terrae e cumulo, 
ingentisque ruinae. 2 ) 

40. (19r:)Sonnetz de Petrarcque, traduictzpar Clement Marot. — 
Vous qui oyes en mes rimes le son. — pas espars, o pensöes soub- 
daines. — Qui vouldra veoir tout ce que peult nature. — Mort, sans 
soleil tu as laisse le monde. — Le premier jour que trespassa la belle. 
(Ausgabe Marots von Jannet III 148 ff., Sonnet I — V.) 

4L (21 v:) Dixain de S. G. — Robin avoit ung lopin de pain 
bis (vgl. Melin de St- Gelais I 275, Marot III 114). — Response. Ung 
jour d'hiver, Robin auprfcs du feu j Ve[o]it Marion devant luy des- 
couverte (10 Zeilen, fehlt in den Ausgaben). 

42. Dixain Cl. Ma. — Puys qu'ä la court nous voyons revenue 
(Marot III 75). 

43. Dixain Cl. Mar[ot]. — Une nonnain tres belle et en bon 
poinct | Se repentoit d'avoir laissä le monde. 

44. Huictain ddnZov. — Une mignonne en l'eage de qui[n]ze ans, | 
Soubmise aux loys sainctes de mariage. 

45. Huictain CL Ma. contre Dol[et], — Tant que vouldras jette 
feu et fum<5e (Marot III 91). 

46. Quatrain d'ung gentilhomme ä une damoyselle. — Si la 
beanlte se perist en peu d'heure . . . Response par la damoyselle. — 
Si ma beaulte doibt perir en peu d'heure . . . (Melin de St.- Gelais 
II 12—13). 

47 — 54. Auf den Sturz Po'yets: 

47. (22r:) Dixain de G. Poyet parlant. — Gloire et caquet, fardes 
d'affecterie, | De tout mon bien furent commencement. 

48. Huictain. — Des Angevins Taffect^ parroquet, | Garny d'or- 
gueil et ville ambition. 

49. Dixain. — Ung hypochrite, ayant fard6 s^avoir, | Prompt en 
babil, avare, ambicieux. 

50. Huictain. — II avoit sens, s^avoir et eloquence | Pour estre 
mis entre terrestres dieux. 

51 — 52. Translation de quatre vers latins cy apres ensuyvantz. 
— Tu t'esbahis, passant, avecques nous | Dont chaseun rit et personne 
ne pleure. 



') Der lateinische Text gedruckt mit der französischen Uebersetzung eines 
Zeitgenossen Marota bei J. Denais, Poesies de Germain Colin Bucher, Paris 1890 
S. 269. Jean OHvier war der Oheim von Francis Olivier und starb 1540 als 
Bischof von Angers. Er ist auch als lateinischer Dichter bekannt, s. Hoefer 1. c. 

*) Gedruckt in Carmina illustrium poetarum Italorum, Florentiae 1719 — 26, 
VIII 22S. 



/ ■ , ^ . I . Original ftom 



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— 94 — 

{23 r:) De GuiL Poyeto. — MirariB, viator, praeter morem | Ridere 
omnea, flere neminem (4). 1 ) 

53. De eodem. — Nobilibus, clero, plebi, legumque peritis, | Dum 
scriptis decimis mnneribusque nocet (4). 

54. De eodem. — Haec voluit tumulo, laqueo ne pendeat, addi | 
Carmina, qui sacris dis, populo hostis erat (4). 

55. De rege et Carolo imperatore. — Et pergebat adhuc 
Caroli Rex credere dictis, | Neo cavet expertos terqne qnaterque dolos 
(6). — Der Friede zwischen beiden Herrschern werde nicht von langer 
Daner sein. 

56. Blason du lut par S. 6. — lut, plus eßtimö present (Melin 
de St-Gelais I 239). 

57. Epistre. C. M. — Dieu tout puissant en repos te maintienne 
(Marot, hrsg. von G. Guiffrey, Paris 1875 ff. III 107).*) 

58. (25 r:) Epistre dö/jÄ[ov]. — Si le desir avoit este autheur j 
De mon amonr et le seul conductenr . . . 

59. (27 t :) combien est heureuse (Melin de St- Gelais I 66). 

60. (28 v:) La Transmontane a bien sondö (Melin de St-Gelais 
I 121). 

61. (30 v:) La mort d'Adonis. S. G. — Laissez la verte couleur 
(Melin de SL-Gelais I 127). 

62. (32 r:) Quatrin. — Ce n'est pas moy, mays vous, qui 
faict que je vous ame. j Ce n'est pae vous, may[s] moy, qui le mal 
en sou8tient. 3 ) 

63. Oinquin doinde. Nescio quid it amor. S. R. — Des faictz 
d'amour je n'ay point congnoissance, | Je n'ayme point, et ne suys 
point ayme. 

64. Sixain de S. R. — Je euys un rien, quant point ne me voyez, ] 
Et si suys tout, quant vostre oeuil veoit le mien. 

65. De la prinse de mons. Guillaume Poyet, chancelier de France. 
— T'esbahis tu dont point on ne souspire (Marot III 101 ). 4 ) 

66. De la mort de mons. de Langeay, messire Guillaume du 
Baillay. — T'esbahis tu dont si fort on souspire [ Et qu'on ne rit! 
Helas, qui s^auroit rire (4). 5 ) 

! ) Marots Uebereetzung dieser Verse *. unter Nr 65. 

2 ) Die Zuweisung dieses in der Hs. Soiasons 1S9B anonym überlieferten 
Gedichtes an Marot, zu der Guiffrey innere Gründe führten, wird durch die 
neue Handschrift bestätigt. 

8 ) Vgl. Melin de St-Gelais III 97. 

*) In den Ausgaben Marots unter dem Titel D'un glorieux emprisonnS, 

?ris du latin. Die wertvollen Angaben des Palatinus mit der Beziehung auf 
oyet gestatten aueh eine genauere Datierung des Epigramms, das zu den 
letzten Marots gehört (Poyets Verhaftung am 2. Ang. 1542). vgl. Nr 51— 52. 

5 ) Guillaume du Bellay, Heerführer und Staatsmann Franz' 1., Verfasser 
wichtiger Memoiren, starb am 9. Januar 1543, s. die Monographie von V.L. 
Bourilly, Guillaume du Bellay, seigneur de Langey, Paris 1905. Das Gedicht 
ist eine Variation des vorhergehenden, indem Du Bellay als Vamy dt totis 
et de nul Vennemy Poyet, dem amy de nul et ennemy de tous, gegenüber- 
gestellt wird. 



[ . Original ftom 



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— 95 — 

67. Dixain de S. G. — Un jour que Madame dormoit (Melin de 
SL-Gelais I 272). 

68. Quatraio. — Je n'aur[o]ys point ä bien choysir failly, | Si 
je eusse eu l'oeil au coenr comme au visaige. 

69. (33 r:) Eclogue en petit traitö, intitule l'epitaphe d'Adonis, 
mise en parapbrase fran?oise du grec de Theocrite. — C'est Adonis, 
pour lequel je lamente, | Las, il est mort, Adonis le tant beau (Bion, 
Epitaphium Adonidis). 

70. (37 r:) Epistre de Cl. Marot pour inviter les dames de la court 
ä chanter les psaulmes de David en fran$oys. — Quand viendra le 
sifecle dor6 (Marot IV 64). 

71. (38 r:) Epistre — Je s$ay tres bien qu'ane divinite, j Une 
grandeur, une felicitö (24). — Response. Nous avons faict comme 
le paintre saige, | Lequel voulant s^avoir si son ouvrage (24). 

72. (39 r:) Epigramme. — Ce qu'on desir est une voluptd, | Comme 
menger et boire necessaire (8). 

73. Les adienx des dames de la court au Roy ;i son partement 
de Lion pour aller ä la guerre contre l'empereur en Provence. — 
A vous, Seigneur, qui nous voules laisser. 1 ) 

74. (40 v:) A une ä qui on donna ung libre de receptes pour 
ayder la beaulte. — Ne faictes point de ce libvre lecture, [ Pour 
plus parfaicte en beaultö devenir (8). 

75. (41 r:) A une qui portoit le bleu. — Tant que le bleu aura 
non loyaulte (Marot III 63). 

76. Amour et moy et celle que j'entends | Avons jure et ensemble 
promis (12). — Randnote von anderer Hand : XII [Douzain] Borderie. 2 ) 

77. Response de la chanson: Plus ne suys ce que j'ay estö (Marot 
III 85, Epigr. 213). — Pourquoy voules vous tant durer (I.e. Epigr. 215). 

78. D'une dame trouv^e au lict. — Tu as vaineu, amour, que 
tant on prise, | D'une qui a le non d'honneste et belle (10). 

79. D'une mal contante de son amy. — Pour aller ailleurs tra- 
cassant, | M'avez faict tort de me laisser (8). 

80. A une dame rigoreuse. Que ferois tu pis a ton grand 
ennemy, j SM! estoit mys et libvr^ en tes mains (10). — Response 
de la dame rigoreuse. Envers celuy qui me faict guerre ouverte, | 
S'il est vaineu, j'useray de pitie (10).. 

81. (42r:) Madame la princesse de Nau[arre?] parle de son 
mesnage. — Voicy mesnaige accomply et parfaict, | Comme chaseun 
en sa maison Tordonne (8). 

82. Dixain. — Pour messe ouyr en la Sainte chapelle, | Je m'estois 
mis ung petit ä Tescart. — Randnote von anderer Hand: Souillat. 

») Dasselbe Gedicht in der Hs. Paris Bibl. Nat. fr. 1700. Als Verfasser 
wird dort Cardinal Tournon genannt, s. E. Picot, Les Fran^ais italianisants 
au XVl e siecle, Paris 1906, I lüSff. Picot gibt die ersten Verse wieder und 
bezieht das Gedicht auf die Ereignisse des Jahres 1525. 

2 ) La Borderie, der Schiller Marots und Verfasser von L'amie de cour 
(1542)? 



■ I . Original from 



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— 96 — 

83. Dizain perdu au jeu. — Dizain heureux, vous n'estes plus k 
moy, | Heureux vous tiens d'avoir changä de maistre. 

84. (43 r:) Chanson. — Daphnis a la chasse s'en va, | Ainsi 
comme il avoit d'usaige (32). 

85. Enigme. — Ung bon esprit, quand le beau jour l'esveille 
(Bonaventure Despcriers I 89). 

86. (45 v:) Epygramme pris de Claudien et traduit par S. Gelais. 

— bien-heureux qui a pass<$ son aage (Melin de St-Gelais I 63). 

87. (46 v:) Blason d'une nuict. — doulce nuict, o nuict heureuse 
et belle, | Digne que jour et clartö je t'appelle (34). 

88. (47 v:) Huictain. — Tu es fol painctre, ce me semble, | D'aller 
si loing pour la portraire. 

89. II est plus de sorte d'aymer (Melin de St-Gelais II 43). 

90. Si Ton me monstre affection (Melin de St-Gelais II 44). 

91. (49 r:) De gli occhi. Donna, l'ardenti stelle. — De le gancie. 
Per la vezzosa, eterna primavera. — De la bocca. Ben e possente 
la vivace fiamma (Girolamo Mueio, La bella donna, canz. 4 — 6).*) 

92. (52 v:) Traite de Theocrite, intitulö l'epitaphe de Bion. — 
Bion est mort, o vous fleuves courans, | Et vous buissons, soyez en 
souspirans. (Pseudo-Moschos, Epitaphium Bionis.) 

93 — 96. Uebersetzungen aus Theokrit. 

93. (56 v:) Chant nuptial du mariaige d'Helaine, tourn^ de Theocrite. 

— En la cit6 partout si renoramöe, | Qui fut jadis Lacedemon nommee 
(Idyll XVIII). 

94. (58 v:) Traictä de Theocrite, intitulö La quenouille. — Que- 
nouille, invention divine, | Qui de Pallas prens origine (Idyll XXVIII). 

95. (59 v:) Petit traicto de Theocrite grec, intituld Hylas, mys en 
fran$oys. — Quiconque soyf celluy d'entre les dieux, | Qui engendra 
ce tiran furieux (Idyll XIII). 

96. (61 v:) Traicto de Theocrite, intitulä L'amoureulx. — Au 
temps pass<5, il fut ung personnaige | Si amoureulx qu'on n'eust sceu 
d'avantaige (Idyll XXIII). 

97. (64 r:) De Helide Carmen Sangelasii. — Helis Pompilii furoris 
ardor (Melin de St-Gelais II 304). 

98. Aliud de Helide Carmen Bezaej. — Helis quod speculo 
multumque diuque retenta (Beza, Juvenilia, 1548, Elegia XII). 

99. (65r:) Carmen incerti authoris. — Pauper erat, fieri vult dives, 
cogitat unde (10). 

100. Aliud incerti authoris. Fama volat mammas olim caruisse 
papillis (8). — Gallica versio. Au temps passö n'avoit ad ce qu'on 
dict | Femme au tetin le rouge boutonnet (13). 

101. Dixain. — Ha, ha, monsieur, disait ung gros sotart j A son 
voisin, le curö d'ung tel lieu. 

Die auf Bl. 47 v stehenden Gedichte (S8— 90) werden auf Bl. 48 v (Beginn 
der zweiten Lage) wiederholt. 

a ) Rime diverse del Nutio, Vinegia 155!, Bl. 4 — II; über den Dichter 
s. Tiraboschi, Storia della letteratura Ital., 1500—1600. Lib. II cap. 1, 34. 



I ( Original from 

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— 97 ^ 

102. Vous qui porte z pour chose fort nouvelle | Ung aneau d'or 
h l'aureille percee (10). 

103. Quand tn me voys avoir melancholie | Et plus pensif que 
ne me souloys veoir (10). 

104. Autant qu'homme qui soyt au monde, J Ce paintre est expert 
en son art (10). 

105. (66 r:) Ung advocat consoloyt une femme, | Que quelque 
fol avoyt injnriee (10). 

106. Les jours passez, je voyoys une troupe | De pauvres gueux 
ä la porte d'ung riche (12). 

107. A ce matin, me com plant d'ung proers, j Que tu as eu en 
court de pari erneut (12). 

108. Martin menoit son pourceau eto. — Marti num comitatur Alis, 
porcamque vicissim | Ad propius dueunt (lata per arva) forum (der 
französische Text bei Marot IU 16). 

109. Epistre de Paris ä Helaine. — Paris, le fils de Priam, 
roy de Troye, L'heur et salut, fille ä Leda, t'envoye (Ovid, 
Heroides XVI). 

110. (74 r:) Non mirum est Parmam nostros petiisse rebelles. 
| His opus est parma, qui minus ense valent. (6). — Der Gegen- 
stand des politischen Gedichtes ist der Streit Ottavio Farneses und 
Philipps II. von Spanien um das Herzogtum Parma, der am 15. Sep- 
tember 1556 durch einen für den Farnese günstigen Frieden beendet 
wurde, s. T. Bazzi e U. Benassi, Storia di Parma, Parma 1908 
8. 179 ff. 

111. Le balladin. — Verrav je poinet ä mon grä bien danser 
(Marot I 107). 

112. (77 v:) Puys que je voys que tant plus je m'efforce | Couvrir 
l'ardeur que je porte en mon cueur, | Et plus le feu se ralume et 
renforce . . . Randnote von anderer Hand: Salel. 1 ) 

113. (79r:) Sainct Gelais. — Si je le doy, jamais en ce mortel 
sejour, | L'attente de ma mort ne me soit que d'un jour. . . 

114. Sainct Gelais. — que d'ennuv ü mes yeulx se presente 
[Melin de St-Gelais II 182). 

115. (80 v:) Sainct Gelais. — Puys que vi vre en Servitute (Melin de 
St.- Gelais II 215). 

116—118. Gedichte auf den Tod Guillaume BudiSs. 5 ) 

116. (81 v:) Epytaphium Budaei. — Quis jacet hie, quem tanta 
virura comitata Corona est? (8) 

117. Qui est ce corps qu'un si grand peuple suyt? (Melin de 
St.- Gelais I 120) 

118. Eiusdem. — Cuius id est tanta comitatum plebe cadaver (8). 

») Hugues Salel, der Uebersetzer der Iiiaa (1545)? 

*) Von den vielen Gedichten, zu denen der Tod Bud^s (1540) Anlaß gab, 
hat sein Biograph Louis Le Roy eine Auswahl mitgeteilt, unter ihnen auch 
das Epitaph St-Gelais' (117), s. Ludovicus Regina, G. Budaei vita, Parisüs 1540, 
S. 49 ff.: Doctornm hominum Epigrammftta in laudem Budaei. 

Beiheft 46. 7 



I Original rrom 

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— 98 — 

119. Distique faict par feu mons. de Langey 1 ) de la lictiere en 
la quelle esterent Tempereur et le Roy de France ensemble incontinant 
apräs l'appoinctement faict ä Madrit. — Una rapit lectica duos quibus 
antefercndis | Unius imperium non satis orbis erat. 

120. Aultre distique faict par le s|eigneur] de Langey d'une 
ymage de marbre de Venus presentee au Roy. — Sic faciera, sie illa 
oculo8, sie ora gerebat, | Que Venus Idalie constitit ante Parim.*) 

121. (82 r:) Epitaphe de Clement Marot. — Mort pour revivre, 
a mis en terre icy Clement Marot de Cahors en Quercy (14). 

122. D. B. — l'ng jour dliyver, Robin tout esperdu (Marot 
III 86). 

123. D. B. — Eslre ä bon escient, donc, ma dame, | Que vous 
parlez? Car par mon ame (20). 

124. D. B. — Estant tout prest de nie niettre en chemin, j.Desja 
monte, Amour vint au devant (10). 

125. D. B. — Helas, fault il que pour ung fault [!] rapport | Je 
soys absent de vous, mon henr, mon bienV (12) 

l ) Guillaunie du Bellay, seigneur de Langey s. die Anm. zu Nr 66. 

2 Eine Statue der Venus war, wie aus einem Aktenstück hervorgeht, 
. de Mont&iglon, Archives de l'art fran^.ais IX (1857) S34, veröffentlichte, 
Franz I. 1531 von einem venezianischen Edelmann Ange Gabriel geschenkt 
worden. Auf diese Statue bezieht Montaiglon, Archives de l'art fran^ais XI 
(1858) 77, drei Epigramme M&rots (Ausgabe von Jannet III 14—16) und schließt 
aas dem letzten, De la Statue de Venus endormie, daß das Geschenk eine 
Darstellung der liegenden Göttin war, die schlafend den Apfel in der Hand 
hielt. Gleichzeitig oder einige Jahre früher hatte Franz eine andere Venus- 
statne aus Italien erhalten. Der Geber war diesmal Lorenzo Orsini, bekannter 
als Renzo da Ceri, ein italienischer Kondottiere, der zuerst im Solde Venedigs 
und des Papstes, später bis zu seinem Tode (lö3t>) Parteigänger Franz' I. war 
und an der Verteidigung Roms (1527) hervorragenden Anteil hatte (s. Michaud, 
Biographie univers. XXXI 420). Diese Statue maß allgemeine Bewunderung 
erregt haben: Beza hat ihr ein Gedicht seiner Juvenilia, De Venere mkrmorea, 
regi donata a Renzo equite, gewidmet und der pariser Theologe und Kanoniker 
Germain Brice einen ganzen Zyklus von zehn Epigrammen, darunter ein 
griechisches: De Venere marmorea Francisco Regi ab Renzo equite donata, 
ad eundem Franciscum Regem eiusdera Brizii epigrammata diversa (Germani 
Brizii eleemosynarii regii gratulatoriae quatuor . . . epistolae. Pariaiis 1531); 
Neudruck der lateinischen Gedichte in den Delitiae c. poetarum Gallorum, coli 
Ranutio Ghero, 1609, I 764, II J 598; in den Carmina illustr. poetarum Italorum, 
Florentiae 1719—26, I1 19 gehen zwei Epigramme des Brixius unter dem 
Namen des Hieronymus Baibus; biographisches s. Hoefer, Nouv. biographie 
univers. IV 23», VIT 372. Aus den Angaben des Brixius, der mit dem Hofe 
in Verbindung stand und die Statue sicher gesehen bat, läßt sich entnehmen, 
daß sie eine aufrechte Venns mit dem Apfel in der Rechten darstellte und 
in Schloß Amboise an der Loire Aufstellung' gefunden hatte. An diese Statue 
einer idalischen Venus hat Dn Bellay sein Distichon gerichtet, und auch die 
beiden ersten Epigramme Marots möchte ich auf sie beziehen, um so mehr 
als das erste, Oeste dt?. esse avec sa ronde poinme, in dem Gedankengang 
völlig mit dem Gedicht Non ego sum Cypris des Brixius Übereinstimmt. 
Der Hinweis auf die Venus Renzos, der m. W. hier zuerst gegeben wird, mag 
für die Geschichte der Statuensammlung Franz* I. von Wert sein, über deren 
Bestand wir nur dürftig unterrichtet sind, s. L. Dinner, Le Primatice, Paris 1900, 
S. 57 ff. 



I Original from 

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— 99 — 

126. D. B. — Ce forgeron, ce boiteux Valcanus, j Me vit ung 
jüur embraseer ma maitresse (10). 

127. D. B. — Vous avez tort de pleurer mon absence, | Et ne 
s^anriez vos larmes excns<5e[s] (8). 

128. (83 r:) D. B. — Or $a, ma langue, aurez vous hardiesse, | De 
dire adieu u ma dame et maitresse (8). 

129. Qui veult garder son cueur de pleurs j Et de desirs in- 
satiables (8). 

130. Sonnet de Petr. Quando'l pianeta che. D. B. — Quand le 
soleil, des Saisons l'ordonnenr, | Faict son logis avec le Thoreau 
(Petrarca, Canzoniere IX). 

131. Da premier lib. des Absolains de Bemb. Quand'io penso. — 
Quant au tourment et martire je pense j Qu'amour me donne . . . 
(Bembo, Asolani I). 

132. Carmen Bembi de morte Longolii. — Te juvenem rapuere 
deae fatalia nentes (Carmina illustr. poet. Ital. II 143). 

133. De Caesaris in Galliam adventu Julii Camilli. — Offenso 
est ausus Caesar se reddere Gallo (1. c. VI 375). 

134. Eiusdem. — Perdere quem voluit Caesar se reddidit hosti 
(1. c. VI 376). i) 

135. Sangelasü in Karol[um] 8. im[eratorem|. — Que tibi jam 
sedes, aquila, aut que regna petuntur (Mclin de St.- Gelais II 304). 

136. Epitaphium Anne, Galliarum regine et Britonum ducis[se] 
illastrissime. — Contendunt dum forte Venus, Tritonia, Juno (Melin de 
St- Gelais II 303). 

137. Epitaphe d'ung yvrogne. D. B. — Cy gist avec sa rouge 
trongne | Ung petit homme, grand vvrongne, | C'est frere Jehan, ce bon 
viellard (54). 

138. (84 v:) M. Antonii Caonii (?) Mediolanensis de eruditione 
et comparatione trium clariss. virorum Budaei, Erasmi, Alciati. — 
Die mihi, nam sylvis non tantum aut vallibus finis (12). 

139. Pasquillus et Marphorius, Romae affixus apud S. P. anno dni. 
1533. — M[arphorius:] Quid suspiras, Pasquille? (Coelius Secundus 
Curio, Pasquillorum T. 2, Eleutheropoli 1544, S. 296.) 2) 

140. (85 r:) Claudianns de sene, qui iuxta Veronam existens, 
villa sua nunquam egressus est. — Felix qui propriis aevum transegit 
in agris (Claudiani Carmina rec. J. Koch, Lipsiae 1893, 8. 223). 

141. Sonnet sur le traiettf de la paix. — Si le Roy, Tennemy et 
le peuple de France, | Pitoyable, vaineu, durement tourmentd, | A 
voulu, a requis, a desja soubhaite | Du doux fruict de la paix l'hen- 
reuse jouyssance, | Ce nous est, o Konsart, une bonne esperance,- | Que 

l ) lieber Giulio Camillo s. Tiraboschi, 1500— 1600, Hb. III cap. 5, 13, ferner 
F. Flamini, Studi di storia letteraria, Livorno 1895, S. 3 19 ff. In der zitierten 
Sammlung stehen die beiden Gedichte unter dem Namen des Joh. Thomas 
Musconius; sie fehlen auch in den Opere di Giulio Camillo, Yinegia 1552 
und 1584. 

*) üeber Curio s. Tiraboschi 1. c. cap. 5, 28. 

7* 



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— 100 — 

nous verron8 bien tost cest accord arreste (14). — Das Gedicht gibt 
die Stimmung wieder, die in Erwartung des erst nach langen Unter- 
handlungen 1 559 abgeschlossenen Friedens von Cateau - Cambresis 
herrschte. l ) 

Pal. lat. 1988. Le saint Voult de Luques. 

Pergament. 44 Blätter, Durch Verheften ist der Anfang der Hand- 
schrift in Verwirrung geraten; die richtige Folge ist, wie auch die alte 
Zählung der mit Bl. 3 beginnenden ersten Lage angibt, Bl. 2, 1, 3, 8, 9, 6, 
7, 4, 5, 10. Blattgröße 34,5 x 24 cm, Schriftfeld 22,5 x 14 cm, einspaltig 
zu 25 Zeilen. Buchschrift aus dem Anfang des XV. Jahrhunderts, 
einspaltig zu 25 Zeilen. Kapitelanfänge mit Miniaturen, Rubriken und 
großen Initialen; innerhalb des Textes kleinere Goldinitialen, bunte 
Zeilenschlüsse. — Alte Sign. 1245, 1830. Eine deutsche Inhalts- 
angabe, „Inhalttang dieses buechs u (2. Hälfte des XVI. Jahrhunderts), 
die lose beiliegt, schließt der Verfasser, wohl ein heidelberger Biblio- 
thekar, mit den Worten : In summa non credoJ) 

Die Verehrung, welche die nach der Legende von Nikodemus ge- 
schnitzte und von Engelshand durch Zufügnng des noch fehlenden 
Antlitzes (volto santo) vollendete, später in den Dom von San Martino 
in Lucca gelangte Darstellung des Gekreuzigten in Frankreich genoß, 3 ) 
hat auch in der altfranzösischen Literatur Ausdruck gefunden. Das 
bekannteste der ihr zugeschriebenen Wunder, die Erzählung von dem 
Spielmann, dem das Kruzifix als Lohn für sein Spiel einen silbernen 
Schuh zuwirft, eine Variante zu dem Tumbeor Nostre Dame, hat 
ein nordfranzösischer Dichter des XIII. Jahrhunderts in Verse gebracht. 4 ) 
Im XIV. Jahrhundert erscheint eine Prosaerzählung von der Herkunft 
und den Wundern des Volto Santo unter den Legenden, die als Fetes 
nouvelles in einzelnen Handschriften Jean de Vignays Uebersetzung 
der Legenda aurea angefügt sind. 5 ) Als Verfasser dieses Legenden- 

l ) Auch die Widmung an Pierre Ronsard, damals das anerkannte Haupt 
der neuen Dichterschule, spricht gegen eine frühere Datierung und eine Be- 
ziehung auf den Frieden von Cr6py (1544). 

') s. oben S. 18. 

•) Von der umfangreichen Literatur Über den Volto Santo di Lucca er- 
wähne ich nur die ausführliche Monographie von Almerico Guerra, Storia del 
Volto santo di Lucca, Lucca 1881; neuere Arbeiten, insbesondere die 
6. SchnUrers, sind zitiert von E. Lazzaretscbi, Archivio storico italiano XLV 
(1910) 94, vgl. auch die Festschrift für G. von Hertling, München 1913, S. 96. 
— Ueber die Verbreitung des Volto Santo -Kultes in Frankreich s. Guerra 
S. 1 77 ff.; zahlreiche Erwähnungen des Saint Voult in der altfr&nzüsischen Literatur 
verzeichnet Godefroy, Dictionnaire de l'ancienne langue frangaise VIII 152, 298; 
W. Förster, Romanische Forschungen XXIII (1907) lff., ferner die Zeitschrift 
für roman. Philologie XXXII (19u8) 458, XXXIII (1909) 7b, 726. 

4 ) Ausgabe nach der einzigen, toriner Handschrift mit für die Geschichte 
der Legende wichtiger Einleitung von W.Förster, Le saint Vou de Luques, 1. c. 

■') Es sind mir folgende Handschriften bekannt: Paris, Bibl. Nat. frang. 
184, 24», 416 (s. P. Paris II 88, 25Ö, IV 33), Genf Bis. fr. 57 (s. Senebier, 
Catalogue rais. des manuscrits conserves dans la Bibliotheque de la ville . . . 



I . Original from 



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— 101 — 

zyklns nennt eine Genfer Handschrift J ) den Karmeliter Jean Golein, 
der als Lehrer an der pariser Universität und Uebersetzer lateinischer 
Werke im Dienste Karls V. bekannt ist. Er starb in Paris 1403.*) 
Goleins Vorlage war die lateinische Volto Santo-Legende, die, in Lncca 
kompiliert, seit dem XIV. Jahrhundert in Handschriften überliefert ist. 
Ihren wesentlichen Teil bildet der ältere, einem Augenzeugen, dem 
Diakon Leboinus, zugeschriebene Bericht von der Translation des Volto 
Santo nach Lucca (i. J. 849); ihm folgen Aufzeichnungen der Kleriker 
von San Martino verwertende Berichte von Wundern des Kruzifixes, 
von denen das letzte, 1334 zeitlich fixiert, die späteste Grenze fflr die 
Entstehungszeit der Sammlung bietet. Eine kurze Einleitung, die 
vielleicht erst der Uebersetzung zugefügt wurde, berichtet von Niko- 
demus und der Entstehung des Bildes. 3 ) 

Die Uebersetzung Goleins, von den tlbrigen Legenden der Fetes 
nöuvelles losgelöst, liegt im Palatinus vor. Der Buchschmuck, vor 
allem die Miniaturen, geben der Handschrift eine ihren textlichen 
Wert weit überragende Bedeutung. Mit soviel künstlerischem Aufwand 
ist wohl in keiner anderen Handschrift das Bild von Lucca ver- 
herrlicht worden. Nicht weniger als 27 farbenprächtige, die größere 
Hälfte des Schriftfeldes einnehmende Miniaturen illustrieren den in 
schöner, großer Bnchschrift geschriebenen, mit zahlreichen Initialen ge- 
schmückten Text. Eine schmale, von farbigem Streifen begleitete Gold- 
leiste umrahmt die Miniaturen und dient, isolierte Blattranken tragend, 
zur Verzierung des Randes. Während Initial- und Randschmuck ganz 
in dem französischen Stil der Zeit gehalten sind, erscheinen in den 
Miniaturen fremde, wohl italienische Einflüsse, die vielleicht durch die 
Vorlage bedingt waren. 4 ) 



de Genäve, Geneve 1779, S. 318, ferner H. Aubert, Bibliothcque de l'Ecole 
des chart es LXX, 1909, S. 480), Brüssel Bibl. r ovale 3422 (vielleicht auch 3423, 
s. Van den Gheyn, Catalogue des manuscrits V 394 ff.). 

l ) lv (Table): Cy apres tfcnsuivent les intitulations des Festes nöuvelles, 
translaUes de latin en franfois par tres excellent docteur en theologie, maistre 
Jehan Qolein de Vordre de nostre Dame du Carme — , s. Senebier, Aubert 1. c. 
In der Hs. Brüssel 3423 lautet der Anfang: . . . ces histoires ont esU trans- 
lateez par ung maistre en theologie de Vordre de Nostre Dame du Carme (nach 
Van den Gheyn 1. c); die Pariser Handschriften geben keinen Verfasser an. 
Die Zagehörigkeit der Legende des Saint Voult zu dem Zyklus der Fetes 
nöuvelles, die in der Genfer Handschrift nicht ganz klar ist, wird durch die 
anderen Handschriften zweifellos, in denen unsere Legende den Schluß der 
neuen Legenden bildet oder wie in der Brüsseler Hs. 3422 in ihrer Mitte steht. 

a ) Ueber Golein vgl. L. Delisle, Recherche« sur la librairie de Charles V, 
Paria 1907, I 94. 

*) Von der lateinischen Legende sind bis jetzt nur Teile gedruckt, s. unten 
S. 103 f.; über italienische Uebersetzungen s. S. 104 Anm. 

«) Miniaturen haben auch die Hss. Genf »7, Paris 184, Brüssel 3422 (die 
Aufzählung bei Van den Gheyn 1. c. 3% zeigt gegenständliche Berührungen 
mit dem Palatinus). Zur Ikonographie des Volto Santo sei bemerkt, daß 
die Darstellung im Palatinus von der traditionellen sich nicht erheblich unter- 
scheidet Der Gekrenzigte ist mit einem langen, schwarzen, goldumsnuniten 
Aermelgewand bekleidet, ein mit Edelsteinen besetztes Goldbaud umgürtet 



I . Original from 



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— 102 — 

Für die Geschichte der Handschrift wichtig ist das der Legende 
vorgeheftete Widmungsblatt. Eine Miniatur zeigt einen Mann und 
eine Frau (oder Jüngling?) zu beiden Seiten eines Altares kniend, 
auf dem der Volto Santo sich erhebt, darunter die Bitte: Vous qui 
cestui Uvre lisicz, | Ou il a maint enseignernent, | Je vous pri que 
pour moy priez, \ Qui Vny donnt dcvotenieut. Es folgen zwei Wappen : 
links, unterhalb des Stifters, ein wagrecht geteilter Schild mit 
silberner (oberer) und roter (unterer) Hälfte, rechts auf dunkelblauem 
Schildfeld sechs goldene Aehrenpaare in der Anordnung 3, 2, I. 
Das letzte Wappen ist das der aus Lucca stammenden und in 
Nordfrankreich und in den Niederlanden -ansässigen Kaufmannsfamilie 
der Rapondi. Von ihren für die Herzöge von Burgund tätigen An- 
gehörigen hat der durch seinen Reichtum berühmte Dino Rapondi 
Philipp dem Kühnen und Johann dem Unerschrockenen als Bankier 
und Diplomat wichtige Dienste geleistet, aber auch durch Besorgung 1 
oder Schenkung kostbarer Handschriften der Bücherliebhaberei seiner 
Gönner gedient. In Dino wird man den Besitzer der Legende des 
Wunderbildes seiner Vaterstadt am ehesten vermuten dürfen. Indessen 
hat auch sein Verwandter Jacques Handschriften an den burgnndischen 
Hof verkauft oder ihre Ausführung geleitet. 1 ) Das erste Wappen ist 
seiner Einfachheit wegen weniger leicht eindeutig zu bestimmen. 
Wahrscheinlich ist es daß Stadtwappen von Lucca, der Heimat der 
Rapondi und der Legende. 2 ) Eine verschiedene Malweise, kleine 

die HUfce und geht bis zum Saum des Kleides herunter. Die Brust ist mit 
einem großen Goldkreuz geschmückt. Der bärtige Kopf trägt eine Goldkrone, 
das braune Haar fällt laug auf die Schultern herab. Nur die Häode sind an- 
genagelt. Unter dem rechten, mit kreuzweisem Band versehenen Fuß steht 
ein goldener Kelch; der linke trügt den silbernen Schuh, während der rechte 
gemäß der Spielmannslegende unbekleidet sein soll. Das blaue Kreuz ist 
von dem lilienartig endenden Goldreif umzogen, der fllr die Darstellungen 
des Volto Santo charakteristisch ist. Den Hintergrund bildet meist eine rote, 
mit zahlreichen, symmetrisch verteilten Goldkreisen bedeckte Fläche. Vergl. 
z. B. die Beschreibung des Volto Santo -Bildes in der Burgkapelle zu 
Kronberg i. T. von G. SchnUrer, Zeitschrift f. christl. Kunst XXVI (1913) S. 78 

l ) lieber Dino und Jacques Rapondi s. P. Durrieu , Hanuscrits de luxe 
executes pour des princes et des grands seigneurs fran^ais, in der 
Zeitschrift Le manuscrit II (1805) 163 ff. und Doutrepont S. 11 ff. u. ö. 
Beschreibung des Wappens bei Rietstap, Aruiorial gän£ral, 2<*° ed. 
Gonda 1884 — b", II 524, wo es indessen heißen muß: ■ . . Us dites 
paires posees 3, 2 et 1; eine Wiedergabe des Siegels, das ebenfalls die 
charakteristischen Aehrenpaare in gleicher Verteilung zeigt, bei Le Ronx 
de Lincy et Tisserand, Histoire generale de Paris, Paris et ses historiens, 
Paris 1867 S. 335. — Luccheser und^jenueser Kaufleute hatten an der Aus- 
breitung des Volto Santo -Kultus nach Norden hervorragenden Anteil. Auch 
in Brügge, wo Dino seit 1 3ö*» zumeist lebte und 1415 starb, besaßen die 
Italiener in der Kirche des Augustinerklosters eine Kapelle, in der die Luccheser 
den Volto Santo verehrten. Das Kloster wurde 157$ von den Geusen 
geplündert, die Bibliothek zerstreut; s. Guerra S. Ibl und A.Keelhoff, Histoire 
de landen couvent des Ermites de St-Angustin ä Bruges, Bruges 1S69. 

a ) Als Geschlechtszeichen führen das gleiche Wappen mehrere italienische 
Familien: die Grafen Pandolo v<m Venedig, die Giandonati in Florenz, die 



I Original from 

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— 103 — 

Unterschiede in der Darstellung des Volto Santo und in der Schrift 
sprechen dafür, daß das Widmungsblatt von anderer, aber doch wohl 
gleichzeitiger Hand stammt und erst nachträglich zugefügt wurde. 

I. Nikodemus und der Saint Voult. — Anf. 2v: Cy est des- 
cripte la legende du mint voult de Luques, Ic quel est mis et pose en 
la ffrant eglise cathrdral de Saint Martin de Luques. La quelle histoire 
est de la revelation, construccion et advenement glorieux du dit Saint 
voult en la ditte cite de Luques. Et premierement comment par la 
grace de Dieu un ange apparut a Nychodeme . . . 

Schi, lr: Et fut en teile anwe mesmes quo nostre seigneur Jhesu 
Crist fut crucifie et mort pur les juifs.*) 

Bl. 1 v, 2r leer; vorausgeht, yon der Zählung übersprungen, das 
vorgeheftete Pergament- Doppelblatt, auf dessen letzter Rückseite die 
auf die Schenkung der Handschrift bezügliche Miniatur mit Unterschrift 
und Wappen steht. 

Miniaturen. — 2v: Nikodemus fällt auf des Engels Geheiß den 
Raum, aus dessen Holz das Kruzifix geschnitzt werden soll. — lr: 
Ein Engel fügt, während Nikodemus schläft, der bis auf den Kopf 
vollendeten Statue das Antlitz Christi zu. 

IL Translationsbericht Leboins. — Lateinischer Text bei 
Guerra 299 ff. und in den Memorie e doeumenti per servire airhistoria 
dcl Ducato di Lucca. VI, Lueca 1844, 8.53 ff. 

Anf. 3r: Ci comtnenre le Ihn' Leboin dyacre, le quel est de Vin- 
rencium, revelatians, translation du saint et glorieux voult de Luques. 
Et premierement le pmlogue. — Leboin dyacre, petit scrviteur de 
Jhesucrist, a tous mes freres feaulx en la foy catholique par tout le 
monde salut en nostre seigneur Jhesucrist, atteur du salut pardurable. 
Ce que nous avons veu de uoz yeulx . . . 

Schi. 15 v: ... que se pie ou main fut blecie ou autre membre 
et ceste piecette du saint volt le touchast, tantost fast garis a l'aide 
de Dieu qui vit et regne in secula seculorum. Amen. 

Miniaturen. — 3r: Leboin und seine Zuhörer. — 8v: EJn Engel 
erscheint Bischof Galefroy. — 6v: Galefroy findet den S. V. — 7v: 
Der S.V. wird zum Meere getragen. — 4r: Einschiffung des S.V. — 
5r: Das Schiff vor Luni. — lUr: Ein Engel erscheint dem Bischof 
Jehan von Lucca. — 11 r: Jehan begibt sich ans Meer. — 12 r: Die 
Bischöfe von Luni und Lucca erblicken das von Engeln geleitete 
Schiff. — 13r: Der Bischof von Lucca übergibt dem von Luni eine 
Fiole mit dem Blute des Erlösers. — 13v: Der S. V. wird in feier- 
lichem Zuge nach Lucca gebracht. — 14 r: Die Einwohner Luccas 
ziehen ihm entgegen. 

PUstelli und Prendiparti vou Bologna, s. Th. de Kenesse, Dictiouuaire des 
fignres bcraldiques, Bruxellea lS'J-llV., V \b$ (coupe dargent sur gueules). 
Eine Verbindung dieser Familien mit den Kapondi vermag ich indessen nicht 
nachzuweisen. 

') Der ganze Text bildet eigentlich nur die Rubriken zu den beiden 
Miniaturen. 



■ I Onainal from 

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— 104 — 

III. Wander des Saint Voult. — Zwölf Erzählungen, jede mit 
Miniatur und Rubrik. Den Inhalt der fünften, achten, elften und 
zwölften hat Guerra S. 236, 339, 238, 240 wiedergegeben. Von der 
lateinischen Vorlage ist gedruckt: der Prolog bei Guerra S. 524 ff., 
das erste Wunder, die Spielmannslegende, bei Förster 1. c. S. 53 f.; 
das dritte bei Guerra S. 526 f. und in den Memorie di Lucca V 1 S. 28; 
der Schluß des letzten (Rettung des unschuldig Verurteilten von Pietra- 
lunga) bei Guerra S. 536 ff. Die übrigen Wunder sind von geringerem 
Interesse, bei allen hat der Uebersetzer sich streng an das lateinische 
Legendär gehalten. 1 ) 

Anf. (Prolog) 15 v: Jusqucs cy Leboin. Ce qui vient apres ont 
escript les renerables clers de Ja ditte eglise en doitbte de D/e«, les- 
quielx Vont sceu de vaillans hommes ou des malades maismes qui &nt 
este ffuvry ... (1 6r:) Cy cornmence a parier des miraclcs fais pur 
le saint voult — Apres ce que Leboin a descripte Tistoire du Saint 
voult, or venons aux miracles que Nostre Seigneur a voulu faire par 
le saint voult, et ce que nous en savons, en 2 ) brief ves paroles expedions. 
Car ycy vient joiensement le pueple devot de Ytalie, Hongrie, Grecs 
et Esclavons ... — Der lateinische Text bei Guerra S. 524. 

Schi. 44v: Et de ce que avint devant plusieurs gens, nous faisons 
tesmoingnage de verite a vous tous et le coramandons a Dieu. Datum. 



Pal. lat. 1989. Boccaccios Decameroii 
in der Uebersetzung von Laurent de Premierfait. 

Pergament. 30 x 22,5 cm, mit 100 Miniaturen. Alte Sign. 
C. 155. 1262. 

Auf die durch Illuminierung und Text wichtige Handschrift hat 
Paul Durrieu bereits hingewiesen, s. Comptes rendus des seances de 
TAcademie des inscriptions et belies- lettres 1909, S. 842 ff., Bibliotheque 
de l'ßcole des chartes LXXI (1910) 64 ff. Nach Durrieus Ansicht 
unter Leitung Laurents, zum Teil von ihm selbst geschrieben, gehörte 

') Ich habe zum Vergleich die Hsa. Lucca, Archivio di Stato 110 
(s. Inventario del R. Archivio di Stato in Lucca, Lucca 1872- SS, IV 346f.) 
und Yat. Reg. lat. 487 (s. A. Poncelet, C&talogus cod. hagiograph. lat 
Bibliothecae Vaticanae, Bruxellis 1910, S. 332) herangezogen; die letzte Hand- 
schrift (XIV. Jahrh.) enthält, an den lateinischen Text anschließend, eine 
italienische Uebersetzung, als deren Verfasser sich ein Krater Franciscos de 
Mediolano ordinis servorum S. Mariae nennt. Das Legendario de'sancti vulgär 
storiado des Camaldulünserabtes Niccolö Manerbi von Murano. zuerst gedruckt in 
Venedig 1475 von Jenson, welches die Legend a anrea des jacobus a Voragine 
mit neuen Legenden bereicherte, bietet auch eine Historia del Volto saneto, 
frei nach Leboinus, von den Wundern nur das bekannteste, das Spielmanns- 
wunder. Eine neuere Uebersetzung von Jacopo Ciuffarini soll in Lucca 15S2 
(Neudr. Pistoia ls57) erschienen sein. — Eine Handschrift der lateinischen 
Legende, 1420 in Lucca geschrieben, besitzt das Dowgvuinasinm in Magdeburg 
(Hs. 234) f s. Wattenbach im Neuen Archiv X (lsfeM 192. 

-) Hs. et 



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— 105 — 

die Handschrift Johann ohne Furcht, dem 1419 ermordeten Herzog 
von Burgund. Sie findet sich in dem 1420 in Dijon aufgestellten 
Inventar seiner Handschriften. Später im Besitz Philipps des Guten, 
verzeichnet sie noch das Inventar der herzoglichen Bibliothek von 
Brügge 1467. Ihre Spur verliert sich dann bis zu ihrem Wieder- 
erscheinen in dem Katalog der kurfürstlichen Schloßbibliothek in 
Heidelberg von 1610. Der alte, leider nicht erhaltene Einband stammte 
aus der Werkstätte Liävin Stuvaerts, eines auch sonst bekannten Buch- 
binders der letzten Herzöge von Bnrgund. 

Pal. lat. 1990. 
(Aldebrandin de Sienne:) Lien du corps k Käme. 

Pergament 136 Blätter, 34x23 cm, Schriftfeld 19,5x13 cm. 
Flämische Lettre de forme, einspaltig, 20 Zeilen. Rubriken, zahlreiche 
größere und kleinere Goldinitialen, rote and blaue Absatzzeichen ; die 
Zeilen sind rosa vorgezogen, der Schnitt ist vergoldet. Ledereinband 
der Vatikana mit dem Wappen Pius' VI. (1775—1799) und dem des 
Kardinalbibliothekars de Zelada (1779 — 1801); eine ausführliche 
französische Inhaltsangabe, die der Handschrift eingefügt ist, gehört 
gleichfalls der vatikanischen Zeit an. — Alte Sign. C. 155. 1261, 1815. 
Handschrift der kurfürstlichen Schloßbibliothek. 

Miniaturen: 7r: Gott Vater und ein Engel halten den leidenden 
Christus, dessen Füße auf der Weltkugel ruhen (16 X 13 cm). — 74r: 
Ein Fürst in einem Gemach, das Ausblick auf eine Landschaft gewährt, 
erblickt betend eine himmlische Erscheinung (12,5 X 15,2 cm). — 85 v: 
Gott in weiter Landschaft segnet Tiere und Pflanzen (12,5 x 21 cm). 1 ) — 
Die Miniaturen und der Text von Bl. lr, 86 r sind von einer breiten 
Randfüllung umgeben, die auf Bl. lr, 85 v, 86 r aus einem reichen, 
mit BiUten und Tieren belebten, kontinuierlichen Rankenwerk gebildet 
wird, während auf BL 7r, 74 r einzelne Zweige, Früchte, Blüten und 
Schmetterlinge naturalistisch mit starker Plastik und Schattengebnng 
auf goldgelben oder purpurroten Grund gemalt sind, die neue Manier, 
die nach P. Durrieu 2 ) zeitlich fixiert zuerst in dem 1483 beendeten 
ersten Band der Antiquites des Juifs (Paris, Bibl. Nat. fr. 14) auftritt. 
Der für das Wappen ausgesparte Raum ist unausgefüllt geblieben, 
nur als Vorzeichnung ist Schild und Helmzier zu erkennen. Der Stil der 
Miniaturen und des dekorativen Schmuckes, die Schrift sichern in 
Uebereinstimmung mit den nordlichen Sprachformen die Handschrift 
als Erzeugnis des flandrischen Kunstkreises gegen Ende des XV. Jahr- 
hunderts. 

l ) Die Deutung dieser Miniaturen ist nicht ganz klar. Der Text des der 
ersten folgenden Gebetes spricht dafür, daß eine Darstellung der Dreifaltigkeit 
beabsichtigt war. Eine Beziehung der zweiten Miniatur znm Inhalt ist nicht 
gegeben ; die dritte steht am Anfang des letzten Ruches, das von den Nahrungs- 
mitteln handelt. 

a ) Gazette des beaux arts. 1S91, 1 361 f. 



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— 106 — 

Von der Diätetik Aldebrandins, wie sie im Pal. lat. 1967 vorliegt, 
sind mehrere Neubearbeitungen erhalten, die das vielgelesene Werk 
den Bedürfnissen und Anschauungen einer späteren Zeit anzupassen 
suchten. Die letzte und wohl gründlichste ist die vorliegende. Sie 
ist den Herausgebern des Regime du corps 1 ) entgangen, obwohl der 
gleiche Text auch in der Hs. 318 der Bibliothek von Valenciennes 
vorliegt und von J. Mangeart 7 ) beschrieben worden ist. Für den Be- 
arbeiter, der vielleicht der am Schlnß genannte J. Markant ist, scheinen 
religiös - astrologische Anschauungen , die dem Original fremd sind, 
besonders bestimmend gewesen zu sein. Seine Ausdrucks weise ist 
weitschweifig, oft verworrep, im Gegensatz zu der Klarheit und Anschau- 
lichkeit Aldebrandins. Kürzungen an zahlreichen Stellen, besonders 
innerhalb des dritten Buches, stehen Erweiterungen durch Vorreden, 
Ueberleitungen und Gebete gegenüber; an Stelle des vierten Buches 
ist ein neuer Abschnitt (Le jugement des medechines) getreten, der 
Prognose und Therapie der Krankheiten nach dem Stande der Gestirne 
regelt. 

Anf. lr (Prologe und Register): Cy commence ce presmt livre 
intituli et appelli lien du corps a Vorne et de Vame au corps . . . 
et premierement se commenche la (!) prologue de Vacteur. — En 
contendant pour plus parfettement employer mon temps et apliqnier 
au biens parfaits tant comrae pour la 8 an et e du corps et de Tarne, 
sy me fut comrnande par la tres noble et excellente dame et contesse 
de Pronvence, mere au bon roy Loys de France et mere a la royne 
des Alemaignes et d'Angleterre, dont. moy, maistre Abrandi (!) de 
Syenne, Chevalier et champion du saint sepulcre de Jherusalem . . — 
(11 r, Buch I, 1:» En cestui premier cbapitre vous voeul moustrer et 
faire aroplement congnoistre la maniere et nature du bon air . . . 

128r: Cy commence le jugement des medechine[s]^ le quel apertiefit 
a tous medechins le congnoistre comme le nous certefye[nt] Atistote? 
Galyen, Ypocras, Avin^aine et Basis. Pour ce qne tone medechins 
doivent savoir . . . 

Schi. 135v: Sy prye a toy, 6ouverain Dien, que tu(s) donne[s] 
tousjours l'advertisement a ceulx quy ceste oeuvre regarderont . . . 
(136r:) car par vraye amour leur abandonne la science *que ycy 
s'entonne. Explicit. 3 ) 

Icy est finfi mon derrmier liv[r]c apelU lyen du cotps a Vame 
et de Vame au coips et se nommc le secret des medecines. — 
J. Markant*) 

. ! ) s. die bei Pal. lat. 1967 zitierte Ausgabe (S. 63.) 

') Catalogue des manuscrits de la bibliotbeque de Valenciennes, Paris 1860, 
S. 327. AI angeart hat auch auf die Verschiedenheit des Textes von dem der pariser 
Handschriften hingewiesen, er geht indessen zu weit, wenn er ein ganz neues 
Werk annimmt. 

a ) Der Schluß ausführlicher bei Mangeart 1. c. 

*) Ein der Handschrift vorgeheftetes Schutzblatt enthält, von anderer 
Hand geschrieben, ein Fragment der Neubearbeitung, den Schluß des zweiten 
Buches, in verändertem Wortlaut (von der Gesichtsfarbe s. Ausgabe S. 9S). 



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— 107 — 

Pal. lat. 1991. 
Yertu de la messe. — Seuse, Horloge de Sapience. 

Papier. 180 Blätter, eine alte Zählung beginnt mit Bl. 4; 
26,5x20 cm, einspaltig zn 35 Zeilen. Zweite Hälfte des XV- Jahr- 
hunderts, die Meßerklärung von anderer Hand. Rubriken, rote Initialen, 
Absatzzeichen, Strichelung der Majuskeln. — Heidelberger Bezeichnung 
Horologmm Sapientiae. Alte Sign. C. 103. 1254, 1820. 

I. Erklärung der Messe, — Das gleiche Stück wie im Pal. lat. 
1959, s. S. 46. 

Auf. lr: Cy apres s'ensuit la vertu de la messe. An commance- 
ment de la messe on ne doit nullement penser ne regarder a chose 
que on ait veue ne oye. 

Sohl, lv: Apces dit on la derriere oroison. Lors doit on prier 
et requerir les sains et les saintes, qui ne nous oblient nüe, de nous 
faire nostre besoigne envers Nostre Seigneur et de impetrer que [nous] 
puissons fere nostre sauvement 

II. Uebersetzung von Seuses Horologium Sapientiae. — 
Bl. 2r— 180 r, genau der gleiche Text wie in Pal. lat. 1973. 

Pal. lat. 1992. Jehan Dupin, Livre de Mandevie. 

Papier. 174 Blätter, 30,5x2£cm, einspaltig- zu 38— 40 Zeilen. 
Kursive des XV. Jahrhunderts. Rote Initialen, Absatzzeichen, Strichelung 
der Versanfänge. — Die heidelberger Bezeichnung Joannis du Pyn 
Visionum lib. <s, primus atttem desideratur. Item de rirtutibus üb. l. t 
cuius duae sunt partes (lr) zeigt, daß die Handschrift früher mit Pal. 
lat 1961 vereinigt war, der von derselben Hand als Virtutum lib. 1., 
omus duae sunt partes (1 r) bezeichnet wird. Beide Handschriften sind 
von demselben Schreiber geschrieben. Bereits in Heidelberg fehlte 
der Anfang der Hs. 1992, nnd zwar, wie aus der gleichzeitigen Zählung 
der Lage sich ergibt, Bl. 1 — 3 1 ); nach Bl. 4 und 151 ist je ein 
Blatt herausgerissen, BL 47—56 sind verheftet. — Alte Sig. 683, C. 71. 
1243, 1821. . 

Die Traumvision des Zisterziensers Jehan Dupin, 2 ) eine unter strenger 
Kritik der Zustände der Zeit an alle Stände gerichtete sittliche Ermahnung 
und Belehrung, ist in zahlreichen Handschriften und zwei Drucken erhalten. 
In den Angaben über die Entstehungszeit (1340) folgt der Palatinus 
den meisten Handschriften. 3 ) Ein letztes Buch in Achtsilblem. die 

! ) Ein kleines Fragment von Bl. 1 liegt der Handschrift noch bei, Anf.: 
Cy cotnmencc le prologue [du livre de] bonne vie . . . 

*) 8. A. Dinaux, Les trouveres cambresiens. 3"6cL Paris 1837, S. 156ff., 
Groeber S. 1023, Literatur bei Chevalier, Repertoire des sources hist. du 
moyen-äge, Bio-Bibliopraphie, Paris 1905-07, Sp. 2471. 

*) Die Vision beginnt: Au dejtartir de ma juenesce en l'eage de XXXVI 1 
a *w, je tstant en la char humaine ... (lr, Anf. von Buch I) und schließt: 
Quant je fu esvoilliez je me trouvay en Veage de XXXVUI ans sur le terrnc 
de la incarnacion Jf[CCC] et XL (104 v. Schi, von Buch VII). 



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— 108 — 

sechszeilige Strophen bilden, faßt als „Somme de la Vision" den Inhalt 
der sieben vorhergehenden Prosabücher zusammen. 

Anf. Ir (Vorrede): guerre en ce temps au roy d'Engleterre, tribu- 
lacion et desolacion estoit parmy le monde, et droiture estoit faillie 
en plußeure lieux. 

Schi. 174 r: A la fin de m'entencion 

Fais je a Dieu ma peticion, 

Qu'il me doint vraye sapience 

Et me face remission 

De mes pechiez et vray pardon 

Par sa tres haulte sapience. Amen. 1 ) 

Fal. lat. 1995. 
Jacques le Graut, Livre de bonnes. nioeurs. 

Pergament. 88 Blätter nach Zählung des Rubrikators, der die 
drei Blätter des Registers zuzufügen sind; 38x27 cm, Schriftfeld 
24 X 17 cm, einspaltig zu 2(> Zeilen. Schöne Lettre de forme, Rubriken, 
Miniaturen, Initialen, Intervalle, Absatzzeichen, die Zeilen mit blaß- 
violetter Tinte vorgezogen, der Schnitt vergoldet. — Alte Sign. C. 154. 
1258, 1837. Kodex der kurfürstlichen Schloßbibliothek. 

Die Handschrift, literarisch von geringem Werte, 2 ) gewinnt durch 
künstlerischen Schmuck Bedeutung. Sie ist ein Erzeugnis aus der 
Blütezeit burgundisch- flämischer Buchmalerei und stammt aus einer 
der Schreib- und Malstuben, die für David Aubert, 3 ) den bekanntesten 
Kalligraphen und Handschriftenhändler Flanderns, tätig waren, in der 
sie nach eigener Angabe 1467 im Auftrage von Guillaume Bourgeois, 
„con8eillier u und „maistre de la chambre aux deniers" des burgun- 
di sehen Hofes, geschrieben wurde, ein Jahr vor der brüsseler Hand- 
schrift des Romuleon und vor dem letzten Bande des breslauer 
Froissarts. Aus Bourgeois' Besitz scheint die Handschrift bald in die 
Bibliothek Antons, des außerehelichen Sohnes Philipps des Guten, von 
den Zeitgenossen le Grand Bätard de Bonrgogne genannt (gest. 1504), 
gelangt zu 6ein. In die Prachthandschriften seiner Schloßbibliothek 
La Roche in den Ardennen, die nun über ganz Kuropa zerstreut sind, 
hat dieser berühmte Bibliophile des XV. Jahrhunderts mit eigner Hand 
seinen Namen und die Devise Nul ne s'y frote eingetragen. 4 ) Beide 
finden sich am Schluß des Palatinus, gefolgt von einer späteren Ein- 
tragung A. de Bourgognv. Nid ne Vaprochc, die auch in anderen Hand- 

») s. P. Paris IV 179 ff. 

-) Der gleiche Text im Pal. lat. 1961. 

') Ueber Aubert s. Grüber 8. 1144, Doutrepont S. 49 u. ö. und A. Lindner, 
Der Breslauer Froissart, Berlin 1912, S. 17 ff. 

4 ) Ueber Anton als Bibliophilen s. A. Boinet Bibliotheqae de l'Ecole des 
chartes. LXVII (190*;) 255 ff., Doutrepont S. 43f. lt. ü., Lindnor S. |3ff.; über 
eine andere Handschrift aus seiner Bibliothek s. oben S. 21 ff. 



I . Original ftom 



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— 109 — 

Schriften Antons wiederkehrt und nach einer Vermutung, die zuerst 
Alwin Schultz 1 ) ausgesprochen hat, das Exlibris seines Enkels Adolf 
von Bnrgund (gest. 1540) ist. 

Etwa gleichzeitig mit dem Palatinus und ebenfalls die Arbeit eines, 
freilich begabteren, flandrischen Miniators ist eine andere illustrierte 
Handschrift des Li vre de bonnes moeurs entstanden, von der A. Boinet*) 
Kenntnis gegeben hat. Sie war gegen 1470 für den Bastard selbst 
geschrieben, kam später in die Bibliothek Karls von Croy und ist 
jetzt in nicht näher bezeichnetem pariser Privatbesitz. Ein Vergleich 
mit dem Palatinus, soweit ihn Boinets Aufsatz ermöglicht, erweist 
jedenfalls eine Zusammengehörigkeit beider Handschriften. Beide haben 
Miniaturen am Anfang der fünf Bücher, von denen die zweite, vierte 
und fünfte gleiche Gegenstände behandeln, nur mit dem Unterschied, 
daß der Palatinus mehrere Darstellungen auf demselben Bilde ver- 
einigt, während die pariser Handschrift sich mit einer begnügt. 3 ) Auf- 
fallend ist zweifellos die Aehnlichkeit bei der vierten Miniatur: Thi- 
berion (im Palatinus Marcinius) weist vor seiner ärmlichen, verfallenden 
Hütte die Geschenke zurück, die drei Boten ihm überbringen. Hier 
ist die Analogie in der Komposition, in der Darstellung der einzelnen 
Personen so weitgehend, daß sie nur durch die Benutzung der gleichen 
Vorlage oder durch direkte Abhängigkeit der beiden Handschriften 
von einander erklärt werden kann. 

Miniaturen (10 — 15x17 cm): lr: Sündenfall, Vertreibung aus 
dem Paradies, späteres Leben der Voreltern. — 84 r: Zeltlager, Kon- 
stantin erblickt im Traum das von einem Engel getragene Kreuz (links). 

— Konstantin, ein Kreuz in der Hand, mit Gefolge; ein Kleriker trägt 
ein Tabernakel in Gestalt einer Kirche (rechts). — 40 v: Sieg des 
Pompeius über den König von Armenien (links). — Pompeius gibt ' 
dem Besiegten die Krone zurück (rechts, nach Valerius Maximus V 1). 
54r: Marcinius (Thiberion) verweigert die Geschenke (links, nach Valerius 
Maximus IV 3) — Demokrit wirft seine Reichtümer ins Meer (rechts, 
nach Seneca, De Providentia VI). — Im Hintergrund, am Wege, der 
nach einer Stadt führt, Alexander und Diogenes (nach Valerius 
Maximus IV 3). — 72r: Triumph des Todes; der Tod, drei Pfeile 
schwingend, wendet sich drei Gruppen zu, die von den Fürsten (rechts), 
der Geistlichkeit (links) und dem Volke (Vordergrund) gebildet werden. 

— Als Umrahmung der Miniaturen dient der schmale, auf der Bild- 
seite von einer roten Linie begleitete Goldstreif. Der dekorative 
Schmuck zeigt den Reichtum und die Feinheit der Handschriften 
Aubert8 ; im Gegensatz zu der pariser Handschrift fehlen breite Rand- 
bordüren. 

') Beschreibung der Breslauer Bilderhandschrift des Froissart, Breslau 
1869, S. 7. 

*) I.e. S. 26öff. 

■) Die erste Miniatur ist in beiden Handschriften verschieden, die dritte 
der pariser Handschrift herausgeschnitten; eine Reproduktion der beiden letzten 
gibt Boinet 1. c. 



■ I . Original from 



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— 110 — 

Anf. (Register, drei ungezählte Blätter): Cy commence la table des 
rubrices ... 

lr: Cy commence le livre intituU de vertus et bonnes meurs . . - 
Tons orgueilleux se veulent a Dieu comparer en tant qu'ilz se glorifient 
en eulz meismes et es biens qu'ilz ont, desquelles choses la gloire 
est deue principalment a Dieu. 

Schi. 88 r: Pour quoy il appert que petit vault l'esperance de 
ceulx qui dient qne le raonde durera moult longuement. Et si n'en 
scevent que par cuidier. 

Cy fine le livre intitule de vertus et bonnes meurs, lequel fist 
grosser tres honnourable et sage Guillaume Bourgois, conseillier de 
mon tres redoubtc seigneur, monseigneur le duc de Bourgogne et de 
Brabant, et maistre de sa chambre aux deniers par David Aubert Tan 
Mil CCCCLXVIL 

Nul . ne . s'y . f rote | . ob . de bourg no . 

A | nul ne Taproche | de bourg 11 *. 1 ) 

l ) Der Schaft des b io .ob. (nach neuerer Deutung als obelus aufzulösen, 
das auf die illegitime Geburt Antons hindeutet) mit Kttrzungastrich. Auch 
sonst sind die beiden Besitzvermerke in allen Einzelheiten die gleichen, wie 
die des vierten Bandes des breslaner Froissarts, die Lindner S. 17 wieder- 
gibt, nur steht im Palatinus Über der Devise Antons noch die bekannte Schleife 
mit den Buchstaben i. n. e. (in nomine ecclesiae?), die auch die Abbildung 
S. 43 bei Lindner zeigt, s. auch ebenda S. 16, 43 und F. Winkler, Repertorium 
für Kunstwissenschaft XXXVII (1914) 56 f. 



I Original front 

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2. Die Handschriften der Universitätsbibliothek 

in Heidelberg. 1 ) 

Pal. germ. 354. Alain Chartier, Le livro des quatre dames. — 

Kürzere Stücke. 

Papier. 50 Blätter, 20 x 13,5 cm; einspaltig zu 35 Zeilen. Mehrere 
Hände, der Zusammensetzung der Handschrift entsprechend: dem ur- 
sprünglichen Teil (Bl. 1 — 44, Buchkursive des XV. Jahrhunderts) sind 
später zwei Lagen angebunden worden, die erste (Bl. 45 — 48) mit 
Nachträgen, die bereits dem Anfang des XVI. Jahrhunderts angehören, 
die zweite (Bl. 49 — 50) das Schlußfragment einer Handschrift des 
XV. Jahrhunderts enthaltend. Der Hauptteil mit Titelrubrik, roten 
Initialen und gelber Tupfung der Versinitialen. — Einband Ott 
Heinrichs: Holzdeckel mit braunem, gepreßtem Lederüberzug, des Kur- 
fürsten Bild in Goldpressung mit der Jahreszahl 1558 auf dem Vorder- 
deckel; Eckbeschläge und. Schließen. Alte Signaturen 1939, 1362; 
die heutige gab Schimmelpfennig. 2 ) Heidelberger Bezeichnung: Ein 
buech von 4 fratccn (Ir). Früher mit Pal. germ. 484 vereinigt. — 
Wilken S. 545 f. 

I. Alain Chartier, Le livre des quatre dames. 

In der Ausgabe der Werke Chartiers von A. Du Chesne, Les oeuvres 
de Maistre Alain Chartier, Paris 1617, S. 594—684, s. auch Grüber 
S. 1102. Der Palatinus bietet an einigen Stellen einen gekürzten Text. 



>) Diese Handschriften behandelt bereits F. Wilken, Geschichte der heidel- 
bergischen Büchersammlungen (1817) S. 545 f. Eine erneate Beschreibung ist 
gerechtfertigt, auch abgesehen davon, daß die ältere an einer dem Komaofaten 
kaum bekannten Stelle steht nnd die altfranzüsischen Handschriften Heidel- 
bergs deshalb bisher völlig unbeachtet geblieben sind. Wilkens Angaben 
sind nämlich nur für Pal lat. 1U69 einigermaßen zutreffend, sonst aber ganz 
unzureichend oder irreführend. Daß Pal. germ. 354 und 484 Gedichte Alain 
Cbartiers enthalten, ist nicht erkannt. Pal. germ. 484 soll eine „Französische 
Uebersetzung von des Boethius Tröstung der Philosophie" sein; von den Frag- 
menten des Pal. germ. 354 ist das erste als „Ein scherzhaftes Liebesgedicht - , 
das zweite als „Bruchstück eines französischen Gedichts, wie es scheint, einer 
Hymne an die Mutter Gottes" charakterisiert. 

*) s. Einleitung S. 27. 



I . Original from 



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— 112 — 

Anf. lr: Cy commancc le livre des quatrc dames. 

Pour oublier merencolie, 
Et pour faire chiere plus lie, 
Ung doulx matin aux champs yssi, 
On mois de may qu'amours ralie 
Les euere, et la saison jolie 
Fait cesser ennuy et soussi; 
Et alay tout seulet ainsi, 
Que Tay de coustume, et aussi 
Marcbant l'erbe poignant menue, 
Qni toute la terre tyssi 
Dea eatranges couleurs, dont si 
Long tempa Pyver ot estö nue. 

Schi. 44 r: De moy mettre en vouatre servi6e, 

Faictes du voustre ä voustre guise. Explicit. 

IL Gedicht in Briefform. 

Ein junger Dichter wendet sich an einen Meister, den er als 
großen Dichter verehrt, und bittet ihn, die eigene Unwissenheit be- 
klagend, um Förderung durch Belehrung und Kritik. 17 Strophen 
von wechselndem Bau und zwar Strophe 1 — 7 und 17 in Zehnsilblern, 
Strophe 12 — 16 in Achtsilblern, mit der Reimfolge ab ab bebe; die 
Strophen 8 — 11 mit den Reimen aabaabbbcbbc, davon die ersten 
Strophen in Achtsilblern, die Viersilbler umschließen, die beiden letzten 
in Zehnsilblern. 

Anf. 45 r: Avant que j'aye ose la plume prendre 
A vous escrivre aueun petit dictier, 
•Tay differc long temps, car l'entreprendre 
Me sembloit fort, veu que Ten me dist hier 
Qu'en France n'a plus expert plus entier 
Que vous, mon maistre, ou en rime ou en prose; 
Neant mains en fin me suys mis au sentier. 
Fol hardi fait, ce que le couart n'ose. 

Schi. 47 r: Quant doit amant plus vrayement amer, 
Apres le fait ou devant que jouyf? 

III. Aus dem lateinischen Briefwechsel zweier französischen 

Humanisten. 
Ein Briefschreiber dankt für die Zusendung von Versen und ver- 
teidigt die Franzosen gegen den Vorwurf, daß sie andern Nationen, 
besonders den Italienern, in der Nacheiferung antiker Sprachknnst 
nnd Beredsamkeit nachstünden. Er schließt mit der Ankündigung 
seiner Rückkehr jenseits der Alpen {noslrum Irans Alpes reditum 
speckt) und der Widmung eines zehn Verse umfassenden, an die 
Pastoraldichtung sich anlehnenden Gedichtes. 



I . Original from 



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— 113 — 

Auf. 47 v: Responsio. Ja. ad 1 ) ... Tuas, quisquis es, nostrorum 
facundissime, in te landes retorquere decenter, et que ingenioli nostri 
modica magnificasti ad exaratum sermonem tuum, simul et eloquencie 
gravitas et intelligencie tue magnitudo compellunt. 

48 r: Versus. Nostra licet tremulis resonet compacta cicutis | 
Fistula .... (Vers 9:) Precipites hominum casus fortuna revolvit, | 
Virtuti assidue premia tuta patent. 

IV. Jehan Chapuis, Les sept articles de la foi. 

Ueber dieses im Anfang des XIV. Jahrhunderts entstandene Gedicht, 
das auch als Tresor, Testament und Grand codicile in zahl- 
reichen Handschriften verbreitet war und ohne Grund Jehan de Meun 
zugeschrieben wurde, s. Gröber S. 868 f.; Abdruck in Meons Ausgabe 
des Roman de la rose, Paris 1813, III 331 ff. Der Palatinus gibt 
nur den Schluß mit starker Kürzung, entsprechend Meon V. 1377 — 1403, 
1464—75, 1600—23, 1584 — 95, 1608—19. 

Anf. 49 r: Et qui a bien fait, si le port, 

Et qui mal, tiengne soy pour mort, 
Gar sa roe ton[t] droit tonrra. 

Schi. 50 r: Et pour ce, dame debonnaire, 

Que je ne me puis de tout taire 
De toy loer, et si ne puis 
Toutes tes loenges retraire, 
Te pri je qu'il te vueille plaire 
A prendre en gre ce que j'en puis; 
Car je croy vraiement que puis 
Que mon euer ne puet de ton puis 
Sachier tout ce qu'il en veult traire, 
Que les coipeaux et les chapuis 
Prendras en grä que j'en chapuis, 
Car ce te piaist c'on en puet faire. 

Pal. denn. 484. 

Alain Chartier, L'espärance ou la consolation des trois vertue. 

Papier. 124 Blätter, 20x14,5 cm; einspaltig, meist 28 Zeilen. 
Bnchkursive des XV. Jahrhunderts, rote Initialen und Absatzzeichen. — 
Einband Ott Heinrichs mit der Jahreszahl 1558, wie. Pal. germ. 354. 
Alte Signaturen 1904, C. 95; die heutige ist noch die Schimmelpfennigs. 
Die heidelberger Bezeichnung: Von glaub&i, verstentniss, hoffnung vnd 
den vier frawen (lr) zeigt, daß mit der Handschrift ursprünglich der 
Pal. germ. 354 vereinigt war und wohl erst beim Neueinband (1558) 

') Von dem folgenden Wort sind die beiden ersten Bachstaben durch 
Korrektur unleserlich geworden; erkennbar Ist ..kern (Jobannem?). 

Beiheft 46. 8 



1 1 . Original from 



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— 114 — 

abgetrennt wurde. Von vatikanischer Hand ist das Rückenschild: Gallig 
Erudition[e8] et earum explicatio. — Wilken S. 546. 

Alain Chartier, L'Esp^rance ou consolation des trois 
vertus, c'est ä s$avoir Foy, Esperance et Charit«*.. Aasgabe von 
Dn Chesne 8. 261—390; VcirgL Gröber S. 1103 f. 

Anf. lr: Ou dixiesme an de mon dolent exil. 

Apres maint deul et maint mortel peril 
Et lez dangiers qu'ay jusquez cy passes, 
Dont j'ay souffert, graces a Dieu, asses, 
N'a pas gramment es croniques lisoye, 
Et aux hanlx fais des anciens visoye, 
Qui au premier noble France fonderent. 

Schi. 124r: Sur tont prens pour confirmation V alere, qui te dit 
par arrest que lez seignouries anciennes furent tonsiours astablez 1 ) 
tant comme ilz servirent et sacrifierent deuement a divinite. Finis. 



Pal. lat. 1969. 
Guillaume de Digulleville, Pölerinage de vie humaine. 

Pergament. 84 Blätter, eine gleichzeitige Zählung zählt bis 94, 
indem sie von 79 auf 90 springt; 29,5x20,5 cm, Schriftfeld 
22,3x15,5 cm; zweispaltig, 45 Zeilen. Sorgfältige Buchschrift der 
Mitte des XIV. Jahrhunderts; Versinitialen vorgerückt mit gelber 
Tupfung. Als Interpunktionszeichen dient der Punkt am Versende. 
An einigen Stellen spätere Besserungen und Nachträge. Die Sprache 
zeigt nordfranzösische Eigentümlichkeiten, die dem Schreiber zuzuweisen 
sind. — Alte Sign. 1924, C. 105. 1255, 1822. Heidelberger Bezeichnung: 
Peregrinatio vitae human$ ( 1 r). — Wilken S. 545. 

Unter den zahlreichen Handschriften der Dichtungen Digullevilles 
sind nicht wenige durch prächtige Buchmalerei ausgezeichnet Zu 
ihnen gehört auch der Palatinos. Mit seinen 127 Miniaturen (Höhe 
5,5 — 7,3 cm, Breite 7,3 cm) bietet er, ohne daß sein Wert den einer 
guten Werkstattarbeit überschreitet, ein treffendes Beispiel französischer 
Miniaturmalerei der Mitte des XIV. Jahrhunderts, etwa der Zeit Johanns 
des Guten (1350 — 64). Die landschaftlichen Elemente treten noch 
wenig hervor, nur da, wo der Text ihre Andeutung fordert, und sind 
dann unvermittelt auf den noch rein ornamentalen, farbig, meist schach- 
brettartig gemusterten , seltener goldenen Hintergrund anfgetragen. 
Die zahlreichen Initialen tragen eine kurze Ranke oder lehnen sich 
an eine leistenartig die Spalte herabziehende, in Dornblattzweige 
endende Randverzierung an. Ihre Farben bewegen sich noch in der 
üblichen Reihe Blau — Weiß — Rot und Gold, während die 

'; Korrigiert aus astabliez. 



I . Original from 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 115 — 

Miniaturen eine größere Mannigfaltigkeit, insbesondere anch gebrochene 
Farben zeigen. 1 ) 

Wappen fürstlicher Besitzer sind an zahlreichen Stellen ein- 
getragen: nicht nur am Anfang und Ende, sondern auch, zugleich um 
die Handschrift gegen Verluste zu sichern, am unteren Rande der 
äußeren und inneren Blätter einer Lage. Es sind immer zwei Wappen 
in gleicher Folge: links ein mit Goldlilien auf blauem Grunde besäter, 
von rotem Bande begrenzter Schild, rechts ein senkrecht geteilter, 
dessen linke Hälfte das Lilienwappen wiederholt, während die rechte 
regelmäßig verteilte Hermelinflocken auf weißem Grunde zeigt. 2 ) 
Beide sind gleichzeitig und erweisen sich, da sie teilweise die alte 
Randverzierung verdecken und von den Miniaturen verschiedene Farben- 
gebung, besonders eine andere Technik des Goldauftrages zeigen, als 
eine fremde, aber sicher nicht viel spätere Zutat. Bereits Wilken 
meinte, daß die Handschrift für eine französische Prinzessin geschrieben 
worden sei. In dem ersten Wappen wird man mit Recht einen 
Hinweis auf einen Fürsten des Hauses Anjou-Valois erblicken dürfen, 
während das zweite seiner dem Geschlecht der Herzöge von der 
Bretagne entstammenden Gemahlin angehören wird. Von den pracht- 
und kunstliebenden Sühnen Johanns des (Juten vermählte sich der 
zweite, Ludwig, 1360 mit Marie, der Tochter Karls von Blois, des 
Herzogs der Bretagne. In dem gleichen Jahre wurde er mit dem 
neubegründeten Herzogtum Anjou belehnt. 1382 zum König von 
Neapel gekrönt, starb er zwei Jahre später in Bari; seine Gemahlin 
überlebte ihn bis 1404. Als erster Herzog von Anjou führte Ludwig 
das Lilienfeld mit rotem Rande, seine Gattin außerdem das Hermelin- 
wappen der Bretagne. 3 ) Ludwig gehörte, ebenso wie seine Brüder 

') Eine dem gleichen Kunst kr eis angehörende, aber, wie der entwickeltere 
Stil der Miniaturen und der Ornamente zeigt, spätere illuminierte Handschrift 
des Rosenromans, Kodex 2592 der Wiener Hofbibliothek, hat vor kurzem 
A. Kuhn, Die Illustration des Rosenromans, im Jahrbuch der kunsthistorischen 
Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses XXXI (1913 — 14) eingehend unter- 
sucht. Nach Kuhn ist sie in Paris am Anfang des letzten Drittels des 
XIV. Jahrhunderts entstanden. — Eine Anzahl Miniaturen aus vorwiegend 
pariser Handschriften der Pclerinage de vie humaine bietet die Untersuchung 
von G. Ludwig, Giovanni Bellinis sog. Madonna am See in den Uffizien, in 
dem Jahrbuch der Kgl. Preußischen Kunstsammlungen XXIII (1902) 163 ff. 
Qpd aus einer etwas späteren Zeit die noch zu zitierende Ausgabe Stlir- 
^flgers. 

2 ) Ein späterer Besitzer scheint bestrebt gewesen zu sein, die Hermelin- 
hälfte durch Verwischen unkenntlich zu machen. 

■) 8. P. Anselme, Histoire g£n6alogique et chronologiqne de la maison 
royale de France, 3e£d., Paris 1726ff. T. Uli (Anjou: seme de France ä la 
bordure de gueules), 1227 (Marie de Blois: seme d'hcrmines). — Neben dem 
Wappen des Herzogs diente auch das seiner Gemahlin, wie es in dem Pala- 
tino vorkommt, als Besitzzeichen auf Gegenständen der herzoglichen Schatz- 
kammer, s. Inventaire de l'orfevrerie et des joyaux de Louis I er duc d' Anjou, 
Publik par H. Moranville, Paris 1 90« S. XVII ff. Die Zahl der Goldlilien ist 
auch dort meist unbegrenzt und unterliegt noch nicht der erst Ende des 
XIV. Jahrhunderts beginnenden Beschränkung auf drei. 



■ I . Original from 



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— 116 — 

Karl V., Johann, der Herzog von Berry, und Philipp der Kühne von 
Burgund, zu den gekrönten Bibliophilen des XIV. Jahrhunderts ; in 
seiner Bibliothek darf man als wertvollen Familienbesitz auch die 
Handschrift der Pelerinage de vie humaine vermuten. 1 ) In den In- 
venturen der Bibliothek des Stiftes zum hl. Geist erscheint sie später 
unter der Bezeichnung Peregrinatio ritae humanae, die auch in 
den Kodex selbst eingetragen ist. Wie die Stempel der Bibliotheque 
Nationale auf Bl. lr, 84 v bezeugen, ist die Handschrift, die einzige 
der französischen der Palati na, 1797 von den Franzosen, die wohl 
in ihr ein altes Besitztum ihres Königshauses vermuteten, ans der 
Vaticana nach Paris mitgenommen worden. Von dort kehrte sie 1816 
nach Heidelberg zurück. 2 ) 

Von den drei Epen der großen Traumallegorie, in denen der 
Zisterzienser GuillaumedeDigullevilledie Pilgerfahrt des Menschen 
im zeitlichen und ewigen Leben und zuletzt als Vorbild den Erden- 
wandel des Erlösers schildert, ist die Pelerinage de vie humaine das 
früheste, 1330 — 32 entstandene Gedicht. 25 Jahre später unterzog 
der Verfasser selbst die erste Niederschrift einer Umarbeitung. Der 
Palatinus enthält die erste Fassung, die Stiirzinger für den Koxbarghe 
Club herausgegeben hat. 3 ) Merkwürdigerweise ist dem Heransgeber 
die Heidelberger Handschrift, die zu den ältesten und auch textlich 
sicher zu den wertvolleren des Gedichtes zählt, unbekannt geblieben, 
wenigstens vermißt man sie neben den drei Handschriften in deutschen 
Bibliotheken — Berlin, Kgl. Bibl. Hamilton 285; München, Cod. Gall. 
30; Metz, Stadtbibl. 315 — unter den 54 Handschriften, die er ein- 
leitend aufzählt.*) 

Anf. lra: A ceulx de ceste region, 

Qui point n'i ont de mansion, 

Ains y sont tous, com dit saint Pol, 

Riche, povre, sage et fol, 

') Ueber Louis d'Anjou s. A. Lecoy de la Marche, Le roi Rene, Paris 
IS75, I 8 ff., Doutrepont S. XV f. — Ein Inventar seiner Bibliothek ist nicht 
erhalten. Unter den Handschriften, die der Herzog nach dem Tode Karls V. 
1360 und 1381 der königlichen Bibliothek im Louvre entnahm, befand sich 
auch eine Handschrift Digullevilles , allerdings den ganzen Zyklus der drei 
Epen (Le Pelerinage dn Munde, de Tarne et de Jhesus Crist; enthaltend, 
s. L. Delisle, Recherches sur la librairie de Charles V., Paris 1907, I 135, 
II *1S9. Ludwig III. von Anjou (1403—34), der Enkel Ludwigs I., war mit 
Margarete von Savoyen vermählt, die in zweiter Ehe 1444 Kurfürst Ludwig IV. 
von der Pfalz heiratete (s. oben S. 5). Vielleicht ist durch sie die Handschrift 
nach Heidelberg gekommen. 

2 ) s. oben S. 2S. 

*) Le pelerinage de vie humaine de Guillaume de Deguileville. Ed. by 
J. J. Stiirzinger. London 189S. 

*) Ausgabe S. IX ff.; über Guillaume s. Grüber S. 749 IT.; das Verhältnis 
der beiden Fassungen zu einander wird erörtert in F. J. Furnivalls Ausgabe 
der englischen Uebertragung der zweiten Redaktion durch John Lydgate in 
der Early English Text Society, Extra Series Vol. "7. 83, 92, London 1S99 
— 1JMU, P. III S. XVII ff. 



I . Original from 



UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 117 — 

Soient roy[s] ou soient roynes, 
Et pelerins et pelerines, 
Une vision veull nonchier, 
Qui en dormant m'avint Tautrier. 

Schi. 84 vb : Celle fin est le guerredon 
Et la remuneration " 
De la joie de paradis 
Que doinst Diex as mors et as vis. Amen 

Explicit le pelerinage de vie humainc. 



■ I . Original ftom 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



III. Register. 1 ) 



1. Verzeichnis der beschriebenen Handschriften. 2 ) 



a) Rom, Bibliothek des Vatikans. 



Pal. lat. 1957 
1958 
195» 
i960 
1961 
1962 
196.» 
1961 
1965 
1966 
1967 
1968 
1969 



31 
44 
45 
5 a 
54 
55 
56 
«0 
DI 
62 
62 
64 
66 



Pal. lat. 1970 

n r. 19"1 

„ „ 1972 

„ n 19-3 

„ „ 19S3 

n n 1^4 

n » 198S 

„ „ 1989 

n n 199« 

„ „ 1991 

n n 1992 

- - 1995 



Seite 
75 

I t 

84 

85 

86 

89 

1U0 

104 

105 

107 

107 

108 



*) 



Pal. genn. 354 

- 484 



Heidelberg, Universitätsbibliothek. 

111 Pal. lat. 1969 . . 

113 



114 



2. Verfasser- und Sachregister. 



Alain Charticr, Livre des quatre 

danies 111 

— Espörance ou Consolation des 

trois vertus 113 

A Idebrand in de Siefine, Kegiroe 

du corps 62, 105 

Alexis, Huictain d' 92 

Amadas et ldoine 80 

Apokalypse 40 

Artus, Mort d' 62 

Aspremont 83 

Bassenges, Gilles: Emblem es mis 

en niusique 20 



Bässen ^es, Les neuf Muses palatines 20 
Beda, De meditatione passiouis 

Christi 46 

Bembo 99 

Benardinus Donatus Veronensis . 92 

Beza, Juvenilis 96 

Bibel 31 

— Altes Testament 33 

— Apokalypse 40 

— Jakobusbrief 41 

— Petrusbrief I . • 42 

— Sprüche Saloiuonis .... 42 
Bion, Epitaphium Adonidis . . 95 



l ) Nur die Handschriften der alten Heidelberger Bibliotheken sind be- 
rücksichtigt. 

'-) Die verlorenen oder nicht mit Sicherheit nachweisbaren Heidelberger 
Handschriften sind in der Einleitung (.S. 21 ff.) behandelt. 









Original frorn 
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— 119 — 



62 
99 
»9 



Seite 

Boccaccio, Decaineron. lieber- 
setzung von Laurent de Premier- 

fait 104 

Brut d'Angleterre, von Wace . 81 

Bud6, Guillaume 97 

Cabriere, Tragödie du Sac de . 86 

CamiHo, Giulio 99 

Caonius (?), M. Antonius, Medio- 

Unensia 99 

Champion des Dames, von Martin 

Le Franc 64 

Christine de Pisan, Cite des 
dames 62 

— Epitre d'Othöa 21 ff. 

Chroniques, Anciennes, de Savoye 23 
Cit6 des dames, von Christine 

de Pisan 

Claudianus 06, 

Curio, Coelius Secundus . . . 
Denais, Peter: Memoires de la 
vie de Fr6deric, Comte Paiatin, 
Electeur 20 

— De Testat de Pologne . . 20 
Desperiers, Bonaventure . . 92, 96 
Dialogus de amore commnni et 

particnlari 21 

Dictier (Epitre) 112 

Doctrinal pour les simples gens 45 
Ooctrines des saints Peres . . 53 
Drama: Passions- und Anf- 

erstehungsspiel 70 

— Tragödie du Sac de Cabriere 86 
Du Bellay, Guillaume (f 1543) 94, 9S 
Da Bois Lorea (?), Portrait de 

Babylone 20 

Puchätel, Pierre (t 1552) ... 91 
Echecs moralisäs, Le Jeu des 61 

Floire et Blancbeflor 82 

Folque de Candie, von Herbert 

le Duc 

Friedrich IV. von der Pfalz, s. 

Denais P. 
Gautier de Coincy, Nonne Eulalia 

— Miracles de Notre Dame . . 
Gebete, Livre d'heures .... 

— vor der Messe u. Kommunion 

— Passionsandacht 



84 



53 
66 
21 
46 
46 



Gedichte des XVI. Jahrhunderts 89 
Guido delle Colonne , II istoria 

destructionis Troiae .... 55 
Guillaume de Digulleville, Pele- 

rinage de vie humaine . . .114 
Guillaume de Wadington, Manuel 

des pöches 75 

Guy de Roye, Doctrinal pour les 

simples gens 45 

Herbert le Duc, Folque de Candie 84 
Heures, Livre d' 21 



S«i'e 

Heures, de la passion .... 46 

Historienbibel 33 

Horlogedesapience,vonSeuse 85, 107 

Humanistenbrief 112 

Jacobus de Cessolis, Ludus scac- 

chorum 61 

Jacques le Grant, Livre de bonnes 

moeurs 54, 108 

Jakobusbrief .41 

Jehan Chapuis, Sept articles de 

la foi 113 

Jehan Dupin, Livre de M and e vie 107 
Jehan Ferron, Jen des Echecs 

moralisös 61 

Jehan Golein , Fetes nouvelles 

(S. Voult de Luques) . . . .101 
Jehan de Soitabe, Horloge de 

sapience v . 85, 107 

La Borderie 95 

Laurent de Premierfait, Ueb er- 
setz ung des Decaineron . . .104 
Leboinus Diaconus, De inven- 

tione . . . s. vultus de Lucca . 10 1 
Legendär der Heiligen .... 49 

Liber de amore Dei 21 

Lien du corps ä Tarne .... 105 
Livre de bonnes moeurs, von 

Jacques le Grant ... 54, 108 

Louise von Savoyen 92 

Mandevie, Livre de, von Jehan 

Dupin 107 

Manuel des peches, von William 

de Wadington 75 

Margarete von Navarra . . . 91, 95 

Marienklage 47 

Marienwunder .... 50, 53, 66 
Marot, Clement . . . 93—95, 97, 98 
Martin le Franc, Champion des 

dames 64 

Messe, Erklärung der . . 46, 107 

— Gebete vor der 46 

Miracles de Notre Dame, von 

Gautier de Coincy .... 53, 66 

Missale, Übersetzung .... 44 

der Orationes ante missam 46 

Mort d'Artus 62 

Moschos, Epitaphium Bionis . . 96 

Musconius, Jobannes Thomas . 99 

Muzio, Girolamo 96 

Olivier, Fran^ois, Kanzler von 

Alengon (t 1560) 92 

— Jean, Bischof von Angers 

(t 154'}) .93 

Othea, Epitre d\ von Christine 

de Pisan 21 ff. 

Ovid, Heroldes XVI 97 

Partonopeus de Blois .... 78 
Passionsbetrachtungen .... 46 









Original from 
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— 120 — 



Seit« 

Passions- und AuferBtehungsspiel 70 
Pelerinage de vie humaine, von 

Guillaume de Digullevüle - .114 
Peres, Doctrines des Stints . . 53 
Petrarca, Canzoniere . . . 93, 90 

Petrusbrief 42 

Pinc6, Herne (?) de 91 

Planctus beatae Mariae virg. . . 47 

Polen, s. Denais, P. 

Poyet, Guillaume, Kanzler von 

Frankreich 90, 93 f. 

Preces, Mariae vigiüae .... 21 
Psalmen, Vom Lesen der ... 45 
Quadragesima, Dechristianorum 19, 21 
Raoul Lefevre, Recueil des his- 

toires de Troie 55 

Regime du corps, von Aldebrandin 

de Sienne «2, 105 

Ronsard, Pierre 99 

Sac de Cabrtere, Tragödie du . 86 

Sadoletus, Jacobus 93 

Saint-Gelais, Melin de . 91—97, 99 

Salel 97 

Salomonis Proverbia 42 

Savoie, Anciennes cbroniques de 23 
Sept articles de la foi, von Jehan 

Chapuis 113 

Seuse, Orloge de sapience . 85, 107 

Souillat(?) 95 

Theokrit . . 96 

Tournon, Cardinal de . . . 90, 95 
Tristan, Prosaroman ..... 60 



6ciU 

Troie, Histoires de, von Raoul 

Lefevre 55 

Verba seniorum 53 

Vertu de la messe 107 

Voult de Luques lüü 

Wace, Brut d'Angleterre ... 81 
Wilham de Wadington, Manuel 

des p6ch£s '5 

Wilhelm von Tyrus, Histoire de 

la Guerre sainte 56 

Zacharie, Cantique de .... 92 

Zeitalter, Die acht 39 

Zeitgedichte. *) 

Karl VI 48 

Kaiser Karl V 94 

Franz 1 94, 95 

Louise von Savoyen .... 92 
Margarete von Navarra ... 91 

Karl von Bourbon 91 

Jacques de Beaune .... 91 
Guillaume du Bellay .... 94 

Guillaume Bude 97 

Clement Marot 98 

Jean Olivier, Bischof von 

Angers 93 

Guillaume Poyet . . 90, 93, 94 

Pierre Ducbätel 91 

Ereignisse d. J. 1527 .... 91 
Plünderung Roms (1527) . . 91 
Kampf um Parma (1556) . . 97 
Friede von Cateau-Cainbr£sis 
(1559) 100 



3. Schreiber und Miniatoren. 

David Aubert 108 Jehan du Beau Gardin (Besitzer?) 55 

David de Grufiez 44 Jehan du Boys 61 

Huez .. . 64 Lttvin Stuvaert (Buchbinder) . . H>5 

J. Markant (Verfasser?) . . . 106 \ Wafflarz 65 



4. Aeltere Besitzer. 2 ) 

Adolf von Burgund 109! Jehan du Bcau Gardin (Schreibet?) 55 

Anton, Bastard von Burgund 23, 108 Johann ohne Furcht 104 

Christoph, Pfalzgraf . . 13, 19, 88 Isabella, Königin von Norwegen 57 

Colinus 5S Ludwig L, Herzog von Anjou . 115 

Fugger, Ulrich . 12f , 19, 21, 58, 76f. Rapondi .102 

Guillaume Bourgeois 108 , 

') Gedichte, welche Beziehungen auf historische Personen oder Ereignisse 
enthalten; hier nur soweit verzeichnet, als die Verfasser unbekannt sind. 
') Vergl. S. 3 f. 






Original frorn 
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— 121 — 



5. Verzeichnis der Anfange der im Pal. lat. 1984 

enthaltenen Gedichte. 

a) Französische Gedichte. 1 ) 



A ce iTiatia, rae comp tan t d'ung 

proces 107 

A vous, seigneur, qui nous voules 

laisser 73 

Amour et moy et celle que j'en- 

tends tu 

Au m oii de n'a, o soeur de roy 

et royne 15 

Au teinps passe n'avoit ad ce 

qu'on dict 100 

Au temps passe, il fut ung per- 

sonuaige 96 

Autant qu'homme qui soyt au 

monde 104 

Benoist soit Dieu, ung seul, vray, 

tout puyssant 22 

Bion est mort. o vous fleuves 

courans 92 

Ce forgeron, ce boiteux Vulcanus 126 
Ce n ? est pas moy, mays vous, 

qui faict que je vous amo . . 62 
Ce qu'on desir est une volupte 72 
C'est Adonis pour lequel je la- 

mente . .* 69 

Cest oeuil pour qui je suys 

aymant / . . . 1 1 

Cheveulx, seul remede et confort 23 
Ci gist maistre Herne de Pince . 19 
Cy gist avec sa rouge trongne . 137 
Dapnnis ä la chasse s'en va . . 84 
De inoyns que rien on pcult ä 

peu venir 17 

De quoy me sert d'estre loue 

d'ung maistre 9 

Des Angevins l'affecte parroquet 48 
Des faictz d 'amour je n'ay point 

congnoissance ..... f . 03 
Dieu tout puissant en repos te 

maintienne 57 

Dizain heureux, vous n'estes plus 

ä moy v 83 

En desespoir de folle amour sur- 

prise IS 

En la cit£ partout si renommee 93 
En raon cbemaiu j'ay trouvc ung 

gras movne 16 

Envers cefuy qui me faict guerre 

ouverte SO 



Estant tout prest de me mettre 

en chemin 124 

Estre ä bon escient donc, ma 

dame 123 

Gloireetcaquet, fardesd'affecterie 47 
Ha, ba, mousieur, disait ung gros 

sotart 101 

Helas, faut-il que pour ung fault 

rapport 125 

Honneur chercbant oii habitens 

les graces 5 

Je n'auroys point ä bien cboysir 

failly 68 

Je prye ä Dieu que ce petit . . 24 
Je s(ay tres bien qu'une divinite 71 
Je suys un rien quant point ne 

me voyez 64 

II avoit sens, 8<-avoir et eloquence 50 
II est plus de sorte d'aymer . . 89 
La Transmontane a bien sondä . 60 
Laissez la verte cuuleur ... 61 
L'ame de moy, en ceste chair 

enclose 27 

L'an mil cinq cens trente et troys 

nioins 20 

Las, si je suys en ung jour en- 

vieilly 25 

Le premier jour que trespassa 

la belle . 40 

Les jours passcz, je voyoys une 

troupe 106 

Martin menoit son pourceau . .108 
Mc prenant garde ung jour que 

le aoleil 6 

Mon cueur estoit en sa cbambre 

seerette 12 

Mort et amour ont semblables 

effectz 29 

Mort pour revivre, a mis en 

terre icy 121 

Mort, sans soleil, tu as laisse 

le monde 40 

Nature a faict ung grand bien • 

aux hmnains 8 

Ne faictes point de ce libvre 

lecture 74 

Nous avons faict comme le paintre 

saige 71 



M Die den Anfängen folgenden Zahlen beziehen sich auf die Zählung 
der Gedichte in der Beschreibung der Handschrift. 

Beiheft 46. 9 






Original frorn 
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— 122 — 



bienbeureux qui a passe son 

aage S6 

couibien est heureuse ... 59 
doulce nuict, o nuict heureuse 

et belle %7 

lut, plus estim6 present . . 56 
pas espars, o pensees soub- 

daines 40 

que d'ennuy ä tnes yeux sc 

preseute 114 

On diet que tu es aiuoureux . . 14 
Or $a, iua langue, aurez vous 

bardiesse 128 

Paris, le fils de Priam, roy de 



. T 



Robin avolt uDg lopin de pain bis 41 
Si je le doy, jamais en ce mortel 

sejour 113 

Si j'estoys ciel, damoysellettc . 10 
Si la beault£ se perist en peu 

d'beure 4B 

Si le desir avoit este autheur . 5S 
Si le roy, l'enneniy et le peuple 

de France 141 

Si Tun xue inoustre affection . . 90 

Soubz ceste nienue berbeleite . 30 

Ta vertu est couronnee .... 3 
Tant que le bleu aura non 

lovaulte . 7.~> 



Troye 109 Tant que vouldras jette feu et 



Pour aller ailleurs tracassaiit . . 79 
Pour messe ouyr en la Sainte 

chapelle S2 

Pour inettre accord entre Venus 

la belle 7 

Pourquoy pint on Amour ne 

voyant guutte 4 

Pourquoy voules vous tant durer 77 
Puys qu'i la court nous voyons 

revenue 42 

Puys que de ta promesse ... 28 
Puys que nouvelle aftection . . 2fi 
Puys que vivre en Servitute . .115 
Puys que je voys que tant plus 

je lu'efförce 112 

Quant au tourment et martire je 

pense 131 

Quaot eile estoyt d'unze ans 

encore pucelle 21 

Quand le aoleil, des saisons l'or- 

donneur 130 

Quant pour donner au porte- 

faix 13 

Quand tu nie voys avoir melan- 

cholie 103 

Quand viendra le siecle dore 70 

Que ferois tu pis ;i ton grand 

ennerav 80 

Quenouille, invention divin« . . 94 
Qui est ce corps qu'un si grand 

peuple suyt 117 

Qui vouldra veoir tout ce que 

peult natura 40 

Qui veult garder son cueur de 

pleurs 129 

Quiconque soyt celluy d'entre 

les dienx 95 



fumee 45 

T'esbabis tu dont point on ne 

souspire 65 

T'esbahis tu dont si fort on 

souspira 66 

Tu as vaincu, amour, que tant on 

prise 73 

Tu es fol painctre, ce ine 

semble 88 

Tu t'esbahis, passaut, avecques 

nous öl 

Ung advocat consoloyt une feinine 1 05 
Ung bon esprit, qu and le beau jour 

TeBveille S5 

Ung ciel en terre on veoyt la court 

de France 2 

Ung hypochrite, ayant farde s^a- 

voir . , v 49 

Ung jour d'hiver, Robin aupres 

du feu . .' 41 

Ung jour d'byvcr, Robin tout 

esperdn 122 

Un jour que inadame dormoit . 67 
Une mignonne en Teage de quinze 

ans 44 

Une nonnain trrs belle et en bon 

poiact 43 

Verray je poinct ä mon gr6 bien 

danaer 111 

Voicy mesnaige accomply et par- 

faict 81 

Vous avez tort de pleurer mon 

absence 127 

Vous qui oyes en mes rinies 

le son 4*i 

Vous qui portez pour chose fort 

nouvelle 102 



b) Lateinische Gedichte. 
Batte, aniinos, quando tristes curas- Cuius id est tanta comitatum 



que levare 32 

Contendunt dum forte Venus, 
Tritonia, Juno 136 



plebe cadaver 118 

Die mihi, nain sylvis non tantum 
aut vallibus finis 13S 






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— 123 — 



Eccealto terrae e cumulo, Ingentis- 

que ruinae 

Et pergebat adhuc Caroli Rex 

credere dictia 

Fama volat mammas olira caniisse 

papillis - 

Felix qui propriis aevum transegit 

in agris 

Haec voluit tuinulo, laqueo ne 

pendeat, addi 

Helis, Pompilti furoris ardor . . 
Helis, quod speculo multumque 

diuque retenta 

Die illa dormit, quac saluti 

publicae 

Inquiris, hospes, qui sieiu . . . 
Isto Loysa diva sub tumulo jacet 
lato quiesceus AHobrox sub mar- 

more 

Martinnm comitatur Alis, por- 

camque vicissim 

Miraris, viator, praeter morem 
Nobilibus, clero, plebi, legumque 

peritis 



39 ! 
i 

55 

100 
140 ' 

54 

97 

98 



33 
3S 

36 

37 I 

108 
52 



53 i 



Non mirum est Parmam nostros 

petiisse, rebelies . . . . . .110 

Oblectat, satiat, earpir, voce, hau- 

stibus, igne 31 

Offenso est ausus Caesar sc red- 

dere Gallo 133 

Pauper erat, fieri vult dives, 

cogitat unde 99 

Perdere quem voluit Caesar se 

reddidit hosti 134 

Pietas, fidesque prisca pertinax 

amor 34 

Que tibi jain sedes, aquilu, aut 

que regna petuntur . . . .135 
Quid suspiras, Pasquille . . .139 
Quiescitistoraptaperinvidiamdeüm 35 
Quis jacet hie, quem tauta virum 

comitata corona est ... . 116 
Sic faciem, sie illa oculos, sie ora 

gerebat .120 

Te juvenem rapuere deae fatalia 

nentes 132 

Una rapit lectica duos quibus ante- 

ferendis 119 



o) Italienische Gedichte. 

Ben e possente la vivace tiamina 91 Per la vezzosa, eterna prima- 
Douna, Tardenti stelle .... 91 vera 91 






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Drnck von Ehrhardt Karras G. in. b. H. in Halle (Saale). 



■ I . Original from 



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